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„Das Auto wird zu unserem besten Freund“

„Wir wissen, dass unsere Branche vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Dem stellen wir uns, denn wir wollen die Mobilität der Zukunft entscheidend mitgestalten.“

Der Volkswagen Konzern treibt den digitalen Wandel voran, eine Technologie-Offensive soll das autonome Fahren zur Marktreife bringen. Eine Schlüsselrolle spielen die drei neuen „Group Future Center", in denen Designer und Digitalisierungsexperten eng zusammenarbeiten. Das Ziel: Die Fahrzeuge des Volkswagen Konzerns sollen bei Kundenerlebnis, Interface-Design, Bedienlogik, neuen Innenraumkonzepten sowie Info- und Entertainment „Best-in-Class" sein. Im Interview spricht Johann Jungwirth, Chief Digital Officer, über die Neuausrichtung des Unternehmens und die Mobilität von morgen.

Sie sagen, dass autonom fahrende Autos in zehn Jahren zum Alltag gehören. Viele Kunden sitzen aber sehr gern selbst am Steuer. Warum sollten sie auf den Fahrspaß verzichten?

Das sollen sie natürlich nicht! Wer selbst fahren möchte, der wird das auch in Zukunft tun können. Ich bin aber davon überzeugt, dass die allermeisten Menschen sehr gern darauf verzichten werden. Unser Verständnis von Fahrspaß wird sich verändern: In einigen Jahren werden unsere Kundinnen und Kunden aus einer breiten Modellpalette selbstfahrender Autos wählen und über einen Dynamikregler einstellen, wie sie gefahren werden möchten – ruhig und entspannt oder lieber dynamisch und sportlich. Vor allem aber werden die Menschen sehr viel Zeit gewinnen für Dinge, die sie während der Fahrt tun können.

Was zum Beispiel?

Mein persönlicher Traum sieht so aus: Zum Start in den Urlaub holt das Auto meine Familie und mich zuhause ab. Ich spiele noch mit den Kindern und wir legen uns schlafen. Am nächsten Morgen wachen wir erholt an unserem Ferienort auf. Das wäre doch großartig.
Es gibt aber auch noch ganz andere Möglichkeiten. Nehmen wir an, jemand ist beruflich viel mit dem Auto unterwegs und nutzt die Fahrten, um eine neue Sprache zu lernen. Oder stellen wir uns den Pendler vor, der auf dem Heimweg seine Einkäufe im Online-Shop erledigt. Das alles wird möglich sein, denn die Autos fahren nicht nur selbst, sondern sind auch voll vernetzt.

Sie beschreiben Vorteile für den Einzelnen. Was hat die Gesellschaft vom autonomen Fahren?

Jedes Jahr zählen wir weltweit mehr als 1,2 Millionen Tote im Straßenverkehr, die meisten durch menschliches Versagen. Diese Zahl können wir drastisch senken, denn anders als menschliche Fahrer wird das Auto nicht müde, nicht unkonzentriert, es hat keine Schrecksekunde.
Oder denken wir an Kinder, Alte, Blinde und Kranke, die nicht selbst Auto fahren können. In Zukunft werden viele von ihnen Zugang zur individuellen Mobilität und damit mehr Lebensqualität erhalten.
Ein drittes Beispiel sind die Innenstädte, wo heute viel wertvolle Fläche durch Parkplätze oder Parkhäuser belegt ist. Autonom fahrende Autos werden die Menschen an der Haustür abholen, sie zu ihrem Ziel bringen und dann außerhalb der Innenstadt parken. Das schafft zusätzlichen Raum zum Beispiel für Fußgänger.

Wann wird es soweit sein?

Es geht in drei bis fünf Jahren los. In zehn Jahren werden wir autonom fahrende Autos verschiedener Konzernmarken auf der Straße sehen – noch nicht überall auf der Welt, aber in einigen Städten und Regionen. Für die Gesellschaft wird das ein ähnlicher Fortschritt sein wie der Umstieg vom Pferd auf das Automobil vor mehr als 100 Jahren.

Wie bereitet sich der Volkswagen Konzern darauf vor?

Wir wissen, dass unsere Branche vor einem tiefgreifenden Wandel steht. Dem stellen wir uns, denn wir wollen die Mobilität der Zukunft entscheidend mitgestalten. Der Konzern muss sich dazu von einem Hardware-Unternehmen zu einem integrierten Hardware-, Software-, und Services-Unternehmen wandeln, von einem Automobilhersteller zu einem nachhaltigen Mobilitätsanbieter – mit der Mentalität und Agilität des Silicon Valley.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie das geht?

Ein wichtiger Baustein werden unsere neuen Group Future Center sein. Unser Team in Potsdam arbeitet bereits, bis Ende des Jahres werden auch die Teams in Kalifornien und in China stehen. Bisher wurde neue Technik überwiegend in bestehende Fahrzeugkonzepte integriert. In den Future Centern arbeiten Designer und Digitalisierungsexperten Hand in Hand am Auto der Zukunft. Design, Technologien und digitales Kundenerlebnis werden aufs Engste verzahnt und gleichberechtigt, parallel entwickelt. Das ist ein neuer Ansatz.

„Die Ausgangslage ist gut, denn das Unternehmen kann auf viele Stärken bauen: auf die starken Marken, technologische Kompetenz, globale Präsenz, strikte Qualitätsorientierung, engagierte Mitarbeiter, solide Finanzen.“

Johann Jungwirth

Wie wird das Auto der Zukunft aussehen?

Es wird uns ein Ökosystem an Nutzungsmöglichkeiten bieten, so wie wir es heute von unseren Smartphones, PCs und vom Home Entertainment kennen. Es bekommt seine Updates und Upgrades Over the Air und ist damit immer auf dem neuesten Stand. Das Auto der Zukunft lernt uns kennen, es wird zu unserem besten Freund, der uns versteht, mit unseren Vorlieben vertraut ist und uns perfekt unterstützt.
Nach wie vor werden sich die Autos deutlich voneinander unterscheiden. Es wird Fahrzeuge geben, in denen wir gern ein virtuelles Konzert genießen, andere sind besser für einen Ausflug mit der Familie oder zum Arbeiten geeignet. Auch die unterschiedlichen Marken werden ihren eigenen Charakter haben.

Und wie können wir uns die Fahrzeuge technisch vorstellen?

Das Herz des Fahrzeugs wird das selbstfahrende System auf Basis künstlicher Intelligenz sein – ausgestattet mit 360-Grad-Laser, Radar, Kameras, Ultraschall-Sensorik, Zentralrechner und Redundanzsystemen. Das Gehirn künftiger Autos ist die Mobilitätsplattform, über welche die Kunden „Mobility on Demand“ buchen. Die Bedienung funktioniert über Touchsceens, Sprachbefehle und Gesten.

Das alles sind große Herausforderungen. Wird Volkswagen der Wandel gelingen?

Die Ausgangslage ist gut, denn das Unternehmen kann auf viele Stärken bauen: auf die starken Marken, technologische Kompetenz, globale Präsenz, strikte Qualitätsorientierung, engagierte Mitarbeiter, solide Finanzen. Ein ganz wichtiger Pluspunkt ist, dass wir den Bau der Hardware, der Fahrzeuge, bereits perfekt beherrschen. Den Themen Software und Services stellen wir uns mit der gleichen Energie und dem gleichen Fokus. Ich bin überzeugt, dass der Volkswagen Konzern zu den Gewinnern gehören wird.