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Volkswagen do Brasil – das große Comeback

Mit Investitionen in Höhe von über zwei Milliarden Euro bis 2020 positioniert sich Volkswagen do Brasil als Marke neu und macht auf dem Weg zurück zur Marktführerschaft Marktanteile gut.

Was für eine Geschichte und was für ein Comeback: Volkswagens Markthistorie der letzten zehn Jahre auf dem brasilianischen Pkw-Markt ist fast so vielfältig wie die Landschaft rund um Brasiliens zweitgrößte Stadt Rio de Janeiro. Das Land, mit dem wir eher tropische Regenwälder und sonnenverwöhnte Strände verbinden, steckte Anfang 2013 in den eiskalten Klauen einer fünf Jahre andauernden Rezession. Volkswagen hatte gerade die Position als Marktführer verloren und bekam die Konsequenzen unmittelbar zu spüren, der Marktanteil schrumpfte um die Hälfte. Doch Volkswagen nutzte die Situation, um eine neue Strategie für seinen anderen Heimatmarkt zu entwickeln. 2017 wurde das erste Fahrzeug dieser neuen, 2,026 Milliarden Euro schweren Strategie vorgestellt, die 20 neue Modelle umfasst: der neue Polo (Novo Polo). Jetzt wird‘s ernst.

Volkswagens Verbindung zu Brasilien geht bis in die frühen 1950er Jahre zurück. 1956 wurde der Grundstein für die erste Volkswagen-Fabrik außerhalb Deutschlands gelegt. Ein Jahr später nahm das Volkswagen-Werk in São Bernardo do Campo bei São Paulo die Produktion des Kombi-Modells auf – 370 Fahrzeuge zu der Zeit mit einem Anteil von 50 Prozent lokaler Komponenten. Heute ist der Bulli heißbegehrt unter Oldtimer-Fans.

MARKTÜBERBLICK BRASILIEN

  • DIE BESONDERHEITEN

    Die Hälfte aller Verkäufe von Neuwagen in Süd- und Mittelamerika wird in Brasilien verzeichnet, dem einzigen Markt weltweit, auf dem Flex-Fuel, eine Mischung aus Benzin und aus Zuckerrohr gewonnenem Ethanol, die dominierende Treibstoffquelle ist und laut Anfavea-Daten in neun von zehn Fahrzeugen genutzt wird. Das portugiesischsprachige Land mit 200 Millionen Einwohnern gehört laut OICA-Daten zu den zehn größten Absatzmärkten für Pkw-Verkäufe weltweit – im vergangenen Jahr wurden hier über zwei Millionen Pkw neu zugelassen. Brasilien ist Teil der sogenannten BRIC-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien und China) „aufstrebender Märkte“, ein Begriff, der 2001 von Jim O'Neill, Chefökonom von Goldman Sachs, geprägt wurde, und zeigt erneut sein enormes Marktpotenzial: Nach einer fünf Jahre andauernden Rezession, in die auch die größten Sportveranstaltungen der Welt fielen, die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele zwei Jahre danach, befindet sich der Markt seit 2017 wieder auf Wachstumskurs.

  • WAS GIBT ES NEUES?

    Diesen Aufschwung, befeuert vom weltweiten Interessen an SUV/Crossovers, die im vergangenen Jahr mit jedem fünften verkauften Modell den höchsten Umsatzanteil in Brasilien ausmachten, nutzt Volkswagen jetzt in vollem Umfang mit der größten Produktoffensive der Unternehmensgeschichte aus. Bis 2020 werden mit Investitionen in Höhe von 2,026 Milliarden Euro 20 neue Modelle auf den brasilianischen Markt gebracht, darunter vier SUV/Crossovers. Neben dem in Mexiko gefertigten und vergangenes Jahr eingeführten Tiguan Allspace wird noch in diesem Jahr der in Brasilien produzierte und speziell auf diesen Markt angepasste kompakte T-Cross in die Produktpalette aufgenommen. Das erste Modell der neuen Strategie war der 2017 präsentierte neue Polo (Novo Polo), der wie die Mehrheit der europäischen Volkswagen-Modelle auf der modernen MQB-Technologie (Modularer Querbaukasten) basiert. Nur 60 Tage später folgte der Virtus, eine Kompakt-Limousine ebenfalls auf Grundlage des MQB-Systems. Das speziell für den brasilianischen Markt designte Modell schloss sein Debütjahr als das meistverkaufte Modell seiner Sparte ab, vergangenes Jahr war fast jedes zweite verkaufte Fahrzeug der Klasse Kompakt-Limousine ein Virtus.

  • WER HEBT SICH AB?

    Im vergangenen Jahr beanspruchte Volkswagen knapp 15 Prozent des brasilianischen Automobilmarkts für sich und legte im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwei Prozentpunkte zu. Die Marke Volkswagen machte nahezu alle Pkw-Verkäufe der Volkswagen Gruppe aus, gefolgt von Audi und Porsche. Die beiden in Brasilien hergestellten Audi-Modelle – A3 Limousine und Q3 SUV/Crossover – sorgten vergangenes Jahr für den Großteil des Audi-Umsatzes, und auch alle Volkswagen-Modelle mit Ausnahme des Passats werden in Lateinamerika gefertigt. Das am besten laufende Modell von Volkswagen war 2018 mit knapp 80.000 verkauften Fahrzeugen der Gol, der damit zu den vier meistverkauften Modellen gehörte. Volkswagen strebt ähnliche Erfolge wie mit dem 1980 auf den Markt gebrachten Gol an, der bis 2013 die Bestseller-Liste anführte – 27 Jahre in Folge.

  • WAS KOMMT ALS NÄCHSTES?

    Obwohl der Absatz von Elektroautos letztes Jahr in Brasilien weiterhin schwach blieb und diese Fahrzeuge weniger als 0,5 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten, könnten Lkw die treibende Elektrokraft in diesem Markt werden, der einen der weltweit höchsten Anteile erneuerbarer Energien aufweist. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur IEA werden fast 45 Prozent des Primärenergiebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt. Damit ist Brasiliens Energiesektor einer der kohlenstoffärmsten Sektoren der Welt. Vergangenes Jahr stellte der Volkswagen-Konzern, der in Brasilien Lkw unter der Marke Volkswagen vermarktet, seinen vollelektrischen E-Lkw vor. Das Modell befindet sich in der Testphase und geht nächstes Jahr in Brasilien in Produktion.

Das war lediglich der Anfang der besonderen Beziehung von Volkswagen zu dem Land, in dem nach Fußball die größte Leidenschaft dem Auto gehört. So wie jeder Brasilianer Fan einer Fußballmannschaft ist, ist er auch Fan eines Automodells. Brasilianische Besitzer des „Fusca“ (Käfer) gaben ihren Autos Kosenamen – und noch immer ist es eine liebenswerte Angewohnheit, mit seinem Auto wie mit einem engen Freund zu plaudern, egal, mit welchen Modell man unterwegs ist.

Seit diesen Anfangsjahren hat sich Brasilien zu einem der wichtigsten Märkte der Welt entwickelt. Laut Anfavea, dem brasilianischen Verband der Automobilindustrie, wurden in über sechs Jahrzehnten etwas mehr als 81 Millionen Fahrzeuge produziert – darunter 23 Millionen vom Volkswagen-Konzern, der vier Pkw-Werke im Land betreibt. Mit insgesamt 44 Millionen Fahrzeugen im ganzen Land umfasst Brasilien laut Anfavea die sechstgrößte Fahrzeugflotte der Welt (im Jahr 2000 waren es „nur“ 19,3 Millionen).

DER BRASILIANISCHE WEG: FLEX-FUEL-MOTOREN

Interieur des in Brasilien produzierten T-Cross, der noch dieses Jahr auf den Markt kommt, einer von fünf SUVs/Crossovers, die bis 2020 das Modellportfolio vervollständigen

Die meisten Brasilianer stehen täglich mehrere Stunden im Stau, vor allem zu den Stoßzeiten in den großen Städten. Seit den 90er Jahren gilt in São Paulo ein Rotations-Prinzip, bei dem zwanzig Prozent der Fahrzeuge an einem bestimmten Tag der Woche nicht fahren dürfen. Mit diesem System sollte auch die Luftverschmutzung verringert werden. Eine weitere Besonderheit: Über zwei Millionen der 2,5 Millionen im Jahr 2018 ausgelieferten Leichtfahrzeuge waren mit Flex-Fuel-Motoren ausgestattet, das sind knapp 90 Prozent der Gesamtauslieferungen. Das Kapitel der Flexible Fuel Vehicles begann in Brasilien nach der Ölkrise 1973, als die brasilianische Regierung die Nutzung der Mischung aus Ethanol und Benzin verbindlich vorschrieb. Durch die Verwendung von Ethanol, einem Nebenprodukt aus Zuckerrohrderivat, gelangen weniger schädliche Emissionen in die Atmosphäre, zudem ist es günstiger als Benzin und Diesel. Während Elektroautos laut Anfavea im vergangenen Jahr mit 0,2 Prozent der Neuzulassungen noch ein Nischendasein fristeten, ist Brasilien weltweit der größte Markt für Flex-Fuel-Modelle. Im Jahr 2018 feierte Volkswagen das 15-jährige Jubiläum dieser Technologie, die 2003 mit dem Gol Total Flex eingeführt wurde, dem ersten Modell, das mit Benzin, Ethanol oder beidem betrieben werden kann.

Nach der schweren Rezession zwischen 2013 und 2016 befand sich Brasilien 2018 noch immer in der Erholungsphase. Die anhaltende Belebung im vergangenen Jahr deutet jedoch darauf hin, dass sich der brasilianische Pkw-Markt stabilisiert. Die Anzahl der Pkw-Neuzulassungen stieg erstmals seit drei Jahren auf über zwei Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Im letzten Monat des Jahres erlebte Volkswagen einen Anstieg von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, verzeichnete im gesamten letzten Jahr ein mehr als doppelt so hohes Wachstum wie der Gesamtmarkt und machte so Marktanteile gut. Dennoch gibt es noch immer Luft nach oben auf dem Markt, denn das historische Hoch von 2012 lag zuletzt bei knapp drei Millionen Fahrzeugen. Zu der Zeit erreichten Volkswagens Neuwagenverkaufszahlen in Brasilien fast die Zahlen des deutschen Stammmarktes, was die Bedeutung des BRIC-Marktes (Brasilien, Russland, Indien, China) verdeutlicht. Um dies zu unterstreichen, lancierte Volkswagen do Brasil mit „New Volkswagen“ eine der größten kommerziellen Offensiven der Unternehmensgeschichte, bei der bis 2020 20 neue Fahrzeugmodelle auf den Markt gebracht werden sollen, darunter fünf SUVs.

SUVS/CROSSOVERS UNTERSTÜTZEN DEN AUFSCHWUNG

Vor Ort entworfene Modelle

Dieses Jahr prägten sowohl Modelle mit Fließheck als auch der wachsende SUV-Sektor mit entsprechenden Umsatzanteilen von 41 bzw. 20 Prozent (Renavam) den Markt. Volkswagen do Brasil ist auf dieses gesteigerte Interesse an SUVs bestens vorbereitet: Bis 2020 ist die Einführung vier weiterer SUV/Crossover-Modelle geplant, der neue Tiguan Allspace ist bereits erhältlich. Der an den lateinamerikanischen Markt angepasste und lokal produzierte, kompakte T-Cross Crossover kommt im April dieses Jahres auf den Markt. Mit der Einführung dieser Modelle sollte Volkswagen in der Lage sein, seinen ohnehin beeindruckenden Marktanteil von 15 Prozent auf dem viertgrößten Einzelmarkt der Welt auszubauen. Da die neue Modelloffensive bereits erste Früchte trug, konnte eine Umsatzsteigerung von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnet werden.

Neben dem Tiguan Allspace wurden bereits zwei weitere neue Modelle eingeführt, die auf der modernen MQB-Technologie (Modularer Querbaukasten) basieren: der Novo Polo (ein Fließheck) und der Virtus, eine kompakte Stufenhecklimousine. Der speziell für den südamerikanischen Markt entwickelte Virtus schloss sein Debütjahr als Top-Seller in seinem Segment ab, laut Renavam war fast jedes zweite verkaufte Fahrzeug der Klasse Kompakt-Limousine im vergangenen Jahr ein Virtus. Volkswagen möchte an die Konzernerfolge anknüpfen, die mit dem 1980 eingeführten Gol-Modell erreicht wurden: Bis 2013 führte der Gol 27 Jahre in Folge die Liste der meistverkauften Fahrzeuge an.

Ein Grund für diesen Erfolg ist der große Stellenwert, den Lokalisierung und die Wünsche der regionalen Kunden einnehmen. So wurde der vordere Teil des Novo Polo beispielsweise exklusiv von Volkswagen do Brasil für Südamerika gestaltet. Die Regionalisierung geht sogar so weit ins Detail, dass die Getränkehalter an brasilianische Flaschen angepasst sind.

EINE NEUE TECHNOLOGIEERFAHRUNG

Der Virtus ist ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Er ist das zweites Produkt der neuen Volkswagen-Strategie und das erste Fahrzeug in Lateinamerika, das mit künstlicher Intelligenz (KI) versehen ist. Dank dieser Komponente können Fahrer mit dem Auto sprechen und beispielsweise Informationen aus dem Benutzerhandbuch abrufen. Zudem gibt es ein Active Info Display, digitale Instrumente und ein 8-Zoll-Infotainmentsystem. Das Modell bietet definitiv eine neue Technologieerfahrung hinter dem Steuer eines brasilianischen Autos.

Im April letzten Jahres kündigte Pablo Di Si, der argentinische CEO von VW Südamerika und Brasilien, Investitionen in Höhe von 500 Mio. € an, um den neuen T-Cross im Werk São José dos Pinhais mit einem „Industriekonzept 4.0“ herzustellen. Das 1999 für die Golf- und Audi-A3-Produktion eröffnete Werk ist mit mehr als 2,6 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen das Flaggschiff von Volkswagen do Brasil. Viele Fertigungsprozesse sind digitalisiert und umfassen während der Planungsphase für neue Modelle virtuelle Simulationen. Volkswagen begeistert seine treuen brasilianischen Anhänger und gewinnt dank moderner Hightech-Fahrzeuge mit eigenem Charakter immer neue Fans.