Risikobericht
Risiken identifizieren und überwachen
Der verantwortungsvolle Umgang mit Risiken ist eine Grundvoraussetzung für nachhaltigen geschäftlichen Erfolg. Die Steuerung unserer Aktivitäten folgt konsequent den Vorgaben eines umfassenden Risikomanagement-Systems.
Unternehmerisches Handeln vollzieht sich im Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken. Nachfolgend erläutern wir die Risiken, denen der Volkswagen Konzern aufgrund seines breiten und weltweiten Leistungsangebots ausgesetzt ist. Unsere Chancen stellen wir im Prognosebericht dar.
ZIELE UND MERKMALE DES RISIKOMANAGEMENTS
Das Risikomanagement des Konzerns hat das Ziel, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen, um durch geeignete Maßnahmen drohenden Schaden für das Unternehmen abzuwenden und eine Bestandsgefährdung auszuschließen.
Durch den Einsatz eines effizienten Risikomanagement-Systems sind wir in der Lage, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, sie zu bewerten und ihnen zu begegnen. Überschaubare Risiken, die in einem angemessenen Verhältnis zu dem erwarteten Nutzen aus der Geschäftstätigkeit stehen, sind wir bereit einzugehen.
Das Risikomanagement des Volkswagen Konzerns ist integraler Bestandteil der Aufbau- und Ablauforganisation innerhalb der Geschäftsprozesse. Es wird zentral vom Konzerncontrolling in Abstimmung mit der Konzernrevision koordiniert und regelmäßig auf seine Wirksamkeit und Angemessenheit hin überprüft.
Das Risikoüberwachungssystem liegt dezentral in der Verantwortung der einzelnen Geschäftsbereiche beziehungsweise der Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaften. Durch standardisierte Abfragen in schriftlicher und mündlicher Form bei den Risikobeauftragten liegt dem Vorstand jeweils zeitnah ein Gesamtbild der Risikolage vor. Im Falle von Abweichungen zur geplanten Entwicklung können so unverzüglich Gegenmaßnahmen eingeleitet werden.
Ablauforganisatorische Regelungen, Richtlinien und Anweisungen sowie Beschreibungen der Arbeitsabläufe sind systematisch niedergelegt und zum größten Teil im Online-Zugriff verfügbar. Interne Kontrollen durch die Leiter der Organisationseinheiten Konzernrevision, Qualitätssicherung, Konzern-Treasury sowie Marken- und Konzerncontrolling stellen die Einhaltung dieser Regelungen sicher.
Die Wirksamkeit und Angemessenheit unseres Risikomanagement-Systems wurde vom Abschlussprüfer beurteilt. Er stellte fest, dass alle Maßnahmen, die für die Einrichtung eines Frühwarnsystems erforderlich sind, in geeigneter Form ergriffen wurden und dass die Risiken der künftigen Entwicklung zutreffend dargestellt sind. Damit entsprechen wir den Anforderungen des Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG). Der Konzernbereich Finanzdienstleistungen unterliegt darüber hinaus regelmäßigen Sonderprüfungen nach § 44 KWG durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sowie Kontrollen durch Verbandsprüfer.
EINZELRISIKEN
Die folgende Darstellung einzelner Risiken bezieht sich auf den Planungshorizont 2007 bis 2009.
GESAMTWIRTSCHAFTLICHE RISIKEN
Für die Entwicklung der Weltwirtschaft sehen wir insbesondere Risiken in der Veränderung der Energie- und Rohstoffpreise, wachsendem Protektionismus sowie anhaltend hohen außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten. Die genannten Faktoren könnten zu stärkeren Wechselkursänderungen, insbesondere einem Fortdauern der US-Dollar-Schwäche, und einer merklichen Abschwächung des Weltwirtschaftswachstums führen. Darüber hinaus könnten Änderungen in der Gesetzgebung beziehungsweise bei Steuern oder Zöllen einzelner Länder negative Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung haben.
Aus den beschriebenen Szenarien könnten sich auch für den Volkswagen Konzern erhebliche Belastungen ergeben. Wie wir dem begegnen, wird nachfolgend in den einzelnen Risikokategorien beschrieben.
BRANCHENRISIKEN
Auch im Jahr 2006 waren die Wachstumstreiber der weltweiten Pkw-Märkte Asien und Südamerika. Die Länder Osteuropas entwickelten sich ebenfalls sehr positiv. In einigen dieser Länder existieren jedoch hohe Zollbarrieren oder es gelten Mindestanforderungen an die lokale Fertigung. Diese Beschränkungen verhindern eine größere Ausweitung des Absatzvolumens. Aufgrund der hohen Marktabdeckung sind wir auf den traditionellen Märkten Risiken ausgesetzt, die insbesondere das Preisniveau betreffen. Massive Preisnachlässe vor allem auf dem US-amerikanischen Pkw-Markt aber auch in Westeuropa und China haben den Druck auf die gesamte Branche nochmals erhöht. Diese Rahmenbedingungen zwangen uns dazu, unsere verkaufsfördernden Maßnahmen zu intensivieren. Als Anbieter von Volumenmodellen wären wir von einer weiteren Verstärkung der Kaufanreize anderer Hersteller besonders betroffen. Kredite zur Fahrzeugfinanzierung vergeben wir unverändert nach den bisher angewandten vorsichtigen Grundsätzen unter Berücksichtigung bankenaufsichtsrechtlicher Vorschriften im Sinne des § 25a Abs. 1 KWG.
Da wir den größten Teil unserer Fahrzeuge in Westeuropa verkaufen, würde uns ein Nachfragerückgang oder ein Preisverfall auf diesem Markt in besonderem Maße belasten. Diesem Risiko treten wir mit einer klaren, kundenorientierten Produkt- und Preispolitik entgegen. Außerhalb Westeuropas ist unser Auslieferungsvolumen breit gestreut auf die Märkte Nordamerika, Südamerika/Südafrika, Asien-Pazifik sowie Zentral- und Osteuropa. Auf zahlreichen bestehenden und aufstrebenden Märkten haben wir eine führende Position inne. Dadurch sind wir in der Lage, Volumenverschiebungen zwischen den einzelnen Märkten gut auszugleichen. Strategische Partnerschaften verschaffen uns darüber hinaus die Möglichkeit, regionalen Anforderungen gerecht zu werden.
Die im Zuge der zweiten Baseler Eigenkapitalverordnung (Basel II) verschärften Bedingungen bei der Kreditvergabe erschweren unseren Handels- und Vertriebsgesellschaften die Finanzierung ihrer Geschäftstätigkeit über Bankkredite. Mit dem Aufbau eines eigenen Händlersupports, bei dem wir den Händlern über unsere Finanzdienstleistungsgesellschaften attraktive Finanzierungskonditionen anbieten, minimieren wir das Risiko von Händler-Insolvenzen.
RISIKEN AUS FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Grundsätzlich besteht das Risiko, dass die Kunden neue Produkte nicht annehmen. Diesem Risiko wirken wir durch umfangreiche Trendanalysen, Kundenbefragungen und Scouting-Prozesse entgegen. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass Trends frühzeitig erkannt werden können und deren Relevanz für unsere Kunden rechtzeitig überprüft wird.
Des Weiteren besteht das Risiko, Produkte oder Module nicht in der vorgegebenen Zeit, mit der entsprechenden Qualität und unter den vorgegebenen Kosten realisieren zu können. Um dieses Risiko zu vermeiden, überprüfen wir fortlaufend systematisch den Projektfortschritt und gleichen die Ergebnisse mit den ursprünglich gesetzten Zielen ab. So können im Falle von Abweichungen rechtzeitig gegensteuernde Maßnahmen ergriffen werden. Darüber hinaus unterstützen wir die frühzeitige Zusammenarbeit aller am Prozess beteiligten Bereiche durch eine übergreifende Projektorganisation. Den Beteiligten ist somit die Möglichkeit gegeben, zeitnah ihre Anforderungen einzubringen sowie rechtzeitig zu planen.
Aufgrund des breiten Spektrums unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ergeben sich keine Risikokonzentrationen auf bestimmte Patente oder Lizenzen.
RISIKEN AUS DER BESCHAFFUNG
Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Rohstoffkosten und der begrenzten Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe ergeben sich Risiken, denen wir mit gezielten Strategien entgegenwirken. Gemeinsam mit dem Bereich Forschung und Entwicklung untersucht der Bereich Beschaffung den Einsatz alternativer Werkstoffe sowie die Verwendung von Recyclingmaterial. Außerdem arbeiten wir intensiv an der Ausweitung unserer internationalen Lieferantenbasis. Dazu zählen insbesondere Bezugsquellen für Rohstoffe auf den asiatischen und osteuropäischen Märkten. Weitere Risiken ergeben sich aus dem verschärften Wettbewerb in der Zulieferindustrie. Im Falle von Insolvenzen besteht die Gefahr von Störungen in der Produktion. Aus diesem Grund arbeiten wir für den Bezug von Bauteilen mit mehreren Lieferanten zusammen. Zusätzlich treffen wir mit unserem Risikomanagement-System die nötige Vorsorge für Lieferanteninsolvenzen. In dem System erfassen wir die bonitätsrelevanten Daten von Lieferanten aus Europa. So ist es uns möglich, insolvenzgefährdete Zulieferer frühzeitig zu identifizieren und entsprechend zu handeln.
NACHFRAGEABHÄNGIGE PRODUKTIONSRISIKEN
Aufgrund von Veränderungen der weltweiten Pkw-Nachfrage kommt es zu Stückzahlschwankungen in der Produktion einzelner Fahrzeugtypen. Daraus entstehenden Risiken, wie Überkapazitäten oder Lieferengpässen, begegnen wir mit der dynamischen Belegung unserer Produktionsstandorte. Dies geschieht zum einen über das Drehscheibenkonzept und die „Mehr-Marken-Standorte“ sowie über flexible Arbeitszeitmodelle. Zum anderen haben wir durch die Modulstrategie festgelegte Fahrzeugarchitekturen geschaffen, die es uns erlauben, flexibel auf das Marktgeschehen zu reagieren. Wirtschaftliche Risiken, die sich aus Unterbrechungen der Produktion ergeben können, sichern wir durch entsprechende Versicherungsverträge angemessen ab.
RISIKEN AUS NACHFRAGEVERÄNDERUNGEN
Um den Einfluss von Nachfrageschwankungen oder sich verändernden Marktbedingungen auf unser Geschäft zu begrenzen, analysieren wir kontinuierlich das Kundenverhalten und den Wettbewerb. Auf den weitgehend gesättigten Märkten Europas ist ein Wachstum lediglich über den Verdrängungswettbewerb realisierbar. Die daraus entstehenden Risiken sichern wir durch unsere breite Modellpalette ab, die wir laufend modernisieren und erweitern. Zusätzlich bauen wir mit Hilfe der Produkte der Volkswagen Financial Services AG die Marktabdeckung entlang der Wertschöpfungskette aus.
Nachfragerisiken können sich auch aus weiteren Ölpreissteigerungen ergeben. Dem wirken wir mit der Entwicklung verbrauchsgünstiger Fahrzeuge im Rahmen unserer Antriebs- und Kraftstoffstrategie entgegen.
BEDEUTUNG VON GROSSKUNDEN
Die Bedeutung der gewerblichen Kunden am Gesamtmarkt in Deutschland steigt seit Jahren. Mit einem Anteil von mehr als 44 % im Segment der Großkunden hat der Volkswagen Konzern seine führende Stellung weiter ausgebaut. Mit dem zielgruppenorientierten Kundenbetreuungskonzept der Volkswagen Group Fleet International stärken wir unsere Position im Ausland. Der Volkswagen Konzern konnte hier in den großen Märkten Europas im Vergleich zum Vorjahr die Auslieferungen um gut 10 % steigern und verzeichnet damit ein im Vergleich zum Gesamtmarkt überproportionales Wachstum. Eine Konzentration von Ausfallrisiken auf einzelne Großkunden besteht nicht.
QUALITÄTSRISIKEN
Die zunehmende Komplexität der Technologien und die große Anzahl von Lieferanten stellen die Qualitätssicherung vor große Herausforderungen. Um qualitätsrelevante Risiken von Beginn an zu minimieren, werden die Lieferanten bereits in die Entwicklung eines neuen Modells einbezogen. Auch innerhalb der Automobilindustrie entwickeln sich bei den Zulieferern zunehmend Kompetenzen für die Herstellung von Elektronikbauteilen. Damit hier Trends zeitnah erkannt und umgesetzt werden können, ist es wichtig, Know-how zu transferieren und gemeinsam mit den Lieferanten Maßstäbe und Prüfmöglichkeiten für ein Qualitätsniveau zu entwickeln, das den Ansprüchen unserer Kunden genügt. Unsere partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen Lieferanten ist hierfür eine wichtige Voraussetzung.
PERSONALRISIKEN
Die persönlichen Fähigkeiten und das Wissen unserer Mitarbeiter sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für den Volkswagen Konzern. Durch Fluktuation und Personalabbau besteht das Risiko, diese Kompetenzen zu verlieren und damit Vorteile gegenüber den Wettbewerbern einzubüßen. Die jüngsten Restrukturierungsmaßnahmen haben dieses Risiko im Konzern erhöht. Durch intensives Wissensmanagement sind wir bemüht, das Know-how im Unternehmen zu halten und auf andere Mitarbeiter zu übertragen. Zusätzlich sorgen wir durch unser breites Ausbildungsangebot für qualifizierte Nachwuchskräfte.
UMWELTSCHUTZRECHTLICHE AUFLAGEN
Zum 1. Juli 2002 wurde die europäische Richtlinie für Altfahrzeuge durch das Altfahrzeuggesetz in deutsches Recht umgesetzt. Das Gesetz garantiert die kostenlose Entsorgung von Altfahrzeugen über die von den Herstellern und Importeuren benannten Rücknahmestellen. Zunächst betraf dies nur die ab In-Kraft-Treten des Gesetzes in Verkehr gebrachten Fahrzeuge; seit Januar 2007 gilt die kostenlose Entsorgung von Altfahrzeugen für den gesamten Altfahrzeugbestand. Derzeit können wir die Auswirkungen der EU-Ost-Erweiterung auf die Altfahrzeugrücknahme noch nicht endgültig abschätzen. Daher ist eine eindeutige Aussage zur voraussichtlichen finanziellen Belastung des Volkswagen Konzerns in einzelnen EU-Mitgliedstaaten noch nicht möglich. Die bestehenden Rückstellungen haben wir auf ihre Angemessenheit hin überprüft. Darüber hinaus bieten unsere Konzepte und Kooperationen zur Altfahrzeugentsorgung die Möglichkeit, dieses Risiko zu beherrschen.
Herkömmliche Kälte-Klimaanlagen enthalten als Kältemittel noch teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (H-FCKW). Aufgrund einer EU-Gesetzgebung darf ab dem 1. Januar 2010 nur noch aufbereitetes H-FCKW als Recyclingmaterial in bereits existierende Anlagen zu Instandhaltungszwecken befüllt werden. Ab dem 1. Januar 2015 ist die Verwendung aller H-FCKW in Europa verboten. Ohne rechtzeitige Ersatzinvestitionen könnte es zu temporären Stilllegungen der Anlagen und somit zu Produktionsausfällen kommen. Volkswagen wird daher in den kommenden Jahren ein Programm zum Ausstieg aus der Verwendung dieser Mittel erstellen und umsetzen.
Auch die in der Vergangenheit als Ersatzstoffe für die genannten H-FCKWs eingeführten chlorfreien Kältemittel (FKW) sind wegen ihres Treibhauspotenzials Gegenstand von Restriktionen. Ab Mitte 2007 müssen erhöhte Anforderungen an die Wartung und den Nachweis der Dichtigkeit der Anlagen umgesetzt werden. Dies erfordert je nach Größe der Anlagen mehrmalige Prüfungen im Jahr, die von zertifizierten Kälte-Klimafachleuten durchgeführt werden müssen.
Darüber hinaus besteht generell das Risiko verschärfter umweltschutzrechtlicher Auflagen mit dem Ziel, die weltweiten Kohlendioxidemissionen zu begrenzen.
Im Bereich der Abgasgesetzgebung ist mit Verschärfungen der EU-Emissionsgesetzgebung zu rechnen, die vorrangig die Diesel-Technologie betreffen. Bezüglich leichter und mittlerer Pkw werden diese aber über Optimierungen der heutigen Technologie aufgefangen. Bei den schweren Pkw ist der derzeit noch geltende Ausnahmestatus mit seiner Anlehnung an die Grenzwerte der leichten Nutzfahrzeuge in der politischen Diskussion. Da es noch keine Erfahrungen mit Abgasnachbehandlungen für Diesel gibt und die jetzt zu entwickelnden Technologien zusätzliche Betriebsmittel und weitere Wartungen notwendig machen, ist die Kundenakzeptanz schwerer Pkw im Falle der Aufhebung der Sonderregelung noch nicht abzuschätzen. Zusätzlich wird die Kostendifferenz zum Ottomotor weiter steigen. Künftig wird der Dieselmotor sich auch unter dem Gesichtspunkt der Beimischungspflicht von Biokraftstoffen neu positionieren müssen, da die Dieselpartikelfiltertechnologie keine deutlich erhöhte Beimischung erlaubt.
RECHTSFÄLLE
Gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung vom 7. Juni 2001 über die Entlastung der damaligen Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2000 sowie über die damals erteilte Ermächtigung zum Erwerb eigener Aktien hatte die Liverpool Limited Partnership, Bermuda, vor dem Landgericht Braunschweig eine Anfechtungsklage erhoben. Im Jahr 2002 war die Ermächtigungsfrist abgelaufen, sodass die Anfechtungsklage hinsichtlich des Ermächtigungsbeschlusses von beiden Parteien für erledigt erklärt wurde. Bezüglich des Entlastungsbeschlusses hat das Landgericht Braunschweig am 6. November 2006 das Ruhen des Verfahrens angeordnet; eine endgültige Entscheidung steht weiterhin aus.
Die Europäische Kommission hatte am 29. Juni 2001 gegen die Volkswagen AG ein Bußgeld in Höhe von 31,0 Mio. € wegen angeblicher Beeinflussung der Händler bei der Preisfestsetzung im Zuge der Markteinführung des Passat verhängt. Auf die Klage der Volkswagen AG vom 10. September 2001 hin hat das Europäische Gericht erster Instanz am 3. Dezember 2003 die Verhängung des Bußgelds für nichtig erklärt. Das hiergegen eingelegte Rechtsmittel der Europäischen Kommission hat der Europäische Gerichtshof mit Urteil vom 13. Juli 2006 zurückgewiesen und damit die Rechtsauffassung der Volkswagen AG endgültig bestätigt.
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat aufgrund von Strafanzeigen, die von der Volkswagen AG im Juni 2005 wegen der Errichtung von Tarnfirmen, missbräuchlicher Spesenabrechnungen und der Begünstigung von Betriebsratsmitgliedern erstattet worden waren, Ermittlungen durchgeführt. Die Volkswagen AG hatte Anfang Juli 2005 zusätzlich die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit internen Untersuchungen beauftragt. Es sind bislang noch nicht alle Ermittlungsverfahren abgeschlossen, sodass eine endgültige Prüfung möglicher Regressansprüche gegen die handelnden Personen noch nicht möglich ist. Die Volkswagen AG hat wegen der im KPMG-Bericht festgestellten Sachverhalte bereits Versicherungsleistungen in Höhe von 4,5 Mio. € erhalten.
RISIKEN AUS FINANZINSTRUMENTEN
Das Risikomanagement des Bereichs Konzern-Treasury legt Grundsätze und Verantwortlichkeiten für die Überwachung, Steuerung und Kontrolle von Risiken fest, die sich aus Finanzinstrumenten ergeben können. Der Vorstandsausschuss für Liquidität und Devisen (VALD) genehmigt Risikolimite, zulässige Finanzinstrumente, Sicherungsverfahren sowie Absicherungshorizonte und entscheidet über die Einführung von Länderrisikolimiten. Der VALD informiert regelmäßig den Konzernvorstand über die aktuelle Risikolage.
Im Rahmen unserer Geschäftstätigkeit sind wir Finanzrisiken ausgesetzt, die sich aus der Veränderung von Zinssätzen, Währungskursen und Rohstoffpreisen ergeben. Diese Risiken reduzieren wir durch den Einsatz originärer und derivativer Finanzinstrumente. Derivative Geschäfte schließen wir nur mit Banken und Rohstoffhandelshäusern ab, die eine gute Bonität aufweisen. Das Zins- und Währungsmanagement erfolgt im Wesentlichen zentral durch den Bereich Konzern-Treasury.
Zinsrisiken und Risiken aus Wertschwankungen von Finanzinstrumenten im Konzern begegnen wir durch den Abschluss von Zinsswaps, kombinierten Zins- und Währungsswaps sowie sonstigen Zinskontrakten. Die innerhalb des Volkswagen Konzerns an Tochtergesellschaften weitergegebenen Finanzierungen sichern wir in der Regel betrags- und fristenkongruent zur Refinanzierung ab.
Durch die flexible Belegung der Produktionskapazitäten an unseren weltweiten Standorten sind wir in der Lage, Währungsrisiken mit Hilfe des „Natural Hedging“ zu reduzieren. Das verbleibende Währungsrisiko sichern wir durch den Einsatz von Cash-flow- und Financial-Hedge-Instrumenten ab, zum Beispiel Devisentermingeschäfte, Devisenoptionen sowie kombinierte Zins- und Währungsswaps. Mit diesen Geschäften begrenzen wir das Währungsrisiko erwarteter Zahlungsströme in Fremdwährung aus dem operativen Geschäft sowie aus konzerninternen Finanzierungen. Erwartete Zahlungsströme aus Umsatzerlösen und Materialeinkäufen in Fremdwährung sichern wir auf Nettobasis durch Devisentermingeschäfte und Devisenoptionen ab. In Abhängigkeit von der Markteinschätzung haben diese Kontrakte eine Laufzeit von bis zu fünf Jahren. Im Wesentlichen sichern wir dadurch den Euro gegenüber dem US-Dollar und dem britischen Pfund, dem Schweizer Franken, dem japanischen Yen sowie der schwedischen Krone ab. Diese fünf Währungen machen zusammen rund 90 % unseres Fremdwährungsrisikos aus Zahlungsströmen aus.
Risiken, die aus dem Einkauf von Rohstoffen entstehen können, betreffen die Verfügbarkeit und die Preise. Durch den Abschluss von Warentermingeschäften begrenzen wir diese Risiken. Einen Teil unseres Bedarfs an den Rohstoffen Aluminium, Kupfer, Blei, Platin, Rhodium und Palladium haben wir durch entsprechende Kontrakte über einen Zeitraum von bis zu 60 Monaten abgesichert.
Angaben zu Finanzanlagen, Wertpapieren, derivativen Finanzinstrumenten, Darlehensverbindlichkeiten sowie Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen finden Sie im Anhang unseres Konzernabschlusses. Außerdem erläutern wir dort unsere Sicherungspolitik, die Sicherungsrichtlinien sowie Ausfall- und Liquiditätsrisiken und quantifizieren die genannten Sicherungsgeschäfte.
LIQUIDITÄTSRISIKEN
Um die jederzeitige Zahlungsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten, arbeiten wir mit einer auf einen festen Planungshorizont ausgerichteten Liquiditätsvorschau.
Den Kapitalbedarf für das wachsende Finanzdienstleistungsgeschäft decken wir überwiegend durch fristenkongruente Fremdkapitalaufnahmen an den nationalen und internationalen Finanzmärkten. Diese Finanzierungsmöglichkeit werden wir auch künftig vorrangig nutzen und Kreditfinanzierungen nur noch für den kurzfristigen Bedarf im Working Capital und als Backup für Daueremissionsprogramme in Anspruch nehmen. Risiken aus Zahlungsstromschwankungen begegnen wir mit Vorhalteliquidität sowie bestätigten Kreditlinien. Aufgrund dieser umfangreichen Möglichkeiten besteht für den Volkswagen Konzern kein Liquiditätsrisiko.
Eine Herabstufung des Ratings könnte die Konditionen der Außenfinanzierung für den Volkswagen Konzern beeinträchtigen. Seit dem Geschäftsjahr 2004 verfügt die Volkswagen Bank GmbH bei Moody’s Investors Service über ein eigenständiges Rating. Im Berichtsjahr ist es uns gelungen, auch bei Standard & Poor’s ein differenziertes Rating für die Volkswagen Bank GmbH zu erreichen. Das Rating der Volkswagen Bank GmbH liegt sowohl bei Standard & Poor’s als auch bei Moody’s Investors Service eine Stufe über den Ratings der Volkswagen AG und der Volkswagen Financial Services AG. Damit beruhen die Rating-Einschätzungen beider Agenturen verstärkt auf der Grundlage der wirtschaftlichen und finanziellen Situation der Volkswagen Bank GmbH. So bieten sich gute Möglichkeiten, attraktivere Außenfinanzierungskonditionen für die Volkswagen Bank GmbH zu sichern. Die Ergebnisse der aktuellen Rating-Einschätzungen sowie Informationen zu unseren Neuemissionen auf dem Kapitalmarkt im Geschäftsjahr 2006 finden Sie im Kapitel Finanzkommunikation.
Der Bereich Treasury der Volkswagen Financial Services AG stellt die Liquiditätsversorgung für den Konzernbereich Finanzdienstleistungen sicher und steuert das Zinsänderungsrisiko. Die Verantwortung für die Bewertung, Analyse und Überwachung marktrisikobehafteter Positionen liegt im Bereich Controlling.
RESTWERTRISIKEN IM FINANZDIENSTLEISTUNGSGESCHÄFT
Um Marktchancen wahrnehmen zu können, verpflichten wir uns im Finanzdienstleistungsgeschäft selektiv, Fahrzeuge zu einem bei Vertragsbeginn festgelegten Restwert zurückzukaufen. Diese Leasingverträge bewerten wir in regelmäßigen Abständen. Sind Risikopotenziale vorhanden, treffen wir die nötige Vorsorge.
IT-RISIKEN
Redundante Firewallsysteme sichern unsere IT-Systeme gegen unberechtigte Zugriffe ab. Virenscanner sowie eingeschränkte Zugangs- und Zugriffsberechtigungen sorgen für zusätzlichen Schutz. Die eingesetzten Maßnahmen zur Informationssicherheit überprüfen und aktualisieren wir fortlaufend. Darüber hinaus wird täglich ein Backup von sämtlichen Datenbeständen erstellt. Die Wahrscheinlichkeit einer Gefährdung der Sicherheit unserer Datenbestände und Informationssysteme schätzen wir aus diesen Gründen als sehr gering ein.
RISIKEN AUS RESTRUKTURIERUNGSMASSNAHMEN
Die im Jahr 2006 umgesetzten Restrukturierungsmaßnahmen haben die Wettbewerbsfähigkeit der Marke Volkswagen Pkw verbessert. Hierzu waren tiefgreifende Anpassungen erforderlich, die, falls sich die bestehenden Rahmenbedingungen ändern, diverse Risiken in sich bergen können. Dies gilt auch für Maßnahmen, die wir derzeit verfolgen und in Zukunft durchführen werden. Wir sind jedoch von der Wirksamkeit und dem Erfolg der Entscheidungen überzeugt und werden den Prozess der Restrukturierung weiter vorantreiben.
SONSTIGE EINFLÜSSE
Neben den bereits beschriebenen Risiken bestehen weiterhin Einflüsse, die nicht vorhersehbar und damit nur schwer beherrschbar sind. Sie könnten die weitere Entwicklung des Volkswagen Konzerns beeinträchtigen. Zu diesen Ereignissen zählen wir Naturkatastrophen, Epidemien und Terroranschläge.
GESAMTRISIKO
Nach den uns heute bekannten Informationen bestehen keine Risiken, die den Fortbestand des Volkswagen Konzerns gefährden könnten.
NACHTRAGSBERICHT
Wesentliche Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Schluss des Geschäftsjahres liegen – über die genannten hinaus – nicht vor.