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Design-Ausstellung in Doha: Ein Stromer ist der Star

Deutsch-katarisches Kulturjahr

Möbel, Autos, Architektur: Noch bis Mitte Januar 2018 ist in Doha am Persischen Golf die Ausstellung „Driven by German Design“ zu sehen. Bislang ließen sich mehr als 14.000 Besucher von der Schau inspirieren, die Teil des deutsch-katarischen Kulturjahres ist.

Video nur in englischer Sprache

Eine sportliche Optik und unter der Haube die Zukunft: Die elektrische Sportwagenstudie Mission E von Porsche ist selbst in der Gesellschaft dutzender Design-Ikonen ein echter Hingucker. Regelmäßig verleitet der Bolide die Besucher der Ausstellung „Driven by German Design“ in Doha dazu, den letzten Raum zuerst anzusteuern. Beobachtet hat das ein junger Katarer, der als Ansprechpartner für die Besucher in der Al-Riwaq-Galerie tätig ist. Elektromobilität fasziniert also auch in einem Land, dessen Reichtum sich auf Öl gründet – nicht zuletzt, weil die mobile Zukunft derart attraktiv gestaltet ist.

  • Gegenstände für alle Bereiche des Lebens
  • Straßenverkehr
  • Der ‚Bulli‘

Anfang Oktober 2017 wurde die von Prof. Dr. Martin Roth kuratierte Ausstellung in der Hauptstadt des Emirates eröffnet. Anlässlich des deutsch-katarischen Kulturjahres versammelte der weltweit anerkannte Museumsmanager mehr als 400 Designobjekte: Autos, Möbelstücke, Elektrogeräte, Architekturstudien und Gebrauchsgegenstände, die allesamt in Deutschland entworfen und teilweise auch gefertigt wurden. Der Schwerpunkt der Schau liegt auf der Zeit nach 1950. Das ist kein Zufall, kam damals doch das deutsche Wirtschaftswunder in die Gänge. Der wachsende Wohlstand weckte bei den Deutschen das Bedürfnis nach funktionalen und formschönen Gegenständen für alle Bereiche des Lebens.

Einer dieser Lebensbereiche war der Straßenverkehr. „In den fünfziger Jahren wurde die individuelle Mobilität in Deutschland zum Massenphänomen“, sagt Dr. Mateo Kries. Er ist Direktor des Vitra Design Museums in Weil am Rhein und als Hauptleihgeber involviert. „Analog gewann auch das Auto-Design als eigene Disziplin stark an Bedeutung.“ Als Belege für diese These schmücken ein VW Käfer und ein Porsche Gmünd 356 r aus den fünfziger Jahren die Ausstellung. Die Fahrzeuge sind Leihgaben des Volkswagen Konzerns, der die Ausstellung mit zahlreichen weiteren Exponaten, Logistik und personellem Einsatz unterstützt.

Den Sprung in eine neue Ära symbolisiert ein Fahrzeug im Nachbarraum – der Transporter T1 von Volkswagen aus dem Jahr 1964. „Der ‚Bulli‘ erlaubte einen völlig neuen, mobilen Lifestyle und steht mit seinen Panoramascheiben gleichzeitig für einen neuen Radius der Kommunikation“, erläutert Mateo Kries. Auf dem Nachbartisch findet sich das dazu passende Ausstellungsstück aus dem Bereich der Elektronik: der Dia-Projektor „Carousel S“ von Kodak, mit dem die Bulli-Besitzer ab den späten sechziger Jahren Freunden und Familie die Fotos vom letzten Roadtrip in Lebensgröße an die Wand werfen konnten.

„In den fünfziger Jahren wurde die individuelle Mobilität in Deutschland zum Massenphänomen. Analog gewann auch das Auto-Design als eigene Disziplin stark an Bedeutung.“

Dr. Mateo Kries Direktor des Vitra Design Museums

Doch kann sich eine Ausstellung zu deutschem Design nicht nur um das Auto drehen. Nicht fehlen dürfen Ikonen des Industrie- und Möbeldesigns wie die perfekt austarierte „Tizio“-Leuchte von Richard Sapper, das „Uten.Silo“ von Dorothee Becker oder – als Verweis auf die Bedeutung der Bauhaus-Epoche für das moderne Design – die berühmte Tischleuchte von Wilhelm Wagenfeld aus dem Jahr 1924. Stichwort Bauhaus: Über die maximal rationalen Gegenständer der Ulmer Hochschule für Gestaltung aus den fünfziger und sechziger Jahren findet die durch den Nationalsozialismus brutal beendete Periode gestalterischer Kreativität der 1920er-Jahre Eingang in die Ausstellung. Modulare Tisch-Services, das Corporate Design der Lufthansa oder der ikonische Ulmer Hocker zählten zu den Leistungen der Designer um Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher oder Max Bill. 

Doch was sind eigentlich die prägenden Eigenschaften deutschen Designs?

ernsthaft
DEUTSCHES DESIGN auf den Punkt gebracht
präzise

Für den Kurator Martin Roth, der im August 2017 verstarb und die Eröffnung nicht mehr miterlebte, war die „funktionale Ästhetik“ der Markenkern, er bezeichnete deutsches Design zudem als ernsthaft, auf den Punkt gebracht und präzise – und damit geprägt von Eigenschaften, die gemeinhin auch den Deutschen selbst zugeschrieben werden.  „Das deutsche Verständnis von Design war eigentlich immer verbunden mit Ingenieurskunst“, ergänzt Mateo Kries, dessen Museum über eine der umfangreichsten Sammlungen für Möbeldesign weltweit verfügt. Heute rücken im Design neuer Produkte – die Digitalisierung lässt grüßen – Aspekte wie die Verwendung von Algorithmen oder die Fokussierung auf die „User Experience“ in den Vordergrund.

Eine der großen Stärken der Ausstellung in Katar liegt darin, dass sie Zusammenhänge herstellt: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Alter und Neuer Welt. Hätten Sie etwa gedacht, dass sich der Designer des ersten iPhones von der puristischen Form eines deutschen Taschenrechners der Marke Braun inspirieren ließ? Oder das die „Snow White“-Designs der ersten Apple-Rechner vom Deutschen Hartmut Esslinger stammten? 

Darüber hinaus werden in der Al-Riwaq-Galerie auch die Leistungen von Gestaltern in der DDR nicht ausgeblendet, wie ein Motorrad der Marke Simson oder der Hi-Fi-Receiver des Limbacher Radioherstellers HELIRADIO beweisen. Eine eigene Ecke können die Olympischen Sommerspiele von 1972 beanspruchen, die unter anderem mit dem Design der Programmhefte oder dem organisch wirkenden Dach des Münchener Olympiastadions von Frei Otto Maßstäbe setzten.

Einen besonderen Fokus legt die Ausstellung darauf, die Arbeit der Designer als kreativen Prozess zu zeigen. „Uns war es wichtig zu zeigen, dass gelungenem Design – so einfach und genial es erscheinen mag – meist ein langer, oftmals auch jahrelanger Entwicklungsprozess vorangeht“, sagt Esra Aydin, die als Sprecherin Kultur und Gesellschaft in der Volkswagen Konzernkommunikation die Ausstellung mit organisierte. „Ergänzt haben wir diesen Aspekt durch ein Workshop- und Vortragsprogramm mit Designern und Experten, die praktische und theoretische Einsichten in ihre Arbeit gegeben haben. Ein von uns entwickeltes German Design Glossary bietet außerdem auf eine gleichzeitig spielerische und informative einen Überblick über die wichtigsten Designbegriffe und über die (deutschen) Designpraxis.“ Deutlich wird das zum Beispiel an den Entwürfen von Konstantin Grcic für seinen chair_ONE: Vom mit Klebeband zusammengeschusterten Pappmodell über ein klobiges Stahlkonstrukt bis hin zum fertigen Objekt wird die Entwicklung des Klassikers illustriert – und damit auch die Leidenschaft des Designers.

Der Kurator Martin Roth hätte sich zweifellos über das Interesse von Einheimischen und Touristen gefreut: Mehr als 14.000 Besucher haben die Organisatoren von den Qatar Museums bislang gezählt. Bis zum 14. Januar 2018, wenn die Schau ihre Türen schließt, dürften noch ein paar tausend hinzukommen. Keine Frage also: Deutsches Design hat nicht nur eine bewegte Vergangenheit – sondern auch eine spannende Zukunft. 

Keine Frage also: Deutsches Design hat nicht nur eine bewegte Vergangenheit – sondern auch eine spannende Zukunft.

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