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Bye bye, Beetle – Abschied vom Kultauto

Der New Beetle verbindet seit dem Start 1998 Tradition und Lifestyle. Weltweit haben er und sein 2011 vorgestellter Nachfolger Beetle Millionen Fans gefunden. 2019 läuft die Produktion aus.

Am Anfang steht eine Vision, ein Traum, wie er genauso in das Land passt, das sich seiner unbegrenzten Möglichkeiten rühmt: Im American Design Center, das Volkswagen 1991 im südkalifornischen Simi Valley in den USA eingerichtet hat, tüfteln Mitarbeiter an einem Fahrzeug mit alternativer Antriebstechnik. Wie könnte so ein Fahrzeug aussehen? Sie wissen, dass in den USA immer noch der Käfer als der Inbegriff eines Volkswagens gilt, Ikone und Symbol für Qualität. Also entwickeln die Designer Freeman Thomas und J. Carrol Mays ein Fahrzeug mit einer runden Gestalt, die gleichermaßen Tradition und Moderne widerspiegelt. Auf der Detroit Motor Show präsentieren sie im Januar 1994 schließlich ihre Studie „VW Concept One“, ein Auto wie eine Halbkugel, fließende Formen, kompakt, anders, retro – eine Sensation und die Geburtsstunde des Volkswagen New Beetle.

Gestatten: der New Beetle

Der New Beetle verkörpert Lifestyle und Zeitgeist

Die positive Reaktion des Publikums und der Fachmedien ermutigt Volkswagen, die Idee weiterzuverfolgen. Schon im März desselben Jahres stellt die Marke auf dem Automobilsalon in Genf ein Cabrio auf Basis des „Concept One“ vor, im Herbst 1995 folgt auf der Tokio Motor Show eine Version, bei der das Design besser auf die technischen Erfordernisse der Automobilproduktion angepasst ist. Noch im November fällt schließlich die Entscheidung, „Concept One“ bis zur Serienreife zu entwickeln. Fünf Monate später machen die Besucher des Genfer Autosalons Bekanntschaft mit einer erneut überarbeiteten Studie, dessen Glasdach sich elektrisch öffnen lässt – The New Beetle.

Von da an dauert es nur noch zwei Jahre, bis im März 1998 die ersten Exemplare des New Beetle in den USA verkauft werden – und ein weiteres halbes Jahr, bis auch Autofahrer in Europa einen New Beetle bestellen können. Da der US-Markt von Beginn an eine sehr zentrale Rolle bei der Entwicklung des neuen Modells spielt, lässt Volkswagen das Auto in seinem Werk im mexikanischen Puebla herstellen.

Komfort im Cockpit

Der New Beetle trifft in den späten 90er-Jahren den Nerv der Zeit. Internet und Billigflieger lassen die Welt näherzusammenrücken, der gefühlte Stillstand der 80er-Jahre, denen Florian Illies in „Generation Golf“ huldigt, weicht einer Art globalen Dynamik. Techno kommt in Mode und – gewissermaßen als Kehrseite der Medaille – der Grungerock. In den USA regiert der Demokrat Bill Clinton mit Charme und Charisma. Mit der Wahl von Gerhard Schröder zum Bundeskanzler geht 1998 in Deutschland die Ära Kohl zu Ende, und mit der letzten Folge von „Derrick“ verschwindet in dem Jahr auch ein Fernseh-Dino von der Bildfläche. Stattdessen schaut jetzt die halbe Welt „Ally McBeal“ und „Sex and the City“.

In diese Aufbruchsstimmung passt der New Beetle perfekt. Er steht für einen dynamischen Lifestyle, für eine smarte Lockerheit. Er ist das Auto, zu dem der Bauch laut ja sagt und für das sich der Verstand guten Gewissens entscheidet. Vor allem sein extravagantes Aussehen, das Traditionsbewusstsein mit moderner Formensprache verbindet, findet viele Liebhaber. Eine große deutsche Tageszeitung schreibt damals durchaus zeitgeistig, der New Beetle sei ein Blech gewordenes Lustobjekt: die Wiedergeburt des Autos aus dem Geist des Fitnessstudios. Doch bei aller Designverliebtheit ist der New Beetle ein Auto, das moderne Anforderungen an Sicherheit, Komfort, Alltagstauglichkeit und Verbrauch erfüllt.  Nebenbei ist er ein Trendsetter: Nach dem Erfolg des New Beetle entdecken auch andere Hersteller den Reiz des Retro-Charmes für ihre Marken.  

Vielen Dank für die Blume

Die Vase am Armaturenbrett ist eine Reminiszenz an den Käfer

Der New Beetle basiert er technisch auf dem Golf IV. Der Motor ist vorne quer statt hinten liegend eingebaut, mit dem Golf IV teilt sich der New Beetle die A4-Plattform und viele Fahrwerkskomponenten. Zum Start 1998 stehen zwei Motorisierungen zur Verfügung, ein Benziner mit 2-Liter-Hubraum und 85 kW sowie ein 1,9-Liter-Turbodiesel mit Direkteinspritzung (66 kW). Nach und nach kommen weitere Motorvarianten hinzu, die die ganze Bandbreite von entspannter bis zu sportlicher Fahrweise abdecken. 2003 präsentiert Volkswagen das erste Beetle Cabriolet mit einem auf der Karosserie aufliegenden Faltdach und 2005 ein optisch leicht modifiziertes Modell.

In den USA erfreut sich der New Beetle von Beginn an besonderer Beliebtheit. Das anfängliche Kalkül von Volkswagen geht auf: Der New Beetle trägt dazu bei, dass Volkswagen 1998 seinen Verkauf in Nordamerika um rund 55 Prozent steigern kann. 1999 erzielt der Konzern mit mehr als 380.000 in den USA verkauften Fahrzeugen sein bestes Ergebnis seit fast 25 Jahren. Bis zum Modellwechsel 2010/2011 werden mehr als die Hälfte der produzierten rund 1,2 Millionen Exemplare in den Vereinigten Staaten verkauft. „Bug“ nennen sie den New Beetle hier liebevoll. Prominente wie der TV-Moderator und Autonarr Jay Leno zeigen sich begeistert von dem Auto, der deutsche Entertainer Thomas Gottschalk fährt mit dem Beetle durch seine Wahlheimat Malibu.  

Länger, breiter und genauso Kult

Bug in the City: Fahrspaß mit dem Pink Beetle

Als Volkswagen die zweite Generation des neuen Beetle auf den Markt bringt, genießt der Wagen schon Kultcharakter. Er teilt sich nun mit anderen Modellen der Kompaktklasse aus dem Volkswagen Konzern die A5 genannte Plattform, ist mit knapp 4,28 Metern deutlich länger als sein Vorgänger und hat auch in der Breite um fast neun Zentimeter zugelegt. Das schafft mehr Platz im Innen- und Laderaum. Auch der Neue bietet Reminiszenzen an den klassischen Käfer, vor allem im Innenraum: Handschuhfach, Halteschlaufen, Armaturen erinnern an das Original.

Doch Kult ist nicht immer gleichbedeutend mit Verkauf. Etwa 600.000 Exemplare des Beetle sind seit 2011 ausgeliefert worden. Seit ein paar Jahren fällt die Kurve, der Geschmack der Autokäufer verändert sich. SUVs verkörpern den neuen Trend, den auch die Marken von Volkswagen mit etlichen Modellen prägen. An die globalen Verkaufserfolge des neuen „Volkswagens“, des Golf, ist der Beetle nicht herangekommen.

Dennoch werden nicht nur die Fans des runden Kompakten das bevorstehende Ende des Beetle mit ein wenig Wehmut sehen: Im Sommer 2019 wird die Produktion eingestellt. Den Abschied versüßen wird gewiss die sogenannte Final Edition, die Volkswagen auf der Los Angeles Motorshow vorstellen wird. 

Verbrauchskennzeichnung

Beetle Cabriolet – Kraftstoffverbrauch in l/100 km: innerorts 9,2 – 5,0 / außerorts 5,6 – 3,9 / kombiniert 6,9 – 4,3; CO2-Emission kombiniert in g/km: 160 – 114; Effiziensklasse: D – A