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Wolfsburg, 09.03.2006

ForMotion-Programm und Modelloffensive steigern Volkswagen Ergebnis deutlich

Pischetsrieder: Weitere Anstrengungen notwendig, um langfristige Zukunft des Konzerns zu sichern.

Der Volkswagen Konzern hat dank seines ForMotion-Programms und einer umfangreichen Modelloffensive sein Ergebnis im vergangenen Jahr deutlich gesteigert. Das Ergebnis vor Steuern wuchs im Jahr 2005 um 58,2 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Trotz eines anhaltend schwierigen Marktumfeldes sei es damit gelungen, die Prognosen zu erfüllen, sagte der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns, Dr. Bernd Pischetsrieder, am Dienstag bei der Vorlage der Bilanz in Wolfsburg. „Insgesamt ist dennoch das erzielte Ergebnisniveau weiter unbefriedigend“, betonte er. „Deshalb werden wir unser Leistungssteigerungsprogramm als „ForMotion plus“ fortsetzen und insbesondere die Kernmarke Volkswagen konsequent restrukturieren. Für unseren Konzern gibt es keine Alternative. Es sind weiterhin erhebliche Anstrengungen notwendig, um die Zukunft der Volkswagen AG nachhaltig zu sichern“, machte Pischetsrieder deutlich.

„Wir sind im vergangenen Jahr schon große Schritte bei der Verbesserung unserer Wettbewerbsfähigkeit vorangekommen. Dennoch darf niemand im Konzern davon ausgehen, es seien schon alle unsere Ziele erreicht“, betonte der Vorstandsvorsitzende. „Gemeinsam mit allen Beteiligten muss das Volkswagen Management jetzt die Weichen stellen, um langfristig das Überleben des Konzerns zu gewährleisten. Nur ein erfolgreiches Unternehmen kann Arbeitsplätze sichern.“ Die Modelloffensive des Konzerns im Jahr 2005 sei erfolgreich auf den Märkten der Welt gewesen, sagte Pischetsrieder. Durch die Auslieferung von 5,24 Millionen Fahrzeugen an Kunden (+ 3,2 Prozent) wurde ein Rekord erzielt. „Mit insgesamt 16 neuen Modellen und Modellvarianten allein in Europa haben wir unsere Produktoffensive fortgesetzt und unsere Marktanteile insbesondere in Europa gegen einen harten Wettbewerb ausgebaut.“ Die Vielzahl der neuen Modelle unterstreiche einmal mehr die Innovationskraft des Konzerns. Der Umsatz stieg auf 95,3 Milliarden Euro und damit um 7,1 Prozent.

Modelloffensive
Pischetsrieder kündigte an, der Konzern werde in diesem und im nächsten Jahr die Modelloffensive fortführen. Allein in Europa werde es 28 Neuheiten geben. „Wir erwarten, dass die Auslieferungen des Konzerns weltweit leicht über dem Vorjahresniveau liegen werden, da alle Marken mit neuen Volumenmodellen antreten“, sagte Pischetsrieder. Nach den vorläufigen Berechnungen lieferte der Konzern in den ersten beiden Monaten 2006 rund 790.000 Fahrzeuge weltweit an Kunden aus, das sind etwa 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Weltweit wuchs der Pkw-Markt im gleichen Zeitraum um rund sieben Prozent. Pischetsrieder fügte hinzu: „Der Wettbewerbsdruck auf den weltweiten Automobilmärkten ist unvermindert hoch. Trotz steigender Auslieferungszahlen besitzt der Volkswagen Konzern weiterhin Überkapazitäten. Da dies auch auf einen Großteil unserer Wettbewerber zutrifft, sind die Märkte von einem hohen Preisdruck gekennzeichnet.“

ForMotion-Programm
Anlässlich der Jahrespressekonferenz im vergangenen Jahr hatte der Konzern angekündigt, mit ForMotion das Konzernergebnis um 3,1 Milliarden Euro verbessern zu wollen. Mit einer Leistungssteigerung von 3,5 Milliarden Euro sei dieses Ziel deutlich übertroffen worden, so Pischetsrieder. Im Rahmen des Programms seien im Konzern weit mehr als 10.000 einzelne Maßnahmen umgesetzt worden. „ForMotion hat in allen Bereichen und bei allen Mitarbeitern enorme Kräfte freigesetzt“, sagte Pischetsrieder.

Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch ergänzte: „Insbesondere durch die gezeigte Disziplin bei der Investitionstätigkeit war es möglich, die Netto-Liquidität im Konzernbereich Automobile gegenüber 2004 um 2,6 Milliarden Euro zu verbessern und mit 0,7 Milliarden Euro erstmals seit 2002 wieder einen positiven Wert zu erreichen.“ Erfreulich sei vor allem, dass die Investitionen - ohne Abstriche bei der Entwicklung neuer Modelle - gesenkt werden konnten. Pötsch: „Neue Autos sind unsere Zukunft.“ Pötsch führte aus, dass die Konzern-Umsatzerlöse im Jahr 2005 um 6,3 Milliarden Euro gestiegen seien, wovon 5,4 Milliarden Euro auf das Automobilgeschäft und 0,9 Milliarden Euro auf den Konzernbereich Finanzdienstleistungen entfielen. Die 5,4 Milliarden Euro aus dem Automobilgeschäft verteilen sich mit 2,8 Milliarden Euro auf Volumeneffekte, mit 1,0 Milliarden Euro auf Mixverbesserung und mit
0,9 Milliarden Euro auf Preise. Aus Wechselkursen resultierte 2005 im Gegensatz zum Vorjahr ein positiver Umsatzeinfluss von 0,7 Milliarden Euro.

Restrukturierung
Pischetsrieder betonte, die Marke Volkswagen habe erhebliche Nachteile bei der Produktivität im internationalen Vergleich. „Die Exportfähigkeit einiger deutscher Werke ist nicht gewährleistet.“ Deshalb diskutiere der Vorstand mit allen Beteiligten ein Restrukturierungsprogramm zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit mit folgenden Schwerpunkten:

  • Wettbewerbsfähige Fertigungs- und Arbeitskosten durch eine fertigungs- und montagegerechte Konstruktion sowie Arbeitszeitdifferenzierungen.
  • Steigerung der Produktivität, insbesondere in den Fahrzeugmontagewerken etwa durch innovative Arbeitszeitmodelle und vorgezogene Altersteilzeit.
  • Volle Auslastung der Werke auch durch Kapazitätsanpassungen.
  • Neuordnung der Komponentenfertigung.

Bei der Analyse der internen Komponentenfertigung gehe es um die zentralen Fragen: Handelt es sich um eine Kernkompetenz, und ist die Produktion der betrachteten Komponente zu wettbewerbsfähigen Konditionen möglich? Pischetsrieder betonte: „Die Produktion von Motoren und Getrieben zählt für uns als Automobilhersteller zur Kernfertigung und ist daher nicht Gegenstand dieser Untersuchung.“ Wie bereits angekündigt, könnten von dem Restrukturierungsprogramm in den nächsten drei Jahren bis zu 20.000 Mitarbeiter im direkten und indirekten Bereich der Marke Volkswagen betroffen sein. Auf welchen Wegen die Produktivitäts- und Strukturverbesserungen konkret erreicht und umgesetzt werden, ist derzeit Gegenstand von Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall.

Der Vorstandsvorsitzende verdeutlichte: „Das Restrukturierungsprogramm und die Durchführung von ForMotion plus sind notwendige Maßnahmen, mit denen wir unserer langfristigen Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens und seiner Mitarbeiter gerecht werden. Es genügt nicht, besonders gute Produkte herzustellen; diese müssen auch für unsere Kunden finanzierbar sein und eine angemessene Rendite für die Zukunftssicherung erwirtschaften. Nur wenn uns das gelingt, sind die Arbeitsplätze bei Volkswagen sicher und das Überleben unseres Unternehmens garantiert.“

Ausblick 2006
Durch die Einführung zahlreicher neuer Modelle geht der Volkswagen Konzern davon aus, dass die Auslieferungen an Kunden sowie die Umsatzerlöse im laufenden Jahr erneut leicht steigen werden. Das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen wird sich 2006 gegenüber 2005 verbessern. Vor allem die Maßnahmen im Rahmen von „ForMotion plus“ werden zur Senkung der Materialkosten und Optimierung der Fertigungsprozesse beitragen. Ein zu erwartender Effekt aus den Sondereinflüssen im laufenden Jahr kann noch nicht beziffert werden. Im Konzernbereich Automobile wird die Investitionsquote auf einem wettbewerbsfähigen Niveau von rund 6 Prozent liegen. Zudem werden für das Automobilgeschäft ein positiver Netto-Cash-flow und dadurch eine verbesserte Liquiditätssituation des Konzernbereichs Automobile sowie eine weiter gesteigerte Netto-Liquidität erwartet. Pischetsrieder bestätigte bei der Vorlage des Konzernabschlusses die mittelfristige Ergebnisprognose. Sie sieht für 2008 ein Konzernergebnis vor Steuern von 5,1 Milliarden Euro vor, was einer Verbesserung gegenüber 2004 um 4 Milliarden Euro entspricht. „Diese Ziele sind herausfordernd“, so Pischetsrieder. „Mit den neuen Produkten, dem Restrukturierungsprogramm sowie ForMotion plus sind wir jedoch zuversichtlich, diese Werte zu erreichen.“

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Geschäftsbericht 2005
PDF, 200 Seiten, 1.98 MB

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