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Zwei Marken in elektrischer Mission

Die Rennautos heizen auf ihren Startpositionen die Reifen an, die Teamtechniker haben die Fahrbahn verlassen. Bei den Zuschauern steigt die Spannung und mit ihr der Geräuschpegel auf den Rängen.

Die Piloten bekommen von all dem in ihren Cockpits nichts mit. Ihr Blick gilt allein der Ampel über der Startlinie. Dann endlich gehen die roten Lichter aus: Beim Anfahren quietschen die Reifen, die Wagen zischen los. Nur ein entscheidendes Detail ist anders als gewöhnlich: Der ins Mark gehende Sound der Verbrennungsmotoren fehlt. Denn hier wird nicht Formel 1 gefahren, sondern Formel E. Die Elektro-Antriebe hören sich eher an wie bienenschwarmartiges Gesumm. Ein ungewohntes Geräusch für alteingesessene Motorsportfans, aber die meisten Zuschauer freut es.

Die Elektromobilität hält auch im Rennsport Einzug

Bekannte Rennfahrer wie Nick Heidfeldt oder Nelson Piquet Jr. (Sohn des dreifachen Formel-1-Weltmeisters Nelson Piquet) sind mittlerweile umgestiegen und bevorzugen die emissionsfreie und leisere Variante. Auch Audi, als erster deutscher Hersteller, und Porsche (ab 2019) setzen auf die Formel E als Entwicklungsfeld. Die Motorsport-Erfahrungen der letzten 30 bis 40 Jahre sind kontinuierlich in die Serienfahrzeuge geflossen. Bei Audi zum Beispiel Techniken wie Quattro, TFSI und TDi. Oder bei Porsche zuletzt das 800-Volt-Bordsystem welches in der zukünftigen Straßenversion der Konzeptstudie Mission E eingesetzt wird und die Batterie-Ladezeiten extrem verkürzt. Für die Serienautos sind die Erkenntnisse heutzutage nicht mehr wegzudenken.

Ähnliches gilt für die Formel E. Hier geht es um Themen wie Batteriekühlung oder Steuerungselektronik. Beim elektrischen Rennsport erhalten die Hersteller schneller Erkenntnisse als im Straßentestbetrieb. Wie bei einem Labortest im Reagenzglas kann man bei der Formel E noch mehr an die Grenzen gehen und bekommt schnellere Ergebnisse. Audi ist daher in der Vorbereitung für die neue Saison noch tiefer in die Entwicklung eingestiegen. Nach dem Titelgewinn von Audi-Pilot Lucas di Grassi erhofft man sich nun auch den Herstellertitel.

Die elektrische Rennserie erzeugt weltweit immer mehr Aufmerksamkeit. Damit der „Boom“ anhält, gab es immer wieder Überlegungen, wie man die Formel E noch spannender machen kann. Nutzt man die größer werdenden Ladekapazitäten für mehr Geschwindigkeit (derzeit 225 km/h)? Was passiert mit dem Boxenstopp samt Autowechsel? Ab der kommenden Saison steht nun fest: Mit der neuen Batterie und fast doppelt so hoher Kapazität entfällt der Fahrzeugwechsel. Zudem werden die Autos bis zu 300 km/h schnell fahren können.

Ab der Saison 2019/20 mischt neben Audi dann auch Porsche in der Rennserie mit. Die Marke aus Zuffenhausen verfolgt eine konsequente Neuordnung im Motorsport. Die Königsklasse des E-Rennsports passt strategisch nicht nur ideal zur eigenen Mission E – sondern auch zur Roadmap E des Volkswagen Konzerns.

Technisch verspricht sich Porsche vom Formel-E-Engagement vor allem Erkenntnisse über die Steigerung von Leistung und Wirkungsgrad im Antrieb. Weil in der Formel E alle Konkurrenten mit der gleichen Batterie unterwegs sind, kann hier jeder Prozentpunkt über Sieg oder Niederlage entscheiden. Der Wirkungsgrad definiert den Anteil der letztendlich für den Vortrieb des Rennwagens nutzbaren Energiemenge im Verhältnis zur ursprünglich zugeführten Energie. Im Gegensatz zum Benzinmotor mit lediglich rund 40 Prozent liegt dieser Wert für den Elektroantrieb bei mehr als 94 Prozent. Und könnte dank intensiver Entwicklerarbeit noch weiter steigen.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung: Porsche übernimmt alle Werksfahrer und Mitarbeiter nach dem Abschied vom LMP1-Programm (Le-Mans-Prototyp) zum Saisonende 2017, das neue Formel-E-Team bildet sich aus dem Kern dieser eingespielten Mannschaft. Das eigene Werksteam aus Weissach soll aus der Formel E wichtige Erkenntnisse für die elektrisch betriebenen Serienfahrzeuge generieren. „Porsche setzt auf alternative und innovative Antriebskonzepte”, sagt Michael Steiner, Entwicklungsvorstand der Porsche AG. „Die Formel E ist für uns das ultimative kompetitive Umfeld, um die Entwicklung von High-Performance-Fahrzeugen in punkto Umweltfreundlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit voranzutreiben.“ Die ersten Schritte sind im stillen Werkstatt-Kämmerlein schon vollzogen. Wie in anderen Rennserien will Porsche auch bei der Formel E auf hohem Level mitfahren.

Technik ist das eine, Gefühl das andere

Die Hersteller möchten das Produkt E-Fahrzeug emotionalisieren. Elektroautos sollen raus der „Öko-Ecke“.

Stattdessen wollen die Marken die noch junge Rennserie einem jungen, urbanen Publikum näherbringen. Das Ziel ist klar: Berührungsängste abbauen oder sogar verschwinden lassen. Dafür stehen die Chancen gar nicht so schlecht. Das Zuschauerinteresse steigt, die Rennen in Metropolen wie Paris und Hongkong sind meist ausverkauft. Und dank angenehmerer Geräuschkulissen, Rennstrecken im Stadtzentrum und buntem Unterhaltungsprogramm sind Formel-E-Rennen Events für die ganze Familie.

Die Formel E (offizielle Bezeichnung: FIA-Formel-E-Meisterschaft) ging am 13. September 2014 das erste Mal an den Start. Die Idee kam von Jean Todt, dem ehemaligen Rennfahrer sowie Ex-Formel-1-Teamchef, der seit 2009 Präsident der FIA ist. Der Automobilweltverband FIA, der auch die Formel 1 organisiert, veranstaltet die Formel E als erste rein elektrische Rennserie. Die Austragungsorte liegen in Metropolen auf der ganzen Welt. Eigens entworfene Straßenkurse in den Stadtzentren soll die Elektromobilität direkt zu den Menschen bringen.