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Die Ausweitung der Komfortzone

Autonomes Fahren birgt viele Vorteile.

Mit dem Projekt „The 25th Hour“ forscht Audi unter Laborbedingungen, wie wir die Zeit 
im Auto der Zukunft nutzen können – am Computer, Netflix schauend, shoppend oder einfach nur eine Stunde Schlaf nachholend.

Der Arbeitsweg führt den typischen Pendler – nennen wir ihn Christian Koch – zum Kindergarten seiner Tochter, in ein Baustellennadelöhr auf der Autobahn und durch zähen Stop-and-Go auf dem Stadtring. Als Finale warten gehetzte zehn Minuten ins Parkhaus. Eine Strecke, die in 20 Minuten zu machen sein könnte, stresst Christian Koch stets weit über eine halbe Stunde. Bis er seinen Sohn abends vom Fußballtraining abholt, wird er an diesem Tag mehr als eine Stunde im Auto gesessen haben. Wird hier ein bisschen Nachrichtenfunk gehört, da ein Telefonat mit den Sales-Kollegen über die Freisprechanlage geführt haben. Aber ansonsten? Verlorene Zeit.  

60 Minuten verbringen die Deutschen durchschnittlich pro Tag im Auto.

Audi baute einen Simulator, der automatisiertes Fahren nachempfindet.

Auf dem Weg zur und von der Arbeit, Kinder zum Fußball bringen, zum Einkaufen … Eine Stunde, die brachliegt, flöten geht, unwiederbringlich verloren ist. Um genau diese wertvolle Lebenszeit geht es bei „The 25th Hour“, einem in die Zukunft denkenden, wissenschaftlich unterstützten Projekt der Audi Trend-Kommunikation. Hier wird so realitätsnah wie möglich erforscht, wie die Zeit genutzt werden kann, wenn wir in einer nicht allzu fernen Zukunft in selbstfahrenden Autos sitzen.

Das Auto als Arbeits- und Rückzugsort

„Mit dem pilotierten Fahren ist das Auto mehr als ein Transportmittel“, beschreibt der Audi-Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler die Idee dahinter. „Es wird zum Ort der Wertschöpfung und der konzentrierten Arbeit. Es wird zum Rückzugsort, der dem Cocooning-Trend Rechnung trägt. Vielleicht ist das Auto in ferner Zukunft sogar ein rollendes Bett, das uns auf Langstrecken die ein oder andere Extra-Stunde Schlaf verspricht.“ Der Fahrer ist nicht mehr Lenker, sondern Insasse. Der Tag hat gefühlt eine 25. Stunde hinzugewonnen.

Wie dieses Auto der Zukunft beschaffen sein muss, wie ein Premiumerlebnis im selbstfahrenden Auto aussieht, daran arbeitet ein kleines Team um Christian Günthner von der Trend-Kommunikation bei Audi. Ihre Partner dabei: die Wissenschaftler um Kathrin Pollmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). In einem ersten Schritt wurden Menschen in den Metropolen Hamburg, San Francisco und Tokio begleitet, um zu erfahren, wie sie Infotainment im Auto nutzen und was sie dort gerne mit ihrer Zeit anfangen würden. Die Ergebnisse wurden mit Psychologen, Anthropologen, Stadt- und Mobilitätsplanern diskutiert und auf Zeitmodi destilliert. Die drei derzeit im Fokus stehenden sind Productive Time (Arbeit), Quality Time (Telefonat mit der Familie) und Down Time (Online-Shopping, einen Film sehen, Musik hören).

Für 30 Millennials ging es in den Fahrsimulator

Unter Laborbedingungen wurden im nächsten Schritt 30 Probanden – ausschließlich Millennials, also nach 1980 geborene Personen – beim Fraunhofer IAO in Stuttgart in einen eigens von Audi gebauten Fahrsimulator gesetzt, der automatisiertes Fahren nachempfindet – mit variablem Innenraum und ohne Lenkrad. Großflächige Projektionen vermitteln den Eindruck einer nächtlichen Stadtfahrt. Auf Displays spielen die Wissenschaftler digitale Störreize ein, die Scheiben lassen sich dimmen, die Lichtfarbe und die Geräuschkulisse verändern sich.

Die Testgruppe

Ausgewählt wurden 30 junge Probanden, die selbstfahrenden Autos gegenüber als aufgeschlossen gelten.

  • Affinität zu Technik: Probanden sind immer online 90 %

Demografie: Altersaufteilung der Probanden


  • Gen Y (1980–1995): 77 %
  • Gen X (bis 1980): 14 %
  • Gen Z (seit 1995): 9 %

Ein Wasserfall als ideale Soundkulisse

Eine EEG-Haube mit integrierten Elektroden misst die Hirnstromwellen, Fühler an den Fingern messen die elektrodermale Aktivität (EDA). „Beides zusammen sind Indikatoren, die Aufschlüsse über das subjektive Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und den Stresslevel der Insassen geben“, erklärt Kathrin Pollmann.

In einzelnen Experimentalblöcken wurden Daten zusammengetragen, aus denen ein Licht-Sound-Konzept entstand, das ideal für die Productive Time ist. Wie also muss das Licht in einem dimmbaren Glas-/Bildschirm-Gehäuse, auf das von innen und von außen Reize treffen, beschaffen sein? Es kam heraus, dass blaues Licht die Konzentration unterstützt. Die Lichtfrequenz unterdrückt ein Hormon, das wiederum Müdigkeit stimuliert. Anhand von Tests mit dem beruhigenden Geräusch eines Wasserfalls wurde nach der idealen Soundkulisse geforscht. Zudem wurde gemessen, ab wann digitale Reize zu sehr ablenken und wie viel Information der Insasse überhaupt bewältigen kann.

Laborsituation: Projektion einer nächtlichen Stadtfahrt und digitale Störreize.

„Wir folgen der Annahme, dass eine intelligente Mensch-Maschine-Schnittstelle individuelle Vorlieben der Insassen lernt und sich flexibel anpasst. So bekommen Audi-Kunden in unserer Vision volle Kontrolle über ihre Zeit – sie werden souveräne Zeitmanager“, sagt Günthner. „Wir kennen das alle, wie viel Einfluss mobile Endgeräte auf unseren Alltag nehmen. Studien belegen, dass wir unser Smartphone über 2.000-mal am Tag berühren. Da kann es zu ständigem Multitasking und damit zur Reizüberlastung kommen.“

Das Auto, an das Günthner denkt, ist Fortbewegungsmittel und zugleich Rückzugsort für denjenigen, der ihn dringend braucht, weil er nur noch reagieren, aber nicht mehr kreativ sein kann. „Für uns ist spannend, wie wir für jede Tätigkeit die optimalen Rahmenbedingungen analog der individuellen Vorlieben schaffen.“ In einer digitalen Zukunft seien der Fantasie keine Grenzen gesetzt, man könne alles im Auto anbieten – eine wahre Flut an Informationen. „Idealerweise kennt und respektiert mich mein Auto der Zukunft und wird zur intelligenten Membran. Die richtigen Informationen sollen den Nutzer zur richtigen Zeit erreichen“, skizziert Christian Günthner die Idee.

Die Fensterscheibe wird zum Touchscreen

Die Ergebnisse aus den Experimenten im futuristischen Fahrsimulator helfen dabei, das Auto der Zukunft zu entwickeln: Will der Insasse in die Productive Time wechseln, wandelt sich das Smart Glass der Windschutzscheibe von transparent zu opak, der Sound wird angepasst, das Smart Glass kann zum Touchscreen werden. Der Insasse gleitet geräuscharm durch die Stadt, als säße ein perfekter, zuverlässiger, sicherer Chauffeur auf dem Fahrersitz. Im normalen Fahrmodus ähnelt das Ganze einem Dahingleiten, bei dem Nachrichten des Smartphones oder Werbeanzeigen auf dem Smart Glass erscheinen können.

Christian Koch wird sich jedenfalls auf das Pendeln der Zukunft freuen können. Während ihn das Fahrzeug zum Kindergarten der Tochter bringt, puzzeln die beiden zusammen. Den Rest des Weges sieht Koch die aktuellen Börsenkurse über das Smart Glass laufen und geht die Unterlagen für den nächsten Termin durch. Und an manchen Tagen wäre er froh, würde er endlich einmal wieder im Stau stehen. Dann würde er das Glas abdunkeln, den Sessel in Schlafmodus stellen, im Hintergrund würde ein Bach leise plätschern und Christian Koch könnte endlich die dazugewonnene Stunde Schlaf genießen. Die 25. Stunde eben.

Vom Fahrer zum Nutzer

Ein Auto, das immer fährt

Heute haben viele Menschen ein eigenes Auto, es wird aber vergleichsweise selten genutzt. In der Zukunft könnten sich viele Menschen ein autonomes Auto teilen: Wenn ein Passagier am Ziel angekommen ist, holt der Wagen einen anderen ab. Weil Menschen im Auto arbeiten, lesen und schlafen können – also eine „25. Stunde“ gewinnen – könnte die Verweildauer im Auto sogar steigen.

Heute:

  • Ein Besitzer pro Auto
  • Driving Time: Konzentration auf Verkehr

Zukunft:

  • Mehrere Nutzer pro Auto
  • Down Time: Zeit zum Entspannen und Schlafen
  • Quality Time: Zeit mit Freunden und Familie oder zum Lesen
  • Productive Time: Zeit zum Arbeiten