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Was macht eigentlich ein Scrum Master, Herr Gubin?

Denis Gubin ist Scrum Master im Agile Center of Excellence der Volkswagen Konzern IT. Klingt kompliziert? Der Beruf hat mehr mit Menschen zu tun, als es zuerst erscheinen mag

Vier Wochen sind wieder um. Es ist Zeit für Scrum Master Denis Gubin und seine Entwicklerteams, die Zusammenarbeit im vergangenen Monat Revue passieren zu lassen. An der Wand hat Gubin mit Klebeband einen Stern angedeutet. Seine fünf Arme stehen für „positiv“, „negativ“, „mehr machen“, „weniger machen“ und „Ideen/Maßnahmen“. Das Thema legt Denis Gubin fest: Heute liegt der Fokus auf dem Coding und der Softwarequalität. Die Kollegen beschriften Post-Its und beginnen, sie an die Wand zu kleben.

Das Ziel dieser Meetings: Das Team will besser werden. Jedes Teammitglied stellt nacheinander seine Gedanken vor und verteilt die bunten Klebezettel entlang des immer größer werdenden Sterns. Für den Scrum Master ist dabei aufmerksames Zuhören angesagt. Zum einen darauf, was die Kollegen vortragen über die Zusammenarbeit im Team. Aber fast wichtiger ist noch, was sie nicht sagen. Gubin muss auf den Subtext achten: Jedes Meeting ist für ihn eine Chance, auszuloten, ob in seinen Teams alles rund läuft. Deswegen übernimmt er auch meist die Moderation. Die Stimmung heute ist jedoch sehr gut. Denis Gubin hat seinen Job offensichtlich gut gemacht.

Wir haben Scrum Master Denis Gubin in der IT-City in Wolfsburg besucht.

Der 26-Jährige ist Scrum Master im Agile Center of Excellence (ACE) der Volkswagen Konzern IT in Wolfsburg. Aufgewachsen ist Gubin in Baunatal bei Kassel, wo er noch immer lebt, zusammen mit seiner Frau. Nach seiner Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik kam er über das IT Nachwuchskräfteprogramm von Volkswagen nach Wolfsburg. Dort wurde er dann zum Entwickler und Certified Scrum Master weitergebildet.

  • Scrum – ein dynamisches Zusammenspiel aus Regeln und selbstständiger Organisation

    Die Methode Scrum basiert auf der Grundannahme, dass Teams die besten Ergebnisse hervorbringen, wenn sie selbstorganisiert arbeiten. Das soll die Motivation und den Spaß im Team, die Produktqualität und die Kundenzufriedenheit steigern. Deswegen existieren feste Rollen, die gewährleisten, dass der nötige Freiraum für jeden Einzelnen bleibt – ein dynamisches Zusammenspiel aus Regeln und selbstständiger Organisation. Das agile Vorgehen lässt sich nicht nur in der Softwareentwicklung einsetzen, auch das Design eines Autos kann als Scrum-Projekt angegangen werden. Solch ein agiler Prozess braucht jedoch jemanden, der ihn etabliert, überwacht und weiterentwickelt. Das ist Aufgabe des Scrum Masters.

Einfaches Prinzip, große Umstellung

Der Scrum Master als Coach

Darüber hinaus bedeutet Selbstorganisation auch Verantwortung. Ein zentraler Wert des Scrum-Prozesses ist deswegen Mut. Gubin ermutigt seine Teammitglieder regelmäßig, offensive Entscheidungen zu treffen. Gleichermaßen sorgt er dann dafür, dass diese auch von außen akzeptiert werden. „Ich bin glücklich, wenn die Teams sich an Sachen herantrauen, an die sie sich früher nicht herangetraut hätten." Dabei gibt er nie die Lösung vor, sondern empfiehlt Herangehensweisen. Er ist Coach und kein Vorgesetzter.

Denis erklärt einem seiner Kollegen eines seiner gemalten Flipcharts.

Dieses Umdenken und die Umsetzung in der täglichen Praxis erfordern viel Einsatz. Lohnt sich der Aufwand? Gubin ist überzeugt: ja! Da seine Scrum Teams ihre Projekte selbstbestimmt vorantreiben, identifizieren sie sich auch stärker mit dem Ergebnis. Die Motivation steigt und mit ihr auch der Spaß. Die Qualität der entwickelten Software profitiert davon. Auch für die konzerninternen Kunden seiner Teams birgt die Methode Vorteile. Sie können transparent nachvollziehen, woran gerade gearbeitet wird. Und sie sind in die Planung dieser Prozesse stärker eingebunden.

Man darf vor Problemen keine Angst haben

Probleme werden durch die enge Taktung von Scrum und die wiederkehrenden Rituale schnell sichtbar – und können entsprechend früher angegangen werden. Darin sieht Gubin einen der größten Vorteile der agilen Methode. Ein Scrum Master darf sich natürlich von auftauchenden Konflikten nicht abschrecken lassen. Wenn das Team beispielsweise im letzten Sprint Leerlauf hatte, waren die Sprint Ziele falsch gesetzt, erklärt Gubin. Mit den Kollegen gemeinsam zu erarbeiten, wie agiles Anforderungsmanagement in ihrem Kontext aussehen kann, das ist seine Aufgabe als Agile Coach.

„Ich habe dafür meine eigene Herangehensweise“, sagt Denis Gubin und zeigt auf das Flipchart hinter sich. Zu sehen ist darauf eine kleine Fabrik, die er gezeichnet hat. Sie soll visualisieren, wie das Zuschneiden von Aufgaben im Projekt funktionieren sollte, damit alle Teammitglieder wissen, was sie liefern müssen und am Ende ein gutes Produkt vom Band läuft. Comics zeichnet Gubin auch in seiner Freizeit gern. Und der vielschichtige Prozess wird mit seiner skizzierten Fabrik viel einprägsamer. „Wenn du Menschen nicht dafür begeistern kannst, Dinge neu zu machen, dann ist es der falsche Job“, fasst Gubin zusammen. Ob er jemals wieder anders arbeiten möchte? "Nö. Mir macht das Spaß."

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