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Interview mit Georg Kell

„Nachhaltigkeit macht Unternehmen erfolgreicher“

Georg Kell ist seit Ende Oktober Sprecher des Nachhaltigkeitsbeirats, der den Vorstand des Volkswagen Konzerns bei Themen wie nachhaltige Mobilität, Umweltschutz oder gesellschaftliche Verantwortung berät. Kell ist Gründungsdirektor des United Nations Global Compact, der weltgrößten freiwilligen Nachhaltigkeitsinitiative von Unternehmen. Im Interview spricht er über die Herausforderungen der kommenden Jahre und die Verantwortung des Einzelnen.

Was reizt Sie an der Aufgabe, den Volkswagen Konzern beim Thema Nachhaltigkeit zu beraten?

Unsere Welt verändert sich rasant – getrieben von Trends wie der Digitalisierung und bedrohlichen Entwicklungen wie dem Klimawandel. Ein Unternehmen wie Volkswagen hat durch seine internationale Präsenz und seine technologische Stärke die Möglichkeit, diesen Wandel positiv zu beeinflussen. Mit den anderen Mitgliedern des Nachhaltigkeitsbeirats will ich dabei helfen, diese Chance zugunsten der Nachhaltigkeit zu nutzen.

Was genau verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?

Aus der Sicht eines Unternehmens beginnt Nachhaltigkeit mit dem Bewusstsein, dass alle Entscheidungen Einfluss auf die Umwelt haben, auf Arbeitnehmer, Gesellschaft oder Natur. Daraus folgt im zweiten Schritt die Bereitschaft, negative Folgen für die Außenwelt zu minimieren und positive Wirkungen zu maximieren.

Das klingt etwas abstrakt. Welche Themen liegen Ihnen sonders am Herzen?

Es gibt viele wichtige Themen – vom Klimawandel über Wasserknappheit und Artenvielfalt bis zur Zukunft der Arbeit. Gerade in Deutschland und anderen Ländern der OECD wird die Frage der sinnvollen Erwerbstätigkeit als besonders wichtig betrachtet. Ein großer Trend, den ich lange unterschätzt habe, ist die Digitalisierung. Sie verändert unser Leben viel radikaler, als wir es uns vorstellen konnten. Darauf müssen wir die richtigen Antworten finden.

Wie funktioniert die praktische Zusammenarbeit innerhalb des Beirats und mit dem Konzernvorstand?

Dem Beirat gehören ausgewiesene Experten für verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit an. Wir treffen uns regelmäßig und stehen auch zwischen den Sitzungen miteinander in Kontakt. Unsere wichtigste Aufgabe sehen wir darin, bei unseren Treffen mit dem Konzernvorstand die richtigen Fragen zu stellen und Argumente einzubringen. Durch diesen Dialog bekommt der Vorstand einen wertvollen Blick von außen. Darüber hinaus verfügen wir über ein eigenes Budget von 20 Millionen Euro, mit dem wir Projekte fördern.

Aus der Sicht eines Unternehmens beginnt Nachhaltigkeit mit dem Bewusstsein, dass alle Entscheidungen Einfluss auf die Umwelt haben, auf Arbeitnehmer, Gesellschaft oder Natur.

Internationale Unternehmen stehen vor neuen Herausforderungen wie dem erstarkenden Protektionismus. Wird die Nachhaltigkeit in den Hintergrund gedrängt?

Nein, im Gegenteil. Wer sich nicht um die Nachhaltigkeit kümmert, der wird langfristig wenig Erfolg haben. Wichtige Wachstumsmärkte entstehen durch nachhaltige Technologien oder Produkte. Gerade für viele junge Menschen spielt die Nachhaltigkeit bei ihren Kaufentscheidungen eine große Rolle. Oder nehmen wir das Beispiel Wasser: Lange haben wir es als freies Gut betrachtet, das in beliebiger Menge verfügbar ist. Doch schon heute ist Wasser in vielen Ländern knapp und teuer. Darauf müssen sich Unternehmen einstellen.

Welche neuen Anforderungen der Nachhaltigkeit kommen in den nächsten Jahren auf internationale Unternehmen zu?

Eine wichtige Veränderung hängt mit der Digitalisierung zusammen. Erstmals in der Geschichte sind Daten verfügbar und auswertbar, die zeigen: Nachhaltigkeit macht Unternehmen ökonomisch erfolgreicher. Das führt dazu, dass immer mehr Investoren ihr Geld dort anlegen, wo die gesellschaftliche Verantwortung ernst genommen wird. Dieser Trend macht mir Mut, denn die Entscheidungen der Kapitalanleger prägen die Politik der Unternehmen.

Welche Verantwortung hat der Einzelne?

Wir alle können die Zukunft viel stärker beeinflussen als den meisten bewusst ist. Wenn wir zum Beispiel unser Geld zur Bank bringen, um es in einem Fonds anzulegen, dann können wir kritische Fragen stellen: Berücksichtigt der Fondsmanager Kriterien der Nachhaltigkeit? Interessiert er sich für die Folgen seiner Entscheidungen? Oder sucht er nur die schnelle Rendite? Bekommen wir darauf keine zufriedenstellende Antwort, dann können wir unser Geld wieder mitnehmen und uns bei einem anderen Geldhaus erkundigen. Wir alle haben die Macht zu entscheiden, was mit unserem Geld geschieht – ob als Sparer oder Konsument.

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