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Feilen, raspeln, bohren: Volkswagen hilft Geflüchteten

Feilen, raspeln, bohren: Volkswagen hilft Geflüchteten

Seit 2015 engagiert sich der Volkswagen Konzern vielfältig für Geflüchtete. Beispiel Kassel und Wolfsburg: Hier bereiten sich Teilnehmer im Rahmen einer Einstiegsqualifizierung auf eine Ausbildung vor.

Gesellschaftliche Verantwortung ist Kern der Unternehmenskultur des Volkswagen Konzerns. Insbesondere seit der großen Flüchtlingswelle 2015 hat sich die Volkswagen AG zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Integration und Nothilfe von Geflüchteten zu leisten. Eine kleine, beim Konzernvorstand angesiedelte Einheit initiiert und koordiniert gemeinsam mit einem konzernweiten Netzwerk aus CSR- und Bildungsexperten markenübergreifend Flüchtlingshilfe-Programme und Kooperationsprojekte mit anderen Unternehmen, Hilfsorganisationen und Verbänden. Die drei Schwerpunkte des Volkswagen Engagements sind Begegnung, Bildung und Integration. Dazu gehören u.a. Begegnungsangebote, Sprachkurse, Praktikumsplätze sowie Berufseinstiege durch Einstiegsqualifizierungen und die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen.

So hilft Volkswagen Geflüchteten

Beispiel Marke Volkswagen: Geflüchtete haben an den Standorten Wolfsburg und Kassel die Möglichkeit, eine Einstiegsqualifizierung (EQ) zu absolvieren. Sie gibt jungen Menschen die Möglichkeit, durch ein Praktikum in einem Ausbildungsbetrieb den Ausbildungsberuf zu erproben und sich dabei zu bewähren. Neben dem Besuch des potentiellen Ausbildungsbetriebes findet eine durchgehende sozialpädagogische Betreuung durch den RVA statt. Im Anschluss kann ein Ausbildungsvertrag erfolgen. Geflüchtete, die sich für eine sogenannte EQ+-Maßnahme bewerben, nehmen vor und während der Einstiegsqualifizierung außerdem an einem Sprachtraining teil.  

Einstiegsqualifizierung in Wolfsburg

In Wolfsburg wird die Einstiegsqualifizierung in Kooperation von Volkswagen, der Agentur für Arbeit, des Jobcenters gemeinsam mit der zuständigen Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, der Handwerkskammer, Regionalverbund für Ausbildung e.V. sowie mit regionalen Unternehmen umgesetzt. Zu Beginn der Qualifizierung absolvieren die Geflüchteten zunächst einen zweimonatigen Intensivsprachkurs. Dabei holen sie die durch Krieg und Flucht entstandenen Bildungslücken auf und lernen die ungeschriebenen Regeln der Arbeitswelt kennen. Anschließend erhalten die Teilnehmer eine achtwöchige, theoretische und praktische Berufsvorbereitung im Volkswagen Werk, bevor sie ein sechsmonatiges Praktikum in einem regionalen Partnerbetrieb durchlaufen. Ziel des Projektes ist eine anschließende Ausbildung beim Praktikumsbetrieb.

Moussa Koutaye (ganz links) mit anderen EQ-Teilnehmern und Werksmitarbeitern in Wolfsburg

Das Ziel der zweimonatigen theoretischen und praktischen Berufsvorbereitung im Volkswagen Werk in Wolfsburg: das Erlernen erster Grundlagen u.a. in Metallverarbeitung, Elektrik und kaufmännische Grundlagen aber auch Lernstrategien und Grundlagen der Arbeitssicherheit. Nebenbei erhalten die Teilnehmer der Einstiegsqualifizierung einen Überblick, welche Möglichkeiten und Perspektiven im Beruf auf die Geflüchteten warten. Ob bei den Werkzeugmechanikern, KFZ-Mechatronikern, Verfahrensmechanikern oder in den Bereichen Elektronik- und Automatisierungstechnik – die Teilnehmer können am Standort unter Anleitung selbst feilen, raspeln, bohren und im besten Fall auch Dinge selbst erbauen. Aber auch allgemeintheoretische Grundlagen der einzelnen Berufe werden in den Tagen, in denen die Auszubildenden neben der Berufsschule im Werk sind, vermittelt. Was muss beispielsweise ein KFZ-Mechatroniker für sein Berufsfeld mitbringen? Was muss er beim Fahrzeug beachten? Wie funktioniert eine Lichtmaschine? Und wie gelingt eigentlich der Reifenwechsel?

„Mich hat es schon immer interessiert, etwas zusammenzubauen und zu entwerfen“

Moussa Kouyate
Moussa Koutaye beim Installieren eines Schalters

Diesen Weg möchte Moussa Kouyate gehen. Er kommt aus Guinea in Westafrika, wohnt ganz alleine ohne Familie in Deutschland und hat sich nach der 10. Klasse über den RVA beim EQ-Programm beworben. Sein Traum: KFZ-Mechatroniker zu werden. „Mich hat es schon immer interessiert, etwas zusammenzubauen und zu entwerfen“, sagt er. Seit Oktober 2018 ist er Teilnehmer der Einstiegsqualifizierung. Demnächst wird er ein Praktikum beim örtlichen Wolfsburger Autohaus Hotz und Heitmann beginnen. Später soll Kouyate dort auch seine Ausbildung absolvieren. Erfolgreiche Integration heißt bei der Marke Volkswagen aber auch die Einbindung der Geflüchteten in andere gesellschaftliche Aktivitäten. So tut das Unternehmen mit Führungen der Auszubildenden durch die Autostadt und gemeinschaftlichen Kochabenden mit anderen Mitarbeitern und Auszubildenden viel dafür, den Geflüchteten sowohl das Unternehmen näherzubringen, als auch verschiedene Kulturen im Werk zusammenzubringen.  

Einstiegsqualifizierung in Kassel

Ibrahim Muhamad Scheikh (sitzend auf dem Gabelstapler) mit anderen EQ-Teilnehmern in Kassel

Auch am Standort Kassel-Baunatal bietet der Volkswagen Konzern eine Einstiegsqualifizierung an. Wie in Wolfsburg entstand das Einstiegsqualifizierungs-Programm in Kassel aus der Kooperation mit der Agentur für Arbeit und verschiedenen Jobcentern der Region. Volkswagen arbeitet an diesem Standort mit dem Bildungswerk der Nordhessischen Wirtschaft zusammen. Dieses organisiert unter dem Motto „Wirtschaft integriert“ den Deutschunterricht für die Geflüchteten am Standort Kassel. Betrieblich eingesetzt werden die Geflüchteten hier ausschließlich im Bereich After Sales/ Vertrieb Originalteile. Von hier aus wird weltweit die Versorgung mit Ersatzteilen des Volkswagen Konzerns organisiert und verantwortet. Der Bereich Volkswagen After Sales Kassel setzt bei der Qualifizierung Geflüchteter auf sogenannte Ausbildungsbeauftragte, die Geflüchteten über die gesamte Dauer des EQ-Programms beim Lernen in den Lagerlogistikbereichen unterstützen und begleiten. Das Besondere daran: Die Geflüchteten werden im EQ-Praktikum auch mit nicht geflüchteten Menschen in der Berufsvorbereitungsmaßnahme zusammengebracht. Die Idee dahinter: gemeinsam und voneinander lernen. Das funktioniert. Die in Deutschland noch neuen Teilnehmer finden hier Anschluss und Rat bei Mitschülern. Mittlerweile haben Geflüchtete in vielerlei Hinsicht ebenfalls Vorbildcharakter für andere Teilnehmer und geben somit ihrerseits EQ Teilnehmern ohne Migrationshintergrund Orientierung.

„Das Lernen der deutschen Sprache hat mir bei der Einstiegsqualifizierung am meisten Spaß gemacht“

Ibrahim Muhamad Scheikh

Ibrahim Muhamad Scheikh ist so ein Fall. In seiner Heimat Syrien hat er bereits ein Studium der Elektrotechnik angefangen, musste aber wegen dem Krieg 2016 ohne Abschluss nach Deutschland fliehen. Für das Kasseler EQ-Programm im Bereich Lagerlogistik bewarb er sich, weil er nicht nur mehr über Volkswagen wissen wollte, sondern auch mehr über Logistik erfahren. „Das Lernen der deutschen Sprache hat mir bei der Einstiegsqualifizierung am meisten Spaß gemacht. Aber auch sonst wollte ich mich immer weiterentwickeln. Vielleicht kann ich in Zukunft mein Wissen aus meinem früheren Studium mit den Kenntnissen aus der heutigen Ausbildung kombinieren.“

Und noch eine weitere Besonderheit bringt Kassel mit: Während in Wolfsburg die EQ-Teilnehmer bei regionalen Betrieben das Praktikum sowie die spätere Ausbildung absolvieren, findet im Werk Kassel nicht nur das Praktikum direkt bei Volkswagen statt, sondern für zahlreiche Geflüchtete dann auch direkt im Anschluss die angestrebte Berufsausbildung.