Klima und Energie

Klimaschutz auf ganzer Breite

Laut des Anfang 2007 veröffentlichten Berichts des UN-Klimabeirates (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) hat sich das Klima in den letzten hundert Jahren weltweit um durchschnittlich 0,7 Grad Celsius erwärmt. Verantwortlich dafür sind vor allem die anthropogenen Emissionen von Treibhausgasen, insbesondere CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Ohne weitreichende Klimaschutzmaßnahmen sagen die Szenarien des IPCC eine immer schnellere Erwärmung voraus. Häufigere Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Überschwemmungen wären unter anderem die Folgen.

Um die Erwärmung auf ein beherrschbares Maß von rund zwei Grad zu begrenzen, müssen die Emissionen drastisch reduziert werden – bis ins Jahr 2050 um 50 bis 85 Prozent. Dazu bedarf es laut IPCC Investitionen in Höhe von bis zu 5,5 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Nach Meinung der Forscher ist das jedoch immer noch deutlich günstiger als die Folgen einer ungebremsten Erwärmung.

Wunsch nach Mobilität
Die Automobilindustrie steht dabei zu ihrer Verantwortung: Der gesamte Transportsektor trägt weltweit etwa 14 Prozent zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen bei. Etwa 9 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen aus dem Straßenverkehr, wobei Pkw und andere Verkehrsmittel jeweils ungefähr die Hälfte verursachen. Selbst bei einer höheren Effizienz der Fahrzeuge werden die Emissionen im Transportsektor weiter ansteigen. Verantwortlich dafür ist einerseits der zunehmende Gütertransport in einer globalisierten Wirtschaft, andererseits der Wunsch vieler Menschen vor allem in den Entwicklungsländern nach persönlicher Mobilität.

Globale Treibhausgas-Emissionen 2004

Risiken und Chancen
Die direkten physikalischen Risiken des Klimawandels für unsere Standorte sind überschaubar. Extreme Wetterereignisse können jedoch indirekte Folgen für die Automobilindustrie nach sich ziehen, indem sie die öffentliche Meinung beeinflussen und die Politik zu Regulierungen veranlassen. Sie können sich auch auf die Energiepreise auswirken und so das Kaufverhalten verändern.

Eng verbunden mit der Herausforderung durch den Klimawandel ist die Debatte um eine sichere Versorgung mit Energie. Diese basiert derzeit überwiegend auf der Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle. Insbesondere Erdöl ist nur begrenzt und räumlich konzentriert verfügbar. Der stark vom Erdölmarkt abhängige Primärenergiemarkt ist dadurch besonderen Preisrisiken ausgesetzt. Angesichts der weiter zunehmenden Energienachfrage ist auch für die Zukunft nicht mit einer langfristigen Entspannung des Marktes zu rechnen. Wachsende Anforderungen beim Klimaschutz stellen eine weitere Belastung für den Nutzer fossiler Energieträger dar.

Im zunehmenden Preis- und Risiko-Bewusstsein der Kraftstoffkunden liegt für den Volkswagen Konzern jedoch auch eine große Chance. Effiziente Antriebe und Leichtbaukonzepte, wie sie der Konzern mit großem Nachdruck entwickelt, werden zu ausschlaggebenden Kaufgründen, Nachhaltigkeit bei den Produkten und in der Produktion zum Wettbewerbsvorteil auf dem breiten Markt.

In der Erschließung erneuerbarer Energiequellen und der Entwicklung dafür maßgeschneiderter, noch effizienterer Antriebe und Fahrzeugkonzepte sehen wir die Aufgaben der Zukunft. Mit ihnen können wir unseren Vorsprung weiter ausbauen.

Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauches
Indem wir den Energieverbrauch bereits während der Produktion optimieren, senken wir nicht nur den Kohlendioxidausstoß, sondern auch die Betriebskosten und machen uns unabhängiger gegenüber schwankenden Preisen für Energie und CO2-Emissionsrechte. Regelmäßige Energie-Audits des Konzerns helfen uns, die Bilanz weiter zu optimieren. Mit unserer Tochtergesellschaft VW-Kraftwerk GmbH verfügen wir über eine besonders effiziente Energieversorgung an unseren deutschen Standorten.

Integrierter Ansatz
Der weitaus größte Teil des Energieeinsatzes und damit der CO2-Emissionen ist der Nutzungsphase der Fahrzeuge zuzurechnen. Dabei spielen im Gegensatz zur Produktion viele Akteure eine Rolle. Neben den Fahrzeugherstellern sind dies die Mineralölindustrie, die Politik und insbesondere die Fahrer selbst. Um alle Akteure in entsprechende Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes einzubeziehen, müssen deren Interessen gemeinsam betrachtet werden. Für die Fahrzeughersteller bedeutet dies, moderne, effiziente Technologien zu entwickeln und zum Einsatz zu bringen. Dabei gilt es, die richtige Balance zwischen Umweltschutz, Sicherheit, Komfort, Nutzwert und Kosten zu halten.

Für klimaschonende Maßnahmen gibt es keine weltweit gültigen Patentrezepte. Innerhalb der EU spielen vor allem unterschiedliche Kfz- und Kraftstoffsteuern eine Rolle, die zum Teil auf den CO2-Emissionen basieren. In wichtigen weltweiten Absatzmärkten gelten unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen für CO2-Emissionen oder Kraftstoffverbrauch. In den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern stehen vor allem die Erstmotorisierung sowie der Straßenbau und die Versorgung mit Kraftstoffen hinreichender Qualität im Mittelpunkt.

Die Politik ist gefordert, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, damit innovative Fahrzeugtechnologien effizient in den Markt gebracht werden können. Im Rahmen eines integrierten Ansatzes müssen alle relevanten Akteure – Politik, Mineralölindustrie, Automobilhersteller und Fahrer – einbezogen werden, um die CO2-Emissionen möglichst kosteneffizient zu reduzieren. Die Ziele für die Automobilhersteller müssen dabei so gesetzt werden, dass sie den Wettbewerb um die innovativsten und effizientesten Technologien fördern, nicht jedoch die Vielfalt der Hersteller und ihrer Produkte beschneiden.

Als Technologiekonzern und Innovationsführer stellen wir uns diesem Wettbewerb und sehen die mit dem Klimawandel verbundene Herausforderung vor allem als Chance, umweltfreundliche Antriebskonzepte auch auf Volumenmärkten erfolgreich anzubieten.