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Interview mit Ralf Pfitzner

„Unsere Kunden erwarten Nachhaltigkeit“

Ralf Pfitzner ist seit Jahresbeginn neuer Leiter Nachhaltigkeit des Volkswagen Konzerns. Im Interview spricht er über Klimaschutz, Vertrauen und ambitionierte Umweltziele.

Nachhaltigkeit ist ein umfassender Begriff - was verstehen Sie darunter?

Nachhaltigkeit beginnt bei der Art, wie wir Entscheidungen treffen. Wenn wir planen, dann müssen wir neben den ökonomischen immer auch die ökologischen Gesichtspunkte im Blick haben. Pragmatisch und offen für vernünftige Kompromisse. Nachhaltigkeit ist aber nicht nur grün – es geht auch um Menschenrechte, um Integrität, gesellschaftliches Engagement, Kulturwandel, Weiterentwicklungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Das alles trägt zum nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg bei.

Die Konzernstrategie stellt nachhaltiges Wachstum in den Mittelpunkt. Was sind die wichtigsten Handlungsfelder?

Das Wachstum muss mit den richtigen Produkten und Services stattfinden. Beim Klimaschutz wollen wir zum „Teil der Lösung“ werden. Ganz wichtige Weichenstellungen sind hier der entschlossene Ausbau der Elektromobilität mit der Roadmap E, weitere Investitionen in unsere modernen Verbrennungsmotoren, das Angebot von CNG-Fahrzeugen und neue Mobilitätsdienste, wie sie MOIA entwickelt.

Was hat das Unternehmen sonst in puncto Nachhaltigkeit zu bieten?

Der Volkswagen Konzern leistet viele positive gesellschaftliche Beiträge, die wir bisher nicht systematisch darstellen. Denken Sie an die Beschäftigung von mehr als 600.000 Mitarbeitern weltweit, die Ausbildung junger Menschen, unser riesiges Einkaufsvolumen mit entsprechenden Arbeitsplätzen bei Zulieferern, indirekte Effekte in der Lieferkette und die Tatsache, dass wir individuelle Mobilität für viele Millionen Menschen gewährleisten. Wir engagieren uns global in vielen tollen Initiativen – sei es für Artenschutz, die Förderung von benachteiligten Jugendlichen oder die Flüchtlingshilfe. Es gibt also vieles, worauf wir stolz sein können. Allerdings sind die Initiativen sehr heterogen. In Zukunft werden wir mit einer Corporate Citizen-Strategie noch klarer Prioritäten setzen, um die Wirksamkeit zu erhöhen.

Was gehen Sie zuerst an?

Wir wollen Nachhaltigkeit noch stärker im Kerngeschäft verankern. Beim Klimaschutz beziehungsweise bei der Dekarbonisierung müssen wir noch mehr tun – in der Lieferkette, bei der eigenen Produktion und bei den Fahrzeugen für unsere Kunden. Die geplante Umstellung der Groß-Kraftwerke am Standort Wolfsburg auf umweltverträglichen Erdgasbetrieb ist ein wesentlicher Schritt. Weitere Schritte beim Einsatz erneuerbarer Energien sollten folgen – auch weil es sich zunehmend wirtschaftlich lohnt. Wir müssen aber auch an vermeintlich schwierige Themen ran wie die CO₂-Effizienz unserer eigenen Dienstfahrzeuge.

Wie glaubwürdig ist der Konzern beim Thema Nachhaltigkeit?

Leider haben wir durch die Dieselkrise spürbar an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Dieses Vertrauen wollen wir zurückgewinnen. Zum einen setzen wir dabei auf konkrete Initiativen und Investitionen in die Nachhaltigkeit. Zum anderen werden wir den offenen Dialog mit unseren Stakeholdern fortsetzen und dabei auch Zielkonflikte ehrlich ansprechen. Diese Art von Transparenz ist essenziell. Unser Handeln muss glaubwürdig sein – dann können wir auch verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

Wenn wir es richtig angehen, ist Nachhaltigkeit kein Kostenfaktor, sondern ein Investment in ein zukunftsfähiges Unternehmen.

Ralf Pfitzner Leiter Nachhaltigkeit des Volkswagen Konzerns

Neue Technologien und neue Wettbewerber verändern die Automobilbranche fundamental. Kann sich Volkswagen das Engagement für die Nachhaltigkeit überhaupt leisten?

Wenn wir es richtig angehen, ist Nachhaltigkeit kein Kostenfaktor, sondern ein Investment in ein zukunftsfähiges Unternehmen. Es gibt meines Erachtens auch wirtschaftliche Potenziale, die wir bisher unzureichend nutzen: Manche Umwelt-Investition mag sich nach zwei Jahren noch nicht rechnen – nach fünf Jahren dagegen schon. Das sollten wir in unseren internen „Spielregeln“ berücksichtigen. Im Mittelpunkt stehen immer unsere Kunden. Sie möchten unsere Produkte mit gutem Gewissen kaufen und erwarten von uns Nachhaltigkeit. Viele Flottenkunden haben zudem strenge Vorgaben für den CO₂-Ausstoß. Mit anderen Worten: Wir können es uns nicht leisten, an der Nachhaltigkeit zu sparen.

Was muss sich in den Köpfen verändern, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen?

Wir müssen stärker gesamtheitlich und in Ökosystemen denken. Ein gutes Beispiel ist die Elektromobilität: Energie- und Verkehrswende müssen Hand in Hand gehen, um die Klimaziele zu erreichen. Innerhalb des Unternehmens brauchen wir eine enge Zusammenarbeit ohne Silodenken. Insofern ist der Kulturwandel ein wichtiges Fundament für Nachhaltigkeit.

Was kann der einzelne Mitarbeiter zu einem nachhaltigen Unternehmen beitragen?

Es gibt viele einfache Dinge: Ich kann die Lampen und Geräte ausstellen, wenn ich von der Arbeit nach Hause gehe. Ich kann darauf achten, dass meine Abteilung mit effizienten Prozessen arbeitet, die keine Ressourcen verschwenden. Viele Mitarbeiter engagieren sich zudem ehrenamtlich in sozialen, kulturellen oder Umwelt-Projekten. Volkswagen unterstützt das. Nachhaltigkeit ist eine Riesen-Chance, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren und mit Stolz zur Arbeit zu gehen.

Woran lässt sich der Fortschritt messen?

Innerhalb des Unternehmens ist das Stimmungsbarometer ein sehr gutes Mittel, um Feedback der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen. Darüber hinaus stellen wir uns bei Ratings und Rankings der Beurteilung durch externe Experten. Themen wie Risikomanagement, Compliance oder Umwelt- und Klimaschutz werden für professionelle Anleger immer wichtiger. Nicht zuletzt bekommen wir wertvolles Feedback von den Mitgliedern des Nachhaltigkeitsbeirats, die uns als unabhängige Fachleute beraten und einen Spiegel vorhalten. Das ist sehr wertvoll.

Was zeichnet ein nachhaltiges Unternehmen im Jahr 2025 aus?

Als großer Automobilhersteller wollen wir bei der Senkung der globalen CO₂-Emissionen Teil der Lösung sein. Gemeinsam mit den Städten wollen wir neue, nachhaltige Mobilitätslösungen entwickeln – so wie wir es beispielsweise schon in Hamburg tun. Der Volkswagen Konzern soll Vorbild sein bei Nachhaltigkeit und Integrität, ein anerkannter Gesprächspartner für seine Stakeholder und dabei hoch profitabel.

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