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Kennenlernen über den Tellerrand

Mit Aktionen wie dem gemeinsamen Kochen wollen wir eine Plattform schaffen, damit sich Volkswagen Mitarbeiter und Geflüchtete ungezwungen begegnen können.

Maria Mende Volkswagen Konzern Flüchtlingshilfe

Carmen hält die Lauchstange vor Mohammeds Gesicht und imitiert eine Interview-Situation: „Und welche Antwort haben Sie auf diese Frage?“ Alle lachen, die Stimmung ist locker und unbefangen. Mohammed kommt aus dem Sudan und hat erst seit wenigen Monaten Deutsch-Unterricht. Aber mit der humorvollen Gestik und dank Carmens einfacher Wortwahl kann er schon viel verstehen. „Gemeinsam kochen ist wie gemeinsam singen – das klappt immer irgendwie und verbindet“, streut Ilse eine Prise deutscher Weisheit ein.

Das Besondere: Carmen, Mohammed und Ilse kochen nicht in der heimischen Küche, sondern in der Autostadt in Wolfsburg. Ihre Begegnung ist Teil einer Aktion der Volkswagen Konzern Flüchtlingshilfe, die Deutsche und Zuwanderer zusammenbringt. Unter den Köchen sind sechs Mitarbeiter des Automobilherstellers und in gleicher Anzahl Flüchtlinge aus verschiedenen Herkunftsländern, die rund um Wolfsburg Unterkunft gefunden haben.  

Zu ihnen gehört auch Zahia aus Syrien, eine Mutter von fünf Kindern, die sich über einen Kochtopf mit Kartoffeln beugt und schüchtern lächelt. Über ihre Flucht mag sie nicht viel erzählen, nur so viel: Als die Familie Deutschland erreichte, hatte sie nur noch die Kleider, die sie am Leib trug. „Aber jetzt ist alles gut. Seit wir in Deutschland angekommen sind, ist alles gut“, sagt Zahia.

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Unser Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen. Ist das Eis erst einmal gebrochen, dann entwickelt sich alles andere meist von allein.

An einem anderen Herd kocht der sechszehnjährige Marwan aus dem Irak. Obwohl erst seit einem Jahr in Deutschland, spricht der junge Jeside bereits hervorragend Deutsch und kommt mit den anderen Köchen sofort ins Gespräch. Statt „Marwan“ hat er „Mario“ auf sein Namensschild geschrieben. „Mein Name ist zu arabisch, so ist es einfacher für die Deutschen“, sagt er. Obwohl in Marwans neuer Heimat vieles anders ist, stößt er hin und wieder auf Vertrautes. Zum Erstaunen aller erzählt er, dass auch die Jesiden im Irak ihre Ostereier bunt bemalen und verstecken. Andere Länder, aber nicht unbedingt andere Sitten…

„Mit Aktionen wie dem gemeinsamen Kochen wollen wir eine Plattform schaffen, damit sich Volkswagen Mitarbeiter und Geflüchtete ungezwungen begegnen können“, sagt Maria Mende von der Volkswagen Konzern Flüchtlingshilfe. In der Vorweihnachtszeit gab es deshalb im unternehmensinternen Intranet Tickets für gemeinsame Veranstaltungen von Mitarbeitern und Geflüchteten zu gewinnen. Regionale Partner unterstützten die Aktion mit Freikarten für rund 300 Teilnehmer – beispielsweise für ein Eishockeyspiel, die Wissenschafts-Erlebniswelt „Phaeno“ oder eben einen Kochkurs in der Autostadt in Wolfsburg. „Unsere Veranstaltungen finden immer in bewusst klein gehaltenen Gruppen statt, damit möglichst jeder mit jedem ins Gespräch kommt“, berichtet Maria Mende „Unser Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen. Ist das Eis erst einmal gebrochen, dann entwickelt sich alles andere meist von allein.“

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Volle Integration braucht langen Atem

Der Volkswagen Konzern hat die Flüchtlingshilfe im Jahr 2015 ins Leben gerufen. Was genau tut die Flüchtlingshilfe?

Am Anfang lag der Fokus unserer Arbeit auf der Soforthilfe – wir haben Helfer für Flüchtlingsunterkünfte vermittelt, Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, Geld- und Sachspenden gesammelt. Mittlerweile sehen wir den größten Handlungsbedarf in den Bereichen Spracherwerb und Vorqualifizierung - denn dies sind die Schlüssel zur Ausbildungsfähigkeit und für berufliche Integration.

Was unternimmt die Flüchtlingshilfe in diesem Bereich?

Der Volkswagen Konzern bietet über die Konzernmarken hinweg für mehr als 1400 Geflüchtete Sprachqualifizierung an. Zusätzlich konnten bisher rund 340 Teilnehmer an Praktika und Hospitationen zur Berufsintegration teilnehmen, und für 870 Geflüchtete wurde die Teilnahme an Angeboten zur Berufsorientierung und Kompetenzfeststellung ermöglicht. Zudem finanziert die Volkswagen Konzern Flüchtlingshilfe 100 Stipendien für ein Onlinestudium an der Kiron University für Geflüchtete.

Welches Erlebnis aus der bisherigen Arbeit bleibt besonders im Gedächtnis?

In unserer Arbeit treffen wir immer wieder Geflüchtete, die innerhalb kürzester Zeit die deutsche Sprache erlernen und sich voller Motivation gesellschaftlich integrieren möchten. Diese Geschichten beeindrucken uns jedes Mal erneut. Ebenso begeistert sind wir von dem Engagement vieler Volkswagen Mitarbeiter, die ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv sind – mit frischen Ideen und großer Ausdauer. Eine Aussage eines Ehrenamtlichen ist uns besonders in Erinnerung geblieben: Wenn man etwas gibt, bekommt man unerwartet viel zurück – manchmal sogar Freundschaft. Solche Aussagen machen Mut, denn volle Integration ist ein langer Weg und braucht langen Atem von allen Beteiligten.