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„Es braucht internationalen Austausch und Solidarität”

Der Volkswagen Konzern setzt sich für ein starkes Europa ein und unterstützt dafür auch die Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus. Ein Gespräch mit dem Initiator Dr. Jürgen Micksch.

Dr. Jürgen Micksch begrüßt das Engagement von Unternehmen wie dem Volkswagen Konzern beim Kampf gegen Rassismus

Ein Zeichen setzen gegen Hass und Diskriminierung. Seit 2017 unterstützt der Volkswagen Konzern als Unternehmenspartner die „Internationalen Wochen gegen Rassismus” und wirbt für Vielfalt in der Gesellschaft. 1995 als Aktionswochen der Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus anlässlich des Internationalen Tags gegen Rassismus am 21. März ins Leben gerufen, stand in diesem Jahr die anstehende Europawahl im Fokus. Das Motto: „Europa wählt Menschenwürde”. Mit knapp 490.000 Mitarbeitern in ganz Europa möchte auch der Volkswagen Konzern seine Beschäftigten zur Wahl ermutigen und sich für ein vereintes, starkes Europa der Vielfalt einsetzen. Ein Gespräch mit Dr. Jürgen Micksch, geschäftsführender Vorstand der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus.  

  • Internationaler Tag gegen Rassismus

    Der Internationale Tag gegen Rassismus ist ein Gedenktag zur Erinnerung an das Massaker von Sharpeville in Südafrika im Jahr 1960. An dem Tag demonstrierten rund 20.000 Menschen friedlich gegen die diskriminierenden Passgesetze des damaligen Apartheid-Regimes. Die Polizei erschoss bei den Protesten 69 Demonstrierende, mindestens 180 Personen wurden verletzt. Das Massaker von Sharpeville ging in die Geschichte ein, sechs Jahre später wurde von der Generalversammlung der Vereinten Nationen der Gedenktag beschlossen.  

  • Internationale Woche gegen Rassismus

    Seit 1995 hat der von Dr. Jürgen Micksch gegründete Interkulturelle Rat die Initiativen und Aktivitäten rund um den 21. März in Deutschland koordiniert. Im Jahr 2008 wurde der Aktionszeitraum auf zwei Wochen ausgeweitet. Seit Januar 2016 koordiniert die aus dem Interkulturellen Rat hervorgegangene Stiftung ebenfalls unter der Federführung von Dr. Jürgen Micksch die Internationalen Wochen gegen Rassismus.  

  • Aufruf zu den Europawahlen 2019

    Vom 23. bis 26. Mai finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Sie werden richtungsweisend für die Zukunft Europas sein – für die Heimat des Volkswagen Konzerns: Drei Viertel der weltweiten Belegschaft arbeiten auf dem europäischen Kontinent. Rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen in Europa, mit zwölf Marken aus sieben europäischen Ländern.  

Interview mit Dr. Jürgen Micksch

Dr. Jürgen Micksch ist evangelischer Theologe, Soziologe und Initiator verschiedener sozialer und interreligiöser Einrichtungen. Er ist Gründer der Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“, der ersten Obdachlosenzeitung Deutschlands „BISS“ und von Einrichtungen wie dem Interkulturellen Rat, dem Abrahamischen Forum und dem Deutschen Islamforum. Seit 2014 ist er geschäftsführender Vorstand der „Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus“.

Herr Dr. Micksch, Sie kämpfen praktisch ihr Leben lang gegen Rassismus. Was treibt Sie an?

Dr. Jürgen Micksch: Als Flüchtlingskind und mit der Kriegserfahrung im Hinterkopf ist eines meiner zentralen Lebensthemen immer das Eintreten für den Frieden in der Gesellschaft gewesen. Ob ich die Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl” gegründet, mit „BISS” die erste Obdachlosenzeitung Deutschlands aus der Taufe gehoben oder vor 24 Jahren die ersten Veranstaltungen zum Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März organisiert habe – ich stieß immer erst einmal auf Ablehnung. Warum? Weil man in Deutschland viele Jahre nicht wahrhaben wollte, dass es Rassismus gibt. Dagegen musste ich aus meiner tiefen Überzeugung heraus etwas tun.

Die Stiftung, für die Sie als geschäftsführender Vorstand tätig sind, organisiert seit Januar 2016 die Internationalen Wochen gegen Rassismus. Dieses Jahr standen sie unter dem Motto „Europa wählt Menschenwürde“. Warum haben Sie dieses Thema gewählt?

Im Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Wir sollten also jeden Menschen anerkennen, respektieren und ernst nehmen. Das tun leider nicht alle Menschen. Sie können es aber lernen. Insbesondere in unserer heutigen Zeit, in der populistische Äußerungen wieder salonfähig werden und nationalistische Tendenzen erstarken, sollten wir uns in Europa mit entschiedener Geschlossenheit für Menschenrechte und Demokratie einsetzen und uns so gegen rassistische Angriffe wehren.

Es fanden in diesem Jahr über 1.850 Veranstaltungen im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus statt. Sind Begegnung und Kommunikation der Schlüssel im Kampf gegen Rassismus?

Ja, für mich laufen diese Veranstaltungen unter dem Motto „Wandel durch Kontakte“. Wir können durch Begegnungen zu Veränderungen im Denken beitragen. Durch die Kontakte mit Betroffenen, mit Migranten und mit von Diskriminierung betroffenen Menschen finden Lernprozesse statt, die zum Abbau von Rassismus auf beiden Seiten beitragen. Sowohl zwischen Kulturen als auch zwischen Religionen und Menschen an sich.

Die Veranstaltungen der Internationalen Wochen gegen Rassismus stehen für Dr. Jürgen Micksch unter dem Motto „Wandel durch Kontakte”

Der Volkswagen Konzern ist Unterstützer Ihrer Stiftung. Was bedeutet Ihnen diese Partnerschaft?

Volkswagen ist ein herausragender Partner für uns, der uns mit großem Engagement unterstützt. Nicht nur finanziell, sondern auch durch viele gemeinsame Aktionen. Was schön ist, weil ich mich mit Volkswagen schon seit der Kindheit verbunden fühle. Unser erstes Auto war ein Volkswagen Käfer, mit dem auch ich selbst lange gefahren bin und der nie kaputtgegangen ist. Und mein Zweitstudium wurde von der VolkswagenStiftung finanziert, die natürlich unabhängig ist.

Welche Aktionen meinen Sie?

Solche Aktionen, wie Volkswagen sie mit der „Ich bin gegen Rassismus“-Kampagne gezeigt hat. Da wurde mit Bildern und Persönlichkeiten gezielt Aufmerksamkeit erzeugt und dem Rassismus eindeutig die Rote Karte gezeigt. Solche Aktionen braucht es noch mehr in Deutschland und insbesondere in unseren international tätigen Unternehmen.

Was für Aktionen braucht es, um Europa zu stärken?

Es braucht vor allem internationalen Austausch und Solidarität. Mit „Schulter an Schulter“ haben wir in Deutschland ein wichtiges Projekt gestartet, das Solidarisierungsprozesse in der Gesellschaft stärken soll. Konkret heißt das: Wenn, egal wo in Deutschland Flüchtlinge, Muslime, Juden, Roma oder andere Gruppen angegriffen werden, dann versuchen wir die Menschen zu ermutigen, vor Ort Gruppen zu bilden, die den Opfern beistehen. Meiner Meinung nach beschäftigen wir uns in den Medien viel zu sehr mit den Tätern. Doch es sind die Opfer, die einen Angriff erfahren und mit den psychologischen Folgeerscheinungen leben müssen. Viele sind häufig isoliert und haben den Eindruck, dass sie in der Gesellschaft gar nicht mehr wahrgenommen und ernstgenommen werden. Dagegen wollen wir etwas tun. Denn wir haben alle eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

Es braucht nach Dr. Jürgen Micksch vor allem internationalen Austausch und Solidarität, um Europa zu stärken

Vom 23. bis 26. Mai 2019 stehen die Europawahlen an. Wo sehen Sie Europa und die Europäische Union in der Zukunft?

Europa ist ein ganz großartiges Friedensprojekt und wir können dankbar sein, dass wir diese Europäische Union haben. Auf der anderen Seite gibt es in Europa viele Fehlentwicklungen. Damit meine ich die schwierigen administrativen Prozesse, die Probleme mit der Korruptionsbekämpfung und die soziale Ungleichheit. Das sind alles Kräfte, warum Rassismus sich derzeit in Europa und auf der ganzen Welt ausbreitet. Aber die es auch vielen kleineren Gruppierungen in Europa schwer machen, überhaupt europäisch zu arbeiten und zu denken. Es sind deshalb immense Aufgaben, die vor uns liegen. Aber ohne Europa würde die ganze soziale, ökonomische, kulturelle Situation sich deutlich verschlechtern.

Was schlagen Sie vor?

Europa muss mit der Bevölkerung stärker in Kontakt treten, vor allem die Politik. Hier müssen wir Strukturen schaffen, ebenso Institutionen. Wie vorhin schon erwähnt, es geht um Begegnung. Schön, dass uns dabei in unserer Stiftung Unternehmen wie Volkswagen schon so tatkräftig unterstützen. Ich wünsche mir aber noch mehr Engagement auch von anderer Seite.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Ein schönes Beispiel sind unsere Projekte gegen antimuslimischen Rassismus. Unser Ziel war es, dass Muslime zu ihrem Umfeld eine stärkere Bindung aufbauen. Wir haben deshalb angeregt, dass sie zu den Freitagsgebeten die Nachbarschaft und Bürgermeister einladen. Dieses Jahr beispielsweise: Da sind elf jüdische Persönlichkeiten zu den Freitagsgebeten gekommen. Vor Kurzem habe ich in Augsburg als evangelischer Theologe in einer Synagoge gesprochen. Und zuletzt haben wir einen Kirchengottesdienst organisiert, bei dem der Kirchenpräsident von Hessen/Nassau auf den Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen und den Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland getroffen ist. Bei diesem Gottesdienst haben Vertreter von drei Religionen gesprochen. Solch ein Modell versuche ich zu entfalten. Ein Modell, das vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

  • „ICH BIN GEGEN RASSISMUS“-KAMPAGNE

    Mit der Kampagne „Ich bin gegen Rassismus“ setzte der Volkswagen Konzern im Jahr 2017 ein deutliches Zeichen gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Mitarbeiter waren aufgerufen, ein Foto von sich mit dem Statement „Ich bin gegen Rassismus – I am against Racism“ einzusenden. Hunderte Mitarbeiter aus 34 Standorten weltweit — von Argentinien bis Taiwan, von Norwegen bis Südafrika und von Mexiko bis Polen — haben sich beteiligt und ihre Fotos eingesandt. Marken und Standorte haben darüber hinaus zusätzliche, eigene Aktionstage gegen Rassismus ins Leben gerufen.