Luftreinhaltung

Lösungen mit immer weniger Lösemitteln

Bei der Luftbelastung durch die Automobilproduktion spielen flüchtige organische Verbindungen (VOC) eine besondere Rolle. Sie werden vor allem aus den beim Lackieren und Beschichten verwendeten Lösemitteln freigesetzt. Wir verwenden Lösemittel mit äußerster Sorgfalt und versuchen, wo immer möglich, auf ihren Einsatz zu verzichten. In absoluten Zahlen stiegen die VOC-Emissionen im Konzern 2006, bedingt durch die höhere Fahrzeugproduktion, leicht an. Je Fahrzeug gingen sie allerdings von 3,24 kg im Jahr 2005 auf 3,14 kg im Jahr 2006 zurück.

Neue Prozesse, Lacke und Beschichtungen
Derzeit untersuchen Entwicklungsteams bei Audi und Volkswagen die technische Machbarkeit spezieller Klarlacke, die unter UV-Licht aushärten. Diese Technik ermöglicht eine weitere Reduzierung des Lösemittelanteils. Vollständig lösemittelfrei gestalten wir konzernweit die dem Lackieren vorgelagerten Fertigungsprozesse. Für Fahrzeugentfettung, Phosphatierung, Grundierung und Unterbodenschutz sowie die abschließende Hohlraumversiegelung setzen wir seit Beginn der neunziger Jahre keine Lösemittel mehr ein. Durch die Nutzung von Lacken auf Wasserbasis ist an zahlreichen Standorten der gesamte Lackierprozess außerdem bereits extrem lösemittelarm.

Durchbruch bei Nachverbrennung
Auch bei der Verwendung wasserlöslicher Lacke muss die Abluft der Lackieranlagen gereinigt werden. Diese Aufgabe übernimmt eine thermische Nachverbrennungsanlage (TNV). Die TNV brennt die in der Abluft enthaltenen VOC bei einer optimalen Temperatur von 750° C ab und liefert die Wärme für die Karosserietrocknung. Dies brachte bisher zwei Probleme mit sich: Das Wärmeangebot ist höher als die Abnahme. Energieaufwand und die CO2-Emissionen sind entsprechend hoch. Außerdem belasten Temperaturen über 700° C die Festigkeit der TNV-Konstruktion. Unter Federführung der Umweltabteilung läuft seit 2007 ein Projekt zur energetischen Optimierung der TNV. Mit Unterstützung eines unabhängigen Messinstituts konnten die Entwickler zeigen, dass ein optimaler Abbrand durch einen Oxidationskatalysator schon bei 540° C sichergestellt wird. Dadurch sind die oben beschriebenen Probleme gelöst. Auch die Entstehung schädlicher Stickoxide wird stark reduziert.

An vielen Stellschrauben drehen
Durch zahlreiche einzelne Innovationen in der Lackiererei spart beispielsweise Volkswagen Nutzfahrzeuge große Mengen organischer Lösemittel. Trotz gestiegener Stückzahl schaffte das Lösemittelteam am Standort Hannover durch Mitarbeiterinformationen und Prozessoptimierungen eine Reduzierung auf beinahe ein Drittel der 1999 verwendeten Menge. Die Zukunft verspricht mit einem neuen Lack-Erkennungssystem und dem Ersatz eines organischen Spülverdünners durch ein neues Tensid weitere Reduktionen.

Der Ersatz von Lösungsmitteln durch Tenside hat besonders am Volkswagen Standort Bratislava zu erheblichen Einsparungen geführt. Besondere Umweltrelevanz hat hier auch die Optimierung der PVC-Schicht, die den Materialeinsatz von PVC um 50 Prozent verringerte.