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Mit einem Lächeln bezahlen

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China soll bis 2030 führend im Bereich der künstlichen Intelligenz werden. Dafür gibt der Staat Milliardensummen aus. Die Auswirkungen erleben chinesische Konsumenten bereits heute im Alltag.

Der chinesische KI-Experte Kai-Fu Lee erzählte kürzlich folgende Geschichte: Er war auf einer Dienstreise in den USA, und auf dem Weg zu einer Konferenz zum Thema „Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit“ kam er ins Gespräch mit seinem Uber-Fahrer. Wie lange es wohl noch dauern würde, bis sein Job von einem Computer erledigt werde, wollte der Mann von Lee wissen. Lee überlegte kurz und erwiderte: 15-20 Jahre. Woraufhin der Uber-Fahrer erleichtert aufatmete, schließlich sei er bis dahin bereits in Rente. Auch Lee war erleichtert. „Ich war froh, dass mir diese Frage in Amerika gestellt wurde. In China hätte ich dem Fahrer sagen müssen, dass es keine zehn Jahre mehr dauert, bis er seinen Job an einen Computer los ist.“
Ob das autonome Fahren wirklich so schnell Realität wird und tatsächlich in China früher als anderswo, dazu gehen die Prognosen von Experten auseinander. Schließlich spielen in diesem Feld auch gesetzliche Regulierungen, Verkehrsführung sowie Sensortechnik eine Rolle. Doch fest steht: Chinas Regierung hat die Bedeutung von Zukunftstechnologien erkannt. Und sie lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie fest entschlossen ist, den weltweiten Wettbewerb etwa im Bereich künstliche Intelligenz (KI) zu gewinnen.

1. Geld

Bis 2030 soll die Volksrepublik China KI-Weltmacht werden – so heißt es in einem Plan des Staatsrats. Entsprechend werden seither unzählige Forschungsvorhaben, Initiativen und Projekte in Angriff genommen. Einen Überblick darüber, wie viel die Volksrepublik insgesamt in KI-Projekte investiert, gibt es nicht, allerdings wurde vor kurzem der Bau eines 2,1 Milliarden Dollar teuren KI-Technologieparks im Westen Pekings beschlossen.

Zum Vergleich: Die amerikanische Regierung gab 2016 insgesamt 1,2 Milliarden Dollar für „nicht geheime“ KI-Programme aus. Und für 2018 plant die Trump-Regierung einem Bericht der „American Association for the Advancement of Science“ zufolge, ihre Ausgaben für Wissenschaft und Technik um 15 Prozent zu kürzen. „Das geht genau in die falsche Richtung“, kommentierte kürzlich Thomas Kalil in der Zeitung „New York Times“. Kalil leitete in der Obama-Administration den Bereich Technologie und Innovation.  

2. Forschung

Chinas Aufholjagd ist bereits in vollem Gange. KI-Experte Kai-Fu Lee räumt ein, dass die absolute Spitze der KI-Forschung ohne Zweifel noch immer fest in amerikanischer und kanadischer Hand sei. „Aber schauen sie nach China, die Zahl der Forscher wächst unglaublich schnell.“ Auf dem letztjährigen Treffen der „Association for the Advancement of Artificial Intelligence“ (AAAI), der weltweit wichtigsten KI-Konferenz, wurden 23 Prozent der Papiere von Chinesen eingereicht – im Vergleich zu 2012 ist das ein Anstieg um 13 Prozent; während im gleichen Zeitraum der Einfluss amerikanischer Wissenschaftler dramatisch zurückging, von 41 Prozent auf nunmehr 34 Prozent. In den 100 führenden KI-Fachzeitschriften ist ein ähnlicher Trend zu erkennen.

Lee selbst hat zu diesem Trend beigetragen, indem er vor einigen Jahren in China das „Microsoft Research Asia“-Zentrum gründete. Mehr als 5000 Nachwuchsforscher werden hier inzwischen mit dem Schwerpunkt künstliche Intelligenz ausgebildet. Absolventen dieses Programms arbeiten für führende chinesische Unternehmen wie Baidu, Alibaba, Tencent oder Haier, manchmal sogar als CTOs (Chief Technology Officers) beziehungsweise Leiter der KI-Abteilung.

3. Kooperationen

Zusammen mit dem chinesischen Unternehmen Mobvoi entwickelt Volkswagen KI-Technologien für die Automobilindustrie.

Volkswagen Group China und Mobvoi Inc., ein führendes chinesisches Unternehmen für künstliche Intelligenz (KI), sind bereits 2017 eine strategische Partnerschaft eingegangen. Das gemeinsam neu gegründete Joint Venture wird KI-Technologien für die Automobilindustrie entwickeln und anwenden. Auf der Grundlage der führenden Spracherkennung von Mobvoi, seinen Verarbeitungstechnologien für natürliche Sprache, vertikale Suche und proaktive Suche und der führenden Position von Volkswagen als Automobil- und Mobilitäts-Player wird das Joint Venture die Lösungen für die smarte Mobilität der Zukunft erarbeiten.

Prof. Dr. Jochem Heizmann, Mitglied des Vorstands der Volkswagen Aktiengesellschaft sowie Präsident und CEO der Volkswagen Group China, sagt: „Diese Partnerschaft ist ein besonderes Beispiel für die Entschlossenheit von Volkswagen, mit bahnbrechenden chinesischen Technologieunternehmen wie Mobvoi zusammenzuarbeiten. Wir sind von Mobvois innovativem Ansatz der KI-Technologie beeindruckt und freuen uns, mit diesem Joint Venture die nächste Generation intelligenter Mobilität zu erforschen. Mit dem neuen Joint Venture fördern wir die menschenorientierte Mobilität für unsere Kunden in China sowie die Potenziale, die weltweit angenommen werden. "

4. Daten

In diesem Bereich sind nicht nur Geld und Forschung entscheidend. Mindestens genauso wichtig sind Daten. Die Entwickler füttern die KI-Algorithmen fortlaufend mit immer neuen Informationen und forcieren damit das „deep learning“ der verbundenen Maschinen. Hier geht es um alles: von persönlichen Angaben, Vorlieben und Hobbies, über Kauf- und Essgewohnheiten bis hin zu Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen. Je mehr Daten, desto besser. Auf diesem schlichten Umstand beruht beispielsweise auch der Erfolg von Facebook und Google. Und genau hier liegt China schon heute weit vor den USA.

2016 führten Chinesen mit ihrem Smartphones Transaktionen im Wert von 5,5 Billionen Dollar durch – das ist ungefähr 50 Mal so viel wie in den USA, schätzt iResearch, eine Consultingfirma aus Shanghai. Natürlich nehmen mobile Zahlungen auch in Amerika stetig zu, doch in China sind derzeit rund 750 Millionen Menschen online. 95 Prozent von ihnen nutzen laut China Internet Network Information Center ein mobiles Endgerät. Sie nutzen Programme wie WeChat, Baidu oder Weibo – Chinas WhatsApp, Google oder Twitter – und hinterlassen jedes Mal neue Daten.

5. Nützliche Anwendungen

China und seine Bewohner nehmen neue Technologien an und sind offen für Anwendungen, die das Leben einfacher machen, zum Beispiel durch KI-basierte Gesichtserkennung: So begleichen in der chinesischen Millionenstadt Hangzhou und in Peking Kunden der Imbisskette Kentucky Fried Chicken seit einiger Zeit ihre Rechnungen mit ihrem Gesicht. Nach der Bestellung scannt eine 3D-Kamera schnell das Gesicht des Kunden und identifiziert es. Der Vorgang dauert kaum mehr als ein paar Sekunden. Entwickelt wurde das Projekt „Smile to Pay“ von Ant Financial, der Finanztochter des chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba.

Es sind solche Entwicklungen, die im Alltag zeigen: Noch sind die USA vor allem dank Ideen und Innovationen aus dem Silicon Valley Weltmarktführer. Doch China hat die Aufholjagd begonnen und setzt an zum großen Sprung.