1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2018
  5. 08
  6. Der Weg ins Freie

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

Der Weg ins Freie

Interview mit Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin

Die Lust, über die Friedrichsbrücke auf die berühmte Museumsinsel zu wandern, scheint ansteckend zu sein an diesem Morgen. Die Menschen strömen zur Alten Nationalgalerie, lösen ihre Eintrittskarte und erklimmen die Stufen zur Ausstellung. Dabei sind gerade einmal ein paar Minuten vergangen, seitdem das Kunstmuseum seine Tore geöffnet hat. ...

... „Das ist, was wir uns erhofft haben“, sagt Dr. Ralph Gleis zur ausgezeichneten Besucherresonanz der Ausstellung „Wanderlust“ in Berlin. Im Interview spricht der Leiter der Alten Nationalgalerie über eine wichtige Voraussetzung für Kreativität und über Künstler, die Seismographen gesellschaftlicher Veränderungen sind. Und darüber, was die Zusammenarbeit mit Volkswagen für ihn bedeutet.

Herr Dr. Gleis, was bewegt so viele Menschen, in die Kunstausstellung „Wanderlust“ zu gehen?

Wir zeigen ihnen grandiose Bilder der Landschaftsmalerei, und jedes für sich erzählt eine starke Geschichte. Um uns herum sehen wir Besucher jeden Alters. Das Wandern scheint also ein Thema zu sein, das über die Kunst hinauswirkt. So sprechen wir viele Menschen an, auch die, die gerne in die Natur hinausgehen. Nach seinem Besuch hat mir einer geschrieben, dass unsere Ausstellung für ihn wie ein Kurzurlaub gewesen sei. Allein die Stille der Berge hätte ihm wegen der vielen Besucher gefehlt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dem Thema Wandern eigens eine Ausstellung zu widmen?

In der Alten Nationalgalerie ist diese Idee schon länger kursiert. Die Idee wurde zum Projekt, als es uns gelungen war, eine ganz besondere Leihgabe aus der Hamburger Kunsthalle für unsere Ausstellung zu gewinnen: den „Wanderer über dem Nebelmeer“ von Caspar David Friedrich, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts der überragende Künstler in Deutschland war. Wir haben dann eine internationale, epochenübergreifende Ausstellung zusammengestellt – ausgehend von der Romantik und Caspar David Friedrich bis zur klassischen Moderne und Emil Nolde.

Wie hängen das Wandern und die Kunst nun zusammen?

Im 18. Jahrhundert war Wandern eine neue Kulturtechnik, und Künstler gehörten zu den ersten, die ihre Wanderschuhe geschnürt haben. Nicht nur, um in der Natur neue Motive zu entdecken, sondern auch, um ihre Kreativität zu wecken. Wandern ist ja keine vorherbestimmte Reise von A nach B. Es ist der Gang ins Ungewisse, weil man sich auf ein unbekanntes Ziel einlässt – und das ist eine zentrale Voraussetzung für kreative Prozesse. In die Natur zu gehen und dort die Eindrücke direkt in Skizzen zu überführen und ab Mitte des Jahrhunderts – mit der Erfindung der Tubenfarbe – dann auch vor Ort auf die Leinwand zu bringen, war geradezu revolutionär. Landschaftsmalerei war plötzlich ein Experimentierfeld, und die Künstler haben die neue Freiheit genossen.

Warum haben Sie das Gemälde von Caspar David Friedrich zum Ausgangspunkt der Ausstellung gemacht?

„Der Wanderer über dem Nebelmeer“ ist eine Figur, mit der sich jeder von uns identifizieren kann. Als würde man selbst auf der Spitze des Berges stehen und diesen großartigen Ausblick über die Bergwelt vor Augen haben. Man kann den Eindruck gewinnen, dass das Gemälde ein Fenster in eine weitere Welt öffnet.

Wie meinen Sie das?

Kunst ist immer ein Spiegelbild der Gesellschaft, und Künstler wie Caspar David Friedrich waren Seismographen des gesellschaftlichen Umbruchs. Manchmal sind die Künstler Beobachter, die diese Prozesse in ihren Bildern verarbeiten – und manchmal sogar Protagonisten, die die Prozesse befördern.

Welcher Künstler gehört in diese Kategorie?

Wandern war der Ausdruck eines ganz neuen Lebensgefühls: des Freiseins. Das großformatige Gemälde „Bonjour Monsieur Courbet“ zeigt den Künstler, wie er seinem wichtigsten Mäzen als selbstbestimmter Künstler entgegentritt: mit Wanderstab und in Gamaschen. Das Bild mit dem Selbstporträt als Wanderer zeigt seinen Stolz und Eigenständigkeit. Im Jahr 1855 war die Weltausstellung in Paris die erste, die Kunst in großem Ausmaß zeigte. Und Courbet war so frei, mehr als vierzig seiner Werke in einem unabhängigen Ausstellungsraum – heute würde man dazu Offspace sagen – zur Schau zu stellen.

Dr. Ralph Gleis vor dem Gemälde „Bergsteigerin“ von Jens Ferdinand Willumsen in der Ausstellung „Wanderlust“, Alte Nationalgalerie, Berlin

Der Weg durch die Ausstellung endet mit der „Bergsteigerin“ von Jens Ferdinand Willumsen. Warum?

Für die Darstellung des Themas Wandern von Caspar David Friedrich bis zu diesem Zeitpunkt, ungefähr hundert Jahre später, bildet das Gemälde eine gute Klammer. Vor einer Hochgebirgslandschaft malt der dänische Künstler seine Frau in lebensgroßem Format. Mit weitem Rock und bequemem Pullover zeigt sie, dass Wandern keine Domäne der Männer war. Frauen sind selbstbewusst durch die Natur gewandert – ohne Zweck und Ziel, was lange Zeit als unschicklich gegolten hatte. In Dänemark ist die „Bergsteigerin“ eine Ikone.

Wieso ist es für uns von Bedeutung, sich über Künstler und die Landschaftsmalerei mit einer Zeit auseinanderzusetzen, die Hunderte Jahre zurückreicht?

Uns verbindet die ähnliche Gefühlslage. Wie die Menschen an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert leben wir in einer Zeit, in der das Tempo eine große Rolle spielt und die viele als sehr beschleunigt wahrnehmen. Vieles verändert sich: gesellschaftlich, politisch, technisch. Und so versuchen auch wir uns Freiräume zu verschaffen wie seinerzeit die Künstler, die es in die Natur zog, um sich selbst zu begegnen und zu entschleunigen.

Wandern Sie gerne?

Zur Arbeit gehe ich häufig zu Fuß. Ich finde das angenehm, weil ich so am besten meinen Gedanken nachgehen kann.

Mit der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin verbindet Volkswagen eine langjährige Partnerschaft. Was bedeutet die Zusammenarbeit für Sie?

Es ist unheimlich wichtig, dass wir in Volkswagen einen Partner haben, mit dem wir solche Ausstellungen realisieren können – und das unabhängig von Vorgaben. Es gibt die Freiheit, Themen aufzugreifen, die wir für relevant halten. Wir pflegen einen guten Austausch, um gemeinsam Ideen zu entwickeln und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Was dabei herauskommen kann, sehen wir in diesem Projekt: eine spannende Ausstellung, die viele begeistert.

  • Rollendes Atelier

    Das „Rollende Atelier“¹ – ein mobiles Kunststudio für die museumspädagogische Arbeit der Staatlichen Museen zu Berlin

    Kunst entdecken, Ideen entwickeln: Das „Rollende Atelier“ ist eine Kreativwerkstatt auf vier Rädern. Vor wenigen Wochen hat Volkswagen den VW Multivan an die Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin übergeben. Es unterstützt die kulturelle Bildungsarbeit in den sechs Häusern der Nationalgalerie. Umgerüstet wurde das Fahrzeug nach den Vorstellungen von Kindern: Mit Zeichnungen hatten sie ihre Wünsche zum Ausdruck gebracht. Während der Ausstellung „Wanderlust“ ist die fahrende Kreativwerkstatt zum ersten Mal im Einsatz. Junge Ausstellungsbesucher nutzen es derzeit als Freiluftatelier, wo sie ihre Eindrücke von den Kunstwerken in eigene Bilder umsetzen können.

Verbrauchskennzeichnungen:

  1. Transporter Kastenwagen BlueMotion, 2,0-l-TDI-Motor mit 110 kW, Kraftstoffverbrauch in l/100 km: innerorts zwischen 7,5 und 7,1, außerorts zwischen 5,2 und 4,8, kombiniert zwischen 6,1 und 5,6. CO2-Emission in g/km: kombiniert zwischen 158 und 147.