1. DEUTSCH
  2. News
  3. Stories
  4. 2019
  5. 01
  6. Früher Verbrennerschmiede – heute Elektropionier

Wir setzen Cookies (eigene und von Drittanbietern) ein, um Ihnen die Nutzung unserer Webseiten zu erleichtern und Ihnen Werbemitteilungen im Einklang mit Ihren Browser-Einstellungen anzuzeigen. Mit der weiteren Nutzung unserer Webseiten sind Sie mit dem Einsatz der Cookies einverstanden. Weitere Informationen zu Cookies und Hinweise, wie Sie die Cookie-Einstellungen Ihres Browsers ändern können, entnehmen Sie bitte unserer Cookie-Richtlinie. Akzeptieren

Früher Verbrennerschmiede – heute Elektropionier

Früher Verbrennerschmiede – heute Elektropionier

Das Werk Salzgitter bereitet sich auf den Elektroantrieb vor. Während in einer der 86 Fertigungslinien unter anderen zentnerschwere 6-Zylinder-Motoren gebaut werden, produzieren Kollegen direkt daneben eine faustgroße Elektropumpe.

An dieser Ottomotoren-Linie wird die neueste Generation des sogenannten EA211 TSI evo gefertigt. Durch Innovationen wie das neuartige Miller Brennverfahren ist dieser 1,5 Liter TSI gleichsam sparsam und durchzugsstark

60 Millionen Motoren! Diese gigantische Zahl an Triebwerken haben die Mitarbeiter des Volkswagen Werk in Salzgitter seit 1970 produziert. Der Jubiläumsmotor – ein 1.5 TSI-Motor (EA 211EVO) – läuft Anfang Februar vom Band.

Neben dieser großen Zahl ist eine andere, etwas kleinere, von ebenso aktueller Bedeutung: 7.000. Denn derzeit produzieren die Mitarbeiter in Salzgitter täglich 7.000 Motoren verschiedenster Art: Diesel- und Ottomotoren, Drei-, Vier- und Sechs-Zylinder, für Bugatti sogar einen 16-Zylinder. Dazu kommen zahlreiche Motorkomponenten. Das alles geschieht auf 86 Fertigungslinien. So produktiv wie heute war man noch nie in Salzgitter – 50 Jahre nach Errichtung des Werks.

Nach dem Umbau dieser Dieselmotoren-Linie wird hier ab 2019 die neueste Motorengeneration des 2.0 TDI gefertigt

„Wir haben den Anspruch, die effizientesten Prozesse in der Produktion, Entwicklung und Organisation an den Start zu bringen. Wir gehen Themen direkt vor Ort an und beteiligen alle Mitarbeiter. Transparenz hilft den Kolleginnen und Kollegen zu sehen, wo wir stehen“, sagt der Leiter des Komponentenwerks Christian Bleiel.

Nach und nach steigerte jede einzelne der 86 Fertigungslinien ihre Stückzahlen weiter. Ein Ziel war es, von der Wochenendarbeit wegzukommen, indem unter der Woche mehr produziert wird. Das gelang. Hinzu kommt, dass man sich konsequent von unwirtschaftlichen Komponenten getrennt hat, etwa Marinemotoren.

Motoren für Golf und Tiguan, aber auch für Bugatti

Mit rund 6.500 Beschäftigten ist die Volkswagen Konzern Komponente einer der größten Arbeitgeber der Region Salzgitter. 400 Auszubildende kommen noch hinzu. Motoren und Komponenten aus Salzgitter werden in mehr als 60 Modellen des Volkswagen Konzerns verbaut. Natürlich im Golf und im Tiguan, aber ebenso im Crafter und T6 oder auch im Bugatti Chiron.  

Dreifache Transformation

Streng genommen bewältigt Salzgitter in diesen Jahren eine dreifache Transformation. Die erste war der Wandel von Diesel- zu mehr Ottomotoren. Wurden bis vor wenigen Jahren noch zu drei Viertel Dieselaggregate produziert und nur zu einem Viertel Benzinmotoren, so hat sich dieses Verhältnis jetzt umgekehrt. Die zweite ist die laufende Vorbereitung auf neue, noch effizientere und schadstoffärmere Verbrenner insgesamt – und weiter steigende Stückzahlen. Die dritte Transformation schließlich ist der Wandel zur E-Mobilität.

Der Umbau des Werks und die Transformation sind in vollem Gange. Aktuell treffen in den Produktionshallen mehrfach Welten aufeinander: Während hier in einer der 86 Fertigungslinien zentnerschwere 6-Zylinder-Motoren gebaut werden, fertigen Kollegen daneben eine faustgroße Elektropumpe. Gleich nebenan wiederum wird gerade eine Freifläche neu bestückt – für die künftige E-Mobilität. Hier werden in wenigen Wochen Stator und Rotor für den E-Motor in Serie produziert.  

Täglich 2.000 Herzstücke für den E-Motor

Einstieg in die E-Mobilität: 2019 startet die Serienfertigung von Stator und Rotor für den Modularen Elektrifizierungsbaukasten

Ziel ist es, künftig bis zu 2.000 Rotor- und Stator-Einheiten täglich für die ID.-Familie zu produzieren, dazu kommen elektrische Pumpen und elektrische Klimakompressoren. Parallel wird am Standort Salzgitter Know-how aufgebaut für den Fertigungsprozess der Batteriezelle. Zusätzlich nimmt im Werk Salzgitter noch im Jahr 2020 eine Pilotanlage zum Batterierecycling ihren Betrieb auf. Die Idee dahinter: Nach ihrer Nutzungsdauer werden Batteriezellen wieder recycelt, um die Umwelt zu schonen und hochwertige Rohstoffe (z.B. Kathoden, Kupfer, Stahl, Aluminium) zu sichern. „Mit all diesen Projekten haben wir nicht nur ein Stück Zukunft gesichert, sondern auch eine verlässliche Perspektive weit über das Jahr 2020 hinaus geschaffen … nicht nur für den Standort Salzgitter“, weiß Mark Möller, Leiter der Entwicklung und Leiter E-Mobilität.

Der Umbau und die Transformation in Salzgitter sind aber nur ein Teil einer kompletten unternehmerischen Neuausrichtung: Die Volkswagen Konzern Komponente ist seit dem 1. Januar 2019 eine eigenständige unternehmerische Einheit unter dem Dach der Volkswagen AG. In ihr sind 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 61 Werken an 47 Standorten weltweit zusammengefasst. „Durch eine zentrale Steuerung können wir Synergien heben, den Austausch und die Vernetzung zwischen den Standorten fördern, die Werke markenübergreifend bestmöglich auslasten und Investitionen optimieren“, begründet Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Konzern Komponente, die neue Struktur. Die Volkswagen Konzern Komponente wird in fünf neue Geschäftsfelder unterteilt: Motor und Gießerei, Getriebe und E-Antrieb, Fahrwerk, E-Mobilität, Sitze. Jedes Geschäftsfeld verantwortet den gesamten Prozess: von der Entwicklung über die Beschaffung bis zur Produktion. Schmall: „Durch diese Eigenständigkeit schöpft nicht nur die Komponente, sondern auch jedes Geschäftsfeld sein Potenzial voll aus und ist gleichzeitig über das Ergebnis voll messbar. Damit schaffen wir wettbewerbs- und zukunftsfähige Arbeitsplätze.“  

Werk Salzgitter beherrscht große Stückzahlen und hohe Komplexität

„Wir bewegen“, lautet der Claim von Volkswagen Salzgitter. Bei Fahrzeugen mit konventionellen Motoren liefern die Kollegen aus Niedersachsen sozusagen das Herz. Für die Transformation zur E-Mobilität werden viele Mitarbeiter in diesen Wochen umgeschult. Sie machen sich Schritt für Schritt mit ihren neuen Aufgaben vertraut.

Das Werk Salzgitter hat über Jahrzehnte bewiesen, dass es große Stückzahlen und hohe Komplexität beherrscht. Sein gesamtes Großserien-Know-how und die Innovationserfahrung fließen jetzt in die neue E-Technologie. Auch hier geht es wieder darum, diese Technologie kostengünstiger und damit marktfähig zu machen.

„Die Belegschaft zieht mit, auch weil sie weiß, dass so die Zukunft gesichert wird“, sagt Betriebsratschef Dirk Windmüller. Auf lange Sicht plant man mit 5.000 bis 6.000 Arbeitsplätzen am Standort, die unbedingt gehalten werden sollen. Dafür werden Serviceaufgaben wie Kleinreparaturen fremdvergeben, Altersteilzeit (Durchschnittsalter der Belegschaft derzeit 46 Jahre) forciert und die Leiharbeit zurückgefahren.

„Salzgitter zeigt, wie es geht“

„Die Kernbotschaft ist, dass wir es selbst können“, sagt Werkleiter Bleiel. „Salzgitter zeigt, wie es geht“, äußerte Konzernchef Herbert Diess bei einem Standortsymposium. Kein Zweifel: Salzgitter ist einer der Pioniere der Elektromobilität in Europa.