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„Ich bin die Marke!“

„Ich bin die Marke!“

Jan Delay verkauft Klamotten, Eckart von Hirschhausen pflegt besonders ausgewählte Kontakte, Heidi Klum verkauft die „Heidi-Klum-Rosen“, Oliver Pocher zeigt sich in Unterhose. Immer mehr Promis nutzten ihre offizielle Website als exklusiven Vertriebsweg. Persönliche Seiten werden so zu einer „Imagebroschüre“: Kurzbiografie, vorteilhafte Fotos, Download-Angebote. Edgar K. Geffroy weiß, dass nicht nur „Promis“ eine eigene Marke sind. Jeder ist es heutzutage, ob bewusst oder unbewusst.

Geht ohne Personal Branding wirklich nichts mehr?

Und wenn ja: Wie vermarkten wir uns in Zeiten sozialer Medien erfolgreich selbst? Im Interview sagt Edgar K. Geffroy, erfolgreicher Unternehmer, Coach, Autor, Motivator und Speaker, wie man ein Thema besetzt, darüber bloggt, in Fachdiskussionen referiert, ein entsprechendes Netzwerk aufbaut und sich erfolgreich inszeniert.

Herr Geffroy, Golf, Persil, Nutella – bisher kannten wir Marken nur aus Verbrauchersicht. Muss heute jeder wirklich auch zur persönlichen Marke werden? Und wenn ja, warum?

Ob es uns bewusst ist oder nicht: Jeder ist automatisch eine individuelle Marke: mit seiner Persönlichkeit, seiner Erscheinung, seinem Auftreten, seiner Sprache, seiner Gestik – eigentlich mit allem, was ihn oder sie ausmacht. Denn wir werden von unserer Umwelt permanent beobachtet, bewertet, eingeschätzt, ja, auch in Schubladen gesteckt. Und das im Zeitalter von social media mehr denn je! Dabei ist der eine erfolgreich, der andere nicht. Erfolgreiche Menschen und Mitarbeiter stechen aus der Masse heraus. Die weniger Erfolgreichen sind die sogenannten grauen Mäuse.

Nun werden Kritiker einwenden, es sei ihnen egal, was andere von ihnen denken...

... der Meinung kann man durchaus sein. Aber das Ganze hat einen großen wirtschaftlichen und persönlichen Zufriedenheitsaspekt.

Das müssen Sie erklären!

Wirtschaftlich: Früher benötigte man Produkte für einen Erfolg. Heute verdient ein persönlicher Experte mehr, als 95 Prozent aller Unternehmen. Die machen nämlich weniger als eine Million Jahresumsatz. Und zur Zufriedenheit: Erfolgreiche Menschen gehen erwiesenermaßen auch privat zufriedener durchs Leben als nicht so erfolgreiche.

Nun strebt nicht jeder der 640.000 Mitarbeiter des Volkswagen Konzerns für sich persönlich einen jährlichen Millionenumsatz an. Heißt das, er muss nicht zur Marke werden?

Das heißt, er darf dennoch nicht austauschbar sein. Das Schlimmste ist, wenn man ersetzbar ist. Deshalb kann ich mit dem Spruch `Jeder ist ersetzbar` gar nichts anfangen. Mehr noch: Ich halte ihn für kompletten Blödsinn! Jeder sollte, auch im Volkswagen Konzern, unersetzbar sein: wegen seiner Kontakte, seiner Persönlichkeit, seines Know-hows! Dann erfährt man als Mitarbeiter Wertschätzung! Und dann ist wiederum auch der Konzern erfolgreich!

Wie finde ich heraus, was ich besonders gut kann? Und wie mache ich mich unersetzbar?

Jetzt reden wir über das Thema per excellence! Erste Stufe: Ich muss mir selbst den Unterschied zwischen Eigenbild und Fremdbild deutlich machen. Dazwischen gibt es erfahrungsgemäß immer ein großes Delta. Was sind meine Stärken, was sind meine Schwächen? Entscheidend ist nicht, wie ich mich sehe. Entscheidend ist allein, wie mich die Umwelt sieht. Dann frage ich mich zweitens, für wen ist das, was ich mit meinen Stärken, also meinen Kenntnissen und Fähigkeiten biete, besonders interessant? Für meine Abteilung, in der ich aktuell arbeite? Oder für einen ganz anderen Bereich im großen Volkswagen Konzern? Schließlich versuche ich drittens zu ergründen, was die Dinge sind, die meine Abteilung oder ein anderer Bereich dringend benötigen. Was könnte ich einbringen, um deren Probleme zu lösen?

Und dann biete ich Lösungen an?

So ist es. Und zwar proaktiv! Denn die Zielgruppe, der Kunde, meine Abteilung, der andere Bereich im Konzern kann oftmals gar nicht sagen, woran es im Alltag hapert. Im Idealfall identifiziere ich die Dinge, die die Kollegen im Konzern gerade umtreiben, die sie für mehr Erfolg, für mehr Zufriedenheit gerade aktuell benötigen. Und komme dann mit der Lösung um die Ecke.

Keiner gewinnt für sich allein, dafür brauche ich ein erfolgreiches Netzwerk? Wie baue ich es auf?

Ganz einfach: durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Zunächst höre ich zu, interessiere mich für die Probleme meiner Kollegen, bin quasi nur `Empfänger´. Das macht mich sehr sympathisch beim Kunden, egal ob intern oder extern. Erst dann, wenn ich verstanden habe, was die Kollegen oder Kunden wirklich umtreibt, werde ich zum `Sender´. Ich versuche, zu helfen, den Nutzen der Kollegen zu optimieren. Deren Nutzen, nicht meinen Nutzen! Und ich fordere sie aktiv auf, meine Ideen weiterzutragen.

Und gleichzeitig inszeniere ich mich als „Lösungsmensch“ und Macher auch in den sozialen Medien, etwa auf Instagram und Linkedin?

Genau. Auch hier gilt wieder: Ich muss über die sozialen Medien Nutzen für den Empfänger generieren. Selbstvermarktung, keine Selbstdarstellung! Wichtig ist immer der Fokus auf den Menschen auf der anderen Seite zu richten, den user. Wenn ich ihm Lösungen biete, folgen mir umso mehr Menschen. Und ich werde umso erfolgreicher.

Also ist Empathie auch bei social media das Wichtigste?

Unbedingt. Wenig empathische Menschen neigen zur Selbstdarstellung. Auch das ist wieder nirgends besser zu besichtigen als in social media-Kanälen. Ganz anders erfolgreiche Blogger: Sie lösen die Probleme ihrer Follower. Oder helfen ihnen zumindest dabei.

Oberflächlich, zeitraubend, Nabelschau, Blendwerk: Aus unterschiedlichen Gründen stehen vor allem viele ältere Mitarbeiter social media kritisch gegenüber. Ihre Prognose: Wird es social media auch in fünf oder acht Jahren so noch geben?

Die angesagten Kanäle werden wechseln, aber social media als Bühne wird es noch sehr lange geben. Die Menschen lieben es, am Leben anderer teilzunehmen. Der Trend zum Video wird sogar noch zunehmen, weil Menschen für Bilder und gute Optiken sehr empfänglich sind. Wer sich selbst positiv vermarkten will, muss also neben dem persönlichen Netzwerk mit social media arbeiten. Und dort mehr mit Videos.

In ihren Vorträgen sagen Sie gern: „In jedem Menschen steckt viel mehr drin, als er oder sie selbst glauben.“ Nutzen wirklich viele von uns nur ein Bruchteil ihres Potenzials aus?

Davon bin ich fest überzeugt! Gerade unter uns Deutschen ist es doch typisch, immer sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Wer einmal scheitert, hat fast schon ein Stigma. Unsere Kultur stärkt nicht unbedingt die Stärken der Menschen, sondern sie nivelliert vieles. Ganz anders in Amerika, wo Scheitern fast schon als Erfolg gilt. Motto: Er hat´s versucht, beim nächsten Mal klappt es ganz sicher.

Was schlagen Sie also vor?

Wir müssen uns unsere Stärken stärken. Und möglichst vielen Menschen auf allen Kanälen davon berichten. Über die Schwächen können wir uns später noch kümmern.

  • Edgar K. Geffroy ...

    ... ist Autor von Wirtschaftsbüchern, Vortragsredner und Unternehmensberater. Das Magazin „Wirtschaftswoche“ stufte Geffroy als einen der zehn führenden Business-Motivatoren ein.

    Geffroy hat 29 Bücher verfasst und 400.000 Exemplare verkauft, darunter: „Das einzige was stört, ist der Kunde“. Seine Werke wurden weltweit in 25 Sprachen übersetzt. Der Key Note Speaker hatte bis heute 3.800 Auftritte vor mehr als 500.000 Menschen. In diesen Wochen bereitet er einen eigenen Fernsehkanal vor: Neudenker TV