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Surfen und Fliegen zugleich

Das Audi e-foil ist mehr als ein Surfboard – es ist eine Art Flugzeug für das Wasser. Natürlich mit elektrischem Antrieb.

Zuverlässig wehende Winde, zwischen steilen Bergwänden wie von einer Venturi-Düse eingefangen und beschleunigt – der nördliche Gardasee zwischen Torbole und Malcesine ist ein Hotspot für Windsurfer. Aber was geschieht, wenn der Südwind, die „Ora“, gegen Abend abflaut? Dann schlägt die Stunde von Franz Hofmann und seinem Audi e-foil.

Das Wörtchen „Foil“ (Folie) steht für einen Megatrend im Segelsport. Rennboote fliegen schon seit Jahren übers Wasser, gestützt nur auf schmale Schwerter. Das Gleiche gilt für die olympische Katamaran-Bootsklasse Nacra 17, in der das Audi e-tron Sailing Team Johannes Polgar/Carolina Werner antritt. Auch Kite- und Windsurfer nutzen Foils – immer nach demselben Prinzip: Sobald das Boot oder Board eine gewisse Geschwindigkeit erreicht, erzeugt der Flügel so viel Auftrieb, dass er den Rumpf aus dem Wasser hebt. Der Strömungswiderstand geht dadurch enorm zurück, schon wenig Wind genügt für hohe Geschwindigkeiten.

Franz Hofmann ist Leichtbau-Experte

Surfen? Gleiten? Fliegen? Franz Hofmann erprobt das Audi e-foil im nördlichen Zipfel des Gardasees vor der Kulisse von Malcesine

Auch der 33-jährige Audi-Ingenieur Franz Hofmann liebt die Faszination des Kitesurfens mit dem Foil. Beruflich entwickelt er am Standort Ingolstadt Wasserstofftanks aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK), er ist Experte für Leichtbau. Kein Wunder, dass die ersten Kite-Foils, die vor Jahren in den Handel kamen, in seinem Urteil durchfielen: zu schwer.

Hofmann nahm Kontakt zu Christian Rößler auf, einem Bekannten aus gemeinsamen Jugendtagen in Oberfranken. Rößler arbeitet an der Technischen Universität München am Lehrstuhl für Luftfahrtsysteme und weiß fast alles über Strömungsverhalten. Er baute erste Rechenmodelle und Simulationen auf und fand damit seine ganz eigene Konstruktion für den Wasserflügel. Hofmann und Rößler frästen Formen an der TU, schliffen sie im heimischen Wohnzimmer zurecht und laminierten dann im Keller den ersten CFK-Flügel. 2015 war das Kite-Foil fertig. „Strömungstechnisch war es eines der besten und effizientesten Foils, wie wir aus Datenvergleichen wissen“, berichtet Hofmann nicht ohne Stolz.

Breite Unterstützung bei den Kollegen

Seine Arbeit bei Audi brachte Hofmann dazu, das Antriebsthema weiterzudenken, über den Wind hinaus. Ein Foil ist extrem effizient – was lag näher, als es mit einem sauberen Elektroantrieb wie bei den Audi e-tron-Modellen zu kombinieren? Hofmann begann, das Thema unterschiedlichen Kollegen im Unternehmen vorzustellen: dem Innovationsmanagement, dem Audi-Design, den Fachleuten im 3D-Druck, dem Audi-Leichtbauzentrum in Neckarsulm und mehreren Werkstätten. Überall stieß er auf großes Interesse und praktische Unterstützung.

Anfang 2018 wasserte Hofmann den ersten Prototyp des Audi e-foil – ein Surfboard, auf das ein Batteriepack in einem wasserfesten Koffer geschnallt war. Die folgende Evolutionsstufe verfügte schon über ein im Brett integriertes Batteriefach. Zur Kieler Woche im Sommer lagen die ersten Vorserien-Boards am Strand. „Viele Kollegen sind mittlerweile dabei“, berichtet Hofmann. „Dadurch kommen perfekt ausgeführte Teile in das Foil und das Board. Das beginnt mit den Steckverbindungen für die Elektronik und endet beim Gehäuse für den Jetantrieb.“

Für die Balance braucht man Übung

Wie schwierig ist es, das Audi e-foil zu fahren? „Nach ein paar Tagen Übung fliegt damit fast jeder Laie übers Wasser“, entgegnet der 33jährige. Tatsächlich: Wenn Franz Hofmann auf das Bord steht, wirkt es leicht, fast spielerisch. In der rechten Hand hält er eine Fernbedienung. Bei der Abfahrt liegt das Board noch flach auf dem See, aber sobald Hofmann den Zeigefinger etwas weiter krümmt, hebt es sich auf seinen Flügel, nur der Carbonmast schneidet noch durchs Wasser. Hofmann gibt Strom und fliegt auf den offenen Gardasee hinaus, abgasfrei und lautlos, ganz ohne Wellenschlag. In Richtung der sinkenden Sonne, gegen den abflauenden Wind.

  • Technische Daten

    Länge: 1,70 Meter

    Antriebsleistung: ca. 5 kW

    Akkulaufzeit: ca. 1 Stunde

    Reichweite: ca. 30 km bei 30 km/h

    Höchstgeschwindigkeit:  45 km/h

Fünf Fragen an Franz Hofmann

„Revolution auf dem See und am Meer“ - Franz Hofmann glaubt fest an die Zukunft des elektrischen Antriebs auf dem Wasser.

Wie fühlt sich die Fahrt mit dem Audi e-foil an?

Einfach toll, denn man erlebt etwas ganz Einzigartiges – eine Mischung aus Surfen und Fliegen, lautlos, effizient und sportlich. Das Audi e-foil ist mehr als ein elektrisches Surfboard. Es ist ein Flugzeug fürs Wasser, das einen Menschen trägt.

Was kann das Audi e-foil besser als die Konkurrenten?

Wir haben das e-foil nicht erfunden, es gibt Hunderte solcher Projekte auf der Welt. Aber wir kombinieren unseren leistungsfähigen Flügel mit einem elektrischen Jetantrieb. Dieses Technikpaket ist enorm effizient und noch dazu besonders sicher im Betrieb.

Was hat das Audi e-foil mit den Autos von Audi zu tun?

Es fährt lautlos und emissionsfrei, damit passt es perfekt zum neuen Audi e-tron und zu dessen Stärken wie Aerodynamik, Nachhaltigkeit und Effizienz. Egal ob auf dem Wasser, an Land oder auch in der Luft: Die Elektromobilität zwingt uns in allen Bereichen, die Grenzen der Physik neu auszuloten. Ganz einfach weil die Energiemenge, die wir zukünftig mitführen können, reduziert ist.

Werden sich e-foils auf dem Markt durchsetzen?

Ja, da bin ich mir völlig sicher. Wie bei den Fahrrädern wird es auch auf dem Wasser flächendeckend zum Elektroantrieb kommen. Elektrisch angetriebene Foils werden die Revolution an den Seen und auf den Meeren schlechthin.

Besteht für Dein Projekt eine Chance auf Serienfertigung?

Meine Vision ist es, noch 2019 eine erste Kleinserie des Audi e-foil bauen. Mit ihr würden wir unseren Kunden zunächst Testfahrten anbieten.