1. DEUTSCH
  2. Konzern
  3. Großkundengeschäft
  4. Justitia
  5. Unfall mit dem Dienstwagen

Wir nutzen Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen und unsere Kommunikation mit Ihnen zu verbessern. Wir berücksichtigen hierbei Ihre Präferenzen und verarbeiten Daten für Analytics und Personalisierung nur, wenn Sie uns durch Klicken auf "Zustimmen und weiter" Ihre Einwilligung geben oder über den Button "Cookie Präferenzen setzen" eine spezifische Auswahl festlegen. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Informationen zu den einzelnen verwendeten Cookies sowie die Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und in der Cookie-Richtlinie.

Zustimmen und weiter Cookie Präferenzen setzen

Fiasko in der Ferne

Mehr als 32.000 mal waren im Jahr 2016 Kraftfahrzeuge mit deutscher Zulassung in Verkehrsunfälle im Ausland verwickelt, ein Anstieg von rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Betroffen sind dabei nicht nur Urlaubsreisende, sondern auch Berufskraftfahrer, die dank zunehmendem länderübergreifenden Handel und Warenverkehr immer häufiger auf Straßen fremder Länder unterwegs sind.

Bei einem Verkehrsunfall im EU-Ausland gelten teils völlig unterschiedliche Gesetze. Die Besonderheiten sollte vor allem der Fuhrparkleiter kennen, damit er seine Fahrer entsprechend instruieren und bereits im Vorfeld Vorkehrungen treffen kann, damit es im Falle eines Falles kein böses Erwachen gibt. Das beginnt damit, die Fahrer vorab darauf hinzuweisen, dass bei einem Verkehrsunfall im Ausland grundsätzlich die Polizei hinzuzuziehen ist. Dies verlangen regelmäßig schon die Fahrzeugversicherungen, ebenso die Leasinggesellschaften. Ein Grundsatz, der auch bei einem Bagatellschaden gilt, zumal sich die tatsächliche Schadenhöhe vor Ort oftmals gar nicht sicher abschätzen lässt. Der anschließende Informations- und Datenaustausch mit den weiteren Unfallbeteiligten sollte stets unter Verwendung des mehrsprachigen Europäischen Unfallberichts erfolgen, weshalb dieser Vordruck in jedes Firmenfahrzeug gehört, das im Ausland eingesetzt wird. Es versteht sich von selbst, dass der verunfallte Fahrer nichts unterschreibt, was ihm nicht klar verständlich ist. Von Erklärungen zur Schuldfrage sollte abgesehen und insbesondere nicht voreilig ein Schuldanerkenntnis abgegeben werden.
 

Der Fuhrparkleiter hat sicherzustellen, dass das Fahrzeug für die Fahrt in das betreffende Land versicherungsrechtlich zugelassen ist.

Neben diesen Hinweisen an den Dienstwagenfahrer hat der Fuhrparkleiter sicherzustellen, dass das Fahrzeug für die Fahrt in das betreffende Land versicherungsrechtlich zugelassen ist. Hinsichtlich der Kfz-Haftpflichtversicherung ist dies regelmäßig unproblematisch. Insbesondere sehen die Versicherungsbedingungen inzwischen vor, dass sich die vertragliche Mindestdeckungssumme nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Versicherungsumfang des Besuchslandes richtet. Als Nachweis für das Bestehen einer eigenen Kfz-Haftpflichtversicherung gilt die Grüne Karte, die in vielen, vor allem osteuropäischen Ländern mitzuführen ist und daher ebenfalls ins Fahrzeug gehört. Die Deckungssumme in der Kaskoversicherung richtet sich nach dem eigenen Versicherungsvertrag und ändert sich bei einer Auslandsfahrt nicht. Hier ist allein maßgeblich, ob das Besuchsland in den Versicherungsschutz eingeschlossen ist. Der Fuhrparkleiter sollte dies bei Fahrten ins außereuropäische Ausland daher stets checken. Weiterhin sollte geprüft werden, ob eine zusätzliche Versicherung Sinn macht, was etwa über einen Autoschutzbrief erreicht werden kann.

Generell gilt, dass sich die Abwicklung eines Unfallschadens ausschließlich nach dem Recht des Landes richtet, in dem sich der Unfall ereignet hat.

Bei einem selbstverschuldeten Verkehrsunfall des Mitarbeiters wird die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung die Regulierung des Schadens des Unfallgegners übernehmen. Den Schaden am eigenen Fahrzeug wird man über die Kaskoversicherung regulieren, die bei Firmenwagen nahezu obligatorisch ist. Auch bei Verschulden des Unfallgegners kann der Schaden am Firmenfahrzeug über die Kaskoversicherung reguliert werden. Da diese aber nur den unmittelbaren Fahrzeugschaden ersetzt, bleiben oftmals nicht unerhebliche Schadenpositionen ungedeckt. Dies gilt insbesondere für eine Wertminderung, Mietwagen- oder Vorhaltekosten sowie Abschleppkosten.

 

Bei einem selbstverschuldeten Verkehrsunfall des Mitarbeiters wird die eigene Kfz-Haftpflichtversicherung die Regulierung des Schadens des Unfallgegners übernehmen.

Hier stellt sich dann die Frage, wie und wem gegenüber diese Ansprüche geltend gemacht werden können und nach welchem Recht dies zu geschehen hat. Generell gilt, dass sich die Abwicklung eines Unfallschadens ausschließlich nach dem Recht des Landes richtet, in dem sich der Unfall ereignet hat. Eine Ausnahme hiervon ist der Fall, dass auch der Unfallgegner Deutscher ist oder mit einem in Deutschland zugelassenen Fahrzeug unterwegs war. Dann hat das Unternehmen ein Wahlrecht und kann gegebenenfalls nach deutschem Recht abrechnen. Welches Recht zur Anwendung kommt, ist deshalb so wichtig, weil die Gestaltung des Schadensrechts bis heute von Land zu Land variiert. So sind beispielsweise Gutachterkosten oder eine unfallbedingte Wertminderung nur in den wenigsten Ländern erstattungsfähig. Auch Mietwagenkosten oder Nutzungsausfall werden mehrheitlich nicht zugesprochen.


Um die Hinzuziehung eines Rechtsanwalts im Unfallland wird man daher kaum herumkommen. Stark vereinfacht wurde immerhin die Abwicklung mit dem ausländischen Versicherer. So wurden die EU-Mitgliedsstaaten durch die 4. Kraftfahrzeug-Haftpflichtrichtlinie verpflichtet, neben einer Auskunftsstelle, über die man die Daten zum Unfallgegner und seiner Haftpflichtversicherung erfragen kann, insbesondere einen in Deutschland ansässigen Schadensregulierungsbeauftragten zu installieren, was die Korrespondenz deutlich erleichtert. Auch wurde eine Dreimonatsfrist eingeführt, nach deren ergebnislosem Ablauf Schadenersatzansprüche zu verzinsen sind und sich der Geschädigte an eine inländische Entschädigungsstelle wenden kann. Zu beachten ist schließlich, dass ein Mitarbeiter bei einem Unfall mit dem Dienstwagen im Ausland nicht benachteiligt werden darf, und zwar egal, ob er dienstlich unterwegs war oder während einer erlaubten privaten Fahrt. Ist eine Reparatur vor Ort erforderlich, darf das Unternehmen die Mehrkosten daher auch nicht auf den Mitarbeiter abwälzen.

Aufgrund der oftmals schlechteren rechtlichen Situation bei Auslandsunfällen und möglichen finanziellen Nachteilen stellt sich für Unternehmen daher häufig die Frage, ob man zumindest Privatfahrten mit dem Dienstwagen ins Ausland untersagen darf. Hier gilt die Vertragsfreiheit. Selbstverständlich kann ein Arbeitgeber dies gänzlich oder zumindest für bestimmte Länder ausschließen. Besonders im Fall von Staaten, die für Versicherungsprobleme, ein nachteiliges Haftungssystem oder hohe Unfallträchtigkeit bekannt sind, lohnt es sich, dies in Erwägung zu ziehen.

 

Andreas Waldhorn, Rechtsanwalt
Der Autor ist Partner der Kanzlei Dr. Waldhorn & Partner Rechtsanwälte, Würzburg.

Wichtiger Hinweis

Wenn Sie auf diesen Link gehen, verlassen Sie die Seiten der Volkswagen AG. Die Volkswagen AG macht sich die durch Links erreichbaren Seiten Dritter nicht zu eigen und ist für deren Inhalte nicht verantwortlich. Volkswagen hat keinen Einfluss darauf, welche Daten auf dieser Seite von Ihnen erhoben, gespeichert oder verarbeitet werden. Nähere Informationen können Sie hierzu in der Datenschutzerklärung des Anbieters der externen Webseite finden.

Weiter zur Seite Abbrechen