1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2019
  5. 05
  6. Demografie-Projekt bei Volkswagen

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

Ganz schön STARK

Es ist ein Leuchtturmprojekt, wenn es um den Einsatz von Menschen mit Tätigkeitseinschränkungen in der Fertigung geht: das Demografie-Projekt STARK. Bis zu 300 Mitarbeiter auf 70 Arbeitsplätzen arbeiten dabei Hand in Hand – wertschöpfend und wertgeschätzt.

Und heute sitzt jeder Handgriff von Thomas Kohn. Am Ende der Cockpit-Vormontage in Halle 35 im Volkswagen Werk in Wolfsburg prüft er diesen Vormittag die Steckverbindungen, die seine Kollegen in den Takten vor ihm verbaut haben. In der Fertigung der Halle 35 wurden und werden täglich mehr als 1.200 Instrumententafeln vormontiert. Es sieht leicht aus, was Kohn tut – wie er sich und das Cockpit auf dem Teileträger bewegt. Und er lächelt. Das war nicht immer so.

„Zwei Bandscheibenvorfälle haben mir zugesetzt“, sagt Thomas Kohn. „Aber im Projekt STARK fühle ich mich pudelwohl, mir macht die Arbeit wieder Spaß. Auch, weil wir in Halle 35 wirklich eng zusammenarbeiten und uns jederzeit helfen.“ Seit über einem Jahr arbeitet Kohn hier. Mittlerweile lernt er neue Mitarbeiter in Rücksprache mit den Meistern auch an und gibt weiter, was er gelernt hat.

STARK ist eine Abkürzung, eine, die sehr gut passt. „STARK steht für die fünf Grundpfeiler Stabilisierung, Training, Aufbau, Respekt und Kernwertschöpfung“, erklärt Sebastian Schmickartz, Leiter des Demografie-Projekts und der Cockpit-Vormontage Halle. „Grundlage für dieses bislang einzigartige Projekt bei Volkswagen ist die Betriebsvereinbarung „Demografie-Projekt“, die im Frühjahr 2018 verabschiedet wurde. Hierdurch konnte in der Halle 35 ein Bereich geschaffen werden, der den besonderen Anforderungen von Mitarbeitern mit Tätigkeitseinschränkungen an die Arbeitsorganisation und an die Gesundheitsförderung Rechnung trägt, um diese wieder in die Kernprozesse der Fahrzeugfertigung zu integrieren“, so Schmickartz.


„STARK steht für die fünf Grundpfeiler Stabilisierung, Training, Aufbau, Respekt und Kernwertschöpfung.“

Sebastian Schmickartz Leiter des Demografie-Projekts und der Cockpit-Vormontage Halle

Möglich machen das modernste Produktionstechnologien, ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, eine intensive und persönliche Betreuung durch Meister, Personalabteilung, Betriebsrat und Ergo-Assistenten sowie ein eigens für diesen Bereich geschaffenes ganzheitliches Trainingskonzept in der Fertigung. Zudem gibt es besondere Arbeitsmodelle, die auf den einzelnen Mitarbeiter individuell zugeschnitten sind: Rotationen an Einzelarbeitsplätzen, aber auch 2er- oder 3er-Gruppen, die sich einen Arbeitsplatz in enger Absprache und im Dreischicht-Betrieb teilen.

Eine wesentliche Säule des Erfolgs ist zudem eine klare Kommunikation, über alle Ebenen hinweg und auf Augenhöhe. Und jeder ist gefordert, aktiv am eigenen Fortschritt und damit am Gesamtprojekt mitzuarbeiten. „Ich frage nicht, was der Mitarbeiter nicht kann, sondern was er kann. So kann er sich gezielt in die Arbeit einbringen“, erklärt Sebastian Schmickartz. „Wir haben transparente und einfache Prozesse, alles liegt klar auf der Hand. Die Mitarbeiter wissen, warum sie hier sind.“  

  • Individualisiertes Training
  • Erfolgserlebnisse
  • Neue Perspektiven

Beim Besuch in Halle 35 fällt Besuchern sofort der Trainingsbereich auf, der so auch in einem professionellen Reha-Bereich stehen könnte. Es gibt zahlreiche Geräte, um einzelne Muskelgruppen zu trainieren und einen Bereich, in dem gängige Bewegungen – etwa das Einschrauben ohne hinzuschauen und das Umsetzen von Kisten – geübt werden können. Hier findet ein individualisiertes Training statt, das – neben den Veränderungen an den Arbeitsplätzen und dem hohen Aufwand für die Mitarbeiterqualifikation – das Projekt STARK auszeichnet.

„Unser Trainingskonzept hilft den Kollegen in der Fertigung, Kraft aufzubauen, beweglich zu bleiben und Haltungsfehler zu vermeiden“, erklärt Ergo-Assistent Robert Schrader seine Arbeit. Zusammen mit zwei Kollegen unterstützt der Sportwissenschaftler die Fertigungsmitarbeiter. Jeder Mitarbeiter trainiert so mindestens einmal die Woche über eine halbe Stunde. Schrader: „Jedes kleine Erfolgserlebnis macht mich natürlich glücklich: Zum Beispiel, wenn jemand nach dem Training aufsteht und sagt, dass er sich besser fühlt oder die Schmerzen weniger werden. Wir sind natürlich keine Wunderheiler, aber wenn man unseren Empfehlungen folgt, steigt in der Regel das Wohlbefinden.“

Die Kombination aus Angeboten und Betreuung des Projekts STARK ist bislang einzigartig im Konzern. „In diesem Trainingsbereich haben unsere Mitarbeiter die Möglichkeit, während der Arbeitszeit gezielte Trainingsmaßnahmen zu absolvieren, um so Ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und zu stabilisieren“, erklärt Sebastian Schmickartz. „Damit schaffen wir wichtige Voraussetzungen, um Mitarbeitern mit Tätigkeitseinschränkungen eine Perspektive zu geben.“

STARK ist Teil der Produktionsstrategie TRANSFORM.TOGETHER der Marke Volkswagen, die auf eine weltweite Produktivitätssteigerung um 30 Prozent bis 2025 abzielt. Das geht natürlich nicht ohne „Mannschaft der Zukunft“, die ebenfalls ein Handlungsfeld der Strategie TRANSFORM.TOGETHER bildet. „Unsere Mitarbeiter sind das Wichtigste, was wir haben“, sagt Volkswagen Produktionsvorstand Dr. Andreas Tostmann. „Deshalb ist es für uns, auch im Rahmen unserer TRANSFORM.TOGETHER-Strategie, von besonderer Bedeutung, dass wir in der Produktion Bedingungen schaffen, die es uns ermöglichen, unsere Mitarbeiter wertschätzend einzusetzen. Dadurch respektieren wir die Leistung unserer Mannschaft und leisten auch einen wichtigen Teil zur Erreichung der Unternehmensziele.“

Teil dieser Mannschaft im Volkswagen Werk in Wolfsburg ist auch Julia Korte. „Für mich ist das Projekt STARK eine Chance. Eine Chance, wieder fit zu werden. Wie viele andere Kollegen auch – etwa nach längerer Krankheit oder einem Ausfall – kann ich hier zudem zeigen, was ich kann“, erklärt Korte. Sie arbeitet seit neun Monaten im Projekt STARK. „Hier kann ich – auf einem ‚leichteren‘ Arbeitsplatz – wieder in meinen Job und den Rhythmus hineinfinden.“

Das Demografie-Projekt STARK beweist: Die Art und Weise, wie Menschen zusammenarbeiten, entscheiden bei Volkswagen Menschen, nicht Zahlen und Statistiken. Auch in Zeiten, in denen man jede unternehmerische Entscheidung vor seinen Stakeholdern erklärt. Die Auswirkungen unternehmerischer Entscheidungen werden eher in extremen Situationen sichtbar, wenn nicht mehr alles reibungslos läuft.

„Manche Mitarbeiter werden von harten Schicksalsschlägen getroffen. Genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob wir bei Volkswagen als eine Mannschaft zusammenstehen. Wir haben am Standort Wolfsburg den Anspruch, die besten Autos der Welt zu bauen. Das gelingt uns nur, wenn jeder für den anderen einsteht.“

Dr. Stefan Loth Werkleiter

Volkswagen schafft weltweit Arbeitsplätze für Menschen mit Tätigkeitseinschränkungen. In Wolfsburg konnten durch das Demografie-Projekt STARK bereits 158 Mitarbeiter in die Wertschöpfung fest integriert und 18 Mitarbeiter wieder in ihren ursprünglichen Fachbereich reintegriert werden. Ab nächstem Jahr plant Volkswagen, das Modell auch auf andere Fertigungsbereiche und Standorte auszuweiten.

Die ersten Erfolge des Projekts STARK haben zudem Sebastian Schmickartz und viele Kollegen inspiriert, sich noch stärker mit dem Thema zu beschäftigen. „Wir sind dabei, uns Gedanken zu machen, wie wir mit Mitarbeitern in der Fertigung umgehen, die im Rollstuhl sitzen oder sehr hohe Seh-Einschränkungen haben. Das ist etwas Herausforderndes, vor dem wir uns bei Volkswagen nicht verstecken und für das wir Verantwortung übernehmen wollen“, sagt Schmickartz.