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Wo die E-Zapfsäule zur digitalen Litfaßsäule wird

Elektroautos brauchen Ladesäulen. Im Volkswagen Inkubator in Dresden setzt das Start-up LoyalGo voll auf die regionalen Gewerbetreibenden, um den Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben. Volkswagen unterstützt sie dabei.

Das Herzstück jeder Auto-Produktion ist die Verbindung von Fahrwerk und Karosserie. „Hochzeit“ wird dieser Schritt deshalb auch genannt. In der Gläsernen Manufaktur der Marke Volkswagen in Dresden sitzen sechs Start-ups nur wenige Meter vom Ort dieses fast magischen Moments entfernt. Sie sind Teil des hauseigenen Inkubators und sollen entwickeln, was in der Zukunft den Herzschlag der Mobilität ausmacht. Zum Beispiel: Wie kann die E-Mobilität in Deutschland weiter vorangetrieben werden? Oder: Könnten wetterfeste E-Lastenfahrräder eine Alternative für Paketdienste sein?

Das Start-up LoyalGo ist eines der Teams, das zum ersten August in den Volkswagen -Inkubator einziehen durfte. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Elektromobilitätsinfrastruktur. „Das Problem der Ladesäulenbetreiber derzeit ist: Wenn kein Fahrzeug an die Säule kommt, gibt es keinen Gewinn. Deswegen muss die Ladesäule zusätzlichen Nutzen für die Betreiber bieten“, erklärt Co-Founder Tarik Mian. Diesen Nutzen will LoyalGo bieten, in dem es die E-Zapfsäule zur digitalen Litfaßsäule macht. Vor allem lokale Gewerbetreibende sollen dort Anzeigen schalten. „So refinanziert sich die Anschaffung der Säulen, selbst wenn mal weniger Autos kommen.“

Motiviert hat die Gründer vor allem das Ziel, die E-Mobilität voranzutreiben. „Wir glauben daran, dass die Zukunft des Autos elektrisch ist. Der Schlüssel dazu liegt im Ausbau der Infrastruktur“, sagt Mians Partner Sebastian Schramm. Schon in ihrem Studium der Elektro- und Informationstechnik an der TU Dortmund haben sie sich mit dem Thema E-Mobilität beschäftigt. „Wir haben uns Norwegen genauer angesehen, wo es sehr viele e-Autos gibt. Unsere Analyse hat ergeben, dass die gute Versorgung mit Ladepunkten entscheidend zum Erfolg beigetragen hat“, erklärt Schramm. Mian ergänzt: „Wenn die Leute sicher sind, dass sie überall Laden können, verlieren sie die Scheu vor E-Autos und die Nachfrage nach diesen Autos steigt sehr schnell.“ Auch deswegen sei die Investition in die Ladesäulen für die Händler zukunftsweisend.

Volkswagen haben die beiden mit dieser Idee schon überzeugt und sich im Kampf um die Inkubator-Plätze gegen mehr als 60 Konkurrenten durchgesetzt. Sie bekommen nun 15.000 Euro und kostenlose Büro-Infrastruktur in der Gläsernen Manufaktur, in der der e-Golf gefertigt wird. Dort haben sie 200 Tage Zeit, ihr Start-up zur Marktreife zu führen.

Neben LoyalGo sind fünf weitere Elektromobilitäts-Start-ups in die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden gezogen. Darunter der Geodaten-Spezialist Geospin oder das Telematik-Startup Ekoio, das einen intelligenten Fahrassistenten entwickelt hat, der eine sparsame Fahrweise mit einem Bonus belohnt.

Manche der Start-ups wie Geospin können auf längere Erfahrung zurückblicken. LoyalGo steht dagegen erst am Anfang. Derzeit baut Schramm einen Prototyp für ein E-Zapfsäulengehäuse mit Werbedisplay, Mian managt Organisatorisches. Auf seinem Zeitplan: Meetings um erste Partner zu finden, aber auch der Businessplan und mögliche Vertriebskonzepte. Zu dem Thema wird LoyalGo von mehreren Experten von Volkswagen und aus der Startup-Szene gecoacht. Das ist Teil des Pakets für die jungen Gründer im Inkubator. Auch viele andere Experten des Automobilherstellers stehen als Ratgeber den Start-ups zur Seite.

„Der Name Volkswagen öffnet Türen zu Institutionen, wo wir sonst lange hätten kämpfen müssen.“

Doch neben Beratung durch Experten, der Infrastruktur und den 15.000 Euro Starthilfe gibt es noch einen weiteren Vorteil für die Gründer: Durch die Kooperation von Volkswagen mit der Landeshauptstadt Dresden erhalten die Teams für ihren Aufenthalt zusätzlich eine kostenlose Wohnung in der Stadt. „Das war eine enorme Erleichterung für uns. Ich weiß nicht, ob wir beide es ohne diese Wohnungsoption gemacht hätten“, sagt Mian.

Insgesamt, bilanziert Mian, habe der Umzug in den Inkubator schon binnen der ersten eineinhalb Monate sehr viel Positives gebracht: „Dadurch, dass Volkswagen schon seit Jahrzehnten zu dem Thema Automobil und Mobilität Erfahrung gesammelt hat, ist ein riesen Wissensschatz da. Auch was den Vertrieb angeht. Und der wird gerne mit uns geteilt.“ Auch Schramm bestätigt, schon viele neue Kontakte durch VW geknüpft zu haben. „Der Name Volkswagen öffnet Türen zu Institutionen, wo wir sonst lange hätten kämpfen müssen.“

Den Herzschlag der Mobilität mitprägen

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Derzeit laufen erste Gespräche mit Gewerbeverbänden. Die Resonanz sei bislang sehr positiv. Doch das Geschäftsmodell der beiden entwickelt sich im Inkubator auch weiter. Kürzlich wurden erste Gespräche mit einem Parkplatzbetreiber geführt. Da Autos dort längere Zeit verweilen, ein idealer Standort für die Ladestationen.

„Wir sind nach den ersten Wochen optimistisch, dass die Mehrzahl unserer Start-ups erfolgreich sein werden“, sagt der Standortleiter der Manufaktur, Lars Dittert. Die Statistik gibt ihm Recht. Normalerweise überleben nur 60 Prozent der Start-ups die ersten fünf Jahre. Bei Inkubatoren ist die Quote deutlich besser. Bis zu 85 Prozent der dortigen Start-Ups bleiben nach Angaben des Fachportals Gründerszene bestehen.

Im März 2018 sollen dann weitere Teams in die Manufaktur einziehen, die Registrierung für neue Startups ist seit vergangener Woche möglich – unter www.ideationhub.de. Auch die nächste Generation der Gründer wird wieder 200 Tage Zeit haben, den Herzschlag der Mobilität mitzuprägen.