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Volkswagen im Reich der Mitte

Volkswagen im Reich der Mitte

China ist weltweit der wichtigste Absatzmarkt: Über 4,2 Millionen Fahrzeuge lieferte der Volkswagen Konzern dort im Geschäftsjahr 2017 aus – das Ergebnis einer seit Jahrzehnten andauernden Kooperation.

Chinesische Delegation zu Besuch bei Volkswagen in 1978

40 Jahre ist es inzwischen her, dass Volkswagen als einer der ersten internationalen Automobilhersteller Kontakte nach China geknüpft hat. Eine wichtige Voraussetzung hierfür war die Politik der chinesischen Regierung unter Deng Xiaoping, die in den 1970er Jahren wirtschaftliche Reformen und eine Öffnung gegenüber dem Ausland einleitete. Die Aufnahme von diplomatischen Beziehen zwischen China und Deutschland ermöglichte es, dass 1978 eine chinesische Delegation die Bundesrepublik Deutschland besuchte, um potentielle Partner für ein Automobilprojekt zu sondieren.

Nur wenige Wochen später verhandelten Wolfsburger Manager und chinesische Regierungsvertreter über eine lokale Montage von Modellen der Marke Volkswagen. Ein vertrauensbildender Faktor war das zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte dauernde Engagement von Volkswagen in Brasilien und Mexiko, wo der Konzern Pionierarbeit beim Aufbau einer nationalen Automobilindustrie geleistet hatte.  

Gut für beide Seiten

Vertragsunterzeichnung 1982

Vom Ergebnis der deutsch-chinesischen Verhandlungen sollten beide Seiten profitieren: Durch ausländisches Kapital und Knowhow konnte China die Industrialisierung des Landes erheblich beschleunigen. Bei Volkswagen war die Erschließung neuer Absatzmärkte in Asien wichtiger Teil der Unternehmenspolitik – und hier bot die erst wenig motorisierte Volksrepublik enorme Zukunftschancen. Volkswagen akzeptierte daher auch die Rahmenbedingungen, die vorsahen, dass sich jedes ausländische Unternehmen mit einem einheimischen staatlichen Partner zu einem Joint Venture zusammenschließen musste, an dem die beiden Partner zu gleichen Teilen beteiligt sind.

Erster gefertigter VW Santana in China

Vereinbart wurde zunächst ein stufenweiser Produktionsaufbau. Der 1982 unterzeichnete Montagevertrag mit der Shanghai Tractor & Automobile Corporation, dem damals größten chinesischen Fahrzeughersteller, war hierbei ein wichtiger Meilenstein. Der Bandablauf des ersten probeweise aus CKD-Sätzen hergestellten VW Santana markierte am 11. April 1983 den Beginn der Volkswagen Fertigung in China. Die viertürige Stufenheckversion des Bestsellers Passat war bei deutschen Autokäufern wenig beliebt, traf aber auf Anhieb den Geschmack chinesischer Kunden, die sich in den Anfangsjahren mehrheitlich aus staatlichen Stellen und Taxi-Unternehmen rekrutierten.  

Gründung der Shanghai Volkswagen Automotive Company Ltd. in 1984

Im Oktober 1984 folgte der nächste Schritt: Als erster ausländischer Automobilhersteller schloss die damalige Volkswagenwerk AG einen Joint-Venture-Vertrag, dem Anfang 1985 die Gründung der Shanghai-Volkswagen Automotive Company Ltd. folgte. Schon im Herbst des Jahres rollte der erste im Rahmen dieser Kooperation gebaute Santana vom Band, bis zum Jahresende produzierte das deutsch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen bereits 1.700 Fahrzeuge.  

Zuwachsraten von 40 Prozent pro Jahr

1986 wurden in Shanghai neben dem Santana auch der Passat Variant und Audi 100 montiert. Mit Zuwachsraten von rund 40 Prozent ging es in den nächsten Jahren weiter. In den Folgejahren wurde daher der Ausbau des Produktionsstandortes stetig vorangetrieben. 1988 eröffnete ein Aus- und Weiterbildungszentrum, 1989 nahmen eine neue Lackiererei und die Produktion im Presswerk und Motorenbau ihre Arbeit auf.

Durch die hohe Zahl der vor Ort produzierten Komponenten wurde der Santana zu einem Volkswagen „made in China“, der im Gegensatz zu ausländischen Fahrzeugen keinen Importbeschränkungen unterworfen war. Das Gemeinschaftsunternehmen entwickelte sich rasch zum größten Pkw-Hersteller des Landes und machte Volkswagen zum Marktführer. Diese Position wurde 1991 durch die Gründung eines zweiten Joint-Ventures weiter abgesichert. Die gemeinsam mit dem lokalen Partner First Automobile Works gegründete FAW-Volkswagen Automotive Company, Ltd. in Changchun nahm 1994 mit einer Jahreskapazität von 150.000 Fahrzeugen die Produktion des VW Jetta auf. 

Zur Steuerung der chinesischen Beteiligungsgesellschaften und der laufenden Projekte wurde 1992 das Vorstandsressort Asien-Pazifik geschaffen und 1993 in Hongkong die Volkswagen Asia-Pacific Ltd. gegründet. Damit reagierte der Volkswagen Konzern auf den weiterhin erwarteten Bedeutungsgewinn des chinesischen Marktes, der innerhalb weniger Jahre von Platz 16 der Absatzstatistik auf Rang 3 vorrückte.

Verschärfter Wettbewerb

Innerhalb der folgenden zehn Jahre und einer andauernden automobilen Hochkonjunktur verzehnfachten sich die Verkaufszahlen der Volkswagen Modelle. Bis 2003 konnten die mittlerweile drei Automobilwerke von Shanghai Volkswagen und die beiden Werke der FAW-Volkswagen ihren Absatz auf jährlich fast 700.000 Fahrzeuge ausbauen. Diese starke Marktposition musste Volkswagen allerdings zunehmend gegen japanische und amerikanische Autobauer verteidigen, die ihre Fertigungskapazitäten nach dem Beitritt von China zur Welthandelsorganisation im Jahr 2004 erheblich erweitert hatten. Trotz verschärften Wettbewerbs wuchs China für die Marke Volkswagen weiter zum größten Einzelmarkt, auf dem 2012 nicht weniger als 2,815 Millionen Fahrzeuge abgesetzt wurden.

Dieser enorme Wachstumskurs in China wurde auch in den folgenden Jahren weitergeführt und wird seit 2012 von einem eigenen Vorstandsressort gesteuert. Die Umsetzung einer nachhaltigen Zukunftsstrategie begann 2014 mit der größten Initiative für Elektromobilität in der automobilen Geschichte des Landes. Den Anfang markierte die Markteinführung des e-up!*, 2015 folgten der Golf GTE* und der Audi A3 e-tron*. Die auf den chinesischen Markt zugeschnittene Elektromobilitätsstrategie sieht vor, dass die Joint-Ventures der Volkswagen Group neben bestehenden und weiteren Importmodellen sukzessive bis 2025 rund 40 neue, lokal produzierte Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. China gibt heute den automobilen Trend der Zukunft vor.

Verbrauchsangaben
*e-up!: Stromverbrauch, kWh/100 km: 11,7 (kombiniert); CO₂-Emission kombiniert, g/km: 0; Effizienzklasse: A+

*Audi A3 e-tron: Kraftstoffverbrauch kombiniert*: Benzin 1,8-1,6 l/100km | Strom 12,0-11,4 kWh/100km, CO₂-Emissionen kombiniert*: 40-36 g/km

*Golf GTE: Kraftstoffverbrauch, l/100 km: kombiniert 1,8 - 1,6; Stromverbrauch, kWh/100 km: kombiniert 12,0 - 11,4; CO₂-Emission kombiniert, g/km: 40 - 36; Effizienzklasse: A+