1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2018
  5. 11
  6. Lissabon: Vier Augen für bessere Software

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

Lissabon: Vier Augen für bessere Software

Lissabon: Vier Augen für bessere Software

„Extreme Programming“ heißt die Methode, mit der der Volkswagen Konzern nun auch im neu eröffneten SDC Lissabon Software entwickelt. Zwei Mitarbeiter coden immer gemeinsam denselben Abschnitt – eine der modernsten Entwicklungsmethoden für Softwareprodukte.

Die Software-Entwickler Leo Dias (rechts) und Tiago Mendes an ihrem Arbeitsplatz im SDC Lissabon

Leo und Tiago reden miteinander. Das tun sie den ganzen Tag lang. Die beiden jungen Software-Entwickler sitzen vor ihren großen Bildschirmen, doch was sie dort sehen, ist dasselbe: ein Programmcode in der Entstehung, bunte Textzeilen auf schwarzem Hintergrund. Beide arbeiten immer am gleichen Abschnitt des Codes. Während einer der beiden neue Code-Zeilen tippt und darüber spricht, was er sich dabei denkt, kommentiert der andere es, korrigiert, ergänzt. So geht das einige Stunden lang, dann wechseln die beiden die Rollen.

Leo Dias und Tiago Mendes sind Entwickler im neuen Software Development Center (SDC) Lissabon von Volkswagen. Die Methode, mit der Dias, Mendes und ihre Kollegen im neuen Büro mitten im Zentrum der Stadt arbeiten, nennt sich „Extreme Programming“. Das Verfahren ist auch in der Software-Branche für viele noch ein Novum. Die Grundlage ist das sogenannte Pairing: immer jeweils zwei Entwickler, UX-Designer oder Produktmanager arbeiten einen Tag lang an demselben Produkt, am nächsten Tag werden neue Paare gebildet. Das Ziel dieser Methode: bessere und nahezu fehlerfreie Software.

Der Volkswagen Konzern hat in Lissabon ein neues Software Development Center (SDC) eröffnet. Hier wird wie in anderen IT-Entwicklungsstandorten des Konzerns mit einer speziellen Methode gearbeitet: „Extreme Programming“. Die sorgt für bessere Software.

------------------
Weitere Informationen finden Sie auf http://www.volkswagenag.com und auf Twitter: http://www.twitter.com/vwgroup_de

Hinweis nach Richtlinie 1999/94/EG in der jeweils gegenwärtig geltenden Fassung: Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem "Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Straße 1, D-73760 Ostfildern oder unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

Extreme Programming: Software Development Center Lissabon

Bessere Software, weniger Fehler

Tom George und Stefan Gotthardt leiten gemeinsam das SDC Lissabon

„Es macht uns schneller und es macht Spaß, so zu arbeiten“, sagt Tom George. Der Engländer ist einer der beiden Leiter des SDC Lissabon. „Die Qualität der Software ist dadurch so hoch, dass wir hinterher viel weniger Zeit für Fehlerkorrekturen, das Bugfixing, aufwenden müssen“, stimmt ihm Stefan Gotthardt, Toms Partner in der Leitung, zu. Tom hat vorher das SDC in Wolfsburg geleitet, Stefan das Digital:Lab Berlin aufgebaut. Beides sind ebenso große wie innovative IT-Entwicklungsstandorte bei Volkswagen. Gemeinsam bringen sie die dort erprobten Prinzipien der Software-Entwicklung nun in die portugiesische Hauptstadt.  

„Extreme Programming“ ist ein Ansatz, den die IT des Volkswagen Konzerns aus dem Silicon Valley aufgegriffen hat. „Wir haben uns angesehen, was Software-Unternehmen dort erfolgreich macht“, sagt Martin Hofmann, CIO des Volkswagen Konzerns. Das Pairing sorge beispielsweise dafür, dass sich keine „Kopfmonopole“ bilden, so Hofmann. Er meint damit eine Sammlung von Know-how bei einzelnen Mitarbeitern, die das nicht weitergeben. Moderne Software-Entwicklung kann so nicht funktionieren.

Die Arbeit im Duo ist nur ein Bestandteil der Methode, die der Volkswagen Konzern von der Softwarefirma Pivotal aus Palo Alto übernommen und dann selbst weiterentwickelt hat. Wesentlich ist auch, dass die Teams eigenverantwortlich arbeiten, erläutert Stefan Gotthardt. Jedes Team besteht aus zwei Produktmanagern, zwei Designern und vier bis acht Entwicklern. Im morgendlichen Standup, also einer gemeinsamen Teamrunde, klärt das Team, wer an welchem Projekt arbeitet und in welchen Paaren entwickelt wird. „Unser Job ist es nicht, den Teams dabei über die Schulter zu sehen, sondern ihnen den Rücken freizuhalten“, erklärt Gotthardt seine Rolle als Leiter des SDC.  

Der neue Entwicklungsstandort in Lissabon ist ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierungsstrategie des Konzerns. Zum einen schließt Volkswagen derzeit eine Reihe strategischer Partnerschaften mit führenden Technologie-Unternehmen. Zum anderen baut der Konzern mit Hochdruck seine eigene Software-Kompetenz aus. „Das dafür notwendige Know-how bauen wir dezentral auf“, erklärt CIO Hofmann. „Denn um die Besten für uns zu gewinnen, müssen wir dorthin, wo die Besten sind.“ Nach Wolfsburg und Berlin ist Lissabon das dritte SDC dieser Art. 300 IT-Fachkräfte sollen schon bald für den Volkswagen Konzern in Lissabon arbeiten, 100 davon in einem nahegelegenen Office von MAN Truck & Bus, das nun ebenfalls eröffnet wurde.

Team entscheidet über Neueinstellung

Beim Aufbau seiner Software-Kompetenz setzt der Konzern auch auf neue Ansätze. Über Einstellungen entscheiden weder die Chefs noch die Personalabteilung, sondern jedes Entwicklungs-Team selbst. Der Bewerbungsprozess ist jedoch ziemlich streng, wie George und Gotthardt erläutern. Nachdem Interessenten ein erstes Skype-Interview mit den beiden Leitern absolviert und sich mit einem Programmiertest qualifiziert haben, arbeiten sie einen Tag lang ganz regulär in einem Projekt mit. Dann entscheidet das Team, ob der Bewerber zu ihnen passt. „Wir suchen die Fähigkeit, zu kommunizieren, zu formulieren und zu hinterfragen, auch sympathisch zu sein, das sind wichtige Kriterien“, bringt es Hofmann auf den Punkt.

Der Vorteil für die Bewerber: Auch sie können bereits im Bewerbungsprozess feststellen, ob diese Arbeitsweise das ist, wonach sie suchen. Immerhin haben sich die Entwicklerteams einige strikte Regeln auferlegt: kein E-Mail und Web-Browsing während der Arbeitszeit, keine Gleitzeit, kein Homeoffice. Aber: eben auch keine Ablenkung - und keine Mehrarbeit, um den Tag nachzuholen. Denn alle Teams starten gemeinsam um 8:30 Uhr morgens, machen gleichzeitig Mittagspause und beenden die Entwicklung um 17:30 Uhr. Da bleibt trotz Hochleistung noch viel Zeit für Privates, sagt Hofmann.

Präsident eröffnet SDC

So fokussiert die Atmosphäre während der Arbeit im SDC auch sein mag, an eine Fabrik erinnert das neue Büro sicher nicht. Das Gebäude, früher eine Ausbildungseinrichtung für Mediziner und Pflegepersonal, wurde komplett renoviert. Für die Standups und zum Essen treffen sich die Mitarbeiter aus derzeit fünf Nationen in einer großen Küche. Meetings oder Abendveranstaltungen finden in einem mit Kunstrasen ausgelegten Hörsaal statt. Es herrscht eine familiäre Start-up-Atmosphäre.

„Lissabon ist ein großartiger Standort“, erklärt Stefan Gotthardt während eines Gespräches auf dem Balkon. „Die Stadt ist voll auf Digitalisierung gepolt, wir arbeiten deshalb sehr eng und gut mit der Verwaltung zusammen. Lissabon hat zudem eine sehr lebendige Technologie- und Start-up-Szene, das macht es uns leicht, Anschluss zu finden.“ Unternehmen wie Amazon oder Google haben ebenfalls Büros in der Stadt eröffnet. Tom George ist überzeugt, dass er und seine Kollegen schnell Talente vom Volkswagen SDC überzeugen können. „Tolle Projekte, gute Arbeitsatmosphäre, internationale Kolleginnen und Kollegen - das sind gleich drei Argumente, die bei vielen Bewerbern ziehen.“

Die Begeisterung des Teams von Volkswagen für Lissabon beruht auf Gegenseitigkeit, wie bei der Eröffnung des Büros zu beobachten war. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa nutzte die Gelegenheit, die Mitarbeiter von Volkswagen und MAN Truck & Bus persönlich zu begrüßen. Auch Lissabons Bürgermeister Fernando Median und Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira waren zu Gast.

Staatspräsident Sousa kennt das Gebäude gut, er hat früher in der Nähe gelebt. „Es ist beeindruckend zu sehen, was Sie aufgebaut haben. Wir sind stolz darauf, Sie hier zu haben.“ Es sei beeindruckend für ihn, all die jungen und talentierten Menschen zu sehen, sagte Sousa. Gerade im aktuellen politischen Klima sei es wichtig, Brücken zu bauen zwischen den Ländern und gemeinsam etwas aufzubauen. Dem SDC-Team wünschte er viel Erfolg. „Das ist der Beginn einer lang andauernden Freundschaft.“