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Flexible Lösungen für Familie und Beruf

Flexible Lösungen für Familie und Beruf

Verantwortung im Job übernehmen und zugleich für eine Familie da sein – eine Mammutaufgabe. Als familienfreundlicher Arbeitgeber unterstützt der Volkswagen Konzern seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei. Fünf unterschiedliche Beispiele, die zeigen: Eltern wissen flexible Arbeitszeiten zu schätzen.

Seit einer ganzen Weile ist es schon wieder dunkel, wenn Jack Roca morgens das Haus verlässt: Gegen 5 Uhr klingelt sein Wecker, bald darauf steigt er aufs Motorrad, um von Berlin-Marzahn zum Hauptbahnhof zu fahren. Um kurz nach 6 Uhr sitzt er im ICE nach Wolfsburg.

Dreimal pro Woche macht der Fahrzeugtechnik-Ingenieur das, weil sein Arbeitsplatz in Wolfsburg ist, seine Frau und die zweieinhalbjährigen Zwillinge allerdings in der Hauptstadt leben. Ein Umzug kommt nicht in Frage, da die kleine Familie fest verwurzelt in Berlin ist: Rocas Frau arbeitet dort, zudem wohnen seine Eltern und Schwiegereltern in der Nähe. Mit seinem Vorgesetzten hat Roca ein Modell ausgehandelt, das die Pendelei erträglich macht: Seine Arbeitszeit von 25 Stunden verteilt er auf drei Tage, montags und freitags hat er frei. Dann bringt er seine Kinder in die Kita und kümmert sich um Familienangelegenheiten und persönliche Termine, während seine Frau in Büro ist.

Willkommen in der modernen, familienfreundlichen Arbeitswelt! Was vor 20 Jahren undenkbar war, wird nach und nach Realität: Mütter von sieben Kindern werden Bundesministerin. Väter halten ihren Karriere machenden Frauen den Rücken frei. Männer nehmen mehrere Monate Elternzeit. Paare teilen sich die Familien- und Erwerbsarbeit fair untereinander auf.

Das bedeutet nicht, dass familienfreundliche Arbeitsmodelle schon überall eine Selbstverständlichkeit sind. Aber sie setzen sich nach und nach durch. Wir stellen Beispiele aus dem Volkswagen Konzern vor.

Jack Roca – der Pendler

Jack Roca pendelt dreimal pro Woche zur Arbeit nach Wolfsburg. Mit seiner Frau und den zweieinhalbjährigen Zwillingen lebt er in Berlin

Nach der Geburt seiner Kinder hatte der Ingenieur zehn Monate Elternzeit genommen. Seit fast zwei Jahren arbeitet er in Teilzeit. Möglich sei sein Modell dank eines verständnisvollen Vorgesetzten. „Es ist ein Geben und Nehmen“, meint Roca, der bei Volkswagen Nutzfahrzeuge im Bereich Entwicklung Karosserie tätig ist: Falls er mal Job-Termine hat, die auf einen Freitag fallen, tauscht er seinen freien Tag. Umgedreht kann der Zwillingsvater auf Entgegenkommen hoffen, wenn bei ihm wichtige private Termine anstehen. Auch wenn der 34-Jährige demnächst wieder auf eine Vollzeitstelle aufstockt, setzt er auf die Unterstützung seines Chefs und wird einen Teil der Zeit mobil und von zu Hause aus arbeiten.  

Carmen Theimert – die Führungskraft in Teilzeit

Das orts- und zeitunabhängige Arbeiten ist das, was auch nach Meinung von Carmen Theimert die größte Erleichterung für berufstätige Eltern bringt. Als Leiterin der E-Mobilitäts-Versuchsabteilung bei MAN arbeitet sie Teilzeit (80 Prozent) und nutzt die Möglichkeiten des Flex-WorkModells, wie es offiziell heißt, regelmäßig. Auch ihre 15 Mitarbeiter können problemlos Arbeitstage außerhalb des Büros einlegen. Dafür stellen sie kurzfristig einen Antrag, den Theimert online freigibt. Etwa einmal pro Monat fällt das im Schnitt bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, sie selbst nutzt die Möglichkeit vielleicht alle ein bis zwei Monate.

Carmen Theimert ist Leiterin der E-Mobilitäts-Versuchsabteilung bei MAN. Sie arbeitet Teilzeit (80 Prozent) und nutzt die Möglichkeiten des Flex-Work-Modells

„Viel wichtiger als die Frage, ob ich tatsächlich von zu Hause aus arbeite, ist der Umstand, dass ich es im Fall der Fälle tun könnte“, sagt Theimert – insbesondere, wenn der Tagesablauf straff mit privaten und beruflichen Terminen organisiert werden muss. Etwa wenn ihr dreijähriger Sohn oder ihre sechsjährige Tochter einen Arzttermin haben. Dann sorge die Flex Work-Regelung für enorme Gelassenheit, weil dadurch nicht jede Abweichung vom Alltag zum Notfall werde.

Zudem gibt es noch andere Beispiele, dass Arbeit nicht immer im Büro stattfinden muss: Auf dem Weg ins Büro führt die promovierte Ingenieurin im Auto bereits die wichtigsten Telefonate. Oder wenn sie um 15 Uhr Feierabend gemacht und sich anschließend ihren Kindern gewidmet hat, reagiert sie am frühen Abend auf wichtige und dringende E-Mails oder stimmt sich telefonisch mit ihrem Vorgesetzten ab.   

„Seit das Flex Work Modell vor etwa einem Jahr eingeführt wurde, ist es deutlich einfacher für alle geworden, Arbeit und Familie zu vereinbaren“, sagt Theimert. Nach wie vor als Herausforderung empfindet sie hingegen Dienstreisen. Alle zwei Monate fliegt sie zu Scania nach Schweden oder zu Zulieferunternehmen auch mal nach Südkorea. Ohne Kinder, so sagt sie, würde sie es wohl häufiger machen. Allerdings hängt viel Organisation an solchen Trips. Ihr Mann, ein Geologe bei den Stadtwerken München, kann die Kinder nicht täglich um 15.30 Uhr abholen, zumal er selbst eine Projektleiteraufgabe in einer Vier-Tage-Woche bewältigt. Theimerts Mutter rückt dann an und übernimmt die Kinderbetreuung.  

Fredy Germerott – der Wochenendvater

Andere Aufgabe, andere Familiensituation: Fredy Germerott arbeitet in der Produktionsplanung der Marke Volkswagen in Vollzeit. Seine Stelle in Wolfsburg ließe ihm grundsätzlich die Möglichkeit, abends oder morgens seine zehnjährige Tochter zu sehen – wenn diese nicht 260 Kilometer entfernt bei ihrer Mutter leben würde. Germerott und seine Ex-Frau haben sich getrennt, als das Mädchen vier war. Seitdem pendelt er alle zwei Wochen nach Erfurt, um sie für das Wochenende abzuholen.

Nach der Geburt des Mädchens hat der Ingenieur 14 Monate Elternzeit genommen – damals lebte die Familie noch zusammen. Jetzt ist er froh über die intensive Zeit, weil sie das Fundament für die Vater-Tochter-Beziehung bildet. Dennoch bleibt es eine Herausforderung, den Kontakt unbeschwert zu pflegen. Denn wie soll es auch funktionieren, eine zwischenmenschliche Beziehung sowie die Prägung und Erziehung eines Kindes in einen Zwei-Tage-Slot alle zwei Wochen zu pressen? „Ohne einen Arbeitgeber wie VW ginge das alles gar nicht“, sagt er.

Jeden zweiten Freitag macht er nach Möglichkeit schon mittags Feierabend, um nach Erfurt zu fahren. Verlässlichkeit ist Germerott wichtig, denn die gemeinsame Sorge und der Umgang mit Kindern funktionieren nach einer Trennung oftmals nur mit strikt einzuhaltenden Vereinbarungen. Zu sagen, man komme heute etwas später, sei keine Option, weil die Stunden nicht nachgeholt werden können. „Mir fehlt häufig die Zeit, wenn ich sie mit meiner Tochter bräuchte. Oder ich bin nicht in ihrer Nähe.“

Richtig glücklich war Germerott, als das Mädchen vor zwei Jahren am begehrten Ferienprogramm von Volkswagen für Mitarbeiter-Kinder teilnehmen konnte. Die Aktivitäten haben dem Mädchen gut gefallen – und der Papa hatte das Gefühl, endlich mal wieder einen Hauch von Alltag mit ihr teilen zu können.  

Corinna Blichenberg und Carolin Keubler – die Chefinnen im Job-Sharing

Pioniergeist ist das, was Corinna Blichenberg auszeichnet. Die promovierte Chemikerin führte bereits in vollzeitnaher Teilzeit mit 80 Prozent die Unterabteilung xKD-Qualitätsmanagement bei Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN), als sie sich entschied, das Pilotprojekt „Jobsharing“ selbst in die Praxis umzusetzen. Sie machte sich mit ihrem Abteilungsleiter Andreas Spindler auf die Suche nach einer Führungskraft, mit der sie künftig ihr Team in der Abteilung xKD-Kleinserien & Internationale Logistik gemeinsam führen konnte. Gefunden hat sie Carolin Keubler, eine Ökonomin, die nach der Geburt ihres Sohnes eine Führungsposition am Standort Hannover suchte. Zuvor hatte sie in Wolfsburg in der Konzernlogistik als Unterabteilungsleiterin die Engpasssteuerung für Elektronikbauteile geführt. 

Dr. Corinna Blichenberg (l.) und Carolin Keubler teilen sich eine Führungsaufgabe bei Volkswagen Nutzfahrzeuge

Als Jobsharing-Tandem in einer Führungsposition betraten beide Neuland. Zum einen mussten sie sich selbst organisieren und aufeinander abstimmen, zum anderen ihre Mitarbeiter und Kollegen anderer Bereiche mit dem Modell vertraut machen – und davon überzeugen. „Unser Ansporn war und ist es, Innovation und Arbeitsmanagement zusammenzubringen“, sagt Blichenberg.

Doppelspitzen können nach Ansicht von Corinna Blichenberg und Carolin Keubler eine hervorragende Lösung sein. Ihr Beispiel macht es deutlich: Als Naturwissenschaftlerin und Wirtschaftswissenschaftlerin gehen sie ein Thema mit erweiterten Kompetenzen und umfangreicheren Erfahrungen an – und kommen häufig auf kreative Lösungen, die eine alleine nicht gehabt hätte. Weil sie sich regelmäßig absprechen, kann eine die andere in der Regel vertreten. Entscheidungen werden von der jeweils anwesenden Führungskraft im Termin getroffen – und von der anderen im Weiteren mitgetragen. Ihre Mitarbeiter haben das Modell längst „gekauft“: Sie akzeptieren beide als gleichwertige Vorgesetzte.

Elisabeth Heilmann – die Vollzeit-Managerin mit Kindern

Häufig entscheidet sich in der Elternzeit, wie es im Job weitergeht. Das hat Elisabeth Heilmann an ihrer eigenen Entwicklung festgestellt – und sie glaubt, dass es auch für andere Mütter und Väter gilt. Seit dem Sommer 2010 arbeitet die promovierte Wirtschaftsinformatikerin für Volkswagen. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes vor zwei Jahren wurde sie während der einjährigen Elternzeit intensiv vom Unternehmen begleitet. Das hat sich ausgezahlt.

Grundlage war das Pilotprojekt „Karriere mit Kindern“, das Volkswagen zusammen mit der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft für angehende Führungskräfte initiiert hatte. Dank Beratungen, Trainings und Gesprächen mit einem Karrierepaten blieb die zweifache Mutter nah dran am Unternehmen, reflektierte ihre Situation und formulierte berufliche Ziele. Damit war klar: „Nach der Elternzeit wünsche ich mir eine neue berufliche Herausforderung“, sagt Heilmann.

Elisabeth Heilmann leitet mit „Digital After Sales“ ein großes IT-Projekt im Volkswagen Konzern

Seit Januar 2017 leitet sie mit „Digital After Sales“ ein großes IT-Projekt im Volkswagen Konzern. Als „IT Product Owner“ hat sie gemeinsam mit ihrem Team die Aufgabe, die Prozesse im After Sales-Bereich zu digitalisieren. Rund 15 Köpfe zählt ihr Team inzwischen, Tendenz weiter steigend. Fast ein Drittel davon ist weiblich. „Es tut einem Team gut, wenn es sich aus unterschiedlichen Typen zusammensetzt“, sagt die Digitalexpertin – und meint damit Frauen und Männer, genauso aber auch unterschiedliche Kulturen und Erfahrungshintergründe.

Heilmann will die Unterstützung weitergeben, die sie von ihrem Karrierepaten und ihrem jetzigen Chef erfährt. Vor kurzem hat sie eine Mitarbeiterin eingestellt, die frisch aus der Elternzeit kam. Größtmögliche zeitliche und örtliche Flexibilität sei die Lösung, um Eltern mit kleinen Kindern bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, meint Heilmann

Sie selbst hat mit ihrem Vorgesetzten auf Basis der Betriebsvereinbarung „Mobile Arbeit“ ausgehandelt, dass sie lediglich eine Stunde pro Woche im Büro sein müsste. Damit haben sie den Spielraum der Betriebsvereinbarung maximal genutzt. Bei spontanen Veränderungen – etwa Kinderkrankheiten – kann Heilmann jederzeit reagieren und von zu Hause aus arbeiten. „Mein Chef signalisiert mir dadurch Wertschätzung und gibt mir einen Vertrauensvorschuss“, sagt sie. Tatsächlich arbeitet die Projektverantwortliche meist nur einen Tag in der Woche von zuhause. Entscheidend ist für sie, dass sie Privates und Berufliches jederzeit flexibel in Einklang bringen kann.

Dass die Zusammenarbeit gut klappt, hat viele Gründe, meint Heilmann. Ihr Vorgesetzter Michael Marr habe als Vater zweier Kleinkinder Verständnis für ihre Situation und gibt ihr Rückendeckung. In ihrem eigenen Team wird ihr Arbeitsmodell respektiert. Und zu Hause steht ihr Ehemann an ihrer Seite und übernimmt die Betreuung, wenn sie mal wichtige Termine außerhalb ihrer üblichen Arbeitszeiten hat.

Alles ein Selbstläufer also? Das nun auch nicht. „Das Hauptproblem ist das Gefühl, niemandem hundertprozentig gerecht zu werden“, sagt Heilmann. Weil sie vor ihren Mitarbeitern das Büro verlässt und ihre Kinder trotzdem vergleichsweise spät aus der Kita abholt. Weil sie Meetings verpasst und ihre Tochter dennoch nicht regelmäßig zum Kinderturnen begleiten kann. Vorgesetzter Marr kennt Heilmanns Anspruch an sich selbst: „Ich versuche ihr zu veranschaulichen, dass ihre Arbeit hervorragend ist und sie manchmal mehr von sich erwartet als alle anderen.