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Electric Life Orchestra

Interview mit Thorsten Nicklass CEO von Elli

Hier das Elektro-Auto, dort die Ladesäule, ausserdem Stromlieferung, Ladekarten, Abrechnungsmodalitäten, Lastmanagement – und mittendrin? Die neue Volkswagen Konzern Tochter „Elli“. Ihre Mission: das extrem vielschichtige Thema Elektromobilität spürbar einfacher und zugänglicher gestalten. Wie Flottenkunden davon profitieren, verrät CEO Thorsten Nicklass im Interview.

Fleet Magazine: Herr Nicklass, 2018 wurde Elli aus der Taufe gehoben. In wenigen Sätzen: Wie würden Sie die Aufgabe Ihres Unternehmens umreißen?

Thorsten Nicklas: Elli kümmert sich um drängende Bedürfnisse an der Schnittstelle zwischen Energie und Mobilität – um so dem Elektroauto zum Durchbruch zu verhelfen. Wir möchten zum Beispiel erreichen, dass unsere Kunden das Thema Laden völlig selbstverständlich in ihren Tagesablauf integrieren können, ohne sich groß Ge danken darüber zu machen; im Grunde ähnlich wie heutzutage beim Smartphone.

Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Stromlieferung – Privatkunden und kleinere Unternehmen können über Elli ja zertifizierten Naturstrom beziehen …

Thorsten Nicklass: Richtig, die Energielieferung ist integraler Bestandteil unseres Angebots. Wenn man Elektromobilität konsequent zu Ende denkt, sollte eben der Ladestrom durch und durch grün sein. Genau diese Möglichkeit bieten wir den von Ihnen genannten Kundengruppen seit Anfang des Jahres.

Elli unterstützt Flottenkunden ausdrücklich im Kontext von ökologisch nachhaltiger Elektromobilität. So beraten wir zum Beispiel bereits heute beim Aufbau einer intelligenten Ladeinfrastruktur.

Thorsten Nicklass

Woher stammt dieser Strom genau – und direkt gefragt: Steht er immer in ausreichender Menge zur Verfügung?

Thorsten Nicklass: Die Energie liefern hauptsächlich Wasser- und Windkraftwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz – alles garantiert 100 Prozent regenerativ. Was die Versorgungssicherheit betrifft, gestatten Sie mir die zugespitzte Formulierung: Wir wären sozusagen in einer „glücklichen Lage“, wenn wir an Kapazitätsgrenzen stießen, denn dann wüssten wir, dass die Elektromobilität in der Breite angekommen ist. Aktuell sehe ich da auf absehbare Zeit keine Limitation – je mehr Grünstrom nachgefragt wird, desto mehr bieten wir an. Im Übrigen können Sie natürlich auch bei uns Kunde sein, ohne ein Elektroauto zu besitzen.

Wie steht es um die Strombelieferung von größeren Unternehmen?

Thorsten Nicklass: Bei Firmen ab einer gewissen Betriebsgröße gibt es für so etwas oftmals eigene Abteilungen – da ist es nicht unser Anspruch, die gesamte Strombeschaffung zu übernehmen. Vielmehr möchten wir solche Unternehmen und insbesondere Flottenkunden ausdrücklich im Kontext von ökologisch nachhaltiger Elektromobilität supporten.

Wie kann diese Unterstützung konkret aussehen?

Thorsten Nicklass: Einen zentralen Punkt bildet die Ladeinfrastruktur. Hier liefern wir Flottenkunden heute bereits qualifizierte Beratung beim Aufbau einer solchen Infrastruktur und deren intelligenter Einbindung in die betrieblichen Prozesse. In Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen kümmert sich Elli außerdem um die Installation der Ladesäulen sowie – perspektivisch – um den Betrieb und die laufende Optimierung. Ergänzend sehe ich uns in den Bereichen Lastmanagement, Dimensionierung der Anschlussleistung und Co. immer im engen Schulterschluss mit den Großkundenbetreuern, da fungieren wir quasi als „Tandem“. Wir möchten für Fuhrparks ein Partner sein, der ihnen alle wichtigen Fragen im Umfeld der Elektromobilität beantworten kann; unser Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren und Mehrwert zu generieren.

Stichwort Komplexität: Wer als Unternehmen eine Elektro-Flotte betreibt, muss sich zwangsläufig mit Ladekarten und unterschiedlichen Abrechnungs­modalitäten befassen – was kann Elli hier leisten?

Thorsten Nicklass: Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, unser Portfolio zu erweitern, um schon bald mit passgenauen Angeboten auf Flottenkunden zugehen zu können. Es gibt ja bereits Ladekarten, die sich über alle Konzernmarken hinweg nutzen lassen. Wir wollen diese Ladekarten für Fuhrparks weiter aufwerten – durch Echtzeitdaten und individualisierbare Lösungen. Heißt: Wenn ein Unternehmen eine eigene Ladekarte mit eigenem Branding möchte, um Mitarbeitern damit beispielsweise das Laden an ganz bestimmten Ladesäulen im öffentlichen Raum zu ermöglichen, die zudem im Navigationssystem vermerkt sein und sich sogar reservieren lassen sollen – dann sind wir die richtigen Ansprechpartner. Oder ein anderes denkbares Szenario: User-Choosern, die ihr Elektro-Auto privat nutzen dürfen, soll es möglich sein, zu Hause auf Kosten der Firma zu laden. Folglich benötigen sie einen eigenen Zählpunkt – auch in solchen Fällen kommen wir mit unseren Dienstleistungen ins Spiel und sorgen für transparente, klar nachvollziehbare Abrechnungsprozesse.

Das Portfolio von Elli wird sukzessive wachsen. So möchten wir unter anderem transparente und klar nachvollziehbare Abrechnungs­prozesse beim Laden von Elektro-Dienstfahr­zeugen ermöglichen.

Thorsten Nicklass

Gibt es schon einen konkreten Zeitplan für die genannten Produkte?

Thorsten Nicklass: Der Schwerpunkt wird – bei den Angeboten für Flotten und Dienstwagennutzer – definitiv im Jahr 2020 liegen, also letztlich im Zuge der Markteinführung des ID.3 von Volkswagen. Aktuell gibt es noch einige ungeklärte rechtliche Fragen – etwa mit Blick auf die gerade erwähnten Abrechnungsvorgänge. Um diese laut deutschem Gesetz einwandfrei zu gewährleisten, bräuchten Sie im Grunde an ihrem Wohnort eine sogenannte eichrechtskonforme Wallbox. Klingt kompliziert – ist es ehrlich gesagt auch. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das in den kommenden Monaten klären und dann mit unseren Produkten an den Start gehen können.

Der Volkswagen Konzern ist ebenfalls Teil des Netzwerks IONITY, das Schnell­ladesäulen entlang europäischer Hauptverkehrsstrecken aufbaut. Wie positioniert sich Ihr Unternehmen in diesem Kontext?

Thorsten Nicklass: Diese High-Power-Charging-Stationen sind natürlich extrem wichtig für längere Strecken; Elli fokussiert sich dagegen auf die Use-Cases rund ums Laden zu Hause respektive in den Firmen. Ich sehe uns da in keinerlei Wettbewerb zu IONITY, sondern vielmehr in einer kooperativen Situation. Wir wollen der Elektromobilität den nötigen Schub verleihen – und freuen uns über jeden, der uns bei dieser Vision begleitet.

VITA – Thorsten Nicklass

Thorsten Nicklass wurde in Freising geboren, studierte Elektrotechnik in München und Wirtschaftswissenschaften im europäischen sowie außereuropäischen Ausland. Während seiner beruflichen Laufbahn arbeitete er unter anderem im Bereich Telekommunikation für die Deutsche Telekom und VIAG Interkom. Nach mehreren Jahren in Asien/Pazifik für die Firma Siemens übernahm er anschließend dort verschiedene globale Managementfunktionen zum Aufbau neuer Geschäftsbereiche. Nach der Gründung eines eigenen Unternehmens im Sektor Smart Grid wechselte er später in die Konzernstrategie von BMW, um dort digitale energiewirtschaftliche Geschäftsmodelle zu entwickeln, die er dann als Geschäftsführer in einem eigens gegründeten Tochterunternehmen von BMW und Viessmann umsetzte. 2019 trat Nicklass in den Volkswagen Konzern ein und ist heute Chief Executive Officer der neu gegründeten Konzern-Tochter Elli, die sämtliche Aktivitäten in den Bereichen Charging und Energiewirtschaft bündelt.

Weitere Informationen zum Aufbau einer E-Ladeinfrastruktur in Unternehmen, entnehmen Sie bitte dem Kompendium E-Laden von Flotten.