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Mit „Fakultät 73“ in die Pole-Position

Mit „Fakultät 73“ in die Pole-Position

Mehr als 1.500 Interessierte hatten sich beworben. Am 1. April 2019 starteten offiziell die ersten 100 Teilnehmer mit dem innovativen Programm „Fakultät 73“. Sie qualifizieren sich in zwei Jahren zum Software-Entwickler für die Automobilindustrie.

Startschuss für die Fakultät 73

Eine Qualifizierung zum Software-Entwickler bei Gehaltsfortzahlung für Volkswagen Mitarbeiter oder ein unbefristeter Arbeitsvertrag nach zwei Jahren für Neueinstellungen: Das bietet der Volkswagen Konzern IT-Fachkräften und solchen, die es werden wollen. Am 1. April startete er dafür offiziell in der Wolfsburger AutoUni das in nur neun Monaten komplett neu aufgelegte Qualifizierungsprogramm „Fakultät 73“.

  • Warum „Fakultät 73“?

    Die 73 ist die 21. Primzahl. Ihre Spiegelzahl 37 ist die 12. Primzahl. Deren Spiegelzahl – die 21 – ist das Produkt der Multiplikation von 7 und 3. Quadriert man beide, erhält man wiederum Spiegelzahlen, denn 21x21=441 und 12x12=144. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Die 73 ist eine tolle Zahl. So wie das Programm, das Volkswagen über die hauseigene AutoUni und die Group Academy umsetzt.

Der Markt für Software-Entwickler ist leergefegt

Glücklich, aber auch erwartungsvoll: Die 100 Teilnehmer des 1. Jahrgangs der Fakultät 73 in der Wolfsburger AutoUni mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil

Der Volkswagen Konzern bildet sich seine Software-Entwickler selbst aus. Hintergrund: Der Markt ist leergefegt – und der Bedarf in den nächsten Jahren riesig. Allein bis 2020 werden europaweit 750.000 Spezialisten für Informations- und Kommunikationstechnologien gesucht – Tendenz steigend.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil: „Die Wirtschaft benötigt in den nächsten Jahren mehr Software-Entwickler, als der Arbeitsmarkt und die Ausbildungseinrichtungen bieten. Mit seinem Qualifizierungsprogramm ‚Fakultät 73´ leistet Volkswagen einen wirksamen Beitrag, diese Lücke zu schließen.“

Wichtig ist IT-Leidenschaft

Fachsimpeln am Rechner: Gunnar Kilian (links), Hubertus Heil (sitzend links), Christopher Kleemann (sitzend rechts), Bärbel Höltzen-Schoh, Ralph Linde, Bernd Osterloh und Klaus Mohrs (rechts)

Das Programm „Fakultät 73“ richtet sich an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, IT-Begabte, Studienabbrecher sowie Ausgebildete mit IT-Grundkenntnissen. Ein Studienabschluss wird nicht vorausgesetzt. Englisch- und Programmierkenntnisse sind wünschenswert, aber keine Bedingung. Wichtig sind einzig und allein das Potenzial und die Leidenschaft für Software und IT.

Bereits am 1. März starteten die ersten 100 Teilnehmer mit der Qualifizierung. Rund 1.500 Interessierte hatten sich beworben. Der offizielle Startschuss in der Wolfsburger Auto Uni fiel dann am 1. April. Gäste waren unter anderen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, Konzernpersonalvorstand Gunnar Kilian und Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh.

Fakultät 73 – Softwareentwickler von morgen

Gunnar Kilian erinnerte daran, dass die Berufsausbildung bei Volkswagen große Tradition habe. Der Konzern habe international mit den dualen Studiengängen Standards gesetzt. „Jetzt wollen wir weiter aktiv ausbilden, um unsere IT-Ressourcen der Zukunft zu decken.“ Bernd Osterloh betonte die „große Verantwortung, die der Konzern mit über 60.000 Beschäftigen am Standort Wolfsburg“ habe. Er würde sich auch über einen dritten oder vierten Jahrgang der Fakultät 73 freuen. (Hintergrund: Der Start eines zweiten Jahrgangs ist fest geplant.) Hubertus Heil verdeutlichte den rasanten Wandel der Arbeitswelt: Bis 2025 gingen 1,3 Millionen Arbeitsplätze durch den technischen Fortschritt verloren, aber auch 2,1 Millionen neue entstünden. Dabei seien Aus- und Weiterbildung eminent wichtig. Volkswagen habe als eines der ersten großen deutschen Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt. „Ich bin Volkswagen sehr dankbar dafür, dass sie das aktiv in die Hand nehmen. Sie können stolz auf sich sein, die Fakultät 73 gestartet zu haben.“ Augenzwinkernd merkte Heil an, er habe sich länger informieren müssen, warum das Programm so heiße. Zumal er Sheldon Cooper nicht kannte. Aber jetzt habe er es verstanden, „und Volkswagen hat dabei die volle Unterstützung der Politik“.

Mit Fakultät 73 setzt der Konzern nicht auf internationale IT- Experten, sondern auf unentdeckte Talente.

Die Teilnehmer werden top qualifiziert: Innerhalb von zwei Jahren erarbeiten sich die künftigen Kolleginnen und Kollegen alle erforderlichen Bausteine für eine erfolgreiche Karriere als Softwareentwickler in der Automobilindustrie:

  • Programmieren in Java
  • Mathematik für Softwareentwickler
  • Grundlagen technischer und theoretischer Informatik
  • Englisch für Softwarenentwickler
  • Projekt- und Zeitmanagement
  • Computernetze, Datenbanken
  • Echtzeitdatenverarbeitung
  • Mobile-App-Programmierung
  • Qualifizierungsprojekte in der Praxis

Das Programm besteht zu 70 Prozent aus Praxisteilen. Die 100 Teilnehmer arbeiten in sechs Kleingruppen, um individuelles Lernen und Ausprobieren zu ermöglichen. Freitags ist Sondertag. Dann besuchen die Teilnehmer Labs in anderen Städten und von anderen Unternehmen, die IT City in Wolfsburg und andere künftige Kollegen direkt an ihren Arbeitsplätzen oder haben Zeit für Gruppenarbeiten und kollaborierendes Lernen.

Alle Absolventen haben erstklassige Perspektiven

Programmieren mit Lego-Fahrzeugen: Praxisnaher Start der Fakultät 73

Ralph Linde, Leiter der Volkswagen Group Academy, betonte, dass die meisten Absolventen aus der Region kommen. „Man kann sagen: schade. Man kann aber auch sagen: Wie schön, dass viele hier in der Region soviel Talent haben.“ Dennoch: Für die nächsten Generationen wünscht man sich noch mehr Bewerbungen aus allen Teilen Deutschlands und von noch mehr Frauen, denn im ersten Jahrgang gibt es nämlich unter 92 Männern nur acht Frauen.

Insgesamt haben 70 Teilnehmer eine abgeschlossene Berufsausbildung, 18 sogar eine Hochschulausbildung, selbst ein Doktor (der Chemie) ist dabei. Elf Teilnehmer haben bisher keinen Abschluss. Das Durchschnittsalter beträgt 27,6 Jahre. Der älteste Teilnehmer ist 44. „Damit ist auch das Argument widerlegt, dass ausgesiebt werde, wer über 40 ist“, so Linde. Begabung sei schließlich altersunabhängig.

Vier von 100 Teilnehmern: Lorenz Müller, Stephanie Ondrusch, Sadik Altuneriten, Steve Bartels (v.l.)

Alle Absolventen der „Fakultät 73“ haben erstklassige Perspektiven. Nach intensiver Qualifizierung wird Volkswagen Anfang 2021 die erfolgreichen Neueinstellungen des ersten Jahrgangs fest einstellen. Sie erhalten ein Zertifikat der AutoUni und gehören dann zur Stammbelegschaft. Weitere Jahrgänge werden aktuell geplant.

Die Teilnehmer erhalten mit ihrer neuen Qualifikation einen Arbeitsplatz in einem Zukunftsbereich von Volkswagen. Das Unternehmen gewinnt passgenau qualifizierte Softwareentwickler, hat sie sich quasi „selbst gebacken“.

  • Lorenz Müller (31)

    „Toll, was Volkswagen hier leistet“

    „Ich habe 2008 bis 2013 ein Finanz- und Wirtschaftsstudium an der TU Braunschweig belegt und erfolgreich mit Bachelor abgeschlossen. In der gesamten Zeit gefiel mir der Bereich Informatik am besten. Später habe ich bei einer Versicherung in Braunschweig gearbeitet. Aber immer blieb es mein Ziel, das Programmieren zu erlernen. Dazu finde ich es sehr spannend, wo es mit der Mobilität insgesamt hingeht. Da läuft sicher ganz viel über Software und Programmierung.

    Für meine Entscheidung zur Fakultät 73 habe ich nur positives Feedback bekommen. Alle fanden es toll, dass Volkswagen sich seinen Nachwuchs selbst ausbildet, zumal der Arbeitsmarkt für Programmierer ja komplett leergefegt ist.

    Mein Tagesablauf hat sich wenig verändert. Ich wohne weiterhin in Braunschweig, pendele per Fahrgemeinschaft nach Wolfsburg. Meine ersten Eindrücke hier? Die Fakultät 73 ist ein Volltreffer! Wir hatten hier schon viele spannende Themen, Redner, Seminare und praktische Anwendungen. Die Stimmung untereinander ist sehr gut. Wir haben zwar alle unterschiedliche Vorgeschichten und anderes Vorwissen, aber das ist auch gut so. Denn jeder hilft hier jedem. 

    Mir hat das Java Bootcamp gleich am Anfang sehr gefallen. Da konnten wir gleich etwas programmieren, und der Lego-Roboter hat es ausgeführt. 

    Ich finde es schon toll, welche Vorleistungen Volkswagen erbringt und welche finanziellen Mittel hier für die Fakultät 73 eingesetzt werden. Ich möchte auf jeden Fall etwas zurückgeben: erstens, indem ich ein sehr guter Programmierer werde und zweitens, indem ich den Dozenten Feedback gebe. Das hilft dann wiederum dem nächsten Jahrgang, der ja fest eingeplant ist.“

  • Stephanie Ondrusch (35)

    „Absolut richtige Entscheidung“

    „In der Schule und während meines Maschinenbau-Studiums liebte ich Mathe und Informatik. Umso mehr fehlte mir beides in meinem bisherigen Arbeitsalltag, in dem es vorrangig um Hardware ging. Hier in der Fakultät 73 kann ich mich endlich wieder mit meinen früheren Lieblingsfächern beschäftigen. Zudem habe ich mit der Weiterqualifizierung zum Softwareentwickler eine tolle, neue Herausforderung gefunden. Das war auch der Hauptgrund, mich hier zu bewerben. 

    Ich bin ein Volkswagen Gewächs: Ich bin 2003 im Konzern mit einem dualen Studium eingestiegen und habe ab 2008 drei Jahre in der Nutzfahrzeug Entwicklung gearbeitet. 2011 bin ich für dreieinhalb Jahre nach Brasilien gegangen. Dort habe ich seitens Entwicklung für den Amarok gearbeitet sowie für die Beschaffung den Up implementiert. Vom größten zum kleinsten Volkswagen sozusagen. 2014 kam ich zurück nach Wolfsburg ins Kaufteilemanagement und habe die Fahrzeuganläufe Tiguan, Polo und Golf 8 verantwortet. 

    Zu meinem Wechsel in die Fakultät 73 meinten meine Eltern, es sei die „absolut richtige Entscheidung“. Mein Freund meinte schmunzelnd, er sei jetzt mit einem Nerd zusammen. Er unterstützt mich sehr, fragt täglich, was wir gemacht und gelernt haben.

    Mein Ziel ist es, in der Fakultät 73 mein Hardware-Know-how um Software Kenntnisse zu erweitern. Ich möchte mich weiter entwickeln, um mehr Einsatzmöglichkeiten zu haben und mich noch zukunftssicherer aufzustellen.

    Das Studium an der Fakultät 73 reißt mich aus der täglichen Routine. Jeder muss hier wirklich offen für Neues sein, egal, was man vorher gemacht hat. Das betrifft sowohl die Vorlesungen, als auch die Arbeit in kleinen Gruppen. Ich bin überrascht, wie verschieden wir 100 Teilnehmer sind: Wir sind Externe und Interne mit unterschiedlich viel Berufserfahrung und Vorwissen in Informatik. Ich denke, wir können in Teamarbeit viel voneinander lernen.
    Auch nicht erwartet habe ich, dass hier solch eine Management-Attention auf dem Projekt liegt. Das zeigt, wie wichtig Volkswagen die Neuausrichtung hin zur Digitalisierung ist.

    Höhepunkt im ersten Monat war für mich das Skype-Interview mit dem Schweizer Hochschuldozenten Dr. Thomas Sauter-Servaes, ZHAW School of Engineering, Winterthur. Es ging um Zukunftsvisionen, autonomes Fahren, Carsharing, den Wandel der Geschäftsfelder in der Automobilindustrie, sowie Chancen und Risiken durch die voranschreitende Digitalisierung. 

    Besonders freue ich mich auf Exkursionen zu Themengebieten, in die man sonst keinen Einblick bekommt. Zum Beispiel werden wir Labs in München und Berlin oder auch die IT City in Wolfsburg besuchen. Ich bin schon sehr gespannt, woran die Kollegen dort gerade arbeiten. Und wir können dadurch erkennen, was uns interessiert, wo wir unser Wissen vertiefen wollen und in welchem Bereich wir nach den zwei Jahren arbeiten möchten.“

  • Sadik Altuneriten (35)

    „Fakultät 73 ist mir das Pendeln wert.“

    „Für Software interessiere ich mich, seit ich denken kann. Wenn jemand im Verwandten- oder Freundeskreis ein Problem mit seinem Rechner hat, heißt es immer: `Wir rufen Sadik an.´ Meistens bekomme ich das dann auch gelöst. Ich habe mich auch schon mit Programmiersprachen beschäftigt und Webseiten programmiert. Auf diesem Gebiet möchte ich mich unbedingt weiterentwickeln.

    2003 habe ich Abi an der Abendschule gemacht, war dann Projektleiter für Transportverpackung bei Kisten Haas im hessischen Dietzenbach. Als wir mit unseren drei Kindern nach Kassel umzogen, habe ich mich bei Volkswagen beworben, wurde wieder als Logistiker angenommen. Mein Meister hat mich dann auf die Fakultät 73 hingewiesen. Das war wirklich ein super Tipp, ich bin ihm sehr dankbar dafür. Denn ich möchte meine Programmierkenntnisse erweitern, mich persönlich und beruflich weiterentwickeln, auch privat weiter lernen. Vor allem aber möchte ich Softwareentwickler werden. Für Volkswagen!

    Mein Tagesablauf hat sich jetzt total verändert. Meine Frau hat mich von Anfang an sehr unterstützt. Gemeinsam haben wir entschieden, dass sie mit den Kindern in Kassel bleibt. Ich pendele am Wochenende dorthin. Aber damit habe ich auch unter der Woche sehr viel Zeit zum Lernen, kann mich nur auf mich und die Fakultät konzentrieren. Fakultät 73 ist mir das Pendeln wert. Bezahltes Lernen – was für ein Luxus. Das ist doch ein Jackpot!

    Wenn wir täglich um 16.15 Uhr offiziell Schluss haben, bleibe ich auch immer noch ein kleines Stündchen hier in der AutoUni und lerne weiter. Ich will wirklich so gut wie möglich lernen, um die Fakultät sehr gut abzuschließen.“

  • Steve Bartels (33)

    „Klar bin ich ein Nerd!“

    „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass Volkswagen Software-Entwickler ausbildet. Das ist genau mein Ding, dachte ich mir. Weil ich auch privat viel spiele und auch schon Computerspiele entwickelt habe. Ob ich ein Nerd bin? Na klar!

    Gelernt habe ich KFZ-Mechatroniker bei der Wolfsburger Verkehrsgesellschaft. 2011 bin ich dann zu Volkswagen ans Band gewechselt. Ich habe Triebsätze beim Golf montiert. Das hat mir Spaß gemacht, aber ich wollte immer mehr. Neben meinem Schichtdienst habe ich berufsbegleitend den Abschluss eines staatlich geprüften Technikers Industrial Engineering erworben. 

    Hier im Unternehmen möchte ich später auch Software für Volkswagen entwickeln. Eltern und Freunde haben mich zur Fakultät 73 bestärkt, meinten, das sei genau mein Ding. Die ersten Wochen verliefen exakt nach meinen Erwartungen: Viel Gruppenarbeit, wir lernen voneinander, man kann mit jedem reden, hilft sich untereinander. Gut ist, dass wir alle einen ganz verschiedenen Erfahrungshorizont mitbringen, das inspiriert alle. Auch schön ist, dass die Dozenten immer nach dem Unterricht noch gesprächsbereit sind und nicht gleich weglaufen. 
    Gleich in den ersten Tagen ging es voll los: Wir haben Lego-Fahrzeuge programmiert, konnten sofort Programmiersprachen üben. Wirklich ein toller praxisnaher Start!“