Bericht des Aufsichtsrats
(nach §171 Abs. 2 AktG)
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Aufsichtsrat befasste sich im vergangenen Geschäftsjahr regelmäßig und eingehend mit der Lage und der Entwicklung des Volkswagen Konzerns. Der Vorstand wurde entsprechend dem Gesetz und dem Deutschen Corporate Governance Kodex bei der Geschäftsführung unterstützt und in Fragen der Leitung des Unternehmens beraten. Darüber hinaus wurde der Aufsichtsrat in sämtliche Entscheidungen, die für Volkswagen von grundlegender Bedeutung waren, unmittelbar eingebunden.
Der Vorstand unterrichtete den Aufsichtsrat regelmäßig, zeitnah und umfassend in schriftlicher und mündlicher Form über alle für den Volkswagen Konzern wesentlichen Aspekte der Planung, der Geschäftsentwicklung, der Lage des Konzerns einschließlich der Risikolage und des Risikomanagements sowie über weitere Themen. Des Weiteren wurden uns vom Vorstand monatlich detaillierte Berichte über die aktuelle Geschäftslage und eine Vorausschätzung für das Gesamtjahr zur Verfügung gestellt. Über Abweichungen des Geschäftsverlaufs von den aufgestellten Plänen und Zielen wurden wir vom Vorstand ausführlich in schriftlicher oder mündlicher Form informiert. Zusammen mit dem Vorstand diskutierten wir die Gründe der Abweichungen, sodass entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet werden konnten.
Im Berichtsjahr fanden vier ordentliche Sitzungen des Aufsichtsrats statt. Darüber hinaus trat der Aufsichtsrat zu drei außerordentlichen Sitzungen zusammen. Die durchschnittliche Teilnahmequote der Aufsichtsratsmitglieder betrug 98 %. Alle Mitglieder nahmen an mehr als der Hälfte der Sitzungen teil. Über eilbedürftige Geschäftsvorfälle haben wir schriftlich im Umlaufverfahren beschlossen.
ARBEIT DER AUSSCHÜSSE
Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben hat der Aufsichtsrat insgesamt vier Ausschüsse gebildet: das Präsidium und den Vermittlungsausschuss gemäß § 27 Abs. 3 MitbestG sowie den Prüfungsausschuss und den Ausschuss für Geschäftsbeziehungen mit Aktionären (AfGA). Das Präsidium setzt sich aus jeweils drei Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer zusammen. Die übrigen Ausschüsse werden durch je zwei Vertreter besetzt. Die Zusammensetzung der Ausschüsse zum Jahresende 2006 ist der Aufstellung auf der Seite Organe zu entnehmen.
Das Präsidium des Aufsichtsrats tagte jeweils im Vorfeld der Aufsichtsratssitzungen. Wesentliche Themen dieser Sitzungen waren grundsätzliche Fragen der Unternehmenspolitik und -steuerung sowie aktuelle Entwicklungen im Nutzfahrzeugsektor. Darüber hinaus traf sich das Gremium zu einer zusätzlichen Sitzung, um sich über personelle Veränderungen im Vorstand der Volkswagen AG abzustimmen.
Der Vermittlungsausschuss musste im Berichtsjahr nicht einberufen werden. Die Aufgabe des AfGA ist unter anderem die Überwachung von Geschäftsbeziehungen der Volkswagen AG und ihrer Konzerngesellschaften zu Aktionären der Volkswagen AG, die über mindestens 5 % der Stimmrechte verfügen. Dazu gehört auch die Überwachung der Einhaltung der durch den Vorstand eingerichteten Geschäftsprozesse zur vertragskonformen Gestaltung der Rechtsbeziehungen zu den Aktionären. Der Ausschuss tagte im Berichtsjahr drei Mal.
Der Prüfungsausschuss trat im Berichtsjahr vier Mal zusammen. Dabei befasste er sich im Wesentlichen mit dem Konzernabschluss und dem Risikomanagement. Darüber hinaus beschäftigte sich der Prüfungsausschuss mit den Zwischenberichten sowie mit Fragen der Rechnungslegung und deren Prüfung durch den Abschlussprüfer.
BERATUNGSPUNKTE IM AUFSICHTSRAT
In unserer Sitzung am 24. Februar 2006 billigte der Aufsichtsrat nach eingehender Prüfung den vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss und den Konzernabschluss der Volkswagen AG des Jahres 2005.
Darüber hinaus beschlossen wir in dieser Sitzung, das Präsidium des Aufsichtsrats von vier auf sechs Mitglieder zu erweitern. Es wurden Dr. Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, und Bernd Wehlauer, Stellvertretender Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats der Volkswagen AG, in das Gremium gewählt. Des Weiteren legte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihren Abschlussbericht zu den Vorkommnissen (Tarnfirmen, Veruntreuung) vor, die Volkswagen Ende Juni 2005 zur Anzeige gebracht hatte. KPMG informierte uns ausführlich über die einzelnen Vorgänge sowie deren Auswirkungen und Konsequenzen. Ferner stimmten wir dem ersatzlosen Einzug von rund 41,7 Mio. eigener Aktien zu. Der Vorstand informierte uns abschließend über den Stand der Überlegungen in Bezug auf Europcar.
Am 15. März 2006 genehmigte der Aufsichtsrat in einem schriftlichen Umlaufverfahren den Verkauf der Tochtergesellschaft Europcar an die französische Investmentgruppe Eurazeo.
In den Sitzungen am 19./20. April 2006, am 2. Mai 2006, am 18./19. Juli 2006 sowie am 15. September 2006 hat sich der Aufsichtsrat überwiegend mit strategischen Themen beschäftigt. Der Vorstand erläuterte Konzepte zur Verbesserung der Marktposition des Konzerns – insbesondere der Marke Volkswagen Pkw – in den USA, China und Südamerika. Dies nahmen wir zustimmend zur Kenntnis. Der Aufsichtsrat beauftragte den Vorstand, die Verhandlungen mit der Belegschaftsvertretung und der IG Metall im Hinblick auf die Verbesserung der Situation der Marke Volkswagen Pkw fortzuführen. Daneben befassten wir uns mit der Situation der Marke SEAT und nahmen die vorgestellten Maßnahmen zustimmend zur Kenntnis. Des Weiteren genehmigten wir die Pläne des Vorstands, das Konzernengagement in Russland deutlich auszuweiten. Darüber hinaus richteten wir im Mai 2006 den Ausschuss für Geschäftsbeziehungen mit Aktionären (AfGA) ein.
Das Thema MAN/Scania war Inhalt unserer Sitzung am 15. Oktober 2006. Wir befassten uns eingehend mit der Situation und befürworteten einstimmig eine für alle Beteiligten einvernehmliche Lösung mit dem Ziel des Zusammenschlusses der Unternehmen MAN und Scania.
In der Aufsichtsratssitzung am 17. November 2006 beschlossen wir insbesondere einstimmig den Wechsel des Vorstandsvorsitzenden zum Ende des Geschäftsjahres. Des Weiteren erörterten wir die Finanz- und Investitionsplanung des Volkswagen Konzerns für die Jahre 2007 bis 2009 ausführlich und stimmten den Vorschlägen des Vorstands zu. Darüber hinaus genehmigten wir die Pläne des Vorstands für die Errichtung eines Fertigungswerks in Indien. Außerdem bestätigte der Aufsichtsrat in dieser Sitzung die Befürwortung des Zusammenschlusses von MAN und Scania.
CORPORATE GOVERNANCE UND ENTSPRECHENSERKLÄRUNG
Die Umsetzung des Deutschen Corporate Governance Kodex bei Volkswagen diskutierte der Aufsichtsrat in der Sitzung am 17. November 2006. Wir erörterten insbesondere die von der „Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex“ am 24. Juli 2006 veröffentlichten Empfehlungen. Gemeinsam mit dem Vorstand haben wir am 17. November 2006 die Erklärung nach § 161 AktG zu den Empfehlungen des Kodex abgegeben. Sie ist auf der Internetseite der Volkswagen AG, www.volkswagen-ir.de, dauerhaft zugänglich. Weitere Angaben zur Umsetzung der Empfehlungen und Anregungen des Deutschen Corporate Governance Kodex finden Sie in unserem Corporate Governance Bericht sowie im Anhang zum Konzernabschluss.
JAHRES- UND KONZERNABSCHLUSSPRÜFUNG
Die Hauptversammlung wählte am 3. Mai 2006 die PricewaterhouseCoopers Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zum Abschlussprüfer für das Geschäftsjahr 2006. Der Abschlussprüfer bestätigte den Jahresabschluss der Volkswagen AG und den Volkswagen Konzernabschluss sowie den gemeinsamen Lagebericht. Er erteilte jeweils den uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Darüber hinaus beurteilte der Abschlussprüfer das Risikomanagement-System. Er stellte abschließend fest, dass der Vorstand die nach § 91 Abs. 2 AktG geforderten Maßnahmen getroffen hat, um Risiken, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden könnten, frühzeitig zu erkennen.
Für die Sitzung des Prüfungsausschusses am 27. Februar 2007 sowie für die Aufsichtsratssitzung am 2. März 2007 wurden allen Mitgliedern der Gremien die Jahresabschlussunterlagen und die Prüfungsberichte des Wirtschaftsprüfers rechtzeitig zugestellt. Die Abschlussprüfer berichteten in beiden Sitzungen umfassend über die wesentlichen Ergebnisse ihrer Prüfung und standen für ergänzende Auskünfte zur Verfügung.
Im Rahmen unserer eigenen Prüfung des Konzernabschlusses, des Jahresabschlusses der Volkswagen AG und des zusammengefassten Lageberichts ergaben sich keine Einwände. In unserer Sitzung am 2. März 2007 stimmten wir deshalb dem Ergebnis der Prüfung durch den Abschlussprüfer zu und genehmigten den vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss sowie den Konzernabschluss. Damit ist der Jahresabschluss festgestellt. Dem Gewinnverwendungsvorschlag des Vorstands haben wir uns angeschlossen.
ANGABEN NACH § 289 ABS. 4 BEZIEHUNGSWEISE § 315 ABS. 4 HGB
UND § 171 ABS. 2 SATZ 2 AKTG
Durch das Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz wurden unter anderem Änderungen im Handelsgesetzbuch und im Aktiengesetz vorgenommen. Eine ausführliche Darstellung der erforderlich gewordenen Angaben zu
- Kapitalverhältnissen,
- Aktionärsrechten/-pflichten,
- Stimmrechtsbeschränkungen,
- Beteiligungen am Kapital, die 10% der Stimmrechte überschreiten,
- der Besetzung des Aufsichtsrats,
- gesetzlichen Vorschriften und Bestimmungen der Satzung hinsichtlich der Ernennung und Abberufung der Mitglieder des Vorstands sowie hinsichtlich der für Satzungsänderungen geltenden Voraussetzungen,
- den Befugnissen des Vorstands insbesondere zur Ausgabe neuer Aktien und zum Rückerwerb eigener Aktien sowie
- den wesentlichen Vereinbarungen des Mutterunternehmens, die unter der Bedingung eines Kontrollwechsels infolge eines Übernahmeangebots stehen,
werden im zusammengefassten Lagebericht dargestellt. Auch diese Angaben sind von den Abschlussprüfern geprüft worden. Der Vorstand hat die Angaben im zusammengefassten Lagebericht erläutert. Wir haben diese Erläuterungen geprüft und schließen uns ihnen an.
BESETZUNG VON AUFSICHTSRAT UND VORSTAND
Am 18. Januar 2006 wurde Herr Peter Mosch, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der AUDI AG, als Nachfolger des am 31. Dezember 2005 ausgeschiedenen Herrn Xaver Meier gerichtlich zum Mitglied des Aufsichtsrats bestellt. Herr Dr. Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, wurde am 25. Januar 2006 gerichtlich als Nachfolger des am gleichen Tag aus dem Aufsichtsrat ausgeschiedenen Lord David Simon of Highbury, CBE, zum Mitglied des Aufsichtsrats bestellt. Mit dem Ende der Hauptversammlung am 3. Mai 2006 sind die Herren Dr. Gerhard Cromme und Dr. Klaus Liesen aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Erstmalig in das Gremium gewählt wurden durch diese Hauptversammlung Herr Dr. Jürgen Großmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Georgsmarienhütte Holding GmbH, und Herr Holger P. Härter, Mitglied des Vorstands Finanzen und Betriebswirtschaft der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG.
In unserer Sitzung am 17. November 2006 ernannten wir Herrn Prof. Dr. Martin Winterkorn mit Wirkung zum 1. Januar 2007 zum Vorsitzenden des Vorstands der Volkswagen AG. Außerdem beschlossen wir in dieser Sitzung das Ausscheiden von Herrn Dr. Bernd Pischetsrieder aus dem Vorstand zum 31. Dezember 2006.
In der Aufsichtsratssitzung am 11. Januar 2007 bestellten wir Herrn Prof. Dr. Jochem Heizmann zum Mitglied des Vorstands. Herr Dr. Wolfgang Bernhard verließ das Unternehmen zum 31. Januar 2007.
Wir danken dem Vorstand, dem Betriebsrat, dem Management sowie allen Mitarbeitern der Volkswagen AG und den Beschäftigten der mit ihr verbundenen Unternehmen für die im Berichtsjahr geleistete Arbeit.
Wolfsburg, den 2. März 2007
Ferdinand Piëch
Vorsitzender des Aufsichtsrats