Mit Gaudís Erben in der Ideenfabrikheadline

LUC DONCKERWOLKE UND MICHELE D’ALESSANDRO (von links) prägen die „auto emoción“ im neuen SEAT-Design-Center

Aus Barcelona, Spaniens Zentrum für quirlige Kreative, kommen Autos, die nicht nur der Vernunft Raum geben, sondern auch dem Gefühl – der „auto emoción“. Mit dem neuen SEAT Design Center und dem ebenfalls erst kürzlich eröffneten Prototype Centre of Development (CPD) sind Entwicklungsstätten entstanden, die Ästhetik und Funktionalität kongenial ver­binden – in ihrer eigenen Bauweise ebenso wie bei der Produktion faszinierender Automobile.

 

Seit mehr als 100 Jahren steht die katalanische Metropole Barcelona für aufregendes Design, avantgardistische Formen und phantasievolle Farbkompositionen. Niemand hat diesen Ruf so maßgeblich begründet wie der Architekt und Designer Antoni Gaudí (1852 – 1926). Seine einzigartigen Schöpfungen, die Kathedrale Sagrada Familia, der Park Güell und die Casa Batlló, verzaubern bis heute Besucher aus aller Welt.

Gaudís Erben im Volkswagen Konzern entwerfen heute, nur 45 Autominuten von Barcelona entfernt, im SEAT Werk in Martorell Autos. Sie tun das in einem Designzentrum, das – obwohl erst im Oktober 2007 eröffnet – schon heute eine Pilgerstätte für Designer ist. Von Designern für Designer entwickelt, gilt das Zentrum als das modernste und innovativste weltweit.

 

DESIGNSCHMIEDE IN KLÖSTERLICHER ABGESCHIEDENHEIT

Michele D’Alessandro, Leiter Design Management, erläutert das kreative Potenzial: „In diesem Gebäude können die Designer ihren gesamten Produktionsprozess völlig autark vom Entwurf am Reißbrett über virtuelle Studien am Computer bis zum fertig lackierten Modell abbilden. Das ist in dieser Art einmalig auf der Welt.“

„Das bewirkt einen Riesenschub für die Motivation und eine enorme Verbesserung der Kommunikation meiner Mitarbeiter.“ LUC DONCKERWOLKE, CHEF-DESIGNER SEAT

 

DR. OLIVER BLUME UND JAVIER DIAZ (von links) im Vorseriencenter

 

DIE ALLRAD- STUDIE TRIBU: Symbol der Formenwelt zukünftiger Seat-Modelle

Von außen völlig geschlossen, wirkt das Design Center auf einem Hügel fast wie eine Trutzburg. Das wäre passend, denn kaum etwas wird im Automobilbau mit größerer Diskretion behandelt als Designs und Prototypen. Doch je mehr man sich dem Gebäude nähert, desto eher erinnert es an ein Kloster, denn die Innenansicht mit einer Art modernem Kreuzgang und einem lichtdurchfluteten Innenhof sorgt für verblüffende Transparenz: Diese Werkstätte der Ästhetik bietet sich dem Besucher hell, gläsern und überschaubar dar. In der Mitte prangt augenfällig die Allradstudie Tribu, gestaltet von Chef-Designer Luc Donckerwolke. Sie visua­lisiert die Formenwelt der zukünftigen SEAT Modelle und weist die Richtung, in die sich die Marke ent­wickeln will.

Es gibt vielleicht größere Designzentren, aber wohl kaum effizientere: Schließlich kann hier jeder der rund 100 Mitarbeiter aus zehn verschiedenen Nationen in allen Entwicklungsabschnitten mit eigenen Augen verfolgen, ob sich seine Idee auch in der Praxis umsetzen lässt. Das beschleunigt die Abläufe enorm und senkt damit deutlich die Kosten. Die visionäre Architektur erleichtert auch den Austausch zwischen unterschiedlichen Geschäftsbereichen, was die Effizienz der Arbeit nachhaltig erhöht. Das Design Center versteht sich deshalb heute als „Unternehmen im Unternehmen“.

 

AUSGEREIFTE IDEEN FLIESSEN IN DIE SERIENFERTIGUNG

„Das bewirkt einen Riesenschub für die Motivation und eine enorme Verbesserung der Kommunikation meiner Mitarbeiter“, freut sich Donckerwolke, „denn wir sehen uns hier als Nährboden für Ideen und Innovationen, und die können natürlich unter optimalen Bedingungen besonders gut gedeihen. So wollen wir unser Produktportfolio permanent erweitern, damit wir unser Ziel, im Jahr 2018 rund 800.000 Fahrzeuge zu verkaufen, erreichen können.“

 

NACH DEM DESIGN DER PROTOTYP

Das Centro de Prototipos de Desarrollo (CPD) wurde im Januar 2007 in Betrieb genommen. Das CPD schlägt als technologisches Herz des ganzen Werkes – nicht nur wegen seiner zentralen Lage im Werksgelände, sondern auch, weil es die Entwicklung mit der Serienproduktion, also das Produkt direkt mit dem Prozess, verbindet. „Organisatorisch haben wir in diesem Vorseriencenter die Funktionen des Prototypenbaus, des Modellbaus, der Pilothalle und der Serienanalyse unter einem Dach zusammengeführt“, erklärt der Leiter der Marken­pla­nung, Dr. Oliver Blume. „Besonders wichtig waren für uns schlanke Arbeitsprozesse und vor allem optimale Arbeitsbedingungen für unsere ungefähr 300 Experten“.

 

„KOSTENEINSPARUNGEN VON RUND 15 PROZENT“

Der Clou des Gebäudes ist, dass rund um ein Kommunikationszentrum in der Mitte des Komplexes die zuständigen Spezialisten für Pressteile, Karosseriebau, Montage und Qualitätsanalyse angesiedelt sind. Durch diese Integration beginnt die Anlaufvorbereitung bereits ab dem ersten Prototypen und wird durch die Erfahrungen der aktuellen Serienproduktion unterstützt. „Das bringt eine deutliche Beschleunigung der Qualitätsprozesse“, erklärt der Leiter des Vorseriencenters, Javier Diaz. „Zudem kalkulieren wir mit Kosteneinsparungen allein im Prototypenbau von rund 15 Prozent. Zusammen mit den Einsparungen bei den Betriebsmitteln wird sich das Center in zwei Jahren amortisieren.“

Besonders reizvoll am Konzept des Vorseriencenters ist die Integration der virtuellen Technik für Datenkontrollmodelle und Prototypen: In dieser frühen Projektphase werden alle Oberflächen- und Konstruktionsdaten modellhaft simuliert, bevor sie auf das reale Fahrzeug übertragen werden. Zudem bietet die virtuelle Technik erhebliche Vorteile in der Analyse und Umsetzung von Qualitätsverbesserungen in den Vorserienfahrzeugen: Verschiedene Lösungsalternativen werden am Rechner durchgespielt und anschließend in der Werkstatt ausprobiert. Ebenfalls virtuell simuliert wird der spätere Fertigungsprozess vom Presswerk bis zur Montage. Dieses Verfahren löst mögliche Probleme schon im Vorfeld, sodass sie in der Serienproduktion gar nicht erst auftreten. Ein unschätzbarer Vorteil, der dem Kunden durch höhere Qualität und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge zugute kommt.


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