20 Jahre Partnerschaft von Volkswagen mit der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz
Festveranstaltung in Oświęcim
Auszubildende treffen Auschwitz-Überlebende – Übergabe von zwei Volkswagen Transportern
Seit zwei Jahrzehnten besteht die „Internationale Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz“ (IJBS); die enge Verbindung zwischen der Volkswagen Aktiengesellschaft und der IJBS währt ebenso lange. Eine Festveranstaltung erinnerte heute an den Weg von den ersten Projektideen in den 1970er Jahren bis zur Realisierung des Bauvorhabens 1986 und würdigte die heutige Bedeutung der IJBS für die deutsch-polnische Erinnerungskultur. Der Ehrengast, der ehemalige Bundesjustizminister Dr. Hans-Jochen Vogel, äußerte sich anerkennend zum nachhaltigen Engagement von Volkswagen Auszubildenden beim Erhalt der KZ-Gedenkstätte. Nach einer gemeinsamen Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz erläuterte Ralph Linde, der Sprecher der Geschäftsführer der Volkswagen Coaching GmbH, den Veranstaltungsteilnehmern die von Volkswagen verfolgten Ziele: „Die Jugendmaßnahmen setzen auf die Begegnung mit anderen Menschen, auf das Einüben von Verständnis und Toleranz sowie auf die Schärfung des Blicks für die eigene Verantwortung." Gerade die Erhaltungsarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und die Begegnungen mit Auschwitz-Überlebenden tragen wesentlich dazu bei, an diesem Ort gemeinsame Geschichte zu erkennen. Erfahrungsgemäß führt der zweiwöchige Aufenthalt dazu, dass die persönlichen Handlungsorientierungen der jungen Erwachsenen bestärkt werden. Seit Bestehen der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Auschwitz haben hier 1.000 Volkswagen Auszubildende an den Gedenkstättenaktivitäten teilgenommen. Damit sei nach Ansicht von Ralph Linde auch „ein Maß der nachwachsenden Trägerschaft von Erinnerung und individueller Verantwortung" gesetzt worden.
Gerardo Scarpino, Mitglied des Gesamtbetriebsrates und Vorsitzender des GBR-Bildungsausschusses, erinnerte für die Arbeitnehmervertretung daran, dass vor zwei Jahrzehnten der damalige Betriebsratsvorsitzende Walter Hiller im Unternehmen noch Überzeugungsarbeit leisten musste. „Heute ist die Jugendbegegnung in Auschwitz ein unbestrittener Bestandteil der Verantwortungserziehung im Unternehmen." Die Arbeitnehmervertretung sieht sich durch das große Interesse der jungen Erwachsenen in ihrer Haltung bestätigt: „Für uns gehören Erinnerung und Zukunftsgestaltung zusammen."
Mit dabei waren auch dreizehn Auszubildende aus Wolfsburg, Hannover, Kassel, Emden, Salzgitter, Zwickau und Chemnitz. Die Mechatroniker, Konstruktionsmechanikerinnen oder Elektroniker für Automatisationstechnik haben zusammen mit weiteren 90 Auszubildenden in diesem Jahr zwei Wochen in der IJBS gelebt. Sebastian Werner (20) aus Chemnitz hat vor allem die „Menschen und ihre Geschichte" vor Augen, wenn er an die zwei Wochen in der IJBS und an die Erhaltungsarbeiten auf dem Gelände des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zurückdenkt. Tomke Schönfeld (19) aus Emden hob die Bedeutung der Begegnung mit Auschwitz-Überlebenden hervor: „Die Zeitzeugen haben uns erzählt, wie es ihnen dort ergangen ist. Das war sehr bewegend." Die Größe des Lagers abgeschritten zu haben, auf den Gleisen, auf denen früher die Deportationszüge ankamen, gegangen zu sein, beschrieb Melanie Raschke (17) aus Salzgitter als beeindruckendes Ereignis. Die Teilnehmer waren sich einig, dass durch die Auseinandersetzung vor Ort tieferes Wissen über die nationalsozialistische Vernichtungspolitik und für die heutigen Aufgaben entsteht. „Denn die Geschichte soll weiter getragen werden", ergänzte der Wolfsburger Alexander Goes (20). Sandra Morabito (18), angehende Konstruktionsmechanikerin, warb ausdrücklich für eine Teilnahme: „Das war eine Erfahrung, die jeder in den eigenen Alltag einbringen kann."
Damit die Internationale Jugendbegegnungsstätte den wachsenden Mobilitätsanforderungen besser nachkommen kann, stellte Volkswagen erneut zwei Transporter zur Verfügung. Die Schlüssel der beiden in Poznań gefertigten Fahrzeuge übergaben für die Volkswagen Aktiengesellschaft neben Ralph Linde und Gerardo Scarpino auch Hans-Herbert Jagla, Leiter Personal Marke Wolfsburg. Der Direktor der IJBS, Dr. Leszek Szuster, dankte für das nachhaltige Engagement von Volkswagen.
Die Begegnungen in der IJBS sind bei Volkswagen fester Bestandteil der betrieblichen Erinnerungskultur. Beginnend in der Mitte der 1980er Jahre mit Forschung, entstand auf Initiativen von Auszubildenden in Wolfsburg die öffentlich zugängliche „Erinnerungsstätte an die Zwangsarbeit auf dem Gelände des Volkswagenwerks". Darüber hinaus veröffentlicht das Unternehmen eine Schriftenreihe mit Erinnerungen ehemaliger Zwangsarbeiter, zuletzt das Buch „Olga und Piet. Eine Liebe in zwei Diktaturen".