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Landeplatz für Start-ups

Brückenbauen zwischen den Welten

Zwischen Wolfsburg und Berlin liegen 200 Kilometer Landschaft. Und der Ideation:Hub. Das 15 Personen starke Team soll die Welt des Konzerns mit dem Biotop der High-Tech-Start-ups und Jungunternehmen zusammenbringen. Bei der CUBE Tech Fair auf dem Berliner Messegelände haben wir den Machern des Ideation:Hub beim Brückenbauen zwischen den Welten über die Schulter geschaut.

Wir stellen Verbindungen von außen nach innen und von innen nach außen her.

„Ja, man könnte uns Matchmaker nennen“, sagt Felix Scharf, und drückt jemanden auf seinem Handy weg, „aber ich benutze diesen Begriff ungern.“ Ein kurzer Händedruck für einen Besucher auf dem Messestand des Ideation:Hub, ein nachgeworfenes „wir sehen uns“, und weiter im Gespräch. Sollte nicht genau das die Aufgabe des Ideation:Hub sein: Start-ups und Jungunternehmer mit der Welt eines internationalen Konzerns zusammenzubringen?

Ja natürlich, sagt Scharf, der beim Volkswagen Ideation:Hub als Business Innovation Manager tätig ist. Aber Matchmaking, das klinge ein wenig nach Bund fürs Leben, und genau darum gehe es ihm nicht: „Wir machen kein M&A-Geschäft, wir stellen Verbindungen von außen nach innen und von innen nach außen her. Eher so wie eine semipermeable Membran in der Biologie.“ Zur Erläuterung: Jede Körperzelle ist von einer solchen Membran umgeben, die einige Stoffe ins Zellinnere hinein- und einige aus der Zelle herauslässt. „Wir sind hier nicht, um jemanden zu schlucken. Die Start-ups sollen uns als relevant wahrnehmen – aber nicht als Großkonzern, der sich in ihre Szene hineindrängt, sondern als Teil der Community.“

Start-up-Landing-Pad

Natürlich ist die Volkswagen Gruppe immer für alle Beteiligten präsent. Aber das soll sie ja auch sein, so Scharf: „Wir haben eine doppelte Funktion: externe Innovatoren an den Konzern heranzuführen, Start-ups, Universitäten, Firmen, unabhängig davon, ob es um Projekte oder Kooperationen geht – eben ein Start-up-Landing-Pad. Und nach innen sind wir in Projektarbeiten involviert, bei denen es um Öffnungen nach außen geht.“

In seiner Position als Membran der „Zelle“ Volkswagen Konzern fühlt Scharf sich sichtlich wohl. Rechts hinter ihm findet gerade eine Art Speed-Dating statt: Je ein Start-up-Vertreter kann sich ein paar Minuten mit einem Volkswagen Mitarbeiter austauschen, und dann, Stühlerücken, mit dem nächsten weitermachen. Links hinter Scharf stehen die Stände von sechs Start-ups, die von der Volkswagen Gruppe mit auf diese „Cube Tech Fair“ genommen wurden – eine vom Ideation:Hub mitentwickelte Messe in Berlin, die junge Unternehmen aus allen High-Tech-Bereichen mit etablierten Konzernen zusammenbringt. „Jedes von diesen sechs Unternehmen macht mindestens ein Projekt mit uns zusammen; aber keins von ihnen arbeitet ausschließlich mit uns“, sagt Scharf.

Jedes von diesen sechs Unternehmen macht mindestens ein Projekt mit uns zusammen; aber keins von ihnen arbeitet ausschließlich mit uns.

Ubitricity

So wie Ubitricity. Das 2008 in Berlin gegründete Unternehmen ist mit einem grünen e-Golf auf der Cube Tech Fair präsent, der an einer Straßenlaterne aufgeladen wird. Es gehe dem Unternehmen um eine Art Strom-Roaming, erläutert Ubitricity-Gründer Knut Hechtfischer: „Wir integrieren den Stromzähler in das Auto beziehungsweise in das Ladekabel – wenn Sie unterwegs Ihren Wagen aufladen, nehmen Sie dadurch immer Ihren eigenen Tarif mit.“

Entsprechend gehören nicht nur Automobilunternehmen zu den Kooperationspartnern des mit 40 Mitarbeitern schon recht großen Start-ups, sondern auch Energie- und Telekom-Konzerne.

Oder predict.io: Das ebenfalls in Berlin ansässige Big-Data-Jungunternehmen entwickelt eine Technologie, um alle Sensor-Daten, die von Auto und Smartphone erhoben werden, zu sammeln und in Vorhersagen umzuwandeln. „Nehmen Sie als Beispiel die Parkplatzsuche“, sagt Business Development Manager Christian Schneider: „Bislang meldet Ihnen Ihr System einen freien Parkplatz erst, wenn er tatsächlich frei ist – und dann ist es oft schon zu spät. Aber das Smartphone kann schon erkennen, ob sein Besitzer ins Auto steigt; und das Auto kann erkennen, dass im parkenden Auto der Motor angelassen wird. Also könnte der freie Parkplatz schon einige Sekunden gemeldet werden, bevor er überhaupt frei wird.“

Theoretisch könnte dadurch ein Volkswagen oder Audi Fahrer schneller einen Parkplatz finden als der Fahrer eines Konkurrenzprodukts. Praktisch wird die Technologie aber wohl eher von Städten eingesetzt werden, um den Verkehrsfluss für alle zu verbessern. Ein erster Modellversuch wurde bereits in Kopenhagen durchgeführt. Auf der Cube Tech-Fair wurde predict.io von der Ideation:Hub-Leiterin Jennifer Geffers mit dem Mobility Award ausgezeichnet.

Niemand kann die großen Probleme dieser Welt allein lösen.

„Niemand kann die großen Probleme dieser Welt allein lösen“, sagt Brückenbauer Felix Scharf. „Auch nicht, wenn man so groß ist wie der Volkswagen Konzern. Das erreicht man nur über Partnering.“ Für ihn ist die Öffnung, der Austausch zwischen Innen und Außen, Groß und Klein, Teil einer Umstrukturierung der Wirtschaft im digitalen Zeitalter: „Früher hieß die Alternative immer: Make or Buy. Heute ist es ein Dreiklang: Make, Team or Buy.“ Und für das Teaming oder Partnering muss man eben die Welten zusammenbringen. „Hi-Tech ist immer ein Menschen-Thema“, sagt Scharf – und verabschiedet sich zum nächsten Programmpunkt.