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Bilder vom Auto der Zukunft

Im Group Future Center Potsdam: Ein Interview über die Mobilität von morgen

Das Group Future Center in Potsdam

Weiße Wände, hohe Fenster, Licht durchflutet die Halle. Drei Kinder toben in einem Auto, schwungvoll lässt sich ein Knirps in blauer Latzhose auf den Sitz fallen. Eine junge Frau in Schwarz schaut zu ihm hinein: „Was möchtest du machen? Eine Geschichte hören?“, fragt sie. „Sehr schön viel Platz“, ruft der Kleine und springt einfach weiter. Zusammen mit zwei Freundinnen ist der Junge an diesem Tag zu Besuch im Group Future Center in Potsdam, wo rund 80 Kreative und Digitalisierungsexperten aus dem Volkswagen Konzern an den Fahrzeugen der Zukunft arbeiten. Regelmäßig laden sie Gäste ein, um herauszufinden, welche Wünsche sie an die Autos der nächsten Generation haben.

Zwei Stockwerke höher. Der Blick fällt nach draußen auf den Schiffsanleger eines nahen Sees. In einem roten Ledersessel hat Michael Mauer Platz genommen, der Chefdesigner des Volkswagen Konzerns. Neben ihm sitzt Peter Wouda, Design Director Vehicle im Future Center. Ein Interview über die Mobilität von morgen.

Peter Wouda (links) und Michael Mauer

Die meisten Unternehmen halten neue Produkte streng geheim. Warum laden Sie Besucher ein, um ihnen Ihre Prototypen zu zeigen?

Mauer: Wir lassen uns natürlich auch nicht von jedem in die Karten gucken (lacht.) Allerdings finden wir es wichtig, uns schon in der Entwicklungsphase zu öffnen und mit den Menschen, die unsere Autos nutzen werden, ins Gespräch zu kommen. Wir erleben ja gerade eine Revolution im Fahrzeugdesign, weil uns die Trends zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren völlig neue Möglichkeiten eröffnen. Wir können das Automobil ganz neu denken – und das wollen wir konsequent aus der Perspektive der Kunden tun. Darum wollen wir so genau wie möglich wissen, was sie sich wünschen.

Wouda: Die Menschen, die wir zu uns einladen, sind ein Querschnitt der Gesellschaft: Familien, Alleinerziehende und Singles. Kinder, Geschäftsleute und Senioren. Jeder hat andere Bedürfnisse. Diese Bedürfnisse verstehen wir besser, wenn wir mit den Menschen reden und beobachten, wie sie sich in unseren Prototypen verhalten.

Wie verändert diese Offenheit die Arbeit eines Designers?

Wouda: Es geht nicht nur um die Designer. Im Future Center arbeiten Experten verschiedener Disziplinen eng zusammen: Designer für den Innenraum und das Exterieur der Fahrzeuge, Fachleute für User Experience oder aus der Konzernforschung. Sie bilden Teams und tauschen ihre Ideen aus, damit von Anfang an alle Belange berücksichtigt werden – vor allem natürlich die der Kunden.

Mauer: Jede Entwicklung beginnt bei uns mit einer so genannten User-Story. Wir fragen: Wie sieht das Leben der Menschen aus, für die wir das Auto bauen? Welche Mobilitätsbedürfnisse haben sie und wie können wir sie optimal erfüllen? In diese User-Stories fließt zum Beispiel das Feedback ein, das wir von unseren Besuchern bekommen.  

Wir können das Automobil ganz neu denken – und das wollen wir konsequent aus der Perspektive der Kunden tun.

Michael Mauer, Chefdesigner Volkswagen Konzern
Michael Mauer
Chefdesigner Volkswagen Konzern

Sie sprechen von einer Revolution des Automobildesigns – wie können wir uns die Fahrzeuge der Zukunft vorstellen?

Mauer: Das Ergebnis dieser Entwicklung kenne ich noch nicht. Tatsache ist jedoch, dass das Design heutiger Autos stark von technischen Notwendigkeiten bestimmt wird: Man braucht Platz für den Verbrennungsmotor, für den Getriebetunnel, für das Lenkrad oder die Pedalerie. Das wird sich mit der Elektromobilität und dem autonomen Fahren radikal wandeln. Warum sollte ein Kind beispielsweise nicht vorne sitzen? Vor den Eltern, mit der besten Sicht nach draußen, sozusagen auf dem Logenplatz? In selbstfahrenden Autos wird so etwas möglich sein.  

Zum Netzwerk der Group Future Center gehören neben Potsdam auch das Future Center California und das Future Center Asia in Peking. Wozu diese Dreiteilung der Arbeit?

Mauer: Das Future Center in Kalifornien nimmt viele wichtige Impulse aus dem Silicon Valley auf, das Future Center in Peking entwickelt spezielle Designkonzepte für die asiatischen Märkte. Potsdam blickt vor allem auf die Mobilität in Europa. Das heißt aber nicht, dass wir getrennt voneinander arbeiten. Die Teams der drei Future Center tauschen sind ständig aus und lernen voneinander. Das hilft uns sehr.

Peter Wouda
Design Director Vehicle im Future Center

Was lernen Sie voneinander – zum Beispiel von den Kollegen in Peking?

Wouda: Durch den engen Austausch verstehen wir sehr gut, was einen Kunden in Europa von einem Kunden in China unterscheidet. Viele Chinesen lieben es zum Beispiel, permanent online und mit der Außenwelt in Kontakt zu sein – auch während der Autofahrt. Das ist viel ausgeprägter als hierzulande. Auch die Luftqualität spielt eine große Rolle, weil viele chinesische Großstädte unter Smog leiden. Der Autokunde in China möchte deshalb, dass die Luft im Fahrzeug besser ist als auf der Straße. Für einen deutschen Kunden spielt das kaum eine Rolle, wir fahren gerne bei schönem Wetter mit offenen Fenstern oder sogar im Cabrio.

Was müsste das Auto der Zukunft Ihnen ganz persönlich bieten?

Wouda: Als Designer lebt man in gewisser Weise ständig in der Zukunft, denn was wir heute entwerfen, bestimmt in fünf, sechs oder zehn Jahren unser Straßenbild. Ich wünsche mir eine Vielfalt schöner Autos, in denen ich mit Spaß unterwegs sein kann. Meine Fahrten sollen nicht nervig und anstrengend sein, sondern wertvolle Zeit, die ich gern und bewusst erlebe.

Mauer: Ich möchte Flexibilität und Selbstbestimmtheit. Wenn ich zum Beispiel im Stau stehe, dann darf mir das Auto gern das Lenken abnehmen, während ich mich auf andere Dinge konzentriere. Bin ich aber auf einer schönen Küstenstraße unterwegs, dann will ich entscheiden können: Ab jetzt übernehme ich das Steuer und fahre selbst. Das wäre herrlich.

Als Designer lebt man in gewisser Weise ständig in der Zukunft, denn was wir heute entwerfen, bestimmt in fünf, sechs oder zehn Jahren unser Straßenbild.

Peter Wouda, Design Director Vehicle im Future Center

Mauer und Wouda stehen auf, gehen die Treppe hinunter und den Gang entlang. An einem Tisch steht die junge Frau in Schwarz, die Papier und Buntstifte einsammelt. Nach der Toberunde am Auto hat sie den drei jungen Besuchern einen Saft spendiert und sie eingeladen, ihre Fantasie spielen zu lassen: „Ich habe sie gebeten, uns ein Bild zu malen - von ihrem Traumfahrzeug der Zukunft.“