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  6. Automotive Cloud: Volkswagen und Microsoft entwickeln Ökosystem für Mobilität

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„Sie sagen nur ihr Ziel – alles Weitere passiert automatisch“

Interview mit Heiko Hüttel

Volkswagen entwickelt mit Technologie-Partnern wie Microsoft das digitale Ökosystem für vernetzte Mobilität der Zukunft. Heiko Hüttel, Volkswagen Automotive Cloud, ist überzeugt: Volkswagen kann seinen Kunden hier eine unschlagbare Vielfalt an Angeboten bieten.

Herr Hüttel, Volkswagen baut ein digitales Ökosystem. Was bedeutet das eigentlich konkret?

Ein klassisches Beispiel für ein digitales Ökosystem bietet Apple. Hier ist das iPhone als Gerät ein wichtiger Bestandteil, aber trotz des Umsatzes, den der Verkauf der Geräte bringt, bei weitem nicht der einzige. Es gibt Dienste, worüber man mit einem Abo Musik streamen kann. Oder Nachrichten austauscht. Das sieht einfach aus, nicht wahr? Und genau darum geht es: Die Komplexität dahinter für den Kunden so einfach wie möglich machen.

Die meisten Menschen sind bereits in einem oder mehreren von diesen Ökosystemen angemeldet, ob nun bei Apple, Google, Amazon oder Microsoft. Will Volkswagen einfach ein weiteres Ökosystem hinzufügen?

Die Chance, die wir haben, um Kunden an uns zu binden, ist ein integratives Ökosystem zu schaffen. Das integriert sich im besten Fall sowohl in das private Leben des Kunden wie auch in das geschäftliche Leben, weil genau dazwischen Mobilität stattfindet. Und es integriert auch aktiv Drittanbieter, die im Sinne einer lebendigen Service- und Erlebniswelt eigene Dienste in diesem Ökosystem anbieten können.

Welche digitalen Dienste sind hier denkbar?

Wir denken immer an die Bereiche vor der Fahrt, während der Fahrt und nach der Fahrt. Hier wollen wir den Kunden einen klaren Mehrwert bieten. Wenn ich in den Bereich Produktivität schaue, ist zum Beispiel die Kalender-Funktion ein prägnantes Beispiel.

Einen digitalen Kalender hat doch nun aber wirklich schon fast jeder.

Eben! Jetzt nochmal einen Volkswagen Kalender anzubieten und zu sagen, „Lieber Kunde, trag doch hier auch noch deine Termine ein“ – das funktioniert nicht. Die Menschen haben im Geschäft einen Kalender, die haben im Privaten einen Kalender. Das muss ich schaffen, anzubinden – so dass ich dann im Auto, während der Fahrt auf der Autobahn automatisch in eine Telefonkonferenz eingewählt werde. Das ist nur ein Beispiel. Unser Ziel muss es sein, dem Fahrer wirklich in der Fahrsituation zu helfen.

Volkswagen will Kunden klare Mehrwerte bieten.

Mit anderen Worten: Sie wollen auf den Startbildschirm ihrer Smartphones. Wie gelingt das? Sie wollen also Teil des digitalen Alltags Ihrer Kunden werden.

Das gelingt uns nur dann, wenn wir uns fokussieren auf den Kunden und seine individuellen Bedürfnisse. Nehmen wir das Beispiel Elektroauto. Da muss ich laden können, ich muss den Strom bezahlen können, das Auto muss vor der Fahrt vorgeheizt werden, damit es eine bessere Reichweite hat, und so weiter. Umso stärker ich das automatisieren kann, umso größer ist der Nutzen für den Kunden. Wenn ich zum Beispiel laut Kalender das nächste Meeting in drei Stunden in Braunschweig habe und die Fahrt, basierend auf der aktuellen Verkehrslage, eine Stunde dauert, dann fängt das Auto, noch während es an der Steckdose hängt, eineinhalb Stunden vor Abfahrt eigenständig damit an, sehr langsam vorzuheizen. Das spart Strom. So kann ich mich als Fahrer dann in ein vollaufgeladenes und vorgeheiztes Auto setzen und komme pünktlich zu meinem Termin. So etwas sind überzeugende Dienstleistungen, die ich nicht irgendwo anders kriege, weil sie direkt mit dem Auto zusammenhängen.

Hinter diesen sehr einfachen Diensten stehen wie gesagt sehr komplexe Prozesse. Steuert die in Zukunft eine künstliche Intelligenz?

Irgendwann in der Zukunft übernimmt das eine Art digitaler Assistent. Da sind wir heute noch nicht. Es ist zum Beispiel wahnsinnig wichtig, dass die User Experience, also das Nutzer-Erlebnis der digitalen Dienste und Angebote, überall einheitlich und aus einem Guss ist. Die Technik muss der User Experience dienen! Das müssen wir in einigen Bereich noch lernen. Fest steht: Mit der Devise „Technik sucht Anwendung“ kommen wir nicht mehr weiter. Umgekehrt muss es gehen. Die Veränderungen, die wir dazu im Denken und in der Arbeitsweise vollziehen müssen, sind grundlegend.

Welche Rolle spielt hierfür die Ende 2018 verkündete Technologie-Partnerschaft zwischen Volkswagen und Microsoft?

Diese Partnerschaft zielt auf die Frage: Wie kriege ich einen Kickstart für die Technologie hin? Wie bekommen wir standardisierte Software ins Fahrzeug und auf unsere Cloud-Anwendungen, so dass wir schneller arbeiten können? Wie schaffen wir eine Plattform, die das Fahrzeug einschließt?

Gibt es auf diese Fragen bereits Antworten?

Da stecken viel Hirnschmalz und Kompetenz im Bereich Software dahinter. Darüber hinaus haben wir uns strategisch weiter verstärkt, beispielsweise mit der Beteiligung an Wireless Car. Hier geht es um die Vernetzung der Autos. Mit diconium schließlich bauen wir die E-Commerce-Lösung, gewissermaßen das digitale Einkaufszentrum, in dem alle Angebote und Services verfügbar sein werden. Die Bausteine für die weltweiten Ausbreitung der Automotive Cloud haben wir damit gesetzt.

Die Automotive Cloud baut Volkswagen zusammen mit Partnern wie Microsoft.

Wandelt sich der Automobilhersteller zum Software-Unternehmen?

Wir haben in der Nähe von Microsoft in Seattle ein neues Unternehmen gegründet, das gemeinsam mit Microsoft an dieser neuen Plattform arbeitet. Wir haben das bewusst dort angesiedelt, denn natürlich sollen und wollen wir auch von der Arbeitsorganisation und -modellen der IT-Welt lernen. Es geht uns also um Technologie, aber auch um Digitalkultur.

Volkswagen wird Startup?

Nein, das nicht. Das wollen wir auch gar nicht. Aber in der Software-Welt gilt eben eine einfache Devise: Wir müssen von der Produktzentrik zur Kundenzentrik kommen. Bei Autos ist es heute genau genommen ähnlich. Software wird heute viel schneller weiterentwickelt und ständig aktualisiert. Auch bei Autos lässt sich das deutlich beschleunigen, wenn wir Hardware, Software und Services trennen. Da können wir schon in wenigen Wochen mit einem Update oder einem neuen Service vor dem Kunden sein.

Naiv gefragt: Warum investiert Volkswagen eigentlich in die Digitalisierung? Warum überlässt Volkswagen die Software nicht den Software-Unternehmen und kauft Innovationen einfach ein?

Es geht um eine einfache Frage: Will ich in Zukunft Hardware-Lieferant sein und Fahrzeuge bauen, während andere an der Software und Diensten mitverdienen? Oder mache ich das selbst? Würden wir uns nur auf das Bauen der Fahrzeuge konzentrieren, könnte es uns passieren, dass jemand ums Eck kommt, der das besser kann. Und das ist nicht unser Anspruch. Wir haben die Ressourcen, beides zu können: Hardware und Software. Es geht uns also darum, exzellente Fahrzeuge zu entwickeln, zu bauen und zu verkaufen – und einen wachsenden Kosmos an digitalen Services und Angeboten für unsere Kunden aufbauen.

Heiko Hüttel spekuliert über die Mobilität der Zukunft

Die gänzlich sorglose Mobilitätswelt?

Irgendwann sage ich als Kunde von Volkswagen nur, wo ich hinmöchte, alles andere passiert automatisch: Wenn ich nach München will, fährt mein Auto mich zum Bahnhof, dort steige ich in den Zug, und in München wartet dann schon ein anderes Fahrzeug aus dem Konzern auf mich. Noch ist das Zukunftsmusik, aber dafür legen wir technologisch gerade mit der Automotive Cloud die Grundlage.