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Dachgepäck ist Kopfsache

Praktisch sind Dachboxen zweifellos. Und wenn die Autobahn frei ist, neigt man schnell dazu, auch mit „Jetbag“ einmal flotter unterwegs zu sein, als empfohlen. Doch lösen sich die Box oder Teile davon, kann dies zivil- und strafrechtliche Konsequenzen haben.

Die Grundsätze der Ladungssicherung erfordern es weiterhin, nicht nur die im Fahrzeuginneren transportierten Gegenstände, sondern auch das in der Dachbox transportierte Gepäck ordentlich zu verstauen.

In den kommenden Monaten werden sich wieder unzählige Urlauber auf den Weg in die Urlaubsregionen machen. Obwohl der Trend zu SUVs und Kombis anhält, werden viele Reisende nicht umhinkommen, zusätzlichen Stauraum zu schaffen – und dafür insbesondere auf Dachboxen, im Fachjargon „Jetbag“ genannt, zurückgreifen. Die damit verbundenen Risiken sollte man kennen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Da es sich bei der Dachbox um eine Ladeeinrichtung handelt, gilt § 22 der Straßenverkehrsordnung, der besagt: „Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.“

Das passende Modell finden
Dies beginnt bereits bei der Wahl des geeigneten Dachträgers, der für den Fahrzeugtyp und das Jetbag-Modell zugelassen sein muss. Wer hier allzu sorglos den „erstbesten“ Dachgepäckträger wählt, kann schnell in die Bredouille kommen und bei einer Kontrolle oder gar bei einem Unfall belangt werden. So ist der Fahrzeugführer verpflichtet, sich vor Fahrtantritt über die Eignung des Dachträgers zu informieren – etwa, indem er sich die Bedienungsanleitung für das Trägersystem zu Gemüte führt. Die Anforderungen werden dabei freilich nicht überspannt und er darf sich regelmäßig auf die Angaben eines eingeführten Herstellers verlassen. Allein deshalb empfiehlt es sich, bei der Wahl des Dachträgers wie auch bei der Wahl des Jetbags selbst auf Markenmodelle beziehungsweise Qualitätsprodukte zurückzugreifen. Wer sich also für qualitativ hochwertige Systeme entscheidet, hat die erste Hürde für den sicheren Transport in den Urlaub bereits genommen.

Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten.

Gepäckstücke richtig verstauen
Die Grundsätze der Ladungssicherung erfordern es weiterhin, nicht nur die im Fahrzeuginneren transportierten Gegenstände, sondern auch das in der Dachbox transportierte Gepäck ordentlich zu verstauen und gegen Herumrutschen zu sichern. Gerade bei Vollbremsungen treten enorme Beschleunigungskräfte auf. Dann können nicht ordnungsgemäß verstaute Gegenstände, besonders wenn sie schwer und scharfkantig sind. neben der Dachbox selbst auch andere darin befindliche Gepäckstücke beschädigen. In diesem Fall scheiden Ansprüche gegen den Verursacher des Bremsmanövers in der Regel aus; auch eine Versicherung wird nicht greifen.

Auf das Gewicht achten
Dies gilt zunächst für die maximal zulässige Dachlast des Fahrzeugs – die man allerdings nicht in den Fahrzeugpapieren, sondern üblicherweise in dessen Betriebsanleitung findet; sie beläuft sich häufig auf 75 bis 100 Kilogramm. Nach Abzug des Eigengewichts von Dachträger und Dachbox steht oftmals weniger Gewicht zur Verfügung als angenommen. Schließlich ist darauf zu achten, dass die Dachbox stets ordnungsgemäß verschlossen wird und sie sich während der Fahrt in keinem Fall öffnen kann.

Das Fahrverhalten anpassen
Apropos: Während der Reise sollte man stets daran denken, dass oben eine Dachbox „mitfährt“, da diese sich aufgrund ihrer Masse und Form negativ auf das Fahrverhalten auswirkt: Der Schwerpunkt des Fahrzeugs wandert nach oben und das Fahrzeug wird empfindlicher für Seitenwind – was sich insbesondere bei Autobahnfahrten und auf Brücken bemerkbar macht. Entgegen landläufiger Meinung gibt es zwar kein gesetzliches Tempolimit für Fahrzeuge mit Dachboxen; dennoch empfehlen viele Hersteller sowie Automobilverbände und Technische Überwachungsvereine eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Wer mit einer Dachbox schneller unterwegs ist, muss mit zivil und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, falls sich die Box oder Teile davon während der Fahrt lösen und zu einem Unfall führen. Denn auch wenn Schäden, die während der Fahrt von der Dachbox ausgehen, grundsätzlich durch die Kfz-Haftpflichtversicherung gedeckt sind, kann bei deutlich überhöhter Geschwindigkeit eine grobe Fahrlässigkeit angenommen werden. Ist dies gegeben, kann die Versicherung den Fahrer zumindest teilweise in Regress nehmen.

Die Fahrzeughöhe beachten
Weiterhin gilt es natürlich, die Aufbauhöhe zu berücksichtigen. Wird durch die Dachbox die Gesamthöhe des Fahrzeugs von zwei Metern überschritten – was insbesondere bei SUVs häufig der Fall sein wird –, ist bei Tiefgarageneinfahrten oder Duplexstellplätzen besondere Vorsicht geboten. So verlangt die Garagenstellplatzverordnung lediglich eine lichte Höhe der Einstellplätze und Fahrgassen von mindestens zwei Metern. Sprich: Nur dort, wo mit beladenen Dachgepäckträgern zu rechnen ist, muss eine größere Durchfahrtshöhe gewährleistet sein. Dies mag für Hotelgaragen gelten, nicht aber für gewöhnliche öffentliche Parkhäuser. Gerade bei Ausfahrten am Urlaubsort empfiehlt es sich also, die Box vorher abzumontieren. Dies gilt umso mehr, als Schäden, die durch eine aufbautenbedingte Überschreitung der zulässigen Durchfahrtshöhe entstehen, in der Regel als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden – was unter anderem das Amtsgericht Potsdam in seiner Entscheidung vom 14.03.2007 – 34 C 58/07 bestätigte. Folge: Die Vollkaskoversicherung kann leistungsfrei bleiben und die Haftpflichtversicherung den Fahrer in Regress nehmen.

Wer zahlt bei Schaden und Verlust?
Kommt es bei einem Unfall zu Schäden an Gegenständen der Mitreisenden, die im Jetbag verstaut sind, sind diese Gegenstände grundsätzlich von der Haftung des Fahrzeughalters umfasst. Waren die Gepäckstücke aber nicht ordnungsgemäß verstaut, muss sich der Mitreisende eventuell ein Mitverschulden anlasten lassen. Anders sieht es wiederum bei einem Diebstahl des Jetbags oder der darin transportierten Gepäckstücke aus: Ereignen sich Diebstähle aus Dachboxen an Raststätten während eines kurzen Aufenthalts oder in Tiefgaragen – etwa während eines Stadtbummels –, hofft der Betroffene oftmals vergebens auf eine Entschädigung; derartige Diebstähle sind nämlich in der Regel nicht von der Hausratversicherung oder der Teilkaskoversicherung umfasst. Wohlgemerkt gilt dies nur für den Inhalt der Dachbox. Die Dachbox selbst ist, sofern sie auf dem Fahrzeug montiert war und von dort gestohlen wurde, über die Teilkaskoversicherung versichert. Ihr Inhalt kann jedoch allenfalls dann über die Hausratversicherung versichert sein, wenn sie sich zum Zeitpunkt des Diebstahls nicht auf dem Fahrzeug befand, sondern in der Garage beziehungsweise dem Parkhaus abgestellt war.
 

Fazit: Auch der scheinbar so unkomplizierte Gebrauch von Dachboxen birgt gewisse Risiken, die man kennen und beachten sollte.

Andreas Waldhorn, Rechtsanwalt
Der Autor ist Partner der Kanzlei Dr. Waldhorn & Partner Rechtsanwälte, Würzburg.