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IN-Campus – eine saubere Leistung: Neuer Audi-Technologiepark auf sanierter Fläche

  • Technologiepark für Tausende hochqualifizierte Experten
  • Das 75 Hektar-Gelände im Osten Ingolstadts war Standort einer Raffinerie
  • Aufwändiges Sanierungsprojekt ist eines der größten in Deutschland
  • Spezielle Methoden: Air-Sparging, Wabenaushub und Bodenwäsche sowie
  • Abstromsicherung
Luftaufnahme IN-Campus Gelände, Sommer 2018

Audi baut an seiner Zukunft und revitalisiert dafür eine Industriebrache: Nahe beim Stammwerk Ingolstadt entsteht der IN-Campus, ein 75 Hektar umfassender Technologiepark, auf dem Gelände einer ehemaligen Erdölraffinerie. Hier saniert die IN-Campus GmbH, ein Joint Venture der AUDI AG mit der Stadt Ingolstadt, zusammen mit Partnern eine belastete Fläche mit innovativen Methoden. Dieses Sanierungsprojekt ist eines der größten in Deutschland und ein bislang einzigartiges Umweltprojekt in Bayern. Seit über einem Jahr im Gange soll die Sanierung 2022 abgeschlossen sein.

Der Begriff IN-Campus bezeichnet einen künftigen Technologiepark von Audi am Standort Ingolstadt – ein Zentrum für Entwicklung und Vorentwicklung, in dem künftig tausende Experten arbeiten werden. Audi schafft auf dem IN-Campus Raum für Diversität und Innovationskultur. Es entsteht eine neue Arbeitswelt für hochqualifizierte Audi-Mitarbeiter und High-Tech-Dienstleister. Partner ist die Stadt Ingolstadt im Rahmen des Joint Venture IN-Campus GmbH. Für den IN-Campus werden keine zusätzlichen Flächen versiegelt – im Gegenteil: Eine stark kontaminierte Industriebrache wird zu neuem Leben erweckt. Der dafür notwendige Sanierungsprozess ist auf etwa fünf Jahre Dauer veranschlagt.

Beim IN-Campus handelt es sich um ein ehemaliges Raffineriegelände im Osten Ingolstadts, auf dem 43 Jahre lang verschiedene Erdölprodukte hergestellt wurden. 2008 endete der Betrieb, bis 2013 wurden die Anlagen rückgebaut. Im Herbst 2015 erwarb die dafür gegründete IN-Campus GmbH drei Viertel der knapp 100 Hektar großen Fläche für einen symbolischen Euro. Wenige Monate später wurde der öffentlich-rechtliche Sanierungsvertrag unterzeichnet.

Aus den etwa 1.200 Erkundungsbohrungen und 50.000 Laboranalysen, die über Jahre hinweg vorgenommen wurden, ergab sich, dass 22 der 75 Hektar Fläche belastet und sanierungsbedürftig waren. Im Boden fanden sich 900 Tonnen Schweröl, 200 Tonnen Leichtbenzin und 100 Kilogramm per- und poly-fluorierte Chemikalien (PFC). Im Herbst 2017 begann die Sanierung durch die ARGE IN-Campus GbR, einer Arbeitsgemeinschaft aus drei Fachfirmen. Das Projekt umfasst vier Verfahren: die Abstromsicherung, die Air Sparging-Methode sowie den Wabenaushub mit nachgeschalteter Bodenwäsche.

Bei der Abstromsicherung holen am Rand des Areals zehn Brunnen mit elektrischen Pumpen das belastete Grundwasser aus dem Boden; eine Aufbereitungsanlage reinigt es zu über 99,9 Prozent von den Schadstoffen. Die Air-Sparging-Methode richtet sich gegen die leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffe, die Bestandteile der Benzinkraftstoffe. Durch hunderte Leitungen wird Luft in den Boden geblasen; sie nimmt die in Boden und Grundwasser gelösten Schadstoffe auf. Knapp unterhalb der Erdoberfläche wird die Luft durch Drainagerohre abgesaugt und gereinigt.

Um die PFC-Rückstände aus Löschschäumen und die Mineralölkohlenwasserstoffe –Reste des Schweröls – zu eliminieren, wird der belastete Boden ausgehoben. Dies geschieht in einem neuartigen, hochpräzisen Verfahren, indem hydraulische Rammen stählerne Waben in die Erde vibrieren. In der Summe holen sie 600.000 Tonnen Material aus dem Boden, vor allem den für das Gelände typischen Sand und Kies. In einer Bodenwaschanlage werden die Schadstoffe mit Wasser vom Bodenkorn abgereinigt. Das Wasser läuft im Kreislauf über eine Aufbereitungsanlage, eine Anlage reinigt die entstehende Abluft. Mehr als 90 Prozent des angelieferten Materials wird wieder in die Wabenlöcher verfüllt, der Rest deponiert.

Bei der Sanierung des IN-Campus-Geländes handelt es sich um eines der größten laufenden Boden-Sanierungsprojekte in Deutschland und um die erste vollumfängliche Sanierung eines Raffineriegeländes in Bayern. Ein Team unabhängiger Gutachter überwacht alle Abläufe und dokumentiert sie in einem Geo-Informationssystem. In der Fachöffentlichkeit hat das Audi-Projekt bereits großes Interesse erregt, häufig besuchen Gäste das Gelände, um sich zu informieren.

Die Sanierungsarbeiten sollen Ende 2022 abgeschlossen sein, die Abstromsicherung wird voraussichtlich bis 2028 laufen. Die IN-Campus GmbH wird künftig 60 Hektar Fläche als Gewerbe- und Industriegebiet nutzen und 15 Hektar Ausgleichsfläche renaturieren. Die Bauarbeiten für den IN-Campus sind in vollem Gange. Das erste Gebäude ist das sogenannte Projekthaus für rund 1.400 Audi-Mitarbeiter und Entwicklungspartner aus dem Bereich neuer Technologien, es soll Ende 2020 fertig sein. Sukzessive folgen weitere Bauten, darunter ein Fahrzeug-Sicherheitszentrum, ein Rechenzentrum und eine Energiezentrale.

Stimmen zum IN-Campus
Dr. Christian Lösel, Oberbürgermeister der Stadt Ingolstadt: „Hier entsteht schrittweise ein Spitzentechnologiezentrum für zukunftsweisende Technologien und Innovationen. Besonders freut mich, dass auf dem alten Raffinerieareal nach aufwändiger Sanierung ein wichtiger Baustein der Zukunft Ingolstadts seinen Platz findet. Das ist ein Gewinn für Stadt und Umwelt.“

Thomas Vogel, Geschäftsführer der IN-Campus GmbH (AUDI AG): „Ich sehe das Projekt als eine riesengroße Chance. Mit der Entwicklung dieses Areals leisten wir einen immens wichtigen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit des Hochtechnologie-Standorts Ingolstadt und für die Region.“

Norbert Forster, Geschäftsführer der IN-Campus GmbH (IFG Ingolstadt): „Nachdem die IFG gemeinsam mit der AUDI AG mit dem Güterverkehrszentrum bereits eine der modernsten Logistikeinrichtungen Europas auf die Beine gestellt hat, werden wir mit dem IN-Campus- Projekt einen weiteren Meilenstein in Sachen Digitalisierung und Innovation setzen.“

Klaus Mittermaier, Geschäftsführer Gesamtbetriebsrat der AUDI AG: „Mit der nachhaltigen Sanierung des Areals erfolgt ein konsequenter Schritt in Richtung Zukunft. Aus einer Industriebrache wird ein innovativer Industriestandort, der Arbeitsplätze in der Region sichern und zudem die Ingolstädter Infrastruktur entzerren kann.“

Dr. Rüdiger Recknagel, Leiter Umweltschutz der AUDI AG: „Wir betreiben hier ein Umwelt-projekt, das seinesgleichen sucht. Wir legen ein Bekenntnis zum Standort Ingolstadt ab und schreiben zugleich Stadtgeschichte. Wir sind stolz, mit diesem umweltschonenden Sanierungsprojekt die erste vollumfängliche Sanierung eines Raffineriegeländes in Bayern umzusetzen. Damit geben wir sowohl der Gesellschaft als auch der Natur etwas zurück.“