Drei-Länder-Eck

Projekt „Biomasse für SunFuel“

Langfristig wird Biomasse die fossilen Energieträger als Kraftstoffbasis deutlich unterstützen. Ihre energetische Nutzung gewinnt bereits zunehmend an Dynamik und stellt sowohl Landwirte als auch ganze Regionen vor neue Herausforderungen. Aus diesem Grund haben die Bundesländer Brandenburg, Hessen und Niedersachsen zusammen mit Volkswagen das gemeinsame Forschungsvorhaben „Biomasse für SunFuel“ ins Leben gerufen. Ziel ist die Entwicklung einer Biomasseninfrastruktur, um so die Grundlage für eine großtechnische Produktion biogenen Kraftstoffs (SunFuel) zu schaffen. Geplant ist, die Biomassepotenziale einschließlich ihrer Logistik in ausgesuchten Modellregionen der drei Länder zu ermitteln. Die treibende Kraft für dieses Vorhaben ist vor allem in dem Wunsch nach Absicherung der Rohstoffversorgung durch Biomasse zu sehen und damit verbunden eine Stärkung der Landwirtschaft in den Ländern. Die Herstellung von SunFuel wird so nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch interessant.

Ziele für die Zukunft

Hintergrund für diese Maßnahme sind die Kraftstoffstrategie der Bundesregierung und von Volkswagen sowie die seit Januar 2005 geltende Biokraftstoffrichtlinie der Europäischen Union (EU). Danach soll der Anteil von Biokraftstoffen bis 2010 auf 5,75 Prozent erhöht werden. Für 2020 wird zur Zeit sogar ein Biokraftstoffanteil von 15 Prozent diskutiert. Die Beimischung von Biokraftstoffen zu konventionellem Sprit wird hierbei eine herausragende Rolle spielen. Bereits jetzt sind von der Bundesregierung Anreize geschaffen worden, die den Absatz von Biokraftstoffen fördern und vergrößern sollen. Dazu zählt unter anderem die seit Januar 2004 geltende erweiterte Mineralölsteuerbefreiung für biogene Kraftstoffe in Reinform oder in Gemischen mit fossilen Kraftstoffen. Von ihr wird eine erhebliche Belebung des Biokraftstoffsektors in der Zukunft erwartet. Der entscheidende Vorteil der Beimischung ist, dass alle Fahrzeuge für die Entlastung der Umwelt sorgen können, und dafür keine teuren Änderungen am Tankstellennetz notwendig sind.

Damit langfristig die Produktion von SunFuel, und somit die Versorgung mit Biokraftstoffen, sichergestellt werden kann, müssen ökonomische, ökologische und pflanzenbauliche Anforderungen erfüllt sein. Um ein möglichst breites Spektrum an Biomassequellen zu erfassen, wurde inzwischen ein umfangreiches Arbeitsprogramm erarbeitet, in dem sowohl holz- und halmgutartige Pflanzen sowie Bioabfälle berücksichtigt werden. Die verschiedenen Arbeitspakete teilen sich unter der Schirmherrschaft der Länder wie folgt auf: 

Arbeitsteilung

Projekte Niedersachsen: Den größten Teil der Arbeiten nehmen zwei Projekte zur sozioökonomischen, ökologischen und raumbezogenen Bewertung verschiedener repräsentativer Modellregionen ein (SUNREG I und II). Dazu werden Bewertungsmodelle erstellt, aus denen schließlich regionale Strategien für die Entwicklung von Biomassemärkten abgeleitet werden (Projektleitung Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Universität Hannover – Institut für Umweltplanung). Sie sollen dem Landwirt einen Entscheidungsraum über seine Produktionsmöglichkeiten im Energiesektor zur Verfügung stellen. Zur Datenverifizierung und Erhebung wird ein konkretes Anbauprojekt für Energiepflanzen durchgeführt (Projektleitung: Landwirtschaftskammer Niedersachsen).

Einem weiteren Bereich der möglichen Biomassequellen, den biogenen Wertstoffen wird durch ein vom Umweltministerium Niedersachsens unterstütztes Projekt zum Thema „Dezentrale Biomassebereitstellung aus Bio- und Grünabfällen“ Rechnung getragen. Es wird untersucht, welche Mengen und Qualitäten – aufbauend auf der bisherigen Logistik – aus diesen Abfällen als Rohstoff für die Erzeugung von SunFuel aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden können.

Die Erzeugung von SunFuel stellt eine Reihe von Mindestanforderungen an die Beschaffenheit der Biomasse. Das Material muss gezielt zerkleinert, thermisch zersetzt und anschließend zu flüssigen Kohlenwasserstoffen verarbeitet werden. Dabei ergeben sich für den Anlagenbetreiber und den Landwirt unterschiedliche technische und wirtschaftliche Sichtweisen. In einem weiteren Projekt ist es deshalb das Ziel, für beide Seiten tragbare wirtschaftliche Planungsdaten zu liefern und entsprechende Mindestanforderungen für die Biomasse zu definieren (Projektleitung CUTEC-Institut GmbH).

Projekte Brandenburg: Einen weiteren großen Teilbereich der möglichen Biomasse stellen die holzartigen Pflanzen dar. Deshalb sollen zur Darstellung einer Modellregion in Brandenburg unter der Projektleitung der FH Eberswalde in Zukunft größere Anbauflächen realisiert werden (MORES). Die Vorplanungsphase für die Modellregion ist bereits im Jahr 2005 abgeschlossen worden. In den kommenden Jahren wird es um die konkrete Umsetzung auf Anbauflächen gehen.

Für Brandenburg liegen noch keine ausreichenden Daten für die standortangepasste Auswahl von schnellwachsenden Gehölzen vor. Diese Daten können mit Hilfe des Projekts beschafft werden und somit eine entsprechende Beratung der Landwirte gewährleisten, denn nur so wird der Einstieg in den kommerziellen Feldholzanbau auf Dauer zum Erfolg führen. Holzartige Biomasse zeigt besonders gute Eigenschaften für den Einsatz in thermischen Zersetzungsverfahren (z.B. niedriger Asche- und Chlorgehalt).

Des Weiteren sind Energiegehölze für den ökologischen Landbau eine interessante Alternative, da diese nachgewiesenermaßen auch langfristig ohne Düngung hohe Biomasseerträge leisten können. Wissenschaftliche Unterstützung wird die Modellregion u.a. durch das beim BMBF geförderte Projekt DENDROM erhalten. Des Weiteren wird sich das Agrartechnische Institut Bornim (ATB) aus Potsdam in dem länderübergreifenden Projekt SUNREG mit der Erstellung von mathematischen Modellen zur Untersuchung verschiedener Biomassebereitstellungsszenarien engagieren.

Projekte Hessen: Das Land Hessen widmet sich zwei Themen. Ein Schwerpunkt stellt die Untersuchung von so genannten Zweikulturnutzungssystemen dar. Darunter versteht man den kombinierten Anbau von einer Winter- und einer Sommerkultur innerhalb eines Jahres und deren Ernte noch vor der Vollreife. Hier werden u.a. die Universitäten Kassel und Gießen eingebunden sein.

Der zweite Themenkomplex beschäftigt sich mit Feldgehölzen (Kompetenzzentrum HessenRohstoffe (HeRo) e.V.). Mit dem Anbau von Pappeln auf ausgewählten Standorten dient der Sortenpflege und der Sammlung neuer leistungsstarker Sorten, die für die spezifischen Standorte in Deutschland geeignet sind. Die Ergebnisse der Anbauversuche werden die Zulassung neuer Klone für den Handel weiter voranbringen.

Hier können Sie weiteres zu den Querschnittprojekten lesen:

Sunreg I

Sunreg II

Biomasseanforderungen


Hinweis

Dieses Thema ist Bestandteil der Volkswagen Konzern- forschung, um die Machbarkeit zu studieren und nicht Serienumfang, bzw. ist derzeit kein Einsatz in Serie geplant.

Download

Beteiligte Institute
PDF, 2 Seiten, 13 KB
Broschüre "Biomasse für SunFuel"
PDF, 8 Seiten, 1.18 MB