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Carolo Cup 2018: Gewappnet für die autonome Zukunft

Autonom fahrenden Miniaturautos

Unterstützt vom Volkswagen Konzern treten in Braunschweig Studierende mit selbstgebauten, autonom fahrenden Miniaturautos beim Carolo Cup gegeneinander an – die perfekte Vorbereitung auf die Jobs der Zukunft.

Im großen Saal der Stadthalle Braunschweig läuft das freie Training für den Carolo Cup.

Im Foyer der Stadthalle Braunschweig ist es verdächtig ruhig dafür, dass hier heute ein Autorennen stattfindet. Nur wenig deutet darauf hin, dass hinter den schweren Holztüren, die in den Veranstaltungssaal führen, gerade ein Wettstreit um die automobile Zukunft beginnt. Es wimmelt hier allerdings von jungen Leuten, Studierende von insgesamt 22 Universitäten.

In der Mitte der Halle sind zwei große Rennparcours – inklusive Einparklücken und Papphindernissen – aufgebaut, die die Autos beim Wettrennen absolvieren müssen. Noch läuft das freie Training. An den Tischen hinter den Fahrstrecken sitzen Teams an ihren Rechnern und Bildschirmen, um kurzfristig Softwareanpassungen vornehmen zu können. So viele Menschen, dabei fahren die Autos doch autonom? Die Miniaturwagen im Größenverhältnis 1:10, die hier zum Wettbewerb antreten, müssen ihre Aufgaben am Ende alleine lösen.

Die Zukunft des Verkehrs ist autonom

Autonomes Fahren ist eine der Schlüsseltechnologien für die Zukunft der Automobilbranche. Dementsprechend groß ist der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs für IT und Entwicklung – auch beim Volkswagen Konzern. Ein guter Ort, um die Talente der Zukunft zu treffen und für sich zu gewinnen, ist der Carolo Cup der TU Braunschweig, den Volkswagen als Sponsor unterstützt. Hier messen sich seit 2008 einmal im Jahr studentische Teams mit selbstgebauten Fahrzeugen in Modellgröße.

„Drei gute Gründe“ mit Prof. Dr.-Ing. Thomas Form

Und so läuft der Wettkampf ab: Zweimal müssen die Fahrzeuge die Rennstrecke befahren. Beim ersten Mal gilt es, in zwei Minuten so viele Meter wie möglich zurückzulegen und nebenbei noch zwei Einpark-Situationen zu bewältigen. In der zweiten Runde wird die Strecke um teils bewegliche Hindernisse und Straßenschilder ergänzt. Neben dem praktischen Teil des Wettbewerbs stellt jedes Team sein Projekt zusätzlich in einem Vortrag vor, der allen Teilnehmern zugänglich ist und in die Bewertung des Gesamtkonzepts einfließt. Das Teilnehmerfeld ist international: neben vielen deutschen Teams gibt es in diesem Jahr Konkurrenz aus China, Polen und der Schweiz. In den Vorjahren waren auch Gäste aus Russland und Schweden dabei.

Professor Form und seine Kollegen bewerten zuerst die Vorträge der Studierenden.

Einer der Juroren und Mitorganisator des Wettbewerbs ist Prof. Dr.-Ing. Thomas Form, Leiter Elektronik- und Fahrzeugforschung bei der Volkswagen Group und Honorarprofessor in Braunschweig. Seiner Meinung nach ist der Wettbewerb hochrelevant für Unternehmen in der Automobilbranche. Hier bringen die Studierenden die an der Universität erlernte Theorie in Verbindung mit praktischen Aufgaben. Hinzu kommen die Organisationsform in Teams und die Zusammenarbeit während einer Stresssituation. Die perfekte Vorbereitung für einen späteren Job.

„Hier wird sich mit modernsten Softwarewerkzeugen, die wir auch in der Forschung und Entwicklung einsetzen, bereits im Studium auseinandergesetzt.“

Prof. Dr.-Ing. Thomas Form Leiter Elektronik- und Fahrzeugforschung, Volkswagen Group

Mit dem Informatikstudium in die Autobranche?

Für das Team der Hochschule Esslingen aus Baden-Württemberg ist die Autobranche ein omnipräsentes Thema, wenn es um die Zeit nach dem Studium geht. Die Teammitglieder studieren fast alle angewandte Informatik. Der Carolo-Cup ist Teil ihres Studiengangs. Der Wettbewerb bietet eine großartige Chance, sich praxisrelevante Skills anzueignen und bereits erste Erfahrungen mit selbstfahrenden Autos zu sammeln – wenn auch zunächst im Kleinen. Dass Autobauer wie die Volkswagen Group hier Präsenz zeigen, bleibt nicht unbeachtet. Eine Teilnahme hier mache sich nicht schlecht im Lebenslauf, meinen die Studierenden aus Esslingen.
Ganz anders sieht die Welt für ihre Schweizer Konkurrenten aus Basel aus. Die Automobilbranche ist in der Schweiz kaum vertreten und dementsprechend gering sind die Berührungspunkte mit Autobauern. Auch die Suche nach Sponsoren gestaltete sich schwierig für das Team. Die technische Herausforderung wollen sie sich trotzdem nicht entgehen lassen. Darüber hinaus ist künstliche Intelligenz ja kein exklusives Thema der Autoindustrie. Das Team der Uni Basel ist schon das zweite Jahr in Folge am Start. Dass Fahrzeuge, die ohne aktiven Fahrer auskommen, die Straßen füllen, halten die Baseler Studierenden nur für eine Frage der Zeit. Die größte Hemmschwelle sehen sie bei der Gesellschaft selbst, die ihr Vertrauen in die neuen Technologien erst aufbauen müsse.

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Aus insgesamt vier Nationen stammen in diesem Jahr die Teams.

Die Zukunftspläne der Mitglieder des Teams mit der weitesten Anreise sind dabei schon viel klarer. Sie studieren am College of Automotive Engineering der Tongji University in Shanghai. Informatik in Verbindung mit Automobilität ist Inhalt und Schwerpunkt ihres Studiums. Zwei Dozenten und zwölf Studierende haben auf Einladung von Professor Form den langen Weg auf sich genommen. In China veranstalten sie ihren eigenen Wettbewerb für autonomes Fahren. Ihre Universität pflegt viele Partnerschaften mit deutschen Hochschulen, und der Trip nach Braunschweig ist für die Studierenden daher auch eine Chance, das Land kennenzulernen. Die Absolventen des College of Automotive Engineering wollen später alle in die Autobranche. Viele der Abgänger zieht es zu Volkswagen Shanghai.

Voneinander lernen

„Man will gemeinsam vorankommen und nicht sein Wissen hamstern"

Patrick Quell Hochschule Esslingen

Der Carolo Cup bringt all diese Studierenden, ihre Geschichten und Ideen zusammen. In erster Linie bieten die TU Braunschweig und Volkswagen ihnen damit ein Forum, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. „Man will gemeinsam vorankommen und nicht sein Wissen hamstern", sagt Patrick Quell aus dem Esslinger Team. Der Carolo Cup ist nichts anderes als eine große internationale Lehrveranstaltung, die die Teilnehmer auf Jobs in der Autobranche vorbereitet.

Dabei sein ist alles, lautet deshalb die Devise für die Uni-Teams, die am Carolo Cup teilnehmen – auch wenn es am Ende eines Wettrennens natürlich einen Sieger geben muss, oder besser gesagt zwei. Den sogenannten Basic-Cup gewann das Team TU München, den erweiterten Carolo-Cup die Mannschaft des Karlsruher Instituts für Technologie.