1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2017
  5. 12
  6. „Cliché Bashing“ im DRIVE: Von Digital Natives und Digital Naives

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

„Cliché Bashing“ im DRIVE: Von Digital Natives und Digital Naives

Machen Facebook, Instagram & Co. dumm, einsam oder sogar krank? Viele Menschen vertreten inzwischen diese Ansicht. Aber was ist dran an den Social-Media-Mythen? Sind die neuen Informationsplattformen wirklich so schlecht für uns oder machen sie uns vielleicht sogar schneller, schlauer, insgesamt besser? Diesen Fragen stellten sich die Teilnehmer der zweiten Ausgabe des „Cliché Bashing“ im DRIVE. Volkswagen Group Forum. Das Thema: (A)soziale Netzwerke – Real vs. Digital.

Zwei Tribünen, eine Frage, keine Regeln. Das ist „Cliché Bashing“. Die Idee: Gesellschaftlich relevante Themen sollen auf ihre Vorurteile hin untersucht und dann gründlich hinterfragt werden. Katja Kühnrich, Projektleiterin des Events, hat eine klare Vorstellung: „Das Format soll bewusst Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenbringen. Wir wollen in Kontroversen baden.“ Aber natürlich wolle man am Ende nicht im Streit auseinandergehen: „Zum Schluss kommen dann alle zu einem versöhnlichen Sekt zusammen.“ Wichtig ist Katja Kühnrich vor allem die interaktive Komponente: „Jeder soll mitreden können und im besten Fall etwas reflektierter wieder nach Hause gehen.“

„Das Format soll bewusst Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenbringen. Wir wollen in Kontroversen baden.“

Katja Kühnrich
Zwei Tribünen, eine Frage, keine Regeln. Das ist „Cliché Bashing“.

Schon die Verteilung der Sitzplätze war auf einen geistigen Schlagabtausch ausgelegt: Statt auf Rängen frontal zur Bühne, wie in klassischen Talk-Formaten üblich, mussten sich die Teilnehmer getreu dem Motto „Real vs. Digital“ für eine von zwei gegenüberliegenden Tribünen entscheiden. Auch die Moderatoren, die Experten und die prominenten Gäste legten sich fest: Auf der Seite der „Realos“ fanden sich die Schauspieler Constantin von Jascheroff, Jennifer Ulrich und Nellie Thalbach ein, gegenüber auf Seiten der „Digitalen“ der Medienpsychologe Jo Groebel, Moderator Thore Schölermann und Bloggerin Vreni Frost.

Das Moderatorenduo stellte sich ebenfalls mit deutlicher Tendenz vor: Volker Wieprecht kommt lieber zu spät, als sich von seiner Digitaluhr die Zeit sagen zu lassen und für Sissy Metzschke hat ein Event nur dann stattgefunden, wenn es einen Hashtag hat. Von einem Schreibtisch mit zwei Laptops aus versorgte Live-Redakteurin Franzi die Teilnehmer durchgängig mit Studien und sonstigem Content zum Thema.

Ohne große Umschweife stiegen die Moderatoren ins Thema ein. Die Fragestellung: Machen soziale Medien uns schwach, dumm und einsam(er)? Jo Groebel ist sich sicher: „Soziale Medien machen uns nicht einsamer. Aber Menschen, die ohnehin einen Hang zur Isolation haben, können sich heutzutage viel einfacher abkapseln.“  

„Cliché Bashing“ soll Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zusammenbringen. Motto: in Kontroversen baden.

Das liege auch daran, dass intensive Nutzer sozialer Medien zum Narzissmus neigten. „Donald Trump ist dafür das perfekte Beispiel. Er ist gewissermaßen eine zugespitzte Darstellung von uns allen: Man möchte sehen und zeigen, wie toll man ist.“ Daraus lasse sich auch schließen, dass Facebook und Co. nicht schwächer oder gar krank machten, fügt Groebel mit einem Augenzwinkern hinzu. Denn: Zwischen Narzissmus, Selbstdarstellung und körperlicher Ertüchtigung bestehe ein deutlicher Zusammenhang. Sportliche Erfolge mit möglichst vielen anderen zu teilen, fördere das Selbstwertgefühl.

Social Media generell zu verteufeln, lehnt Groebel aber ab: „Als das Fernsehen neu war, gab es auch Ablehnung und Sorgen en masse. Das Internet als solches ist nichts Negatives, auf inhaltlicher Ebene sehe ich dort kaum Unterschiede zu klassischen Medien.“ Aber: Die Qualität sei eine andere.  Es sei zunehmend schwierig, seriöse Medien von Halbwahrheiten und Fake-News zu unterscheiden.

Aber machen soziale Medien wirklich dümmer? Was ist dran an der „digitalen Demenz“? Live-Redakteurin Franzi verwies auf eine Studie des Kaspersky-Lab: Laut dieser muss man eher von „digitaler Amnesie“ sprechen. Es bestehe schlicht keine Notwendigkeit mehr, sich Informationen längere Zeit zu merken, da alles jederzeit abrufbar zur Verfügung stehe. Daher sei auch die „schriftliche Intelligenz“ vor allem bei Kindern bereits messbar zurückgegangen. Doch Jo Groebel fügt hinzu: „Dafür hat die visuelle Intelligenz zugenommen.“

Auch die Gefahren sozialer Medien wurden ausgiebig beleuchtet. Damit kennt sich Schauspielerin Jennifer Ulrich aus: Auf Facebook habe sie Morddrohungen erhalten, nachdem sie sich gegen Gewalt gegen Flüchtlinge ausgesprochen hatte. Doch sowohl die Verantwortlichen bei Facebook, als auch die Polizei hätten ihr zunächst nicht helfen wollen. Kurz darauf wurde ihr Profil gesperrt, weil sie den User gemeldet hatte. Für sie eine Katastrophe: „Wenn so mit Opfern umgegangen wird, dann bleibt bald nur noch der Hass.

“Aber macht uns Social Media nun tatsächlich dumm und krank oder doch intelligenter und besser? Eine eindeutige Antwort konnte an diesem Abend nicht gefunden werden. Dennoch war die Veranstaltung ein Erfolg: Es wurde in „Kontroversen gebadet“ und die meisten konnten sicherlich ein Stück reflektierter nach Hause gehen.

In der dritten Auflage des Formats, die für 2018 geplant ist, soll es um Fragen der Kindererziehung gehen.