1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2019
  5. 01
  6. Die Schneekönige

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

Die Schneekönige

Rallye mit Legenden: Die Planai-Classic in Österreich ist nur etwas für eingefleischte Oldtimer-Fans. Wir sind mitgefahren – auf dem Beifahrersitz von Motorsport-Legende Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck

Endlich sind wir am Ziel. Allerdings ist dort, wo wir ein Tor, die Lichtschranke für die Zeitmessung und jubelnde Fans erwartet hatten – nichts. Nur mannshohe Schneeverwehungen zu beiden Seiten der dunklen Straße, der Wind weht dicke Flocken durchs Licht unserer Scheinwerfer. Ratlosigkeit an Bord unseres Käfers, Baujahr 1971.

Wir haben uns die 4.800 Meter lange Strecke hoch zum Dachstein in der Steiermark gut eingeteilt, so dass wir nach möglichst genau 13 Minuten ankommen. Die beiden Trip Counter stehen exakt auf 4.80, die letzten zehn Sekunden haben wir laut mitgezählt. Irgendetwas muss schiefgegangen sein. „Komisch“, sagt Hans-Joachim Stuck am Steuer und gibt wieder Gas, der Käfer beschleunigt tuckernd. Das richtige Ziel erreichen wir drei Kurven weiter, die Sollzeit von 13 Minuten ist da natürlich deutlich überschritten. Das bringt 1.000 Strafpunkte und uns auf Platz 37 von 48. Den Prolog zur dreitägigen Rallye Planai-Classic hatten wir uns anders vorgestellt.

Die Planai-Classic in Österreich ist nur etwas für eingefleischte Oldtimer-Fans. Wir sind mitgefahren – auf dem Beifahrersitz von Motorsport-Legende Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck.
------------------
Weitere Informationen finden Sie auf http://www.volkswagenag.com und auf Twitter: http://www.twitter.com/vwgroup_de

Hinweis nach Richtlinie 1999/94/EG in der jeweils gegenwärtig geltenden Fassung: Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem "Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Straße 1, D-73760 Ostfildern oder unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

Oldtimer-Rallye im Schnee: Planai-Classic mit Hans-Joachim "Strietzel" Stuck

„Wir wollen dabei Spaß haben“, hatte Hans-Joachim Stuck eine Woche zuvor am Telefon gesagt. „Keine Sorge, wir fahren nicht mit, um zu gewinnen.“ Bei der Planai-Classic gehe es nicht darum, als Schnellster ins Ziel zu kommen, hatte Stuck noch erklärt, sondern die Prüfungen möglichst präzise zu absolvieren. Das klang beruhigend für den Rallye-Novizen, der versprochen hatte, als Stucks Beifahrer einzuspringen.

Doch wer sich ins Auto setzt zu einer Motorsport-Legende wie Hans-Joachim Stuck – Spitzname: Strietzel, Formel-1-Fahrer in den 70ern, zweifacher LeMans-Gewinner in der 80ern und Deutscher Tourenwagen-Meister 1990 – der will natürlich auch als Neuling nicht komplett enttäuschen. Strietzel Stuck ist entspannt. „Geile Strecke, oder?“, sagt er, nachdem wir die Lichtschranke verspätet passiert haben, und lacht. Wir parken den Käfer schlitternd zur Aufstellung mit den anderen Autos. Die eigentlich im Anschluss geplante Gondelauffahrt zum fast 3000 Meter hohen Dachstein muss wegen des heftigen Windes und Schneefalls ausfallen.

Der Rallye-Käfer

Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck liebt Kurven
Foto: Planai-Classic / Martin Huber

Auch bei der 23. Auflage der Planai-Classic sind wieder eine Reihe außergewöhnlicher Fahrzeuge an den Start gegangen. Das älteste Modell ist ein offener Sunbeam Supersport, Baujahr 1930, 2980 ccm, 120 PS. Ein gelber Opel GT fährt mit, Klassiker von Jaguar, Alfa-Romeo und Volvo, Porsche 911er und 912er und ein VW Buggy aus dem Jahr 1966 mit einem Stoffverdeck und Reißverschlüssen an den Seitenfenstern. Am häufigsten vertreten im Feld sind aber Volkswagen Käfer. „Das ist das ideale Fahrzeug dafür“, erklärt Strietzel Stuck: „Heckantrieb, liegt hinten schön tief, perfekt dafür geeignet.“

Strietzel Stucks Käfer aus der Sammlung von Volkswagen Classic ist in Österreich sogar ein Star: Es ist eine Replika des „Salzburg-Käfers“ aus dem Jahr 1971, den der österreichische Importeur Volkswagen Porsche Austria Anfang der siebziger Jahre speziell für den Einsatz im Motorsport umbauen ließ. Der Motor hat fast 140 PS, der Wagen ein Rennfahrwerk und die charakteristische mattschwarze Lackierung auf der Motorhaube und der Heckklappe.

Fahrer und Beifahrer werden durch einen Überrollkäfig geschützt, das Einsteigen und Aussteigen erfordert eine gewisse Gelenkigkeit. „Im Gegensatz zu meinen Formel-1-Autos damals ist das hier purer Luxus“, sagt Strietzel Stuck. Außerdem ist der Käfer mit vier zusätzlichen Scheinwerfern ausgestattet. „Im Rallyesport hat man nur dann genug Licht, wenn der Vordermann einen Sonnenbrand im Nacken bekommt“, erläutert mir grinsend Dieter Landenberger, Leiter Heritage bei Volkswagen.

So schön der Käfer und all die anderen Autos auch sind – um damit drei Tage lang im tiefsten Winter rund 200 Kilometer weit über Landstraßen, Feld- und Waldwege zu fahren, die zum Teil so verschneit sind, dass auch neue Autos nur mit Vierradantrieb und Ketten vorankommen, braucht es schon eine besonders ausgeprägte Begeisterung.

„Da musst du ein richtiger Automane sein“, sagt Strietzel Stuck, als wir uns am zweiten Tag auf dem Alpenflugplatz in Niederöblarn auf die erste Prüfung des Tages vorbereiten. Mit uns am Start sind Sammler und Oldtimer-Liebhaber aus ganz Europa und den USA – etwa das Vater-und-Sohn-Duo Alexander und Florian Deopito; die erst 16-jährige Stella Ochabauer und ihr Vater, der Fernsehmoderator Christian Clerici; der Sammler und Oldtimerhändler Franz Wittner. „Das sind Hardcore-Freaks“, sagt Striezel Stuck.  

Strafpunkte für jede Hunderstel

Uns steht an diesem Tag ein umfangreiches Programm bevor: Zum Aufwärmen fahren wir auf der Startbahn des Flugplatzes mehrere Runden möglichst gleich schnell, schon eine Abweichung von einer Hundertstelsekunde bringt einen Strafpunkt. Wir werden Runde für Runde routinierter, klettern sogar leicht in der Gesamtwertung. Über die Landstraße geht es nach Gröbming, auf der dortigen Trabrennbahn absolvieren wir eine Zeitprüfung, dann geht es bergauf durch die kleineren und noch kleineren Dörfer der Umgebung, immer den Anweisungen aus dem Roadbook folgend. „In 300 Metern rechts. Ja, dort nach den Bahngleisen.“ Viele Straßenschilder unterwegs sind verschneit. Kurz stoppt das Fahrerfeld für einen kleinen Imbiss, dann geht es weiter. Eine gemütliche Spazierfahrt fühlt sich anders an.

Bei der Planai-Classic geht es drei Tage lang durch das Ennstal

Auf bestimmten Abschnitten müssen wir möglichst genau den Durchschnitt von 35 Stundenkilometern halten – was nach wenig klingt, aber auf einem verschneiten Waldweg nicht ganz so einfach ist. Strietzel Stuck nutzt dankbar jede Gelegenheit für rasante Drifts durch die Kurven, der Käfer erweist sich als perfektes Gefährt dafür. „80 Prozent macht hier das Auto aus, nur 20 Prozent der Fahrer“, sagt Strietzel und rutscht durch die nächste Kurve. Wir einigen uns darauf, dass es in seinem Fall auch 21 Prozent Fahreranteil sein könnten. „Ich rauche nicht, ich trinke nicht. Aber ich fahre für mein Leben gern quer“, sagt Stuck.

Mit Strietzel Stuck im Salzburg-Käfer die Planai-Rallye fahren, das heißt: unterwegs sein mit gleich zwei Legenden. Wo immer die Tour Halt macht, kommen Zuschauer und fragen nach einem Autogramm oder einem Schnappschuss mit ihm. Wenn der ORF an die Fensterscheibe klopft und um ein Interview bittet, spricht Stuck, am 1. Januar 68 Jahre alt geworden, spontan und sendereif in die Kamera, ein Profi nach 43 Jahren Rennsporterfahrung. In der Fußgängerzone von Schladming spricht eine Frau ihn an. „Haben Sie schon mal ein Foto mit einer Griechin gemacht? Wollen Sie eins?“ Strietzel Stuck legt den Arm um ihre Schulter und lächelt in die Handykamera.

Am Ende des langen Tages wartet noch eine letzte Prüfung auf uns. Die Vorgabe: In 2.48 Minuten 1,1 Kilometer weit fahren und im Ziel eine Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern treffen. Klingt machbar. Wir starten recht gemütlich, es geht in den Wald, der Weg schlängelt sich. Stuck gibt mehr Gas. Plötzlich tauchen vor uns im Scheinwerferlicht zwei der Rallye-Autos auf, das vordere ist im Schnee steckengeblieben, das hintere kommt nicht vorbei, wir bremsen. Die Stoppuhr zeigt 1.25 Minuten. „Die Prüfung können wir abschreiben“, sagt Strietzel Stuck. Aber er gibt noch nicht auf. Im Millimeterabstand schieben wir uns am ersten Auto vorbei, dann am zweiten, der Weg ist frei! Ich lese die Uhr ab, „Eins 48“, schaue auf den Trip Counter: „Noch 600 Meter.“ Vollgas.

Der Salzburg-Käfer auf dem Weg zur Siegerehrung
Foto: Planai-Classic / Ondrej Kroutil

Um die Kurve. Die Steigung hoch, linksrum, rechtsrum - eine Minute lang Rallye-Feeling, wie es der Beifahrer bislang nur aus Youtube-Videos kannte. Strietzel wirbelt am Steuer, schaltet, lenkt, auf das Ziel zu. Lichtschranke. Die offizielle Planai-Messung ergibt später: 2.40 Minuten. Und 50 Stundenkilometer im Ziel. Schöner kann man eine Prüfung nicht verpatzen. „Jetzt haben wir Hunger, oder?“ Haben wir. In der Gesamtwertung stehen wir auf Platz 24. Das wird doch.

Der dritte Tag bringt eine weitere Prüfung auf der Trabrennbahn, fünf Runden mit wechselnden Zeiten fahren, wir schlagen uns gut. Dann geht es hoch zur Planai, dem Hausberg von Schladming, zwei Durchgänge bis zum Planaihof. Mehrere Autos bleiben auf der Strecke liegen, ein Wagen rutscht an einer Stelle den Abhang hinunter in den Wald. Der dritte Durchlauf muss ausfallen, damit die Feuerwehrleute aus Schladming den Wagen bergen können. Aber alle Fahrer kommen wohlbehalten am Ziel in Schladming an.

„Für uns war es die beste Planai, die wir jemals hatten“, sagt Moderator Christian Clerici bei der Siegerehrung. Wir haben uns am Ende auf den 20. Platz vorgearbeitet. Gewinner der Gesamtwertung sind Vater und Sohn Deopito geworden, wieder einmal. Was das Geheimnis ihres Erfolges ist, fragt Clerici die beiden. „Erfahrung und eine gute Portion Coolness“, sagt Vater Alexander Deopito. Wenn es so ist, kann für das Salzburgkäfer-Team bei der nächsten Oldtimer-Rallye eigentlich nichts mehr schiefgehen.