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Was macht eigentlich ... ein AI Researcher?

Grady Jensen ist Hirnforscher, Informatiker und AI Researcher: „Wer versteht, wie das Hirn mit Daten umgeht, hat einen Meilenstein in der AI-Forschung erreicht.“ Teil 8 einer Artikelserie über IT-Aufgaben bei Volkswagen.

Ob autonome Fahrzeuge oder Roboter: Künstliche Intelligenz (KI) wird das 21. Jahrhundert entscheidend prägen. Deshalb forscht die Volkswagen AG mit Hochdruck an diesem Thema – vor allem im Volkswagen Data:Lab in München, dem KI-Kompetenzzentrum des Konzerns. Mehr als 80 internationalen Spezialisten arbeiten dort an und mit KI – oder auf Englisch: Artificial Intelligence (AI). Und ihre Arbeit braucht eine Basis. Dafür gibt es im Data:Lab die AI Researcher, sie betreiben Grundlagenforschung rund um künstliche Intelligenz.

Das Hirn ist absolut faszinierend

KI-Forscher Grady Jensen kombiniert Hirnforschung, Mathematik und Informatik

Grady Jensen sitzt in seinem Büro im Volkswagen Data:Lab, vor seinem Whiteboard voller mathematischer Formeln und Skizzen. Jensen ist Informatiker – und Hirnforscher. Das passt für ihn als AI Researcher hervorragend zusammen. Denn für den 32-Jährigen liegt im menschlichen Gehirn der Schlüssel zum Verständnis und letztlich auch zum Erschaffen einer künstlichen Intelligenz, die wirklich selbst lernen und agieren kann. „Das Hirn ist absolut faszinierend“, sagt Jensen. „Es kann Informationen bündeln und in eine Form bringen, die es ihm erlaubt darüber nachzudenken und Voraussagen zu treffen – und diese ganzen Informationen kommen aus den verschiedenen Sinnen des Körpers.“ Wer versteht, wie das funktioniert, und es in einem mathematischen Raum bündeln kann, hat die wichtigste Grundlage für die Entwicklung leistungsfähiger künstlicher Intelligenz geschaffen.

Der Volkswagen Konzern treibt die Entwicklung künstlicher Intelligenz massiv voran. Gemeinsam mit allen Marken wurden bereits mehr als 100 KI-Anwendungen in Fahrzeugen, Kundenangeboten und Unternehmensprozessen umgesetzt. Da geht es um Software-„Gehirne“ für intelligente Roboter, damit diese Hand-in-Hand mit dem Menschen zusammenarbeiten können. Oder um sogenannte „Bots“, also selbstlernende Systeme, die durch intelligente Datenanalyse mehr Erfahrung sammeln und für Beschäftigte wiederkehrende administrative Schritte wie etwa Freigaben oder Beauftragungen selbstständig vorbereiten und zur Entscheidung vorlegen können. Und es geht um das autonome Fahren. Für all das müssen die Experten verstehen, wie künstliche Intelligenz funktioniert und wie sie optimiert werden kann.  

Vom menschlichen Gehirn lernen

AI Researcher Grady Jensen mit seinen lernfähigen Roboterarmen

Der 32-jährige Jensen aus Wisconsin in den USA ist dafür optimal aufgestellt: In Iowa hat er erst einen Bachelor in Informatik gemacht, dann in Minnesota einen Informatik-Master mit Schwerpunkt Maschinelles Lernen drangehängt und nebenher Vollzeit für ein großes US-Technologieunternehmen gearbeitet – beim Projekt Watson, einer selbstlernenden künstlichen Intelligenz. Im Volkswagen Data:Lab ist Jensen nun seit März dieses Jahres, hier kann er alle seine Skills verwenden, um Grundlagenforschung zum Thema künstliche Intelligenz zu betreiben, gekoppelt mit einer Doktorarbeit, die er nebenher an der Ludwig-Maximilians-Universität München schreibt.  

Hoppla, wir bewegen uns

Inwiefern können Programmierer von selbstlernenden Systemen vom menschlichen Gehirn lernen? Ein Beispiel: Man sitzt in einem geparkten Auto, die Wagen links und rechts von einem bewegen sich, und kurz fühlt man sich, als würde man selbst fahren, obwohl man stillsteht „Das Hirn verarbeitet die visuellen Eindrücke und sagt: Hoppla, wir bewegen uns!“, erläutert Jensen. Kurz darauf kommt aber schon die Info vom Bewegungssinn im Innenohr, und sofort gleicht das Gehirn wieder ab: „Ach, wir bewegen uns doch nicht.“ Genau das – den Umgang und die Priorisierung mehrerer Datenquellen – muss eine KI auch können. Etwa für einen Roboter, der seine Umgebung per Kamera und zusätzlich auch durch Drucksensoren wahrnimmt. Oder für ein autonomes Fahrzeug, das zusätzlich zu einem Radar auch noch Kameradaten, GPS und Informationen von anderen Fahrzeugen verarbeitet, und immer wieder neu entscheiden muss, welche „Sinneseindrücke“ gerade relevant sind.

Wir betreiben echte Grundlagenforschung

„Das ist das Tolle hier im Volkswagen Data:Lab: Wir betreiben echte Grundlagenforschung“, sagt Jensen. Denn obwohl viele dächten, es wäre bald soweit, dass Maschinen selbst ein Bewusstsein entwickeln, seien wir noch sehr weit davon entfernt. „Es fehlt nicht zuletzt noch eine solide mathematische Basis“, sagt Jensen. Für ihn ist das das Wichtigste, was aktuell zu erforschen ist. „Denn künstliche Intelligenz ist ein Thema, dass viele Forschungsfelder miteinander verbindet und ihnen durch neue Algorithmen oder Systeme weiterhilft. “ Das Team besteht aus elf Kolleginnen und Kollegen, sowie weiteren Doktoranden. Ihre Ergebnisse machen sie öffentlich, ihren Code haben sie als Open Source angelegt, so dass die weltweite Forschergemeinschaft damit arbeiten kann. Bei so viel menschlichem Hirnschmalz, gepaart mit der Rechenkraft von künstlicher Intelligenz, sollte es bald möglich sein, eine KI zu entwickeln, die Ähnliches vermag, wie das menschliche Gehirn. Zum Beispiel Auto fahren.