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Die Brückenbauerinnen von Tel Aviv

Die Brückenbauerinnen von Tel Aviv

Seit Mai arbeiten die Deutsche Stephanie Vox und die Israelin Hemdat Sagi im Konnect Campus von Tel Aviv daran, digitale Mobilitätslösungen für die Marken des Volkswagen Konzerns zu scouten. Ein Besuch in einer der innovativsten Start-Up-Szenen der Welt.

Es ist ein sonniger Novembermorgen bei 23 Grad in Tel Aviv, als Stephanie Vox im 48. Stockwerk des Midtown Office Tower 25 angereiste Manager des Volkswagen Konzerns willkommen heißt und ihnen erklärt, was Konnect für sie tun kann. „Es gibt die Welt der Volkswagen Marken, und es gibt diese Welt hier“, sagt sie und blickt hinaus auf die imposante Skyline der Metropole. „Beide können sehr bereichernd füreinander sein. Unser Job ist es, Start-Ups hier im Markt  optimal zu scouten. Die Anforderungen und Bedürfnisse der Marken genau zu kennen. Die besten Start-Ups für diese Bedürfnisse zu finden. Und schließlich: die beiden Welten ins Gespräch zu bringen.“

On Spot | Volkswagen Konnect Campus Tel Aviv

Seit rund einem halben Jahr baut Stephanie Vox mit ihrem Team aus fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den neuen Konnect Campus des Volkswagen Konzerns in Tel Aviv auf, mitten im zurzeit wohl angesagtesten Start-Up-Hotspot der Mobilitätsbranche. Die Braunschweigerin  ist bereits seit acht Jahren im Konzern tätig, hat in diversen Funktionen von Konzernmarketing bis -digitalisierung gearbeitet, ist intern bestens vernetzt und mit dem Innenleben der Marken vertraut. Vorher hat sie bereits in San Francisco und in Yokohama gelebt. Soviel zur einen Welt. Für die andere Welt, den hochdynamischen Markt der israelischen Start-Ups, deren Ideen und Tech-Lösungen für die Mobilitätsbranche, konnte Vox Hemdat Sagi als Business Strategin für ihr Konzept gewinnen. 

Hemdat hat reichlich Startup-Erfahrung und war fast fünf Jahre in der israelischen Botschaft in Berlin für die Entwicklung bilateraler Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zuständig. Zugleich kennt sie sich in ihrer Heimat bestens aus. Als Tandem aus zwei Welten sind die beiden nun angetreten, um die geballten Start-Up-Kompetenzen in Tel Aviv für das Ziel des Volkswagen Konzerns, Weltmarktführer für Elektromobilität zu werden, optimal einzusetzen. Ihre Aufgaben reichen von Start-Up-Evaluationen über Executive Leadership Programme bis hin zu Roadmaps für Kollaborationen. „Die Projektverantwortung liegt letztlich bei den Marken selbst. Wir initiieren, verbinden und unterstützen die Projektteams lokal“, sagt Stephanie Vox.

Starker Unternehmergeist

Verbindendes Element – Stephanie Vox und Hemdat Sagi im Gespräch mit Managern der Volkswagen Marken im Konnect Office

Eine spannende Aufgabe. Und eine hochlukrative. Seit Jahren sorgt Tel Avivs Start-Up-Szene mit innovativen Konzepten und High-Tech-Skills für Mobility as a Service, Cyber Security oder Autonomes Fahren weltweit für Furore. Zahlreiche Autohersteller sondieren den Markt, um die besten Lösungen für ihre Fahrzeuge und digitalen Netzwerke zu nutzen. Sie stoßen auf eine agile Szene mit starker politischer Unterstützung. 

„Israel ist ein kleiner Markt, der auf internationale Kooperationen ausgerichtet ist“, sagt Stephanie Vox. „Zugleich herrscht hier ein starker Unternehmergeist. Es wird viel investiert und gefördert, auch seitens der Regierung“, ergänzt Hemdat Sagi. „Und vor allem die technologischen Kompetenzen sind wirklich beeindruckend. Viele junge Israelis erwerben diese im Militärdienst, machen sich danach selbstständig und bringen dann schon als junge Gründer Kenntnisse und Fähigkeiten mit, die global ganz weit vorn liegen.“

Zum Beispiel Anagog, das Start-Up, bei dem die 25 Manager auf ihrer Infotour am Vormittag zu Gast sind. 2010 gegründet, hilft die cloud-basierte Software Entwicklern aus dem Mobility-Sektor, das Nutzerverhalten mit Hilfe verschiedener Sensoren direkt im User-Smartphone zu analysieren mit KI-Hilfe künftige Bewegungsszenarien vorherzusagen. „Wir bei Anagog verstehen, wie sich Nutzer in bestimmten Umfeldern verhalten“, sagt Udi Jacobi, Leiter Sales & Marketing. So machen wir kontextbezogene Services möglich, die das Nutzer-Erlebnis deutlich verbessern – etwa wenn es darum geht, Kunden aufgrund ihres Fahrprofils Mobility as a Service maßgeschneidert anzubieten.“ Ein weiterer Vorteil: der hohe Datenschutz. Da kein Datentransfer zu einem Backend-Server erforderlich ist, behalten Nutzer die volle Kontrolle.

Smarte Lösungen gesucht – Vox (li.) und Sagi im Gespräch mit Anagog-Marketing-Chef Udi Jacobi

Israels Gründerszene ist so vielfältig wie die Konzepte attraktiv. Mehr als 6.000 Startups gibt es in Israel, bei rund 8,5 Millionen Einwohnern ergibt dies die höchste Pro-Kopf-Dichte der Welt – Deutschland kommt etwa auf die Hälfte. Da gibt es App-Hersteller wie Nexar, die Gefahrenerkennungen für Fahrzeuge durch Real-Time-Video ermöglichen. „Mobility as a Service”-Frontrunner wie Via ihren Carpool-Angeboten für private Autohalter. Oder Spezialisten für Fahrassistenzsysteme wie Mobileye, das 2017 für sagenhafte 15,3 Milliarden US-Dollar von Intel übernommen wurde.

Offene Diskussions- und Fehlerkultur

Dass der Volkswagen Konzern nun den Konnect Campus in Tel Aviv betreibt, hat auch mit den unterschiedlichen Kulturen zwischen Israel und Deutschland, Weltkonzern und Start-Up-Szene zu tun. „In langen Gesprächen konnten wir die Konzernführung überzeugen, dass wir Brückenbauer vor Ort brauchen, um erfolgreich mit hiesigen Start-Ups kooperieren zu können“, erläutert Stephanie Vox. In dem Fall: Brückenbauerinnen. „Hier in Israel sind die Menschen ungleich direkter, sicher chaotischer, aber auch zielstrebiger im Umgang“, sagt Hemdat Sagi. „Man sagt sich offen und unerschrocken seine Meinung.“ Hiesige Führungsfiguren mit Managern aus Wolfsburg oder Zuffenhausen, Ingolstadt oder Mladá Boleslav so zusammenzubringen, dass beide Seiten sich verstehen und befruchten, sei nicht immer einfach. „In der digitalen Ära müssen wir auch im Volkswagen Konzern uns mental weiterentwickeln. Agiler werden. Teamfähiger. Eine offene Diskussions- und Fehlerkultur entwickeln. Tel Aviv ist hierfür ein perfektes Versuchslabor“, betont Stephanie Vox. Erst kürzlich hat der Volkswagen Konzern angekündigt, gemeinsam mit Champion Motors und Mobileye  den ersten Ride Hailing Service mit selbstfahrenden Elektro-Autos in Israel anzubieten. 2019 soll das Pilotprojekt namens „New Mobility in Israel“ starten und 2022 seinen Regelbetrieb erreichen.

Teamplayer – Vox und Sagi beim Business Lunch am Rothschild Boulevard in Tel Aviv

Im Tandem wirken Vox und Sagi wie eine Traumbesetzung, um deutsche Konzern- und israelische Start-Up-Mentalität erfolgreich zusammenzuführen. Beide sind Teamplayer, beide sehen sich auch als kulturelle Grenzgängerinnen, beide schätzen das offene Wort. „Wir wollen den Marken konkret helfen, bessere Produkte zu kreieren“, sagt Stephanie Vox. „Wir haben klare Business KPIs. Zugleich tragen wir auch ein Stück dazu bei, den nötigen Kulturwandel unseres Unternehmens voranzutreiben. Auf dass Volkswagen auch in der E-Ära eine globale Führungsrolle spielen kann.“