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„Wir müssen Software-Standards selbst bestimmen“

Marken-Vorstand Christian Senger erklärt die neue Volkswagen Software-Einheit

Der Volkswagen Konzern steigert die Leistungsfähigkeit bei der Digitalisierung seiner Fahrzeuge: Der Eigenanteil an der Software-Entwicklung im Auto soll bis 2025 auf mindestens 60 Prozent steigen. Die neue „Car.Software“-Einheit wird wesentliche Teile der Software-Entwicklung für Fahrzeuge und die Cloud-Plattform in allen Marken und Regionen verantworten. Christian Senger, Markenvorstand von Volkswagen und verantwortlich für Digital Car & Services, erklärt die neue Software-Strategie.

Herr Senger, Sie sind Vorstand in einem Ressort, das es vorher bei Volkswagen noch nicht gab: Digital Car & Services. Was war Ihre erste Amtshandlung?

Mir ist es sehr wichtig, allen erst einmal zu sagen, was wir wollen und wie wir das tun. Volkswagen entwickelt, produziert und verkauft auf der ganzen Welt hervorragende Autos. Beim Thema Software aber gehören wir noch nicht zu den Großen. Natürlich gibt es da viele Fragen: Wohin wollen wir bei dem Thema? Wie kann das klappen? Und manchmal auch: Schaffen wir das? Ich bin überzeugt: Ja! Ich will zusammen mit meinem Team beweisen, dass Volkswagen auch auf diesem Gebiet Spitzenleistung bringt.

Warum bewegt das Thema Digitalisierung ein Automobilunternehmen so sehr?

Ein Volkswagen wird Teil der digitalen Lebenswelt unserer Kunden: voll vernetzt und immer online. Das erwarten unsere Kunden von uns, wir sehen uns klar in der Pflicht. Mit Retro-Charme überzeugen wir keine Kunden. Unsere Software im Fahrzeug muss leistungsfähig, stabil, sicher und in schnellen Takten über eine Cloud-Anbindung aktualisierbar sein.

Software gilt ja bereits heute als großer Komplexitätstreiber. Wann stößt Volkswagen hier an seine Grenzen?

Die Vernetzung von Elektrik und Elektronik ist äußerst aufwendig. Und der Aufwand steigt weiter, denn auch die Anforderungen an die digitale Leistungsfähigkeit unserer Autos nehmen zu. Wir müssen deshalb die Komplexität besser managen und effizienter werden. Ebenso gehört dazu, künftig deutlich mehr Software selbst zu entwickeln und damit den Aufwand zu reduzieren.

Christian Senger skizziert im Gespräch die Software-Strategie des Konzerns

Das klingt wie ein Widerspruch – Sie wollen mehr Software selbst entwickeln, aber den Aufwand reduzieren …

Das ist kein Widerspruch. Es ist die Lösung. Die Hauptlast haben wir heute mit der Vernetzung von Hardware und Software im Auto. Nur ein Beispiel: Aktuell müssen in Fahrzeugen der Marke Volkswagen bis zu 70 Steuergeräte vernetzt werden, die mit Software von 200 verschiedenen Zulieferern laufen. Wir verwenden einen großen Teil unserer Kraft auf die technische Integration und arbeiten sehr viel auf Basis der Entwicklungen Dritter. Das ist kein gutes Modell für die Zukunft. Wir müssen diejenigen sein, die die Software entwickeln, die die Standards bestimmen und sie für alle Marken und Zulieferer verfügbar machen.

Wie hoch ist der Anteil von selbst entwickelter Software heute?

Wir liegen heute bei einem Anteil von weniger als zehn Prozent. Das ist deutlich zu wenig. Im Volkswagen Konzern wollen wir bis 2025 einen Eigenanteil an der Software-Entwicklung von mehr als 60 Prozent erreichen.

„Wir müssen aktuell in Fahrzeugen der Marke Volkswagen bis zu 70 Steuergeräte vernetzen“

Wie wollen Sie das erreichen?

Volkswagen hat bereits einen wichtigen Schritt gemacht. Wir haben im Unternehmen die Entwicklung von Hardware und Software organisatorisch getrennt, und das übrigens als erster Automobilhersteller. Das ist wichtig, weil Software viel schnelleren Entwicklungszyklen folgt. Den Weg gehen wir weiter. Wir wollen eine agile „Car.Software“-Einheit formen und dort bis 2025 mehr als 5.000 Experten und Top-Talente zusammenführen. Die Experten werden sich voll auf Fahrzeug-Digitalisierung und die Entwicklung fahrzeugnaher Dienste konzentrieren.

Was ist das Ziel dahinter?

Die Plattform-Expertise, die Volkswagen bei der Hardware besitzt, übertragen wir nun auf Software. Wir entwickeln eine Software-Plattform, die von allen Konzernmarken und in allen Regionen eingesetzt wird. Konkret geht es um ein einheitliches Fahrzeug-Betriebssystem und die dazugehörige Cloud-Plattform, die Volkswagen Automotive Cloud.

Wie gelingt der Aufbau dieser neuen Einheit?

Wir gehen Schritt für Schritt vor. Wir werden Experten aus Marken und Gesellschaften im Konzern einbringen, wollen uns aber deutlich stärker auf die Gewinnung von Top-Kräften aus der IT- und Tech-Branche konzentrieren. Auch strategische Beteiligungen und Zukäufe sind eine Option.

Was schreiben Sie denn als künftige Priorität für die Software-Entwicklung auf den Zettel?

Klare Antwort: die Absicherung der Anläufe, also der termingerechte Produktionsstart unserer Autos. Generell werden wir uns daran messen lassen müssen, immer zuverlässig zu liefern.

Die fünf Kernbereiche der neuen Software-Organisation

Werden die großen Marken im Volkswagen Konzern denn noch eigene Kompetenzen im Bereich Software behalten?

Ja. Das ist sinnvoll, denn Software und alle digitalen Funktionen, die für unsere Kunden erlebbar sind, werden in Zukunft noch stärker zur Markenpositionierung beitragen. Die Arbeitsteilung ist einfach: Wir werden in Konzernverantwortung die Software-Plattform mit Basisfunktionen für alle definieren und auf diese Weise ein virtuelles Regal befüllen, aus dem sich die Marken bedienen. Die Marken haben dann die Möglichkeit, bestimmte Basisumfänge zu individualisieren. Und ganz unberührt davon behalten die technischen Entwicklungsabteilungen der Marken ihre Verantwortung für die hardwarenahe Entwicklung.

„Es wird ein Prädikat sein, unsere Fahrzeuge mit dem Volkswagen Operating System zu fahren“, sagt Christian Senger

Was haben denn Volkswagen Kunden von dieser Neuorganisation der Software-Entwicklung bei Volkswagen?

Unsere Kunden profitieren davon erheblich. Sie erleben Autos von Volkswagen künftig noch dynamischer, aufregender und individueller. Der Schlüssel dafür ist die einheitliche Software-Plattform mit ihren Standards. Denn so können wir Software-Entwicklung neu denken, den Fokus verschieben auf die Kreation. Wir werden Fahrzeug-Updates, nützliche Services und neue spannende Features schnell und zuverlässig anbieten.

Herr Senger, zum Schluss noch eine Frage: Wie sieht Ihre Vision für die Software „Made by Volkswagen“ 2025 aus?

Viele Entwicklungen aus dem Volkswagen Konzern gelten heute als Gütesiegel für den technischen Fortschritt der Automobilindustrie. Ein Beispiel: Für viele Millionen Menschen steht das berühmte Label „Quattro“ von Audi für das Maß der Dinge in Sachen Allradantrieb. Genau dahin wollen wir. Wenn sich die Menschen in wenigen Jahren in einem Autohaus oder virtuellen Showroom unsere Autos anschauen, dann sollen sie unser Software-Logo am Fahrzeug sehen. Das wird ein Prädikat sein.

„Wir wollen die Softwareentwicklung in Zukunft genauso gut beherrschen wie die Entwicklung von Fahrzeugen." Christian Senger, Markenvorstand von Volkswagen und verantwortlich für Digital Car & Services, erklärt die neue Volkswagen Software-Einheit.

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Weitere Informationen finden Sie auf http://www.volkswagenag.com und auf Twitter: http://www.twitter.com/vwgroup_de

Hinweis nach Richtlinie 1999/94/EG in der jeweils gegenwärtig geltenden Fassung: Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem "Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch, die CO2-Emissionen und den Stromverbrauch neuer Personenkraftwagen" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH, Hellmuth-Hirth-Straße 1, D-73760 Ostfildern oder unter www.dat.de unentgeltlich erhältlich ist.

Volkswagen entwickelt mehr Software selbst