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Wissen, woher der Wind weht

Der 3. April 2016 sollte ein windstiller und sonniger Tag werden. Darauf hatte sich der Stromnetzbetreiber Tennet eingestellt. Doch dann kam der Saharastaub aus Afrika und bedeckte Hunderttausende Solarpanels in Süddeutschland.

Ein gutes Team: Axel Heinrich (Leiter Konzernforschung), Urban Keußen (Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands von Tennet) und Volkswagen Projektleiterin Julia Kwasny (von links nach rechts).

Dass die Stromversorgung an diesem Apriltag trotzdem stabil gehalten werden konnte, ist einem komplexen Sicherungssystem zu verdanken. Der Vorfall zeigt aber auch, wie wichtig präzise Wetterprognosen für eine effiziente und kostensparende Stromeinspeisung sind.

Die meteorologische Ausnahmesituation war der Startpunkt für die Idee, eines der weltweit ersten Gemeinschaftsprojekte zwischen einem Stromnetzbetreiber und einem Automobilhersteller zu verwirklichen. Beim Forschungsprojekt „Vision“ arbeiten die Unternehmen Tennet und Volkswagen zusammen. Ein wegweisender Ansatz - gerade in Zeiten, in denen sich die Automobilindustrie im digitalen Wandel befindet.

  1. Flottendaten

    Dazu muss man wissen: Während einer einstündigen Autofahrt entsteht etwa ein Gigabyte an Daten. Darunter sind auch Wetterinformationen über Helligkeit, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Regen. Tennet und Volkswagen wollen genau an diesem Punkt ansetzen. Die Flottendaten sollen analysiert und in Einspeisehochrechnungen eingespielt werden.

  2. Neue Geschäftsfelder

    Davon sollen beide Seiten etwas haben. Tennet könnte die Daten nutzen, um besser auf Wetterumschwünge zu reagieren. Und auch für Volkswagen soll sich das Projekt lohnen. „Es ist kein Geheimnis, dass wir damit auch neue Geschäftsfelder erschließen können“, sagt Julia Kwasny aus der Konzernforschung. Sie leitet das Projekt auf Seite von Volkswagen. Laut Kwasny könnte die Kooperation auch dazu beitragen, die Energieversorgung von Elektrofahrzeugen besser zu gewährleisten.

  3. Effizienz

    Wichtig: Letztlich sollen von der Kooperation die Kunden des Volkswagen Konzerns profitieren. „Der Fahrzeugnutzer hat auch ein Interesse daran, dass Energie möglichst effizient genutzt wird“, sagt Kwasny. Wenn sich die Prognosen verbessern, hätte das auf längere Sicht auch einen positiven Einfluss auf die Strompreise. „Wir sind gerade auf dem Weg, das Projekt vom Forschungs- in den Serienstatus zu überführen“, berichtet Kwasny. Eine intern gegründete Gruppe von Experten soll sich dazu eingehend mit dem Thema befassen. Die Projektleiterin ist optimistisch: „Die Arbeit ist nur dann nützlich, wenn das Produkt am Ende auch wirklich auf der Straße steht.“

Das runde, rote Objekt über der Kamera zeigt den Regen-Licht-Sonnensensor, der die Sonnenintensität misst.

Aktuell gibt es noch keine Fahrzeuge mit der nötigen Technologie auf dem Markt. Das wird aber nicht mehr lange dauern.  Wenn das Projekt tatsächlich in Serie geht, spielt auch der Datenschutz eine wichtige Rolle. Die Informationen sollen ausschließlich anonymisiert an Tennet weitergeleitet werden, um eine mögliche Rückverfolgung auf das einzelne Fahrzeug oder gar den Kunden auszuschließen. „Wir achten strikt darauf, den Datenschutz zu beachten“, sagt die Projektleiterin bei Volkswagen.

Beim letzten Test im März kamen neun Testfahrzeuge zum Einsatz, fünf Volkswagen Golf, drei Audi A3 und ein Volkswagen Passat. Dabei wurde ein neuer Sonnensensor erprobt, der im Fuß des Rückspiegels unter der Windschutzscheibe sitzt. „Anschließend haben wir uns angesehen, wie viel Tennet mit unseren Daten wirklich einsparen kann.“ Das Ergebnis: eine signifikante Steigerung zu einem vorherigen Test im August 2016.

Der Sensor sitzt im Fuß des Rückspiegels an der Frontscheibe.

Für Projektleiterin Kwasny ist Tennet der ideale Partner. Als einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland sorgt Tennet für eine sichere Stromversorgung. Hierfür muss zu jeder Zeit genauso viel Strom im Netz sein, wie verbraucht wird. Dazu muss Tennet sich auf Einspeiseprognosen verlassen.

Denn wenn Stromhändler zu wenig oder zu viel Strom eingekauft haben, um den Verbrauch in ihrem Versorgungsgebiet zu decken, dann sind Verbrauch und Erzeugung nicht im Gleichgewicht und es kommt zu Frequenzschwankungen. Diese Schwankungen gleicht Tennet mit dafür beschaffter Regelenergie aus. Möglichst genaue Prognosen über die erzeugte Solar- und Windenergie sind also wichtig. Diese werden mit Hilfe von Wetterdaten erstellt. Das heißt aber auch: Ungenaue Wetterprognosen können richtig teuer werden. Tennet entstehen aus diesem Grund jährlich Kosten im zweistelligen Millionenbereich für Regelenergie.

Julia Kwasny ist daher überzeugt davon, dass sich die Zusammenarbeit für beide Partner lohnt. Besonders freut sie sich darüber, dass die verschiedenen Fachbereiche immer stärker aufeinander zugehen. „Wenn das Projekt in Serie geht, wäre das ein bemerkenswerter Erfolg“, so Kwasny.