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  6. Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt Mitarbeiter

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„Mensch gegen Maschine?“ Nein, denn zusammen sind sie unschlagbar!

Künstliche Intelligenz

Das Thema Künstliche Intelligenz ist in aller Munde: von den einen gehypt, von anderen mit Skepsis verfolgt. Dr. Andreas Meier ist als Stratege im Bereich Konzern-Digitalisierung/Business 4.0 für Künstliche Intelligenz zuständig. Der 32-jährige verantwortet die Strategie „Smart Enterprise“. Was steckt dahinter? Welche Ziele werden verfolgt? Welche Auswirkungen hat das für Konzernbeschäftigte?

„Mit Smart Enterprise stellen wir statt der KI-Technologie vor allem den Menschen in den Mittelpunkt“

Dr. Andreas Meier promovierte im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) bei Volkswagen und treibt im Team den KI-Einsatz in der Wissensarbeit voran.

Herr Meier, was bedeutet eigentlich Smart Enterprise?

Grob gesagt beschreiben wir damit eine Strategie, wie wir künstliche Intelligenz im Konzern für die Wissensarbeit nutzen wollen.

Da schrillen ja bei Mitarbeitern sofort sämtliche Alarmglocken: Heißt das auch, wie künstliche Intelligenz in Zukunft unsere Arbeitsplätze ersetzen kann?

Eben nicht! Wir fragen vielmehr, wie kann uns künstliche Intelligenz im Konzern in der Wissens- und Büroarbeit weiterhelfen. Aus unserer Sicht macht künstliche Intelligenz uns nicht arbeitslos, im Gegenteil: Sie unterstützt die Mitarbeiter und wird zu neuen Tätigkeitsfeldern führen. Denn künstliche Intelligenz hat andere Stärken als menschliche Intelligenz. Wir wollen beide optimal miteinander kombinieren. Derzeit sind wir im Konzern aber sehr stark technologiefokussiert und verlieren dadurch manchmal die Sicht auf den Nutzer. Mit Smart Enterprise stellen wir statt der KI-Technologie vor allem den Menschen in den Mittelpunkt und wollen eben auch schauen, welche Chancen sich für neue Tätigkeitsfelder ergeben.

Machen wir es konkret: Was sind die Ziele von Smart Enterprise?

Klare Anwendungsbeispiele sind etwa Marktplanung, Logistik und Controlling.
So haben wir drei konkrete Ziele: Erstens wollen wir die Büro- und Wissensarbeit beschleunigen. Denken Sie etwa an das Berichtswesen, dort kann man viel automatisieren, etwa mit der Robotic Process Automation (RPA) Technologie. Zweitens wollen wir Mitarbeiter von Routinetätigkeiten freispielen, damit sie sich auf wichtige, wertschöpfende Dinge konzentrieren können. Dafür eignen sich Chatbots gut, sodass Nutzer bestimmte Fragestellungen in natürlicher Interaktion mit einem Programm statt mit einem Menschen klären können. Und drittens wollen wir Daten für unsere Mitarbeiter besser nutzbar machen. Sie haben heute vielfach eine wahre Datenflut zur Verfügung. Aber sie haben bisher keine Möglichkeit, genau für ihren Arbeitsplatz die wichtigen Infos, vielleicht auch in Beziehung zueinander gesetzt, zu erhalten. Das wollen wir ändern.

Das bedeutet, Smart Enterprise zielt nicht auf die Produktions-, sondern auf Büro- und Wissensarbeiter?

Genauso ist es. Wir beschäftigen uns vordergründig mit den vielen Tätigkeiten des indirekten Bereichs, wie zum Beispiel Personalwesen, Finanz, Beschaffung, Qualitätssicherung usw. Je nach Fragestellung kann dies aber auch in Verbindung zur Logistik, Qualitätssicherung oder auch Produktion stehen. Die klassische Produktion ist derzeit aber nicht unser Einsatzfeld.

Seit wann besteht ihr Projektteam, welche Qualifikationen gibt es?

Seit Oktober 2016. Wir sind recht bunt durchmischt mit IT-lern, Betriebswirtschaftlern, Personalern und Strategen. Die brauchen wir aber auch alle, um diese weitreichende Strategie zum Leben erwecken zu können.

Herr Meier, wie gehen Sie an konkrete Projekte heran?

Wenn wir in Kontakt mit Fachbereichen treten, fragen wir sie zuerst: Was habt ihr für Probleme? Wie können wir euch helfen? Dann erklären sie uns ihre Arbeitsabläufe. Unser Antrieb ist es, alles zu finden, was den Kollegen im Büro schnell in ihrer Arbeit weiterhilft. Wir wollen sie von für sie stumpfen Tätigkeiten befreien. Die Kollegen, mit denen ich bisher sprach, waren dabei nie skeptisch, sondern sind immer sehr interessiert, wie wir ihnen bei ihrer Arbeit weiterhelfen können.

Wie läuft so eine Unterstützung genau ab?

Zum Beispiel im Ideenmanagement: Hier müssen Ideen von Mitarbeitern bewertet, Gutachten eingeholt, eine finanzielle und Umsetzungsprognose abgegeben werden. Derzeit passiert dort sehr viel manuell. Für jeden neuen Vorschlag muss ein Mitarbeiter wieder die gesamte Prozesskette in Gang setzen und abarbeiten. Dafür haben wir nun eine Software entwickelt, die derzeitig noch erprobt wird. Sie umfasst den riesigen Datenschatz aller bisher eingereichten Vorschläge. Auf Knopfdruck sieht nun der Bearbeiter sofort, ob es ähnliche Vorschläge bereits gab und wer diese damals begutachtet hat. Und: Die von uns entwickelte Suchmaschine läuft in Echtzeit und schlägt Themen bereits vor, während der Bearbeiter noch ins Eingabefeld tippt.

Ein Grundprinzip von Smart Enterprise: zusammen mit Kollegen aus den Fachbereichen werden die Anforderungen genau analysiert und dann die beste technische Lösung entwickelt

Was kann die Software noch?

Auf intuitive Weise Ideen filtern. So können die Mitarbeiter im Ideenmanagement etwa das Programm bitten: „Zeige mir alle noch nicht abgeschlossenen Ideen, die älter als drei Jahre sind“ oder „Ich möchte alle Ideen zum Thema Volkswagen Currywurst oder Schmierölen sehen“.

Was spart diese Software konkret ein?

Zunächst einmal viel Zeit für bisherige aufwändige, manuelle Tätigkeiten. Damit bringt es dem Volkswagen Konzern auch einen finanziellen Gewinn, da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ideenmanagements die freigewordene Zeit nun für andere Themen einsetzen können. Meine persönliche Vision ist etwa, dass so eine bessere Betreuung der Ideengeber möglich wird. Nur mal ein paar Zahlen: Das Ideenmanagement der Volkswagen AG besteht seit 68 Jahren, trug letztes Jahr zu 124 Mio. Euro Einsparungen bei und prämierte das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit insgesamt 22 Mio. Euro. Dabei wurden allein in 2017 fast 55.000 Ideen eingereicht – da können Sie sich die riesige Datenmenge vorstellen, die nun in Sekunden abgefragt werden kann. Wir sprechen hier insgesamt von über 1,36 Millionen Ideen!

Diese Software ist intern entstanden?

Genau. Wir arbeiten mit den bestehenden Systemen und müssen deshalb sicherstellen, dass neue Software auch gut mit diesen funktioniert. Dafür können wir nicht einfach am Markt eine Standardsoftware kaufen – denn ein Programm wie unseres, mit diesen Funktionen und dem Zusammenspiel mit unseren Systemen, gibt es nirgendwo fertig zu kaufen. Also haben wir es selbst entwickelt und diverse Prüfungen durchlaufen, um die Freigaben einzuholen. Schließlich haben wir noch das Benutzer- und das Entwicklerhandbuch verfasst. Das alles geschah innerhalb eines Jahres.

Gibt es weitere konkrete Beispiele für die Smart Enterprise Strategie?

Da gibt es viele und vor allem freue ich mich, dass so viele Bereiche wie zum Beispiel die Finanz, die Beschaffung oder die IT eifrig Projekte umsetzen. So entwickeln etwa unsere Kollegen aus der IT gerade einen Chatbot, der dem Nutzer bei seinen IT-Problemen helfen kann. Als Nutzer kommuniziere ich so ähnlich wie bei WhatsApp mit einem System, beschreibe mein IT-Problem und der Bot sagt mir, wie ich es wahrscheinlich lösen kann. Somit wird dem Mitarbeiter schnell geholfen, sie hängen nicht mehr in langen Telefonschleifen und es gibt eine spürbare Entlastung für alle Beteiligten.

Von den 642.000 Konzernmitarbeitern arbeiten 308.000 im indirekten Bereich, also nicht in der Produktion. In den Büros laufen täglich zehntausende Prozesse ab, die man sicherlich noch effektiver gestalten könnte. Haben Sie und ihr Team damit bis ans Lebensende zu tun?

Rein von den Zahlen her wäre es so. Aber: Unser Ziel ist es mittelfristig, Mitarbeiter selbst zu befähigen, mit künstlicher Intelligenz und verwandten Technologien ihre Abläufe eigenständig effizienter zu gestalten. Denn nur sie haben das Fachwissen zu ihrem Arbeitsplatz und zu den Prozessen davor und dahinter. Wir bringen deshalb die technologischen Ansätze mit und setzen diese zusammen mit IT-Kollegen sowie dem Fachwissen der Mitarbeiter in produktiven Projekten um. Dabei ist mir sehr wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen mehr über die Technik lernen und sie irgendwann selbständig einsetzen können. Denn nur durch diese Hilfe zur Selbsthilfe erreichen wir eine hohe Skalierung im Konzern.

Dann würde ja doch ein Arbeitsplatz wegfallen – nämlich Ihrer.

(lacht) Auch wenn es seltsam klingt, aber ich möchte mich in diesem Thema überflüssig machen. Es gibt schließlich noch genug andere spannende Themen! Ich möchte die Fachbereiche befähigen, selbst zusammen mit IT-Experten ihre eigene Künstliche Intelligenz zu schaffen. Denn die Kombination von Mensch und Maschine ist unschlagbar.