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Algeriens neue Traumfabrik

In der landwirtschaftlich geprägten Region Relizane, rund 250 Kilometer südwestlich von Algier, hat die Volkswagen Gruppe ein hochmodernes Montagewerk eröffnet. Für viele der einheimischen Beschäftigten geht damit ein Traum in Erfüllung.

Die neue Montagefabrik des Volkswagen Konzerns bei Relizane ist eine bunte Welt. Während draußen auf den umliegenden Feldern und Steppen karge Brauntöne dominieren, geht es drinnen farbenfroh zu. Die Mitarbeiter  sind in bunten T-Shirts gekleidet: blau für Volkswagen und Volkswagen Nutzfahrzeuge, grün für ŠKODA  und rot für Seat. Die knalligen fröhlichen Farben stehen aber nicht nur für die Marken des Volkwagen Konzerns, deren Autos hier gefertigt werden. Sie symbolisieren auch die Freude und den Esprit, mit dem die Mitarbeiter ans Werk gehen.

Video: Algeriens neue Traumfabrik (englisch, französisch)

In der landwirtschaftlich geprägten Region Relizane, rund 250 Kilometer südwestlich von Algier, können täglich bis zu 200 Fahrzeuge der Modelle Volkswagen Golf, Volkswagen Caddy, SEAT Ibiza und ŠKODA Octavia gefertigt werden. Bis zum Jahresende sollen es 200 Fahrzeuge pro Tag sein. Für die jungen Mitarbeiter, von denen viele aus der Region stammen, geht damit ein Traum in Erfüllung.

Das mit 2,38 Millionen Quadratkilometern größte Land Afrikas macht gerade schwierige Zeiten durch. Agrarexporte von Wein, Obst oder  Oliven sind rückläufig. Durch den Verfall der Rohölpreise schwinden allmählich die Devisenreserven, die Staatseinnahmen sind von mehr als 200 Milliarden Dollar auf 114 Milliarden zu Beginn 2017 geschrumpft. Die Bauindustrie lahmt. Viele junge Arbeitskräfte und Akademiker sind vergeblich auf Arbeitssuche. Gleichzeitig wächst die Bevölkerungszahl von derzeit 41 Millionen Algeriern laut Prognosen bis 2030 auf 50 Millionen an.

Die neue Fabrik mit ihren zu Beginn rund 550 Mitarbeitern eröffnet da neue Perspektiven. Langfristig könnten bis zu 1.800 Arbeitsplätze allein im Werk geschaffen werden. Weitere Arbeitsplätze dürften bei Lieferanten und Logistikdienstleistern entstehen. Der Volkswagen Partner SOVAC ist zudem intensiv bemüht, deutsche Zulieferer nach Algerien zu holen. Im Vorgriff darauf wurde ein Drittel der 150 Hektar  großen Fläche, die für das Fabrikgelände vorgesehen ist, für Zulieferer und Ersatzteillieferanten reserviert. Brahim Abdelatif, Präsident der Deutsch-Algerischen Handelskammer, ist überzeugt: „Die Welt schaut auf Algerien, jetzt wo der Volkswagen Konzern zu uns kommt. Dadurch wird es für uns als Handelskammer auch leichter, große Zulieferer anzusprechen und von einem Engagement in Algerien zu überzeugen.“

Die algerische Regierung setzt gezielt auf die weitere Industrialisierung des Landes, um künftig weniger abhängig von seinen Bodenschätzen zu sein. Der algerische Handelsminister Ahmed Abdelhafid Saci erhofft sich davon Wachstum und positive Arbeitsplatzeffekte.

Um einen konzernweiten Qualitätsstandard zu gewährleisten, wurden die algerischen Mitarbeiter in den Bereichen Produktion, Logistik und Qualitätssicherung vor Ort von Experten der Konzernmarken geschult. Zudem durchliefen algerische Führungskräfte ein mehrmonatiges Qualifizierungsprogramm an den Produktionsstandorten der Marken. In einem „Train the trainer“-Programm wurden Meister und Führungskräfte praxisnah qualifiziert, um ihren Mitarbeitern standardisierte Handlungsabläufe zu erklären und diese mit ihnen zu trainieren.

Einer von ihnen ist Nessis Noureddine. Der 27-Jährige ist als Schichtleiter verantwortlich für eine der beiden Schichten aller vier Marken. Um sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten, absolvierte er Fortbildungen bei ŠKODA  in der Ukraine, bei Seat in Spanien und bei Volkswagen in Wolfsburg.

„Wolfsburg war am Aufregendsten für mich. Es war absolut beeindruckend zu erleben, wie aus vielen Bauteilen ein fertiges Auto wird. Nach den fünf Wochen Schulung weiß ich jetzt selber, wie die Mitarbeiter für die entscheidenden Dinge zu sensibilisieren sind. Für uns alle geht hier gerade ein Traum in Erfüllung. Viele waren einfache Farmer oder Werkstattmechaniker, jetzt bauen wir Autos weltbekannter Marken – was für eine Geschichte.“

Nessis Noureddine

Fatima Boukerouche verantwortet den ersten Takt der Qualitätskontrolle. Die 26-jährige Materialingenieurin stammt aus dem etwa 35 Kilometer entfernten Ort Mazouna. „Ich war schon immer beeindruckt vom Volkswagen Logo. Für mich war es ein Traum, Teil der Crew in Relizane werden. Aber ich habe nie damit gerechnet, diese Chance zu bekommen.“ Ihre Eltern seien sehr stolz – weil sie als erste der Geschwister studiert habe und nun für Volkswagen arbeite: „Jeder hier weiß, was das bedeutet“, sagt Fatima Boukerouche. Mit ihrem Einkommen könne sie auch ihre Eltern unterstützen.

Der 40-jährige Omar Mekki arbeitet als gelernter Mechaniker am Band für den Volkswagen Caddy. Der Vater von fünf Kindern stammt aus Relizane. „Ich habe immer davon geträumt, nach Deutschland zu gehen. Aber jetzt kommt Deutschland zu uns“, freut er sich. Bei seinen früheren Jobs sei er immer ohne Versicherung gewesen und habe sich große Sorgen um die Zukunft gemacht. Jetzt habe er wesentlich mehr Sicherheit für die Familie – und fügt voller Stolz an: „Mein 14-jähriger Sohn hat kürzlich zu mir gesagt, er möchte ebenfalls einmal hier arbeiten.“

„Ich habe immer davon geträumt, nach Deutschland zu gehen. Aber jetzt kommt Deutschland zu uns.“

Omar Mekki