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Frauenförderung: Vernetzt zum Erfolg

Wer eins hat, wird aufgefangen, kommt schneller an Informationen und kann sich auch mal kurz einen Ratschlag holen. Wer keins hat, kämpft alleine. Die Rede ist vom Netzwerk.

Hiltrud Werner, Mitglied des Vorstands des Volkswagen Konzerns für Integrität und Recht, packt mit an

Viele Männer sind Meister darin, Kontakte zu knüpfen, die ihnen mal nützen könnten. In der Raucherpause, an der Kaffeemaschine, beim Lunch oder Feierabendbier. Sogenannte „Seilschaften“, die gemeinsam den steilen Karriereberg erklimmen, sich gegenseitig über Schluchten helfen, Kumpels und Kameraden im gemeinsamen Kampf für mehr Budget, höheres Gehalt, bessere Positionen. Netzwerke quer durch Konzerne helfen aber nicht nur dem Einzelnen, sondern auch dem großen Ganzen – beim gegenseitigen Verständnis verschiedener Abteilungen. Es gibt einen Engpass in der Lieferkette? Gut, wenn man jemanden in der Logistik oder der Produktionsplanung kennt, der einem helfen kann, das Problem zu lösen.

Und die Frauen? Tun sich schwerer mit dem beruflichen Netzwerk, sagt man. Dabei hätten sie es nötiger. Denn die gläserne Decke durchbricht selten jemand alleine. Deshalb hilft der Volkswagen Konzern seinen Mitarbeiterinnen dabei, sich deutschlandweit zu vernetzen und voranzukommen – mit dem Mentoring-Programm Management, bei dem jedes Jahr bis zu 55 weibliche Talente aus verschiedenen Marken und Gesellschaften des Konzerns jeweils einen Mentor aus der oberen Managementebene zur Seite gestellt bekommen, gezielt gefördert werden und auch eigene Veranstaltungen organisieren. Zum Beispiel mal eben ein Moor aufräumen.

Gemeinsam wird „entkusselt“

Die Managerinnen gehen mit Schaufeln, Sägen und Astscheren in die Sümpfe.

Es ist März, die Frühlingssonne scheint auf erdiges Braun und moosiges Grün, irgendwo lässt ein Reiher seinen Ruf vernehmen. Prima Wetter, um Bäume auszureißen im Großen Moor beim niedersächsischen Gifhorn. Was die angehenden Managerinnen des Volkswagen Konzern fröhlich tun, die dem Naturschutzbund (NABU) einen Tag bei der Renaturierung helfen. „Baum fällt!“, ruft eine junge Dame in Outdoor-Kleidung, die soeben eine Kiefer umgesägt hat. Sie lacht, der Stamm landet mit einem satten Geräusch auf dem feuchten Grund. Überall stapeln sich Äste und Bäume, engagiert gehen die Nachwuchskräfte aus acht Marken und Gesellschaften des Volkswagen Konzern ans Werk, mit Sägen, Spaten und Astscheren. „Entkusseln“ nennt sich das: Bäume fällen, die dem Moor Wasser entziehen und so zahlreichen Tieren und Pflanzen den Lebensraum nehmen.

Seit ich im Vorstand bin, hat sich die Zahl der weiblichen Führungskräfte in meinem Ressort um zehn Prozent erhöht.

Hiltrud Werner Vorstand des Volkswagen Konzerns für Integrität und Recht
Gemeinsam geht vieles einfacher

„Das hier“, sagt Hiltrud Werner, Vorstand des Volkswagen Konzerns für Integrität und Recht, „sollte man viel häufiger machen!“ Werner ist Vorstandspatin des Mentoring-Programms Management – und angereist, um sich Zeit für die jungen Damen zu nehmen. Denn die Themen Diversity und Frauenförderung liegen ihr am Herzen. „Seit ich im Vorstand bin, hat sich die Zahl der weiblichen Führungskräfte in meinem Ressort um zehn Prozent erhöht. Nicht, weil ich aktiv Frauen bevorzuge. Sondern, weil ich nach Qualifikation, Leistung und Potential urteile – und nicht danach, ob das ein Mann ist oder eine Frau.“

Einfach war das nicht immer: „Als ich als Vorstand das erste Mal eine Mitarbeiterin in den Managementkreis aufnehmen wollte, die in Teilzeit aus der zweiten Elternzeit kam – man kann sich nicht vorstellen, was es da für Vorurteile gab. ‚Die geht doch immer um 17 Uhr’, ‚Auf die ist kein Verlass’, ‚Verprellen wir damit nicht die guten Männer?’, hieß es. Die ganze Leier.“ Dabei seien viele derjenigen, die in Teilzeit arbeiten, meist wesentlich effizienter. Weil sie wüssten, dass sie um 17 Uhr fertig sein müssen und fokussierter arbeiten.

Verschenktes Potential

Etwas Schaffen, auch außerhalb der Arbeit – das verbindet

In den vergangenen 25 Jahren hat sich schon viel in Deutschland getan. Frauen bleiben beruflich mehr am Ball, müssen sich weniger zwischen Familiengründung oder Karriere entscheiden. Dennoch: „Viele überqualifizierte Frauen arbeiten als Sachbearbeiterinnen oder Sekretärinnen, nehmen nach der Rückkehr aus der Familienzeit eine ihrer Qualifikation nicht angemessene Position an – und finden das in den meisten Fällen auch noch vollkommen in Ordnung so. Ein Mann würde das nicht tun“, erläutert Werner. Hier müssten Deutschland und Volkswagen noch aufholen. „Das ist verschenktes Potential, das ist Wissen, das uns abhanden geht.“

Wie kann da ein Mentoring-Programm helfen? „Damit sie ihre Chance kriegen. Es geht ja nicht darum, die Frauen zu qualifizieren, die sind ja oft schon hoch qualifiziert.“ Häufig aber fehle noch dieses letzte Quäntchen Selbstvertrauen – das sie bräuchten, um eine Position zu bekommen, die ihren Fähigkeiten entspricht. Ein Beispiel aus Werners eigener Erfahrung: „Als ich noch bei einer anderen Firma war, habe ich erlebt, dass die Leiterin Public Relations das Unternehmen verlassen hat. Eine Mitarbeiterin wurde dann gefragt, ob sie diese Position übernehmen würde, alle haben gesagt, wir trauen dir das zu, der CEO und der CFO. Nur sie selbst hat gesagt: ‚Ich bin mir da nicht so sicher.’ Und um diese Sicherheit geht es.“
 

Diversity ist mehr als Frauenförderung

Hier setzt das Mentoring-Programm Management an, dass mittlerweile im vierten Jahr stattfindet. Initiiert und begleitet wird es durch das Team Diversity und Frauenförderung. Die Programmverantwortliche Karen Harland erläutert: „Das Programm kombiniert Mentoring, verschiedene Seminare und Initiativen und natürlich das Netzwerken zwischen Teilnehmerinnen verschiedener Fachbereiche, Gesellschaften und Marken.“ Ziel sei es, mehr Frauen ins Management zu bekommen. Angestrebt werde ein deutlich höherer Frauenanteil. „Allerdings geht der Trend aktuell weg von reinen Frauenförderungs-Programmen und hin zu generell mehr Vielfalt im Konzern“, sagt Harland.

Das Mentoring-Programm Management wird künftig an die neue Personalentwicklung angepasst. Vorstandsmitglied Werner freut sich darauf. Sie hat lange in einem vielfältigen Umfeld gearbeitet: „In der Konzernrevision hatten wir 39 Standorte, die Hälfte der weiblichen und männlichen Manager eine nichtdeutsche Biografie, für mich war das normal. Und ein Stückchen von dieser Normalität müssen wir in die Konzernzentrale bringen.“

Gegenseitiges Verständnis im Konzern

Im Moor stapeln sich immer mehr abgeholzte Äste und Stämme. Das Entkusselungs-Projekt haben die Nachwuchs-Managerinnen selbst auf die Beine gestellt – eine Idee von Brenda Klein aus der Audi Unternehmensplanung. Sie selbst hält große Stücke auf das Mentoring-Programm – nicht zuletzt wegen der Vernetzung. „Das erleichtert die Arbeit doch erheblich. Wenn ich beispielsweise Infos zu autonomen Fahren brauche, kann ich einfach schnell und unbürokratisch jemanden anrufen.“

Wenn ich beispielsweise Infos zu autonomen Fahren brauche, kann ich einfach schnell und unbürokratisch jemanden anrufen.

Brenda Klein aus der Audi Unternehmensplanung über die Vorteile eines Netzwerks

Auch Vorstandsmitglied Hiltrud Werner freut sich sichtlich über die Aktion: „Sehen Sie sich doch nur mal all die glücklichen Gesichter an!“ Gemeinsam etwas außerhalb des direkten Arbeitskontextes schaffen und dabei Kontakte knüpfen: „Das fördert das gegenseitige Verständnis innerhalb des Konzerns, das bringt uns voran“, sagt Werner und legt selbst mit Hand an. „Wenn hier eine Vertrieblerin ihr Problem mit einer Kollegin aus der Produktionsplanung diskutieren kann, dann ist das eine Horizonterweiterung, die auch dafür sorgt, dass das Silodenken im Kopf reduziert wird.“

Eine große Kiefer wird zum Ziel vereinter Anstrengungen. „Hätte nicht gedacht, dass das so schwer ist“, keucht eine der drei Nachwuchskräfte, die zuerst die Äste abschneiden und dann dem Stamm mit einer Säge zu Leibe rücken. „Also, bei Teambuilding können wir auf jeden Fall mal ein Häkchen machen“, flachst Werner, als der Baum endlich bezwungen am Boden liegt.

Wenn Marken voneinander lernen

Ein paar Meter weiter entwurzelt Nina Boesch von Audi Produktion und Logistik mit einem Spaten eine junge Birke. Sie sagt: „Gemeinsame Aktionen wie die heute sind toll, weil man sich kennenlernt. Und wenn man Leute kennt im Beruf, tut man sich oft deutlich leichter.“ Außerdem lerne man viel über die anderen Marken.

„Ich hätte nicht gedacht, dass das Netzwerken so wichtig sein würde“, fügt Ann-Kristin Hunstiger von Volkswagen Financial Services hinzu. „Und ganz ehrlich: Wenn du hörst, du darfst bei einem Frauenförderungsprogramm mitmachen, fragst du dich auch erstmal: Ist das jetzt nett gemeint oder nicht?“, schmunzelt sie. Aber mittlerweile weiß sie die Vorteile zu schätzen: „Es gibt beispielsweise Themen, da redet man sonst nicht so drüber, etwa über die Vereinbarkeit von Karriere und Privatleben. Das kann man im Netzwerk tun. Es fällt mir nun leichter, mich mit bestimmten Dingen auseinanderzusetzen oder sie anzusprechen.“

„Ich profitiere sehr von dem Mentoring System“, sagt Linn Hackenberg von Volkswagen Elektronik-Entwicklung und erläutert: „Man kann sich in einem hierarchiefreien Raum Feedback holen. Weil die direkte Arbeit da nicht so die Rolle spielt, bekommt man leichter eine offene Meinung und andere Perspektiven.“ Beispielsweise war es inspirierend für Hackenberg, über das Thema Kinder zu sprechen: „Ich bin Mutter, meine Mentorin auch. Darüber kann man sich austauschen. Auch die Topmanagerin nimmt sich einen Nachmittag die Woche, um mit ihren Kindern zu puzzeln.“ Ein Netzwerk sei in vielerlei Hinsicht für die weitere Karriere hilfreich – bestimmt auch später.  

Man kann sich in einem hierarchiefreien Raum Feedback holen.

Linn Hackenberg von Volkswagen Elektronik-Entwicklung über das Mentoring-Programm
René Hertwig vom NABU erläutert die wesentlichen Punkte der Bodenräumaktion

Als die Sonne sich dem Horizont entgegensenkt, ist schon ein gutes Stück Moor entkusselt. René Hertwig vom NABU dankt den einsatzbereiten Helfern für ihr Engagement. Für die Nachwuchsmanagerinnen geht am nächsten Tag weiter mit dem beruflichen Alltag. Immerhin haben sie heute nicht nur der Umwelt etwas Gutes getan, sondern sich gegenseitig besser kennengelernt und Kontakte vertieft. Auch Hiltrud Werner ist hochzufrieden. Einen Rat möchte sie ihren Schützlingen noch mit auf den Weg geben, einen Satz, den ihr eigener Mentor bei BMW ihr vor rund 20 Jahren mal gesagt hatte: „Ein runder Kiesel rollt bergab. Bewahren Sie sich Ihre Ecken und Kanten!“ Vielleicht umso wichtiger für Frauen, die Karriere machen wollen.