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Ruandas mobile Revolution

Volkswagen startet in dem ostafrikanischen Land das erste integrierte Mobilitätskonzept. Lokale Fertigung, Service, Vertrieb und neuartige Mobilitätsdienste – ein Vorbild für die ganze Region.

Die Farben der Flagge von Ruanda sind Blau, Gelb und Grün. Bei einer Fahrt quer durch die Hauptstadt Kigali bekommen Besucher schnell ein Gefühl dafür, warum das wohl so ist. Blau leuchtet der Himmel über der Stadt, selbst wenn sich ein paar Wolkenschlieren davorschieben. Gelb-braun ist die Erde, die sich als feiner Staub am Straßenrand und in den Ritzen der ansonsten auffällig aufgeräumten Bürgersteige sammelt. Und saftig-grün sprießt die Vegetation zwischen den Wohngebäuden und Hochhäusern der Millionenmetropole, die sich über unzählige Hügel ausbreitet.

Volkswagen startet in dem ostafrikanischen Land das erste integrierte Mobilitätskonzept. Lokale Fertigung, Service, Vertrieb und neuartige Mobilitätsdienste – ein Vorbild für die ganze Region.

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Weitere Informationen finden Sie auf http://www.volkswagenag.com und auf Twitter: http://www.twitter.com/vwgroup_de

Hinweis nach Richtlinie 1999/94/EG in der jeweils gegenwärtig geltenden Fassung: Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem "Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Straße 1, D-73760 Ostfildern oder unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.
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Further information can be found on http://www.volkswagenag.com and on Twitter: http://www.twitter.com/vwgroup

Note in accordance with Directive 1999/94/EC in its currently applicable version: Further information on official fuel consumption figures and the official specific CO2 emissions of new passenger cars can be found in the EU guide "Information on the fuel consumption, CO2 emissions and energy consumption of new cars", which is available free of charge at all sales dealerships, from DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Straße 1, D-73760 Ostfildern, Germany and at www.dat.de.

Ruandas mobile Revolution

Gemeinsam Richtung Zukunft: Michaella Rugwizangoga, CEO von Volkswagen Mobility Solutions Ruanda, mit Präsident Paul Kagame (Mitte) und Thomas Schäfer, CEO von Volkswagen Group South Africa und verantwortlich für die Region Sub-Sahara.

Hätte die ruandische Flagge noch einen Klang, es müsste das Knattern der unzähligen Motorräder sein, die durch die Stadt fahren. Die Motorradtaxis prägen das Straßenbild Kigalis. Zwischen Bussen und meist älteren Autos, oft Pick-up Trucks aus japanischer Fertigung, suchen sie sich ihren Weg. Vorne auf den Motos sitzen die Fahrer in ihren typischen roten Leibchen, die sie als zertifiziert ausweisen. Hinten die Fahrgäste, die sich lässig zurücklehnen und während der Fahrt auf ihren Smartphones herumtippen.

An diesem Bild könnte sich einiges ändern, und das schon bald. Die Chancen stehen gut, dass in Kürze deutlich mehr Menschen in Kigali in einem Neuwagen unterwegs sind, etwa einem Passat oder Polo, einem Tiguan, Teramont oder Amarok von Volkswagen. Die Fahrer werden diese Autos zwar nicht unbedingt besitzen, aber sie werden sie nutzen - so wie es zu ihren Bedürfnissen passt, allein oder zusammen mit anderen. Buchen und bezahlen werden sie die Mobilitätsangebote per App, einfach und bargeldlos.

Eine automobile Revolution

Präsident Paul Kagame bei der Eröffnung der Volkswagen Fertigung

Das ist die Vision, wegen der an diesem Mittwoch mehr als hundert Gäste in die Special Economic Zone von Kigali gekommen sind. Das Shuttle hält vor einem leuchtend weißen Gebäude, ein großes Plakat verkündet: „Volkswagen. Moving with Rwanda.“ Es ist die Eröffnung der ersten Volkswagen Fertigung in Ruanda. Ein Ereignis, von dem viele in Kigali schon gehört haben. Wen man auch darauf anspricht, ob im Hotel oder beim Abendessen im Restaurant, alle berichten stolz über den Start von Afrikas erstem integrierten Mobilitätskonzept. Eine automobile Revolution, für Ruanda, aber auch für den ganzen Kontinent.

„Diese Anlage repräsentiert ganz ohne Zweifel den nächsten Abschnitt in Ruandas Reise der ökonomischen Transformation“, sagt Ruandas Präsident Paul Kagame in seiner Rede vor den Gästen. Dass er selbst zur Eröffnung gekommen ist, unterstreicht die Bedeutung des Termins.

Mechaniker demonstrieren die Fertigung eines Neuwagens.

Für Paul Kagame ist das, was er mit Volkswagen vor 18 Monaten auf den Weg gebracht hat und was nun Realität wird, der erste Schritt eines grundlegenden Wandels. „Viele der Autos auf unseren Straßen sind im vergangenen Jahrhundert gebaut worden“, sagt Paul Kagame. „Afrika darf nicht der Abladeplatz für alte Autos oder andere alte Dinge sein. Wir als Afrikaner und Ruander verdienen Besseres. Und dieses Projekt zeigt, wie wir das schaffen können.“

In der Werkshalle lässt sich Paul Kagame zeigen, wie das konkret aussieht. Die Führung übernimmt Thomas Schäfer, CEO von Volkswagen Group South Africa und verantwortlich für die gesamte Region Sub-Sahara. „Ruanda bietet großes Potenzial“, sagt Thomas Schäfer. Hier in dieser hellen und klinisch sauberen Halle werden von nun an auf rund 3000 Quadratmetern Fahrzeuge montiert. Das Verfahren, das in Phase 1 angewendet wird, nennt sich Semi-Knock Down (SKD): Teilweise montierte Fahrzeugkomponenten aus Südafrika werden in Ruanda zusammengesetzt. Das erste Modell, das lokal in Ruanda zusammengebaut wird, ist der Polo.

Rund 1000 Jobs enstehen

Die neue Volkswagen Fertigung in Kigali.

In der neuen Niederlassung in Kigali findet aber auch die Wartung und die Reparatur der Fahrzeuge statt. In speziellen Trainingsräumen und an den Geräten werden Mitarbeiter weitergebildet, im vorderen Bereich der Anlage stehen Neuwagen im Showroom des Vertriebspartners CFAO Motors. Rund 1000 Jobs sollen durch das integrierte Mobilitätskonzept in den nächsten Jahren entstehen. 20 Millionen Dollar investiert Volkswagen in dieses Projekt.

Ein Großteil der Fahrzeuge, die Mitarbeiter hier auf den Hebebühnenmontieren werden, geht nicht in den Verkauf, sondern in Mobilitätsangebote wie Community Car Sharing, Ride Hailing und Car Sharing. Zunächst sollen sich Mitarbeiter von Firmen, Behörden, Hilfsorganisationen und anderen Institutionen per App ein Fahrzeug bestellen können, gefahren von einem Fahrer oder zum Selbstfahren. Schrittweise wird dieses Angebot dann auch für private Kunden, die sich ein Auto reservieren oder eine Mitfahrgelegenheit buchen, zugänglich. Ein Konzept, dass es in Ruanda so bisher nicht gibt. „Das wurde noch nie gemacht“, sagt Thomas Schäfer beim Rundgang durch die Anlage. „Wir wollen Erfahrungen sammeln und lernen.

Der Hintergrund für diese Strategie: Abgesehen von Südafrika gibt es auf dem Kontinent noch keinen ausgeprägten Markt für Neuwagen. Im vergangenen Jahr wurden auf dem gesamten Kontinent rund 200.000 Neufahrzeuge verkauft. Aber besonders in Ruanda gibt es eine wachsende Mittelschicht, jung, gut ausgebildet und technik-affin. Diese Klientel soll für neue Mobilitäts-Angebote gewonnen werden.  

Der Anfang einer lokalen Automobilindustrie

„Es geht zunächst weniger darum, Geld zu verdienen. Sondern einen Markt zu kreieren. Das ist der Anfang einer Automobilindustrie“, erläutert Thomas Schäfer den angereisten internationalen Journalisten. Nach ein oder zwei Jahren kommen die Volkswagen Fahrzeuge auf den Gebrauchtwagen-Markt und fördern so die Nachfrage nach neueren Modellen. Das Vorbild ist China, wo Volkswagen seit 1983 als erstes ausländisches Unternehmen lokal Autos gefertigt hat. „Es zahlt sich aus, früh dabei zu sein“, sagt Thomas Schäfer.

Volkswagen – derzeit nach dem Traditionsstandort in Südafrika auch in Kenia und Nigeria mit eigenen Fertigungen vertreten – führt bereits Gespräche mit weiteren afrikanischen Ländern. Ruanda hat die Marke mit seinem Engagement überzeugt, sagt Thomas Schäfer. „Sie haben am nachdrücklichsten reagiert, als wir herumgefragt haben, wer mit uns etwas Revolutionäres starten möchte. Sie hatten wirklich clevere Ideen, wie sie mit uns zusammenarbeiten können.“

Wirtschaftswachstum und klare Ziele

Gebucht werden die Mobilitätsdienste von Volkswagen über eine App.

Es spricht vieles dafür, dass Ruanda der richtige Ort ist, um eine solche Strategie umzusetzen. Das Land hat mit dem Genozid, bei dem im Jahr 1994 rund eine Million Menschen ermordet und Hunderttausende verletzt und traumatisiert wurden, ein schweres Erbe zu verarbeiten, das immer noch nachwirkt. Das spürt jeder, der das Kigali Genocide Memorial im Stadtzentrum besucht. Die dargestellten Gräuel sind schwer zu ertragen, und regelmäßig kommt es vor, dass Besucher der Ausstellung zusammenbrechen, die Wunden sitzen noch immer tief. Doch das Land mit circa 12 Millionen Einwohnern hat große Anstrengungen unternommen, diese Vergangenheit und die Armut hinter sich zu lassen, und sich dabei in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Art afrikanischem Musterbeispiel entwickelt.

„Kigali verändert sich jeden Tag“, sagt der Fahrer, der den Besuch durch die Stadt fährt. Überall wird gebaut, oft mit Hilfe ausländischer Investoren. „Sehen Sie, wo wir heute stehen“, sagt der junge Mann bei der Fahrt durch den Finanzbezirk mit zahlreichen neuen Hochhäusern, Hotels und neuen Tagungszentren. Das Land ist politisch stabil, hat ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum und geht rigide gegen Korruption vor. Die politische Roadmap von Präsident Kagame hat Ziele definiert und setzt sie mit Nachdruck um. Das strikte Einfuhrverbot von Plastiktüten etwa scheint sich auszuwirken. Die Stadt ist sehr sauber, anders als in vielen anderen Ländern im südlichen Afrika.

Noch nicht alle Menschen haben bereits Teil am neuen Wohlstand. Aber vor allem die jungen Hauptstädter treffen sich in der Rooftop-Bar auf dem Dach des Umbumwe Hotels mit Blick über das nächtliche Lichtermeer der Stadt. Oder sie fahren in das Restaurant Pili Pili, wo zwischen einem Pool und einem Fußball-Käfig auf der Terrasse Kilo-Portionen Steak serviert werden und laute Musik läuft.

„Diese jungen Leute sind modern und hungrig nach individueller Mobilität“, sagt Michaella Rugwizangoga, CEO der neugegründeten Volkswagen Mobility Solutions Rwanda. „Wir haben auch eine wachsende Anzahl an Touristen, die ins Land kommen, und alle fragen, wie können wir uns bewegen. Die Möglichkeiten für Mobilitätsanbieter sind grenzenlos. Es gibt einen großen Bedarf für solche Angebote.“

Frauen in Führungspositionen

Thomas Schäfer zusammen mit Teamchef Festus Tuyiringire (links) und Mechanikern der Fertigung in Kigali.

Michaella Rugwizangogas Aufgabe ist, die Strategie für Ruanda umzusetzen und sie in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln. Sie hat das Team aufgebaut, das für den Start der Fertigung in Kenia ausgebildet wurde. „Wir sind sehr beeindruckt davon, wie schnell unsere Mechaniker lernen, wir sind gut im Zeitplan”, sagt Michaella Rugwizangoga nach dem Gruppenfoto mit ihren Mitarbeitern. Für die Entwicklung der App, über die Kunden die Dienste bestellen, hat sie mit einem Start-up aus Kigali zusammengearbeitet. „Wir suchen weitere Talente, und wir haben hier eine der besten Universitäten der Welt.“

Dass sie als Frau in einer derart hohen Position arbeitet, mag in anderen afrikanischen Ländern ungewöhnlich sein, nicht aber in Ruanda. „Die Bank of Kigali hat eine Frau als CEO, RwandAir hat ebenfalls eine weibliche CEO“, sagt Rugwizangoga. Zudem sind mehr als 60 Prozent der Abgeordneten im Parlament Ruandas Frauen – ein Anteil, von dem etwa Deutschland weit entfernt ist. „Das Teilen der Macht gehört zu unserer Kultur.“ Die Regierung, erklärt Rugwizangoga, fördere mit Nachdruck, dass auch Frauen technische Berufe und Studien aufgreifen. Sie selbst hat zunächst ein Jahr Ingenieurswissenschaften an der Universität in Kigali studiert und erhielt dann ein Stipendium, um ihr Studium in Deutschland fortzusetzen. Nun arbeitet sie daran, in Ruanda eine Automobilindustrie aufzubauen.

„Das ist wirklich eine besondere Sache für die Menschen in Ruanda“, sagt Festus Tuyiringire. Der 42-Jährige leitet das Team der Fahrzeug-Montage und steht nach dem Festakt vor dem Tor der Volkswagen Niederlassung. Der Präsident und die anderen Gäste sind wieder aufgebrochen. „Wir bauen hier etwas auf, für uns und für unsere Zukunft“, sagt Tuyiringire. Und was sagen seine Freunde und seine Familie dazu, dass er nun deutsche Autos in Ruanda baut? „Die freuen sich alle darauf zu sehen, dass es nun losgeht“, sagt Tuyiringire. Seine Kollegen nicken zustimmend. Sie können es kaum erwarten, mit der Arbeit anzufangen.