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MIRCO kann sogar grüßen

MIRKO kann sogar grüßen

Für den Volkswagen Konzern als eines der größten Industrieunternehmen Europas wird die Zusammenarbeit von Mensch und Robotern immer wichtiger. Das grundlegende Ziel: Effizienz in der Produktion und die Ergonomie im direkten Bereich weiter steigern.

MIRCO ist freundlich: Der „mobile intelligence robotic coworker“ begrüßt und verabschiedet seinen Vorarbeiter mit winkenden Armen. Doch das ist bloß reine Show: Denn MIRCO soll den Facharbeitern an der Montagelinie in Zukunft auf Kommando zur Hand gehen. Der intelligente Roboter schleppt Bauteile ans Produktionsband, reicht diese und dazu die nötigen Werkzeuge auf Kommando mit feinfühligen Armen und Händen an, erledigt einige Arbeitsschritte wie Anschrauben auf Anweisung des Menschen auch selbst.  Seine Funktionalitäten stellen eine Weltneuheit dar: MIRCO kann grob- und feinmotorisch greifen, Befehle über Gesten erfassen und dann ausführen, anderen Kollegen am Fließband ausweichen. Er kann bis zu fünf Kilogramm schwere Bauteile zureichen und dann mit Feingefühl anschrauben. Dafür besitzt er eine „robuste“ und eine „feine“ Hand. Und wenn es am Arbeitsplatz eng wird, verlangsamt er automatisch seine Bewegungen. Für all das hat er fünf Rechner und zahlreiche Kameras in und auf seinem Körper.

MIRCO zeigt, was heute schon möglich ist

„MIRCO zeigt, was heute schon möglich ist“, sagt Wolfgang Hackenberg, Leiter des Smart Production Labs in Wolfsburg. „Unser Ziel bei allen unseren Projekten ist es, die Produktion noch effizienter und ergonomischer zu gestalten. Das dient letztlich unseren Kunden und unseren Mitarbeitern.“

Angewandte künstliche Intelligenz, intelligente Robotik, das Internet der Dinge in der Produktion – der Volkswagen Konzern stärkt sein IT-Expertenwissen und treibt die Digitalisierung im weltweiten Produktionsverbund voran. Dafür entwickelt ein interdisziplinäres und internationales Team („von Peine bis Mexiko“) im Smart Production Lab in Wolfsburg Software-Lösungen und KI-Systeme für die Fabrik von morgen. Die 40 IT-Spezialisten luden kürzlich zum „Open Lab Day 2018“ Fachkollegen und Journalisten. Das Interesse war riesig: Mehrere Hundert Interessierte kamen in die IT-City.

IT-Experten fragen direkt am Band, was gebraucht wird

„Wichtig ist es uns, IT-Know-how mit Ingenieurskompetenz zu verbinden“, sagt Jan Wipke, der gemeinsam mit Hackenberg das Lab führt. Vorbei die Zeiten, als die IT im stillen Kämmerlein entwickelte, sich um Praxisbezug wenig kümmerte. „Heute gehen wir in die Produktion, direkt ans Band, fragen nach und schauen uns an, wie wir den Kollegen mit unseren Softwarelösungen wirklich helfen können“, erklärt es Hackenberg.

Digital-Know-how entscheidet immer stärker über den Erfolg von Unternehmen. Immer mehr Innovationen sind software-getrieben. Und die wird immer anspruchsvoller. Der Volkswagen Konzern setzt deshalb verstärkt auf eigenes IT-Expertenwissen und selbst entwickelte, auf seine konkreten Anforderungen zugeschnittene Softwareentwicklung. Das gilt auch für Bereiche wie die Produktion.

Das Unternehmen folgt dabei zwei Prämissen:

  1. Der Konzern entwickelt selbst, um unabhängig zu bleiben.

  2. Die Software wird nicht zweimal oder immer wieder neu entwickelt. Sondern exakt einmal.

Unsere Lösungen müssen so funktional sein, dass sie ohne viel Aufwand überall im Konzern angewendet werden können.

Wolfgang Hackenberg Leiter des Smart Production Labs in Wolfsburg

Künstliche Intelligenz im Wareneingang

Wie bei MIRCO, so auch bei diesem weiteren Beispiel: Künstliche Intelligenz im Wareneingang. Die IT-Experten aus dem Smart Production Lab entwickeln eine konzernweite Kameraplattform, die auf der Volkswagen Group Cloud läuft. An das Modul kann jeder Nutzer im Konzern verschiedenste Kameratypen anschließen: etwa Wärmebild-, Objekterkennungs- oder Industriekameras. Die Bildverarbeitung basiert auf künstlicher Intelligenz. Sie ermöglicht dann zum Beispiel eine Barcode-Codierung für Lieferteile oder eine Verpixelung von Gesichtern bei Überwachung in sensiblen Bereichen. Alles mit einer Softwarelösung.

Noch ein Beispiel: fahrerlose Transportsysteme (FTS) in der Fertigung. Diese bringen bereits in vielen Werken Bauteile und Zubehör punktgenau und sekundenpünktlich ans Produktionsband. Die Wolfsburger Spezialisten gehen einen großen Schritt weiter: Sie entwickeln einen digitalen Dirigenten, der in Echtzeit alle FTS steuert. Gibt es bei einem Fahrzeug ein Problem – etwa wegen einer technischen Störung oder weil eine Besuchergruppe den Weg kreuzt – werden die zeitlichen Abläufe aller anderen 99 FTS in wenigen Sekunden komplett neu angepasst. Die menschlichen Produktionsplaner erhalten so ein enorm detailliertes und aktuelles Lagebild für ihre Entscheidungen.

Klebemaschine warnt, bevor sie ausfällt

Es gibt viele weitere sehr konkrete Anwendungen, an denen die IT-Experten des Smart Production Labs derzeit arbeiten. Zum Beispiel auch in der vorausschauenden Instandhaltung („predictive maintenance“). Hier überwacht eine von ihnen entwickelte Software etwa Drehmomente, Drücke, Volumenzustände einer Klebemaschine, um rechtzeitig eine Ausfallprognose zu geben. Das ist kostengünstig und produktionsschonend. Denn fällt die Maschine erst mitten in der Produktion aus, ist der wirtschaftliche Nachteil groß.

„Wir entwickeln viele Piloten und Prototypen. Was gut ist, wird skaliert. Was nicht gut ist, fliegt raus. Wir entscheiden schnell und haben kurze Hierarchien“, sagt Wolfgang Hackenberg. „Und wir verbeißen uns nicht in Projekte, von denen wir merken, dass sie nicht erfolgreich zum Abschluss kommen. Wir halten sie einfach an“, fügt Jan Wipke hinzu. Vor dreieinhalb Jahren gegründet, sei man im Smart Production Lab inzwischen sehr erfolgreich unterwegs. Die Mitarbeiterzahl soll auf 60 aufgestockt werden.

Konzern hat inzwischen weltweit viele Labs

Der Volkswagen Konzern hat inzwischen außer am Stammsitz in Wolfsburg weitere IT-Labs weltweit aufgebaut: das Data Lab in München, das KI-Kompetenzzentrum des Konzerns, oder das Digital Lab in Berlin, eines der europaweit modernsten Softwareentwicklunszentren, sind nur einige Beispiele. Das Ziel ist klar: Volkswagen wird die Chancen der Digitalisierung weiter konsequent erschließen, um die Arbeit noch effizienter und ergonomisch besser für die Beschäftigten zu gestalten. „Technologie ist niemals Selbstzweck“, betont Ralph Linde, Leiter Volkswagen Group Academy, und damit verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung aller 640.000 Konzernmitarbeiter weltweit. Das betrifft insbesondere die fortschreitende Digitalisierung, die viele Aufgaben in Fabrik und Büro betrifft. „Menschen werden neue digitale Hilfsmittel bekommen. Diese werden aber menschliche Kreativität und Problemlösekompetenz nicht ersetzen können“, betont Linde.

Digitalisierung ist auch unsere Chance, Industriearbeit in Deutschland zu sichern.

Ralph Linde Leiter Volkswagen Group Academy

Mit Digitalisierung Industriearbeit in Deutschland erhalten

Digitalisierung wird die Arbeitswelt in Fabrik und Büro weiter revolutionieren, sagt Linde. „Das gehen wir an und bereiten unsere Beschäftigten mit intensiver Qualifizierung darauf vor. Wir sehen die Digitalisierung zugleich auch als Chance, Industriearbeit in Deutschland zu sichern. Denn Digitalisierung und Automatisierung können uns auch bei den Fertigungskosten helfen. Zugleich werden wir ergonomisch ungünstige Arbeiten Robotern überlassen können“, erklärt Linde.

Und zwar freundlichen, wie MIRCO, die sogar noch grüßen können.